Standpunkt Gesundheitsämter: Schluss mit Zettel und Stift!

Start-ups entwickelten viele digitale Lösungen im Kampf gegen die Coronakrise. Der öffentliche Sektor nutze diese allerdings viel zu wenig, kritisiert Sina Beckstein von der heute startenden Initiative „Wir für Digitalisierung“. Die Initiator:innen fordern unter anderem umfassendere Schnittstellen der Gesundheitsämter und dass auf bereits vorhandene Lösungen gesetzt wird, statt die Corona-Warn-App weiterzuentwickeln.

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Seit der Einführung der Corona-bedingten Registrierungspflicht im Frühsommer 2020 hat sich ein starker, dynamischer und innovativer Markt für digitale Lösungen entwickelt. Über zehntausend Betriebe (Restaurants, Hotels, Behörden) nutzen seit Monaten Anbieter wie recover app, gastident, 2fdz, smart meeting, darfichrein.de, Digital Waiter und Hygieneranger und wickeln damit die Corona-Registrierung digital ab. Statt Zettel und Stift kommen QR-Codes zum Einsatz.

Diese Anbieter haben gemeinsam mehr als 8,5 Millionen Check-ins und 12.000 Kunden zu verzeichnen. Die Anwendungen kosten für die Betriebe meist nicht mehr als ein paar Euro pro Monat. Für die Gäste ist die Anwendung selbstverständlich kostenlos.

Durch den Einsatz dieser Lösungen werden Gesundheitsämter bei der Nachverfolgung von Covid-19-Infektionen seit Monaten stark entlastet. Statt unleserliche Zettel auszuwerten, werden die Daten elektronisch zur Verfügung gestellt und in die bestehenden Managementsysteme der Ämter eingespeist.

Wir machen den öffentlichen Raum sicherer und sind dabei ein Baustein auf dem Weg, Gastronomie, Kultur und Branchen mit Publikumsverkehr schneller wiederbeleben zu können. Unsere praktische Erfahrung zeigt, dass die Pflicht der Betriebe zur Kontaktdatenerfassung grundsätzlich sinnvoll und zur Verfolgung von Infektionsketten nützlich ist. “

Verordnungen anpassen, Gesundheitsämter integrieren, Markt bewahren

In den Verordnungen der Länder zur Registrierungspflicht sollte ein Gebot zur Nutzung von sicheren digitalen Lösungen aufgenommen werden. Die Verwendung von Stift und Zettel kann nicht der Standard bleiben und sollte nur in Ausnahmefällen zum Einsatz kommen. Erprobte, sichere und digitale Lösungen sind am Markt verfügbar.

Wir bedienen die bestehenden Schnittstellen der Gesundheitsbehörden, um die Kontaktnachverfolgung möglichst effizient zu gestalten. Wir möchten diese Integration weiter vorantreiben und noch kompatibler werden. Wir suchen den Dialog.

Die existierenden Marktlösungen zur Kontaktdatenerfassung sind die ideale Ergänzung der Corona-Warn-App (CWA). Beide Wege sind parallel notwendig, um die Pandemie sinnvoll zu bekämpfen. Die Corona-Warn-App sollte daher keine eigene Funktion für die Kontaktdatenerfassung erhalten. Dies würde die Werte der CWA in Frage stellen und deren Akzeptanz weiter gefährden.

Wir zeigen, dass Deutschland Digitalisierung kann

In einem Aktionsmonat „Digitale Kontaktdatenerfassung“ wollen wir im Februar zeigen, wie Restaurants, Hotels und Behörden mit den bestehenden Lösungen tagtäglich arbeiten und wie umfassendere Schnittstellen und die Zusammenarbeit mit Gesundheitsbehörden gelingen können. Dazu werden sich viele Start-ups und innovative Unternehmen in den nächsten Wochen noch stärker vernetzen und gemeinsame Aktivitäten planen – und schon heute mit der Petition „Wir für Digitalisierung“ starten.

Denn: Gemeinsam sind wir stärker und können zeigen, was wir in den vergangenen Monaten geleistet haben und wie es weitergehen kann. Ich freue mich, dass wir eine so breite Basis aus Unterstützer:innen gefunden haben, um gemeinsam die Krise zu bewältigen. Alle Infos zu den kommenden Veranstaltungen und zu unserer Initiative gibt es hierHeute Abend wird es bereits den ersten Community-Call auf Clubhouse geben, an denen alle Interessierten teilnehmen können.

Wir fordern:

  • Bundesländer: Beendet das analoge Denken!
  • Gesundheitsämter: Öffnet euch für eine weitreichende Integration mit den bestehenden Lösungen! 
  • Corona-Warn-App nicht verbiegen. Auf bestehende Lösungen setzen.

Sina Beckstein ist Managing Director bei darfichrein.de. Sie ist Gründerin und wurde vom Prototypefund gefördert, außerdem ist sie Alumni von Tech4Germany, dem CityLAB und HIIG Berlin. Alle Unterzeichner:innen und Initiator:innen von „Wir für Digitalisierung“ finden Sie auf der Homepage der Initiative.

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