Erneuerbare Wärme statt Öl und Gas : Unsere Wärmeversorgung braucht eine Resilienzstrategie
Nach langem Warten liegt nun ein Referentenentwurf zum Gebäudemodernisierungsgesetz vor. Mit der Abkehr von der 65-Prozent-EE-Vorgabe droht die Wärmewende an Tempo zu verlieren, fürchten viele Energieexperten. Gregor Dilger, der Geschäftsführer des Bundesverbands Geothermie, fordert deshalb mehr Tempo und eine Resilienzstrategie für die Wärmeversorgung.
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Der Gebäudereport der Deutschen Energie-Agentur (dena) aus dem Jahr 2025 zeigt: Noch immer werden 79 Prozent der knapp 20 Millionen Wohngebäude in Deutschland mit Öl und Gas beheizt. Und diese Energieträger sind nach wie vor fast ausschließlich fossiler Natur; mehr als 95 Prozent hiervon wiederum werden aus dem Ausland importiert. Deutschland gibt pro Jahr über 60 Milliarden Euro für Importe von Öl und Gas aus. Dieses Geld ist für unsere heimische Wirtschaft – bildlich gesprochen – verbrannt und unwiederbringlich verloren.
Die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen ist nicht nur aus umweltpolitischer Sicht fatal, sondern gleichermaßen volkswirtschaftlich und sicherheitspolitisch überaus gefährlich. Wir müssen raus aus der fossilen Energiebereitstellung und uns unabhängiger machen von zweifelhaften Partnern und Despoten. Wie dringend ein auf Resilienz und Regionalität fußender Umbau unserer Wärmeversorgung ist, haben uns der Angriffskrieg Putins gegen die Ukraine im Jahr 2022 sowie der Iran-Krieg in diesem Jahr und die jeweils folgenden Turbulenzen auf den Weltenergiemärkten innerhalb kürzester Zeit zweimal schmerzhaft vor Augen geführt.
Das GModG sendet bislang die falschen Signale
Gerade in turbulenten Zeiten brauchen wir deutliche politische Signale, dass der Ausbau erneuerbarer Energien in allen Sektoren gewünscht und auch in vielerlei Hinsicht sinnvoll ist. Das nun im Referentenentwurf vorliegende Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) ist genau dies nicht. Die wirksame 65-Prozent-EE-Vorgabe wird aufgegeben und keine Ersatzmaßnahme aufgezeigt, die dieses Instrument adäquat ersetzt. Die Stufen der sogenannten Biotreppe sind deutlich unterambitioniert. Wenn bis 2040 lediglich ein 60-prozentiger Anteil biogener Brennstoffe gefordert ist, dürfte vollständige Klimaneutralität fünf Jahre später kaum zu erreichen sein.
Hinzu kommt, dass bislang auch nicht geklärt ist, woher diese Mengen überhaupt kommen sollen. Letztlich wird mit diesem Paradigmenwechsel in der Ordnungspolitik vorrangig Unsicherheit geschaffen und eine volkswirtschaftlich ruinöse fossile Energiewirtschaft verlängert.
Ja, wir müssen für den Umbau der Wärmeversorgung einiges investieren. Doch wenn wir jetzt entschlossen handeln und auf eine zukunftssichere, unsere Lebensgrundlagen schützende Energieversorgung setzen, können wir uns einiges (er)sparen. Tun wir es nicht, werden wir weiterhin 60 Milliarden Euro jährlich für die Bürger, die heimische Wirtschaft und die öffentlichen Haushalte verlieren.
„Versorgungssicherheit first“ benötigt Resilienz
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat in ihren Antrittsreden von „Versorgungssicherheit first“ gesprochen. Das geht – und es geht dabei auch erneuerbar, nachhaltig und zuverlässig.
Was es dafür braucht, ist eine Resilienzstrategie. Das bedeutet konkret: verbindliche Ausbauziele für die Verwendung heimischer Energiequellen, klare Priorisierung erneuerbarer Wärme aus dem Inland und eine Reduktion importabhängiger Energieträger – verankert im Gebäudemodernisierungsgesetz, im Wärmeplanungsgesetz oder in einem eigenen Gesetz.
Die Bürgerinnen und Bürger müssten dafür keineswegs den Preis in Form höherer Unsicherheit oder sinkenden Wohlstands zahlen. Im Gegenteil: Erneuerbare Wärmetechnologien stellen seit Jahrzehnten ihre Verlässlichkeit praktisch unter Beweis – nicht zuletzt die Geothermie. Gleichzeitig profitieren wir alle von ihrer Wertschöpfungskette.
Resilienz und Geothermie gehen Hand in Hand
Wir in Deutschland haben das große Glück, auf Erdwärme setzen zu können. Damit lässt sich die Wärmeversorgung im Inland verlässlich, rund um die Uhr und ganzjährig sichern. Kein Brennstoff muss über Tausende Kilometer verschifft, angelandet, durch Pipelines gepumpt, ggf. dazwischen verflüssigt, gespeichert oder regasifiziert werden. Keine Soldaten müssen sich zur Absicherung von Energielieferungen in Gefahr begeben, kein schweres und teures Kriegsgerät muss dafür abgestellt werden. Erdwärme ist einfach da und kann überall auf die eine oder andere Art genutzt werden.
Das könnte sich Deutschland genauso zunutze machen, wie es das in anderen Bereichen der Klimapolitik tut – etwa durch kontinuierlich steigende Zielwerte für den Einsatz heimischer Energiequellen. und inwiefern das angekündigte Gesetz hier tatsächlich Antworten liefern wird, bleibt abzuwarten. Fest steht jedoch: Das Gebäudeenergiegesetz ist kein Selbstzweck. Es ist das zentrale Instrument, um die Wärmewende vom politischen Ziel in die Realität zu übersetzen.
Gerade in weltpolitisch unsicheren Zeiten gilt mehr denn je: Politik muss Sicherheit vermitteln und eine langfristige Vision aufzeigen. Wer Versorgungssicherheit fordert, darf die fossilen Abhängigkeiten nicht weiter verlängern, sondern sollte einen ernsthaften Plan vorlegen, wie energiepolitische Abhängigkeiten kontinuierlich und zügig abgebaut werden können.
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