KI-Kompetenzen : Lernen für das KI-Zeitalter – Ein Weckruf aus dem Bildungsmaschinenraum
Was die neue Bundesregierung aus Union und SPD in ihrem Koalitionsvertrag zur Bildung und Digitalisierung verspricht, klingt gut – doch wo bleibt der große Wurf? Eine echte Strategie für KI, Arbeit und Lernen fehlt, findet Sven Schütt, CEO der IU Internationalen Hochschule. Ohne radikale Ideen drohe Deutschland den Anschluss zu verlieren, warnt er im Standpunkt.
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Auf den ersten Blick liest sich der Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung wie das Drehbuch für eine bessere Zukunft: Das Startchancen-Programm will Bildung gerechter machen, der Digitalpakt 2.0 Schulen endlich ins Netz bringen. Man möchte Mint-Bildung und berufliche Bildung stärken, ausländische Qualifikationen schneller anerkennen und auch tatsächlich die Verwaltung digitalisieren. Ganz nebenbei soll Deutschland auch noch zum „Spitzenstandort für KI“ werden.
Was im Koalitionsvertrag fehlt (und wo die KI nur müde lächelt)
Das ist ja alles ganz nett. Aber der Abgrund zwischen den wohlklingenden Absichtserklärungen und der Realität der globalen Tech-Entwicklung ist tief. Was in dem Koalitionsvertrag fundamental fehlt, ist:
- Eine integrierte Vision: Bildung, KI und die Zukunft der Arbeit werden als getrennte Baustellen behandelt. Wo ist die übergreifende Strategie, die versteht, dass diese drei Themen untrennbar sind? KI verändert alles – wie wir lernen, was wir lernen müssen, wie und wo wir arbeiten. Das braucht einen Masterplan, keine Stückwerksammlung.
- Radikalität im Denken: Wir brauchen keine „Weiterentwicklung“ des Bestehenden, wir brauchen einen Neustart. Unser Bildungssystem ist im Kern immer noch preußisch-industriell geprägt. Es braucht eine Revolution hin zu personalisiertem, adaptivem, KI-gestütztem Lernen – von der Kita bis zur Rente. Der Vertrag bleibt hier viel zu zaghaft.
- Lifelong Learning als Betriebssystem: Die Halbwertszeit von Wissen schrumpft dramatisch, Berufe wandeln sich in rasender Geschwindigkeit. Darauf gibt der Vertrag keine adäquate Antwort. Weiterbildung wird als „Offensive“ verkauft, als etwas Zusätzliches. In der KI-Ökonomie ist lebenslanges, permanentes Lernen aber das Betriebssystem für jeden Einzelnen und die gesamte Wirtschaft. Es muss so selbstverständlich und zugänglich sein wie Strom aus der Steckdose.
- KI-Literacy für alle: Wo ist der Plan, jeden Bürger, jede Schülerin, jeden Arbeitnehmer fit für den Umgang mit KI zu machen? Es reicht nicht, ein paar Leuchtturmprojekte zu fördern. KI-Verständnis muss zur Grundkompetenz werden, wie Lesen und Schreiben. Sonst erzeugen wir eine neue digitale Spaltung – zwischen denen, die KI nutzen, und denen, die von ihr „genutzt“ werden.
- Mut zur Disruption (auch im eigenen Haus): Die digitale Transformation der Bildung und der Arbeitswelt erfordert auch, alte Zöpfe abzuschneiden – im Föderalismus, in der Bürokratie, in den Curricula. Der Vertrag deutet zwar Bürokratieabbau an, aber der nötige „Digitalisierungs-Turbo“ fehlt, gerade im Bildungsbereich.
Wie sich Lernen und Arbeiten wirklich verändern (Spoiler: Es wird wild!)
Fakt ist: KI ist kein Upgrade, sondern ein Systemwechsel. Vergessen wir die gemütlichen Vorstellungen von „Arbeit 4.0“. Schon sehr bald übernimmt KI in fast jedem Job, Routineaufgaben, liefert Analysen, macht Vorschläge. Starre Jobprofile lösen sich auf, digitale Tools ermöglichen noch stärkeres orts- und zeitunabhängiges Arbeiten. Kreativität, kritisches Denken, emotionale Intelligenz, komplexe Problemlösung – das, was (noch) nicht von KI übernommen werden kann, wird aufgewertet. Gefragt sind Menschen, die flexibel neue Skills erlernen und in wechselnden Projektteams arbeiten können.
Lernen ist keine Lebensphase: gelernt wird permanent, personalisiert, integriert in den Arbeitsalltag und immer dann, wenn eine neue Fähigkeit gebraucht wird. Standardisierte Lernpfade werden zur Ausnahme; KI-Tutoren passen Inhalte und Tempo an jeden Einzelnen an. Was zählt, sind nachweisbare Skills, nicht formale Zeugnisse. Micro-Credentials und Skill-Portfolio werden wichtiger als der Master-Titel. Effektiv mit KI-Tools zusammen zu arbeiten wird zur Schlüsselkompetenz. Und das alles geschieht nicht in ferner Zukunft, sondern eher morgen als übermorgen.
Deutschlands KI-Booster: So wird aus dem Vertrag ein echter Plan
Wenn Deutschland nicht zum Freilichtmuseum verkommen, sondern eine führende Bildungs- und KI-Nation werden will, hilft uns keine Koalitionslyrik. Ganz konkret brauchen wir jetzt:
- Eine echte Bildungs-Revolution: Notwendig ist ein radikaler Umbau der Curricula auf allen Ebenen mit Fokus auf Zukunftskompetenzen: KI-Literacy, Datenanalyse, kritisches Denken, Kreativität, Kollaboration. Weg mit veraltetem Ballast!
- Eine Nationale Lifelong Learning Plattform: Eine zentrale, KI-gestützte Plattform, die personalisierte Lernpfade für jeden Bürger anbietet – finanziert durch einen Mix aus Staat, Unternehmen und Individuen, radikal unbürokratisch.
- Einen KI-Transformations-Pakt mit der Wirtschaft: Massive Anreize (und ja, vielleicht auch Druck) für Unternehmen, nicht nur KI einzuführen, sondern gleichzeitig massiv in die Umschulung und Weiterbildung ihrer Mitarbeiter zu investieren.
- Eine Bildungs-Autobahn (statt nur „Digital-Feldweg“): Gemeint ist ein echter Highspeed-Internetzugang und modernste digitale Infrastruktur für alle Bildungseinrichtungen – nicht als Projekt, sondern als Standard. Der Digitalpakt 2.0 muss hier liefern, und zwar schnell und unbürokratisch.
- Eine Entfesselung von Daten für Bildung: Benötigt wird ein klarer Rechtsrahmen, der die Nutzung von (anonymisierten) Lerndaten zur Verbesserung von Bildungsangeboten ermöglicht – unter strengen Datenschutzauflagen, aber eben ermöglicht.
Aufwachen, Deutschland!
Die KI wartet nicht. Die globale Konkurrenz schläft nicht. Wir haben das Potenzial – die Ingenieurskunst, die Bildungstradition, die wirtschaftliche Kraft. Aber wir müssen jetzt den Turbo zünden. Wir brauchen Mut, Entschlossenheit und eine gehörige Portion digitale Angriffslust. Sonst wird aus der Vision der „Erneuerung“ nur der nächste Eintrag im Poesiealbum einer Nation, die den Anschluss verpasst hat.
P.S.: Dieser Text wurde mit Unterstützung einer KI geschrieben!
Sven Schütt ist CEO der IU Group und der Internationalen Hochschule.
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