Wärmeversorgung : Raus aus der Fossilfalle, hin zu bezahlbarer, klimagerechter Modernisierung
Die Debatte um die Wärmewende und das Gebäudeenergiegesetz legt alte Muster offen, stellt Barbara Metz von der DUH fest. Parteitaktik schlägt Regierungsverantwortung. Die Gasabhängigkeit wird mit Zähnen und Klauen verteidigt – selbst dort, wo sie für Haushalte zum Kostenrisiko wird. Im Hintergrund wird die Dringlichkeit von Klimaschutz weiter infrage gestellt, obwohl ein Kurswechsel längst überfällig ist.
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Der Gebäudesektor reißt seine Klimaziele deutlich, nach Projektionsbericht des Umweltbundesamtes voraussichtlich um 110 Millionen Tonnen CO2-Äquivalente bis 2030 – mehr als die Gesamtjahresemissionen von Belgien.
Während der Wirtschaftsflügel der CDU die Definition von Klimaneutralität aufweichen will, ist ein Realitätscheck nötig: Das 1,5-Grad-Ziel ist keine politische Marotte, sondern eine überlebenswichtige Notwendigkeit. Jeder zusätzliche Zehntelgrad bedeutet mehr Extremwetter, höhere Schäden und größere Risiken, bis hin zu gefährlichen Kipppunkten.
Genau deshalb muss die Klimawirkung der Maßnahmen zur Dekarbonisierung des Gebäudebestands nicht nur stabilisiert, sondern spürbar erhöht werden.
GEG als Spielball, Gaswirtschaft im Abwehrkampf
Statt auf Fakten und technische Gründlichkeit setzt die Bundesregierung weiter auf Symbolpolitik, bis hin zum nebulösen Versprechen, ein „Heizungsgesetz“ abzuschaffen, das unter diesem Begriff juristisch gar nicht existiert. Klarheit und konkrete Schritte, die Planungssicherheit schaffen und Investitionen auslösen, lassen weiter auf sich warten.
Diese Leerstelle hat Folgen: Wo Verlässlichkeit fehlt, gewinnen irreführende Vorschläge Bühne und Gewicht. Anfang Januar argumentierte Timm Kehler an dieser Stelle, das aktuelle Gebäudeenergiegesetz habe Schwächen, die korrigiert werden müssten. In diesem Punkt hat er Recht. Nur ist die Art, wie er diese Reform umsetzen will, brandgefährlich: eine Verlängerung fossiler Pfade unter grünem Deckmantel, mit gravierenden Folgen für Haushalte und Klima.
Die Idee, Biomethan oder Wasserstoff könnten die Gasverteilnetze in der Breite „grün“ machen, klingt verlockend, scheitert aber an der Realität. Viele Verteilnetze werden perspektivisch schon aus wirtschaftlichen Gründen nicht zu halten sein, weil sich die Fixkosten auf immer weniger Kundinnen und Kunden verteilen.
Hinzu kommt die Knappheit: Biomethan ist nur begrenzt nachhaltig skalierbar. Und eine Wasserstoffbeimischung ins Erdgasnetz ist für eine nachhaltige Wärmeversorgung kein tragfähiger Weg: Die Klimawirkung bleibt überschaubar, die technische Machbarkeit begrenzt.
Wer solche Konzepte zum Leitbild macht, setzt damit den Fortbestand des Gasnetzes voraus mit einem erkennbaren Ziel: Fossile Geschäftsmodelle länger zu legitimieren.
„Grüne Gase“ gehören dort eingesetzt, wo die Dekarbonisierung ohne sie nicht gelingt, etwa in Teilen der Industrie. Im Gebäudebereich gibt es hingegen verlässliche klimafreundliche Technologien, die Fossile ersetzen können.
Klimafreundliche Wärme schafft Bezahlbarkeit und Akzeptanz
Statt auf Scheinlösungen zu setzen, muss das neue Gebäudemodernisierungsgesetz den Hochlauf der Wärmepumpe endlich entschlossen vorantreiben. Denn sie ist nicht nur die effizienteste Technologie, sondern über den gesamten Lebenszyklus betrachtet auch die günstigste.
Deutschland hat hier eine Schlüsselindustrie, die stärker unterstützt werden muss. Wir schlagen deswegen ein Fördermodell vor, das die Anschaffungskosten von Wärmepumpen dauerhaft senkt und ihre Zugänglichkeit für alle Haushalte spürbar erhöht. Bislang wurde sie entgegen ihrem hohen Einsparungspotenzial in der sozialen Frage um die Wärmewende zu Unrecht von der fossilen Lobby instrumentalisiert.
Klar ist für uns: Sozialverträglichkeit bedeutet dabei nicht, Klimaschutz zu verwässern. Im Gegenteil: Sozial ist nur eine Politik, die Haushalte befähigt, aus der fossilen Abhängigkeit herauszukommen, und sie vor explodierenden Kosten in der Zukunft schützt.
Denn Gas wird so oder so teurer: nicht nur wegen des CO2-Preises, sondern auch und vor allem durch steigende Netzkosten. Wer den Ausweg in „grünen Gasen“ sucht, führt Haushalte in die Kostenfalle, erst recht über Konstruktionen wie eine Grüngasquote, die Knappheit teuer verteilt, statt sie zu lösen.
Mieter:innen, die auf die Wahl ihres Heizsystems keinen Einfluss haben, trifft das Nichtstun der Politik am Ende besonders hart. Ohne einen schützenden Rahmen tragen sie die steigenden Betriebskosten einer Gasheizung.
Vermeiden lässt sich das nur durch ein Umdenken der Kostenlogik. Die Deutsche Umwelthilfe schlägt vor: Wer als Eigentümer:in ein unnötig teures Heizsystem wählt, soll die Mehrkosten aus eigener Tasche tragen. Das lenkt Entscheidungen hin zu kosteneffizienten Lösungen wie Wärmepumpen, die zugleich klimafreundlicher sind.
CO2-Emissionen vermeiden, nicht schönrechnen
Was den Vorschlag eines CO2-Äquivalenz-Ansatzes angeht, liegt der Trick auf der Hand: Wenn eine Maßnahme an der Gebäudehülle als Kompensation dient und damit die Emissionen der Heizung bilanziell schöngerechnet wird, entsteht ein Modell, das fossile Heizungen über Jahrzehnte weiter zulässt. Das führt zu Fehlinvestitionen, die Haushalte in eine fossile Sackgasse drängen, aus der sie später nur noch teurer herauskommen.
Grundsätzlich ist eine Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden wichtig, da sie Energiesysteme entlastet und Menschen schützt, etwa durch weniger Schimmel und Hitzestress. Die EPBD verlangt deswegen bis Mai 2026 einen klaren Effizienzpfad mit Fokus auf die schlechtesten Gebäude, wo überproportional viele vulnerable Haushalte leben.
Bislang bleibt die Bundesregierung aber auch hier untätig. Eine erste Frist zur Übermittlung des Gebäuderenovierungsplans an die EU-Kommission wurde bereits stillschweigend verpasst.
Klar ist: Wer CO2-Vermeidung, wie im Koalitionsvertrag angekündigt, zur zentralen Steuerungsgröße machen will, muss auch alle Hebel konsequent in Bewegung setzen. Dazu gehört einerseits ein geplanter, schrittweiser Ausstieg aus fossilen Heizungen, gesichert durch den Erhalt der 65-Prozent-Regel. Und andererseits ein klarer Effizienzpfad samt wirksamen Instrumenten im Rahmen einer zügigen und ambitionierten Umsetzung der EPBD.
Modernisierung liefern
Zum Schluss: Die Wärmewende darf kein Spielfeld für unehrliche Politik und Partikularinteressen sein. Sie bietet die Chance einer Modernisierungswelle, die industrie-, sozial- und klimapolitisch zwingend ist.
Die Einsicht ist da, oder zumindest lässt der neue Name „Gebäudemodernisierungsgesetz“ darauf hoffen. Was fehlt, ist politische Konsequenz: verlässliche Regeln, sozialer Schutz und eine Umsetzung, die eine echte Wärmewende ermöglicht, statt fossilen Lobbyinteressen Vorrang zu lassen.
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