KI in Städten : Lasst uns die KI aus dem Käfig holen!
Leipzig integriert Künstliche Intelligenz (KI) in Verwaltungsprozesse, um die Effizienz zu steigern. Um das volle Potenzial von KI in Kommunen nutzen zu können, muss die Technologie raus aus dem Käfig, schreibt Beate Ginzel im Werkstattbericht. Die sächsische Stadt gehe dabei schrittweise, aber konsequent, vor.
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Es mag inzwischen eine absurde Vorstellung sein. Vor wenigen Jahren sperrten viele Unternehmen ihre Industrieroboter noch hinter Gitter. Um Menschen zu schützen, wurden sie isoliert. Heute arbeiten Roboter vielerorts Hand in Hand mit Menschen.
So weit müssen wir auch beim Einsatz Künstlicher Intelligenz (KI) in Städten kommen. Wenn wir ihr Potenzial ausschöpfen wollen, dürfen wir sie nicht in isolierten Prototypen – ihren Käfigen – lassen. Stattdessen müssen wir die Technologie verantwortungsvoll in unsere Verwaltungs- und Stadtentwicklungsprozesse integrieren.
Leipzig hat in den vergangenen Jahren wichtige Schritte hin zu diesem Ziel unternommen. Wir setzen KI bereits praktisch ein, etwa um Muster in Daten zur Straßenbefahrung zu erkennen oder bei Antragsverfahren mittels großer Sprachmodelle (Large Language Models – LLMs) zu unterstützen. Dabei nutzen wir zunehmend LLMs, um Verwaltungsvorgänge zu strukturieren, Routinen und Recherche zu erleichtern sowie Bürgerinnen und Bürger schneller zu informieren.
Wir setzen KI nicht nur punktuell ein. Leipzig baut ein KI-Register auf, in dem wir zunächst intern systematisch dokumentieren, wo wir wie KI einsetzen. Wir identifizieren Einsatzfelder in allen Dezernaten und entwickeln Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter so weiter, dass sie Chancen und Risiken eigenständig einschätzen können. Gleichzeitig bereiten wir unsere Daten so auf, dass sie für KI nutzbar werden, von Fach- über Prozess- bis hin zu Geodaten für digitale Zwillinge.
KI als Teil einer größeren Transformation denken
Wer wirklich bereit für KI werden will, muss vor allem seine Hausaufgaben machen. Das heißt: In bestehende Systeme und Schnittstellen investieren, Datenbestände öffnen und standardisieren – und vor allem mit Wissenschaft, Wirtschaft und anderen Kommunen daran arbeiten, passende Anwendungen zu finden und zu entwickeln.
KI wird damit Teil größerer Transformationsprozesse. Im Rahmen der EU-Mission „Klimaneutrale und Smarte Städte“ kooperiert Leipzig mit deutschen und europäischen Partnerstädten, beteiligt Unternehmen am Netzwerk „Klimainnovativ“. In solchen Projekten entstehen digitale Werkzeuge, die Bürgerinnen und Bürger bestenfalls ebenso aktivieren: von Klima-Challenges in der Leipzig-App über digitale Informationsplattformen bis hin zu einem öffentlichen Energie-Atlas. Auch bei solchen Vorhaben spielt KI zunehmend eine Rolle, beispielsweise um Energiewendeszenarien zu simulieren oder Maßnahmen zu verbessern.
Zentral für Leipzig ist es außerdem, mit KI Prozesse zu automatisieren. Ziel ist es, Genehmigungen schneller, transparenter und flexibler zu machen. KI unterstützt dabei, Muster in Dokumenten zu erkennen, Standardprozesse vorzubereiten und Entscheidungen vorzustrukturieren. Unsere ersten Piloten in diesem Feld planen wir im Bereich wirtschaftsnaher Sondernutzungsgenehmigungen. Konkret geplant sind Piloten beispielsweise beim Genehmigungsprozess für gastronomische Sitzflächen und Ladeinfrastruktur im öffentlichen Raum.
Langer Weg zu mehr Automatisierung
Wir werden künftig Genehmigungsschritte, die kein Ermessen erfordern, vollständig automatisieren. Oft reicht nämlich ein simpler Nachweis dafür, ob ein bestimmtes Dokument vorhanden ist. Mit diesem Schritt wollen wir Geschwindigkeit und Effizienz innerhalb der Verwaltung erhöhen. Schritt für Schritt arbeiten wir so automatisierter: vom einfachen Chatbot über modulare Antragsunterstützung bis hin zu komplexen KI-Agenten, die mehrere Prozessschritte koordinieren können.
Die Vision ist klar. Wir wollen weniger „hab ich doch schon einmal ausgefüllt“, „muss ich noch auf die Bestätigung warten“ und dafür mehr Zeit für das Wesentliche. Zugleich muss der Mensch im Zentrum bleiben, also kritisch auf die Ergebnisse der KI schauen und mutig weitere Schritte antreiben.
KI-Anwendungen in unserer Stadtverwaltung zu integrieren, erfolgt schrittweise, aber konsequent. Wir testen KI, überprüfen sie und dokumentieren Ergebnisse, um sie dort einzusetzen, wo sie echten Mehrwert schafft.
Wie bei den Industrierobotern in der Fabrik gilt: Ein Notaus gehört in jedes Anlagendesign. Aber wer KI dauerhaft hinter Gittern hält, verschenkt ihr Potenzial.
Beate Ginzel leitet das Referat Digitale Stadt in Leipzig seit dem Jahr 2019. Zuvor war sie Abteilungsleiterin im Amt für Stadterneuerung und Wohnungsbau. Ginzel war zehn Jahre wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Stadtentwicklung und Bauwirtschaft an der Universität Leipzig und als Architektin in Deutschland, den Niederlanden und Tansania tätig.
Mirko Mühlpfort ist Teamleiter am Referat Digitale Stadt der Stadt Leipzig und für die Themen Urbane Daten und Digitale Infrastrukturen verantwortlich.
Zuletzt von ihr in dieser Rubrik erschienen: „Smarte Werkzeuge für eine emissionsfreie Zukunft“.
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