Städtische Mobilität : Helsinkis Weg zur sichersten Verkehrsstadt der Welt
In der finnischen Hauptstadt kam seit mehr als einem Jahr niemand mehr bei einem Verkehrsunfall ums Leben. Dahinter stecken eine konsequente Verkehrspolitik, eine klare Vision und die enge Zusammenarbeit zwischen Verwaltung, Politik und Bevölkerung.
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Helsinki, Finnlands Hauptstadt mit knapp 700.000 Einwohnerinnen und Einwohnern, ist eine Stadt, in der der Verkehr jedes Jahr mit unterschiedlichsten Witterungen zurechtkommen muss – mit Sonne, Regen, Schnee und allem, was es dazwischen sonst noch gibt.
Dass trotz dieser Umstände in Helsinki seit mehr als einem Jahr kein Mensch mehr im Straßenverkehr ums Leben gekommen ist, ist eine beeindruckende Leistung – auf die wir als Stadt sehr stolz sind. Aber dieses Ergebnis kam nicht von heute auf morgen, sondern war das Resultat harter Arbeit – und wird auch in Zukunft große Anstrengungen brauchen, um dieses Niveau zu halten. Denn Verkehrssicherheit bleibt nur dann hoch, wenn wir kontinuierlich und gemeinsam daran arbeiten.
Fußverkehr an erster Stelle
Ein Eckpfeiler ist die Priorisierung. In unsere Stadt steht der Fußverkehr an erster Stelle – eine zentrale Grundlage, wenn es um sichere Straßen, öffentlichen Raum oder ein angenehmes Stadtbild geht. Unser Verkehrsicherheitsprogramm läuft seit 2022 und bis 2026. Die wichtigsten Schwerpunkte sollen jedoch darüber hinaus bis mindestens 2030 weiterverfolgt werden.
Im Fokus stehen Kinder, Jugendliche, Fußgängerinnen und Fußgänger sowie Radfahrende – insbesondere an Zebrastreifen und Kreuzungen. Sowohl die Politik als auch die Verwaltung trifft ihre Entscheidungen auf Basis fundierter Daten, die wir mit modernster Technologie erheben.
Zu den konkreten Maßnahmen gehören unter anderem Richtlinien für sichere Straßenplanung, Checklisten für die Stadtentwicklung und Sicherheitsprüfungen auf den Hauptverkehrswegen, die besonders oft von unseren Fokusgruppen genutzt werden. Außerdem gibt es ein ambitioniertes Investitionsbudget für den Umbau von Straßen – und jedes Mal, wenn eine Straße erneuert wird, ist der Sicherheitsaspekt besonders relevant und startet immer beim Schutz der Schwächsten – an den Fußgängerüberwegen.
Als ein besonders wirkungsvolles Instrument hat sich das konsequente Senken der Tempolimits erwiesen. Inzwischen gilt auf mehr als der Hälfte aller Straßen in Helsinki Tempo 30 – früher lag die Standardgeschwindigkeit meist bei 50 km/h. Schon 2018 hat der Stadtrat beschlossen, das generelle Tempolimit in der Stadt deutlich zu senken. Der Schritt war wichtig, denn es gibt einen klaren Zusammenhang zwischen geringerer Geschwindigkeit und weniger Unfällen.
Diesen Herbst wollen wir die Geschwindigkeit zusätzlich rund um mehr als 50 Schulen reduzieren – damit der Schulweg für Kinder noch sicherer wird. Der zuständige Ausschuss hat diese Maßnahme Ende Mai 2025 beschlossen. Und weil die Verwaltung schnell gearbeitet hat, konnten mehr als 30 dieser Geschwindigkeitsreduzierungen noch vor dem Ende der Sommerferien umgesetzt werden. Auch die neue Stadtstrategie, die im Juni parteiübergreifend ausgehandelt wurde, greift das Thema Verkehrssicherheit aus vielen Blickwinkeln auf – ein deutliches Zeichen dafür, dass wir eine gemeinsame Vision teilen.
Gemeinsam getragene Ziele als Erfolgsgeheimnis
Wir können mit Überzeugung sagen: Viele Städte könnten sich bei der Förderung von Verkehrssicherheit etwas von Helsinki abschauen. Unser Erfolgsrezept? Gemeinsam getragene Ziele – und ein langer Atem bei der Umsetzung. Alle Menschen sollen sich im Alltag sicher in der Stadt bewegen können. Das ist unser gemeinsamer Anspruch.
Wenn man sich auf gemeinsame Ziele verständigt, ist es wichtig, auch die passenden Messgrößen zu definieren – und die Fortschritte regelmäßig zu überprüfen. Nur so kann man nachsteuern, wenn ein Ziel nicht erreicht wird oder eine Maßnahme nicht wie erhofft wirkt.
Besonders wichtig ist es dabei, die Bürgerinnen und Bürger sowie andere Beteiligte aktiv einzubeziehen. Denn wer mitreden kann, versteht Zusammenhänge besser, bringt eigene Perspektiven ein – und steht am Ende auch eher hinter den getroffenen Entscheidungen.
Nehmen wir als Beispiel die Tempolimits: Widerstand gab es kaum. Die einzige Sorge, die geäußert wurde, war die Angst vor längeren Fahrtzeiten. Doch unsere Wirkungsanalysen haben gezeigt, dass sich an der Reisezeit kaum etwas geändert hat. Genau deshalb sind solche Analysen so wichtig – sie schaffen Vertrauen und bilden die Grundlage für gute Diskussionen, Planung und Entscheidungen.
In belebten Stadtvierteln, in denen viele zu Fuß unterwegs sind, kann eine Verkehrsberuhigung sogar helfen, Staus zu vermeiden. Der Verkehr fließt besser, wenn das Tempo konstant bleibt. Geringere Geschwindigkeit und ruhigerer Verkehr verbessern ganz konkret die Lebensqualität.
Neben den großen Maßnahmen braucht es allerdings auch kleine, schnell umsetzbare Veränderungen mit erwiesener Wirkung. Auch solche lokalen Pilotprojekte haben in Helsinki zum Erfolg beigetragen – und wertvolle Erkenntnisse geliefert.
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