Range Extender : Als Übergangslösung durchaus sinnvoll
Nicht nur in China werden Pkw mit Range Extender beliebter. Gerade bei Kleinwagen kann die Technologie sinnvoll sein: Kleinere Batterien senken die Kosten, das Gewicht und damit den Stromverbrauch. Range Extender helfen auch gegen die Reichweitenangst und können damit den Übergang zum reinen E-Auto erleichtern.
Lernen Sie den Tagesspiegel Background kennen
Sie lesen einen kostenfreien Artikel vom Tagesspiegel Background. Testen Sie jetzt unser werktägliches Entscheider-Briefing und erhalten Sie exklusive und aktuelle Hintergrundinformationen für 30 Tage kostenfrei.
Mit bestehendem Konto anmelden
Der Range Extender kommt in vielen Gesetzen oder Gesetzentwürfen zur Elektromobilität vor: als Möglichkeit, Verbrennungstechnik noch mittelfristig zu nutzen oder E-Autos zu ergänzen. Das Problem: In der Realität gibt es ihn kaum.
Beim Range Extender handelt es sich um einen kleinen (und zwar wirklich kleinen), mit fossilen Kraftstoffen betriebenen Motor. Der soll als eine Art Notrettung bei leerer Batterie ein E-Fahrzeug noch einige Kilometer weiter zu einer Ladestation oder einem Ziel befördern.
Es gab ihn tatsächlich einmal: Die erste Generation des BMW i3 hatte ihn bis 2018 als durchaus beliebtes Zubehörteil, ja, er wurde sogar mit einigem Aufwand von manchen Nutzenden danach noch nachgerüstet. Das Aggregat war in der Tat klein, ein Zweizylinder-Motor aus dem BMW-Roller C 600 Sport.
In China immer beliebter
Tests etwa des ADAC, auch über längere Zeiträume, bewiesen die hohe Zuverlässigkeit und den Nutzen des Konzepts. Umweltorganisationen wie etwa Greenpeace lehnen ihn jedoch ab, weil sie befürchten, dass hier durch die Hintertür nichts anderes als ein getarntes Hybridmodell auf den Markt kommt. Andere, etwa die Deutsche Umwelthilfe oder der BUND, sehen es etwas differenzierter.
Autohersteller hatten den Range Extender zwar auf der Agenda, etwa Mercedes-Benz, aber es kam bisher niemals zu einem Serienmodell. In China, wo es aufgrund der hohen Anzahl von Elektroautos durchaus einmal an Ferientagen Probleme an Ladestationen geben kann, erfreut sich der Range Extender zunehmender Beliebtheit. VWs neues Elektroauto ID.Era 9X, ein großes SUV, das man dort auf den Markt bringt, hat einen, und – so jedenfalls die Gerüchteküche – Mercedes soll dort bei einem SUV-Modell ebenfalls einen Einsatz vorsehen.
Aber ergibt der Range Extender überhaupt Sinn? Er ermöglicht zumindest kleinere Batterien mit geringerer Reichweite. Kleinere Batterien reichen ja auch im Regelfall mit Reichweiten von 300 km für den Alltagseinsatz eines Fahrzeugs völlig aus, wenn etwa eine Wallbox am Haus oder am Arbeitsplatz vorhanden ist.
Der kleine Zusatzmotor für den Notfall hat wichtige Vorteile: Er wird selten genutzt, denn er ist im Einsatz für den praktischen Gebrauch aufgrund der geringen Leistung eine Einschränkung, wirkt aber vor allen Dingen auf dem Gebiet der Psychologie: Der oder die Nutzende ist immer sicher, schnell anzukommen, wenn er oder sie plötzlich doch eine längere Fahrt vor sich hat.
Kleinere Batterien sparen Kosten, Gewicht und Strom
Und kleinere Batterien sind natürlich gerade bei Fahrzeugen der Kleinwagenklasse, wo die Preise der Batterien stark auf den Gesamtpreis durchschlagen, ein wichtiger Preisvorteil. Ja, es gibt sogar technische Vorteile: Das geringere Gewicht der Fahrzeuge (der Range Extender ist viel leichter als eine große Batterie) spart auch direkt Strom.
Allerdings scheinen die Einsätze in China für größere Fahrzeuge eher untaugliche Vorbilder zu sein: Ein Range Extender, wie schon im BMW i3, könnte vor allen Dingen kleine Fahrzeuge, die aus Kosten- und Platzgründen nur eine geringe Batteriekapazität aufweisen, attraktiver machen. Etwa dem neuen elektrischen Renault Twingo stünde er gut an, der mit 260 km Reichweite damit auch in Notfällen weiterfahren könnte, oder der neuen A-Klasse von Mercedes, die noch konzipiert wird.
Neben den psychologischen Vorteilen, die er hat, ermöglicht der Range Extender also preisgünstigere E-Autos und könnte damit den Umstieg vom Verbrenner für breite Bevölkerungsschichten wesentlich attraktiver machen. Auch die Angst vor einer nicht zugänglichen oder überfüllten Ladestation – das ist in Deutschland kein Problem, kann aber im europäischen Ausland noch passieren – wäre damit beseitigt.
Ein Range Extender müsste sich allerdings durch geringere Leistung und auch einen entsprechend kleinen Tank ganz wesentlich von Konzepten des Hybridautos absetzen. Wie wir mittlerweile wissen, werden Hybrid-Fahrzeuge oft weitgehend im Verbrennermodus (es soll immer noch Plug-in-Hybride mit unbenutztem Ladekabel geben) betrieben, da der fossile Motor in der Regel leistungsfähig ist und hier der Elektromotor mehr zur Zierde gerät, wenn er lediglich zu einer Verbrauchsminderung durch Batteriespeicherung beim Abbremsen dient, oder gar zur Leistungserhöhung, indem der Elektromotor beim Beschleunigen dem Verbrenner noch zugeschaltet wird.
Gut für Länder mit wenigen Ladestationen
Im Gegensatz zum Märchen von angeblich emissionsfreiem Treibstoff für Verbrennungsmotoren, das ebenfalls in Gesetzentwürfen auftaucht, hätte der Range Extender also durchaus eine Erwähnung verdient und wäre auch für Ökologen als Übergangslösung zu überlegen.
Nach 2035 ist er allerdings nur im Export in Länder mit noch geringer Ausstattung mit Ladestationen sinnvoll, da dann sogar hierzulande die Zahl der Tankstellen für fossile Treibstoffe abnehmen wird. Das Konzept ist also keine Revolution in der schlechten Klimabilanz des Verkehrs, die andere hoch dringende Maßnahmen (vom Tempolimit bis zu urbanen Mobilitätskonzepten) erübrigt, sondern eine durchaus überlegenswerte kleine, recht positive Ergänzung.
Im Verkehrssektor wird jeder Fortschritt gebraucht, auch wenn er nur vorübergehend ist. Der Range Extender könnte ein solcher sein, wenn er mit nüchternem Verstand konzipiert und bei den richtigen Modellen eingesetzt wird.
Lernen Sie den Tagesspiegel Background kennen
Sie lesen einen kostenfreien Artikel vom Tagesspiegel Background. Testen Sie jetzt unser werktägliches Entscheider-Briefing und erhalten Sie exklusive und aktuelle Hintergrundinformationen für 30 Tage kostenfrei.
Mit bestehendem Konto anmelden