wir halten uns an dieser Stelle in der Regel mit allzu selbstbewussten Prognosen zurück. Diagnosen sind uns lieber. Wer glaubt, die Zukunft zu kennen, hat oft nicht einmal die Gegenwart richtig verstanden. Mit dem Kabinettsbeschluss der öffentlich-rechtlichen Verträge zum Kohle-Ausstieg ist allerdings eines deutlich wahrscheinlicher geworden: Dass die deutschen Braunkohlekraftwerke früher vom Netz gehen werden als vorgesehen. Denn die Entschädigungen sollen auch bei vorzeitigen Stilllegungen gezahlt werden, wie Nora Marie Zaremba berichtet.
Bleiben die Anlagen ähnlich unterausgelastet wie in der jüngsten Zeit, wird das zunehmend attraktiv bis zwingend für die Betreiber. So viel an Prognose sei erlaubt. Möglicherweise wird also die politische Option, nach 2030 dirigistisch ohne weitere Entschädigungszahlungen Kraftwerke vom Netz zu nehmen, keine praktische Rolle mehr spielen. Zumal dies bis zu acht Jahre vor dem Aus beschlossen werden müsste.