Überarbeitung der AVMD-Richtlinie : Wie Auffindbarkeitsregeln die Medienvielfalt schwächen
In Brüssel wird über eine Medienregulierung auf Streaming-Plattformen wie Youtube diskutiert. Durch diese würde in den Algorithmus der Nutzer:innen eingegriffen werden und bestimmte Medienangebote hervorgehoben. Medienunternehmen und kleinere Creator könnten so benachteiligt werden. Auch die Vielfalt des Medienökosystems steht damit auf der Kippe.
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Die Creator-Branche in Deutschland ist eine globale Erfolgsgeschichte, die auf einer einfachen Idee basiert: Auf Youtube entscheiden die Zuschauenden, was sie sich ansehen möchten. Alle Inhalte, vom etablierten Medienunternehmen bis hin zum einzelnen Creator, haben die gleiche faire Chance. In den letzten Monaten wurde jedoch immer häufiger gefordert, dieses Modell zu ändern. Im Mittelpunkt der Diskussion steht eine offiziell verordnete „Hervorhebung“ und Priorisierung einer kleinen Gruppe von Medienangeboten auf Streaming-Plattformen wie Youtube.
Solche Regeln und Konzepte, wie sie unter anderem in Brüssel im Zuge einer Überprüfung der Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste derzeit diskutiert werden, könnten Youtube dazu zwingen, Medieninhalte, die von der Medienregulierung ausgewählt wurden, besonders zu behandeln. In der Praxis bedeutet das, dass Zuschauerinnen und Zuschauer, wenn sie die Youtube-Startseite öffnen oder Videoempfehlungen folgen, Inhalte sehen, die von einer Regulierungsstelle priorisiert wurden – und nicht die Videos, die sie eigentlich interessieren.
Ungleiche Chancen durch Regulierung
Das könnte einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen, bei dem Aufsichtsorgane indirekt oder gar direkt Gewinner und Verlierer bestimmen. Wenn Youtube gezwungen wird, einige wenige Videos in den Vordergrund zu rücken, werden alle anderen zurückgedrängt – unabhängig davon, was die Nutzer eigentlich sehen möchten. Für unabhängige und kleinere Creator sowie Medienunternehmen in Europa ist die Bedrohung real. Es wird schwieriger, sich durchzusetzen, die Zielgruppe zu finden und angemessen für die kreative Leistung entlohnt zu werden. Wenn der Algorithmus gezwungen wird, die Prioritäten einiger weniger Akteure zu bevorzugen, zahlen europäische Creator den Preis. Das ist sicher nicht das, was sich europäische Nutzerinnen und Nutzer wünschen. Sie wollen Vielfalt und Unabhängigkeit, und auch wir setzen uns für diese Werte ein.
Vorschläge oder ein Zwang zur Hervorhebung von bestimmten Inhalten ignorieren die Vorteile eines vielfältigen Medienökosystems und bevormunden die Nutzer, indem sie davon ausgehen, dass diese relevante Inhalte nicht selbstständig finden können. Hochwertige nutzergenerierte Inhalte und innovativer digitaler Journalismus auf Youtube sind für den demokratischen Diskurs genauso wichtig wie traditionelle Medien. Inhalte sollten nach Qualität und Glaubwürdigkeit beurteilt werden.
Youtube und der Journalismus
Die Unterstützung des Journalismus ist bereits ein wichtiger Grundpfeiler von Youtube. Unsere Systeme sind darauf ausgelegt, Qualität zu priorisieren, und nutzen Tausende von Signalen, um Fachwissen, Autorität und Vertrauenswürdigkeit zu fördern – beispielsweise bei Wahlen oder Krisen im Bereich der öffentlichen Gesundheit. Unsere speziellen, gut sichtbaren Produktfunktionen wie die Rubriken „Eilmeldungen“ und „Top-Nachrichten“ sorgen dafür, dass eine sorgfältige Berichterstattung im Vordergrund steht, wenn es darauf ankommt. Eine solche Berichterstattung kann und sollte jedoch in verschiedenen Formen und aus vielfältigen Quellen erfolgen. Das ist das Wesen der Pluralität bei Mediendiensten.
Wir pflegen enge Beziehungen zu etablierten Rundfunkanstalten und Verlagen auf der ganzen Welt und sind ein wichtiger Partner für ihren anhaltenden Erfolg. Somit gestalten wir die Zukunft gemeinsam. Wir entwickeln Youtube verantwortungsbewusst, um Wert für unsere Medienpartner zu schaffen, relevant für unsere Nutzer zu sein und die Medienvielfalt zu fördern. Die Reform der Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste droht jedoch, dieses Gleichgewicht völlig aus den Angeln zu heben.
Nutzerinnen und Nutzer, Creator in Deutschland und Europa müssen verstehen, was auf dem Spiel steht. Die obligatorische Hervorhebung schützt nicht die journalistische Vielfalt, sondern gefährdet sie. Wir werden uns weiterhin für ein nachhaltiges und nutzerzentriertes System einsetzen. Damit jeder Creator ausschließlich aufgrund der Relevanz und Qualität seiner Inhalte und seiner Fähigkeit, mit seinem Publikum in Kontakt zu treten, erfolgreich sein kann.
Andreas Briese ist Deutschland-Chef von Youtube und zudem regionaler Leiter der Videoplattform für Zentral- und Nordeuropa. Für den Youtube-Mutterkonzern Google ist er seit 2008 tätig.
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