Autonome Mobilität : Europas Chance liegt in der Umsetzung
Autonome Mobilität kann den öffentlichen Verkehr stärken, Städte besser erreichbar machen und neue Märkte schaffen. Dafür müssen Kommunen mehr sein als Testfelder: Sie müssen den Einsatz aktiv gestalten und europäische Anbieter in den Regelbetrieb bringen. Europas Chance liegt darin, nicht nur autonome Fahrzeuge zu importieren, sondern ihr Umfeld selbst zu entwickeln.
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Europa steht am Beginn einer neuen Phase der autonomen Mobilität. Pilotprojekte in zahlreichen Städten und Regionen machen den Kontinent zu einem der aktivsten Testfelder weltweit. Kommerziell fahren bislang wenige Fahrzeuge, doch autonomes Fahren ist keine Zukunftsfrage mehr. Zu entscheiden ist nicht mehr, ob Europa autonom fährt, sondern wie und zu wessen Nutzen.
Europa sollte sich nicht allein beim Bau autonomer Fahrzeuge messen. Es sollte darum konkurrieren, das weltweit führende Ökosystem für den Einsatz autonomer Mobilität aufzubauen, und zwar so, dass dieser Einsatz die europäische Wettbewerbsfähigkeit und die städtische Mobilität zugleich stärkt. Eine erfolgreiche Einführung wird davon abhängen, ob Europas Städte, öffentliche Verkehrssysteme, Betreiber, die Automobilindustrie, Start-ups und Forschungseinrichtungen zu heimischen Wertschöpfungsketten verknüpft werden können, die Innovation, Investitionen und die Wertschöpfung in Europa halten.
Auf die Rahmenbedingungen wird es ankommen
Europas Chance liegt nicht darin, andernorts entstehende Einsatzmodelle zu kopieren, sondern ein eigenes zu entwickeln, das seinen Stärken entspricht: ein Modell, das den öffentlichen Verkehr stärkt, die Städte unterstützt und branchenübergreifend Wertschöpfung in der europäischen Industrie schafft. Führend in der autonomen Mobilität werden die Länder mit den besten Rahmenbedingungen sein – nicht zwangsläufig jene mit der besten Technologie. Dazu zählen klare Regulierungs- und Zulassungsverfahren, verlässliche Homologationsprozesse sowie die operativen und institutionellen Rahmenbedingungen, die Innovation, Einsatz und Skalierung bei gleichzeitig hohen Sicherheitsstandards ermöglichen.
Europa kann sich einen Wettbewerbsvorteil verschaffen, indem es beim öffentlichen Nutzen ansetzt. Autonome Mobilität sollte den öffentlichen Verkehr stärken, die Erreichbarkeit verbessern, eine nachhaltige städtische Logistik unterstützen und die Abhängigkeit vom eigenen Auto verringern. Technologie ist ein Mittel, um bessere Städte zu bauen, kein Selbstzweck. Wenn autonome Mobilität private Autofahrten lediglich bequemer macht, riskiert Europa, Staus zu automatisieren, statt sie aufzulösen. Der Maßstab ist deshalb nicht die Zahl fahrerloser Fahrzeuge auf der Straße, sondern: Werden die Städte erreichbarer, sauberer und effizienter?
Kommunen schaffen den Markt für europäische Anbieter
Den Hebel halten dabei die Kommunen. Sie schaffen die Märkte, definieren die Einsatzfelder und ermöglichen die Erprobung im realen Betrieb. Damit geben sie Unternehmen und Investoren jene Planungssicherheit, ohne die kein Hochlauf beginnt. Jede erfolgreiche Implementierung sollte deshalb zweierlei leisten: den Verkehr in der Stadt verbessern und das europäische Ökosystem stärken. Städte sollten sich nicht als bloße Testfelder für Innovationen verstehen. Als Aufgabenträger schaffen die Kommunen den Markt, in dem europäische Anbieter ihre Technik erproben und in den Regelbetrieb bringen.
In der Praxis zeigt sich das an konkreten Einsatzentscheidungen. Automatisierter ÖPNV, etwa Shuttles auf definierten Strecken oder Angebote, die bestehende Linien ergänzen, kann die Erschließung verbessern, die Erreichbarkeit erhöhen und das öffentliche Verkehrssystem insgesamt stärken. Städte können diese Entwicklung mit praktischen Instrumenten steuern, etwa Genehmigungen für Testfelder, Vergabekriterien bei ÖPNV-Ausschreibungen und Regelungen zum Datenzugang. So tragen sie dazu bei, wie autonome Mobilität in bestehende Verkehrssysteme integriert wird.
Grenzüberschreitende Förderung und Vernetzung nötig
Damit aus Pilotprojekten dauerhafte Wertschöpfungsketten werden, braucht es Unterstützung, die über nationale Grenzen hinausreicht. Europäische Förder- und Vernetzungsinitiativen können das Risiko früher Investitionen senken, grenzüberschreitende Kooperation ermöglichen und Städten helfen, erfolgreiche Ansätze zu teilen und zu übertragen. Das ist besonders für kleinere Betreiber und Start-ups wichtig, denen häufig die Kapazitäten für internationale Skalierung fehlen.
Ohne eine solche Unterstützung droht der Übergang von Pilotprojekten zum Regelbetrieb ein strukturelles Nadelöhr zu bleiben. Werden Einsatzerfahrung, Investitionen und Erkenntnisse über Städte und Länder hinweg verknüpft, wird erfolgreicher Einsatz planbarer und wiederholbarer. Dazu wachsen die Chancen für europäische Unternehmen im gesamten Ökosystem der autonomen Mobilität.
Europa hat noch ein Zeitfenster, um die Führung zu übernehmen. Doch der eigentliche Wettlauf gilt nicht mehr dem intelligentesten autonomen Fahrzeug. Er gilt der stärksten europäischen Wertschöpfungskette rund um autonome Mobilität. Jeder Einsatz sollte europäischen Städten, Betreibern, Start-ups, Herstellern und Technologieunternehmen die Möglichkeit geben, gemeinsam zu lernen, Technologien weiterzuentwickeln und zu skalieren. Länder, die solche Ökosysteme schaffen, werden die Wertschöpfung in der autonomen Mobilität für sich gewinnen. Wer sie nur übernimmt, geht leer aus. Europa hat jetzt die Chance, autonome Mobilität nicht nur zu importieren, sondern ihren Einsatz zu gestalten, zum Nutzen seiner Städte, seiner Bürgerinnen und Bürger und seiner Wirtschaft.
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