Hitzetote und Milliardenschäden : Wir sind in der Verantwortung zu handeln!
Extreme Wetterereignisse wie Hitze, Dürre, Waldbrände und Fluten sind längst keine abstrakte Zukunftsgefahr mehr, sondern spürbare Realität des menschengemachten Klimawandels. Deutschland muss deshalb seine Anstrengungen zur Emissionsminderung konsequent verstärken, in Erneuerbare, Netze und Speicher investieren und zugleich international als Vorreiter vorangehen, schreibt Elisabeth Winkelmeier-Becker (MdB, CDU).
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In diesen Tagen erleben wir tagtäglich, dass extreme Wetterereignisse zunehmen. Dazu gehören der Tiefststand des Rheins und anderer Gewässer vor unserer Haustür ebenso wie Hitzerekorde, Dürren und Waldbrände in ganz Europa und darüber hinaus; Flutkatastrophen und Gletscherabgänge häufen sich. Am Pegel Kaub, dem für die Rheinschifffahrt entscheidenden Nadelöhr, wird diese Woche der niedrigste je gemessene Wasserstand seit Beginn der Aufzeichnungen erwartet, deutlich unter dem bisherigen Rekord von 2018. Der Bundesverband der Deutschen Binnenschifffahrt (BDB) spricht bereits von einer faktischen Zweiteilung des Rheins, in deren Folge Schifffahrt in weiten Teilen nicht mehr möglich sein wird. Die ökologischen und ökonomischen Schäden steigen deutlich.
Schon 2018 kostete das Niedrigwasser am Rhein die Volkswirtschaft nach Angaben der Bundesanstalt für Gewässerkunde rund 2,4 Milliarden Euro. Für 2026 rechnet die Branche mit einem noch höheren Schaden. Das ist keine abstrakte Zukunftsgefahr, sondern für die energie- und rohstoffintensive Industrie am Rhein schon jetzt gelebte Realität. Die Rückversicherungsbranche – ein unverdächtiger Zeuge – weist darauf hin, dass Extremwetterereignisse jedes Jahr wirtschaftliche Schäden in Höhe von hunderten Milliarden US-Dollar verursachen, deren Häufigkeit und Intensität der Klimawandel nach übereinstimmender Einschätzung der Rückversicherer verstärkt.
Menschen und Umwelt leiden zunehmend. Dabei werden wir in Zukunft jedes Jahr um neue Rekorde bei Unwettern, aber auch bei Übersterblichkeit fürchten müssen. Das spiegelt sich auch in der Wahrnehmung der Bevölkerung: Laut ZDF-Politbarometer von Ende Juli 2026 halten 83 Prozent der Deutschen den Hitzeschutz in Deutschland für unzureichend, 74 Prozent sorgen sich, dass extreme Wetterereignisse wie Hitzewellen, Trockenheit oder Hochwasser in den kommenden Jahren deutlich zunehmen werden.
Wir müssen unmissverständlich benennen, dass der menschengemachte Klimawandel die Ursache dieser dramatischen Entwicklung ist. Daran gibt es keinen vernünftigen Zweifel.
Die Erderwärmung liegt mittlerweile bei knapp 1,5 Grad. Je nach Jahr wurde die im Pariser Abkommen formulierte Schwelle damit bereits in einzelnen Jahren überschritten. Das hat den Verlauf der Jahreszeiten, die Meeresströmungen, Wasserkreisläufe und die biologischen Systeme überall schon deutlich aus dem Gleichgewicht gebracht. Jetzt schon werden die viel beschworenen Kipppunkte erreicht, die weiteren Folgen sind unabsehbar. Es wäre unverantwortlich, darauf mit Nonchalance zu reagieren.
Wir als Union haben mit dem Klimaschutzgesetz, dem Aufbau des Emissionshandels und der Förderung der Erneuerbaren Energien bereits wichtige Schritte eingeleitet. Darauf dürfen wir uns aber nicht ausruhen: Wir haben die Pflicht, nachhaltig mit den Ressourcen unseres Planeten umzugehen und die Freiräume und Chancen der kommenden Generationen nicht zu verspielen! Der Erhalt der Lebensgrundlagen, das Aufhalten bald unumkehrbarer Schäden, muss dabei besondere Priorität haben! Wir dürfen nicht aus einer Rhetorik des Verharmlosens unmittelbar übergehen zu der bequemen Argumentation, dass es für die Bekämpfung des Klimawandels ohnehin zu spät sei und es im Wesentlichen auf Anpassung ankomme. Unausweichlich wird als nächstes die Frage nach der Verantwortung von Politik und Wirtschaft weltweit gestellt werden, die trotz lange bekannter Fakten nur halbherzig auf das irreversible Geschehen reagiert haben.
Ursachenbekämpfung muss im Mittelpunkt stehen
Im Mittelpunkt einer nachhaltigen Politik muss weiter die Ursachenbekämpfung stehen: Die weitere Erwärmung muss – so gut es geht – gestoppt werden, jedes Hundertstel Grad wird einen Unterschied machen, jede Vermeidung von zusätzlichem Treibhausgas wird sich zunehmend lohnen und zusätzlich die Energieunabhängigkeit von zweifelhaften Regimes stärken! Resignieren gilt da nicht!
Unsere Wirtschaft und unser Alltag sind immer noch stark auf den Einsatz von Öl und Gas ausgerichtet. Zur Wahrheit gehört, dass die Umstellung viel Geld und Mühe kostet. Die gute Nachricht ist: Die dafür notwendigen Technologien sind und werden längst erfunden und sind vielfach marktreif entwickelt.
Gerade in Deutschland sind Startups, Mittelstand und große Konzerne gleichermaßen damit beschäftigt, neue Materialien, Verfahren zur Energiegewinnung und -speicherung oder für Kreislaufwirtschaft zu entwickeln. Wir müssen auf diese neuen Technologien setzen und damit zugleich neue, tragfähige Geschäftsmodelle entwickeln. Deutschland hat seinen Ruf als Weltmarktführer beispielsweise in Umwelttechnologie, Elektrolyse oder Kreislaufwirtschaft zu verteidigen! Fortschritte hier dürfen wir nicht China überlassen.
Was es dafür braucht, ist vor allem die klare Ausrichtung auf dieses Ziel statt ständiger Relativierung und Unschlüssigkeit! Planungssicherheit und Bankability zusammen mit einem klugen Rechtsrahmen müssen die entscheidenden Impulse für die notwendigen Investitionen setzen!
Dass Maßnahmen Deutschlands den Klimawandel nicht von heute auf morgen beenden, ist eine Binse und keine Entschuldigung, größere Anstrengungen für effektiveren Klimaschutz zu unterlassen. Aber hier gilt: Wer selbst nicht alles sinnvoll Mögliche tut, trägt Mitverantwortung, wenn auch andere nicht der Vorreiter sein wollen. Auch das Bundesverfassungsgericht hält in seinem Klimabeschluss vom 24. März 2021 den Verweis auf geringere Anstrengungen in anderen Ländern für unzulässig.
Die überall drastischen Klimawandelfolgen werden weltweit die Bereitschaft erhöhen, jetzt endlich auf Produktion und Verfahren ohne schädliche Emissionen umzustellen, erst recht in den besonders betroffenen Ländern. So tragisch es ist: Dies gibt ein Momentum, das genutzt werden muss! Der beste Weg, andere Länder zum Mittun zu bewegen, ist es, sich selbst an die im Paris-Abkommen eingegangenen Verpflichtungen zu halten! Es hilft nicht weiter, mit dem Finger aufeinander zu zeigen. Nur wenn jeder an seiner Stelle das Richtige tut, machen andere mit und das Ganze kann gelingen! Positives Beispiel ist das Montrealer Abkommen, das zum gemeinsamen Erfolg bei der Schließung des Ozonlochs geführt hat.
Das heißt: Jetzt alle Kraft voraus, für den Ausbau aller Erneuerbaren Energien, für starke und smarte Netze, für Speicher, für einen starken Leit- und Heimatmarkt in den zugehörigen Branchen und kluge internationale Kooperationen, für die verfassungsgemäße Verwendung von Klimatransformationsfonds und Sondervermögen und für die Einhaltung gemachter Versprechen. Nur so leisten wir unseren Beitrag dazu, dass Wochen wie diese am Rhein nicht zur neuen Normalität werden.
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