die EU-Kommission hat im Juli Zertifizierungsregeln für Carbon Farming veröffentlicht – doch über deren Qualität schwebt ein Fragezeichen. Während die Generaldirektion Klimapolitik von einem einheitlichen, transparenten System spricht, das Landwirten Zugang zu Klimaprämien verschafft, warnen Umweltorganisationen vor methodischen Schlupflöchern und Zertifizierer und Bauern vor unrealistischen Anforderungen.
Kernkritik der NGOs: die Flexibilität bei Berechnungsmethoden, schwache Stichprobenregeln, Ausnahmen und die fehlende Berücksichtigung indirekter Effekte wie Methanemissionen aus der Tierhaltung oder Landnutzungsänderungen. Sie könnten den Klimanutzen systematisch überbewerten.
Landwirte und die Zertifikatebranche sehen dagegen überzogene Hürden: Der Deutsche Bauernverband moniert hohe administrative Lasten, automatische Baseline-Abschläge und die Anrechnung von GAP-Mitteln, die Carbon Farming unwirtschaftlich machten. Zertifizierer wie Seqanta kritisieren, dass pauschale Unsicherheitsabzüge Anreize für präzise Messungen untergraben.
Bis Mitte September läuft die Veto-Frist für Rat und Parlament. Ein Einspruch scheint unwahrscheinlich – die Kommission kündigt ohnehin regelmäßige Nachbesserungen an. Umweltorganisationen könnten jedoch rechtliche Schritte prüfen, wie sie bereits bei den Zertifizierungsregeln für Bio-CCS und Biokohle eingereicht wurden. Der Spagat zwischen wissenschaftlicher Integrität und Praxistauglichkeit bleibt die zentrale Herausforderung, berichtet Theresa Crysmann.