Flexible Stromversorgung : Batteriespeicher auszubremsen, wird teuer
Die geplanten Ausschreibungsbedingungen für den Kapazitätsmarkt schließen Batteriespeicher de facto aus, argumentiert Philip Hainbach. Dabei seien viele angedachte Vorgaben für die Versorgungssicherheit gar nicht erforderlich – und würden die Kosten für den Staat unnötig in die Höhe treiben. Echter Wettbewerb könne die benötigte Flexibilität ins Stromsystem bringen.
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Der aktuelle Referentenentwurf für das Strom-Versorgungssicherheits- und Kapazitätsgesetz („StromVKG“) verfolgt ein wichtiges Ziel: Versorgungssicherheit in einem zunehmend erneuerbaren Stromsystem zu gewährleisten. Doch in seiner aktuellen Ausgestaltung droht er genau das zu untergraben.
Das Design der geplanten Ausschreibungen ist nicht technologieoffen, sondern so gestaltet, dass es Batteriespeicher im zentralen 9-Gigawatt-Langfristsegment für 2026 de facto ausschließen soll. Damit entsteht ein Kapazitätsmarkt ohne echten Wettbewerb. Und das wird teuer.
Es geht nicht um „Gas oder Batterie“
Die aktuelle Debatte zur Kraftwerksstrategie wird häufig auf eine falsche Gegenüberstellung reduziert: Können Batteriespeicher Gaskraftwerke vollständig ersetzen? Das ist die falsche Frage.
Es geht nicht um ein Entweder-oder, sondern um den richtigen Mix an Technologien, um Versorgungssicherheit zu minimalen Kosten zu gewährleisten. Ein modernes Stromsystem braucht Flexibilität, und diese entsteht durch Wettbewerb zwischen unterschiedlichen Lösungen. Genau dieser Wettbewerb wird durch das aktuelle Design im Referentenentwurf eingeschränkt.
Batteriespeicher sind im Entwurf nicht per se ausgeschlossen. Entscheidend ist jedoch nicht, ob sie an den Ausschreibungen teilnehmen dürfen, sondern unter welchen Bedingungen. Drei zentrale Kriterien verzerren den Wettbewerb im Langfristsegment systematisch zulasten von Batteriespeichern.
Ein 10-Stunden-Kriterium ohne systemische Grundlage
Das Langfristsegment besteht aus Kapazitäten von zweimal 4,5 Gigawatt und verlangt nicht nur eine Einspeisedauer von mindestens zehn Stunden. Das Segment verlangt zusätzlich, dass diese Leistung nach einer Stunde erneut vollständig bereitgestellt werden kann. Damit beschränkt sich das Kriterium nicht auf eine einmalige Bereitstellung, sondern zielt auf eine wiederholte Bereitstellung der vollen Leistung in kurzen Abständen ab. Technisch sind zehn Stunden für Batteriespeicher darstellbar. Auch längere Speicherdauern sind möglich, allerdings jeweils zu steigenden Kosten.
Der entscheidende Punkt ist jedoch ein anderer: Eine derart lange und wiederholt abrufbare Dauer ist für die Versorgungssicherheit in dieser Form gar nicht erforderlich. Analysen von LCP Delta zur Rolle von Langzeit-Batteriespeichern zeigen, dass der überwiegende Teil kritischer Versorgungssituationen deutlich kürzer ist.
Denn Batteriespeicher wirken im Gesamtsystem nie allein, sondern im Verbund mit anderen Erzeugungsleistungen im Back-up-Mix. Ein System, das ausschließlich auf sehr lange Dauerleistung optimiert wird, schafft daher keine zusätzliche Sicherheit, sondern vor allem höhere Kosten.
Local-Content-Anforderungen wirken zulasten von Speichern
Für langfristige Verträge wird der Zuschlag daran geknüpft, dass mindestens 50 Prozent der Wertschöpfung im europäischen Wirtschaftsraum erfolgen. Auch dieses Kriterium wirkt auf den ersten Blick neutral, entfaltet in der Praxis jedoch eine sehr unterschiedliche Wirkung.
Der reine Neubau von Gaskraftwerken kann die Anforderung über bestehende europäische Lieferketten aus Komponenten-Sicht weitgehend erfüllen. Batteriespeicher hingegen sind, insbesondere bei Zelltechnologien, weiterhin stark in asiatische Wertschöpfungsketten eingebunden. Damit trifft die Vorgabe die Technologien nicht gleich, sondern verteuert und erschwert den Einsatz von Batteriespeichern im Wettbewerb.
Das Ergebnis ist eine künstliche Verteuerung von Speicherprojekten, ohne dass damit tatsächlich die energiepolitische Abhängigkeit reduziert wird. Denn während bei Batterien die Komponenten importiert werden, wird bei Gaskraftwerken der für den Betrieb über Jahrzehnte benötigte Brennstoff weiterhin überwiegend außerhalb der EU importiert. Mit regionaler Wertschöpfung oder einer Verringerung energiepolitischer Abhängigkeiten hat dieses Kriterium daher in der Praxis nichts zu tun.
Investitionsschwellen verstärken den strukturellen Nachteil
Hinzu kommt ein weniger sichtbarer, aber potenziell wirkungsvoller Mechanismus: die Mindestinvestitionsschwellen in Kombination mit sogenannten De-Rating-Faktoren. Beide Instrumente sind für sich genommen nicht ungewöhnlich in Kapazitätsmärkten.
In ihrer konkreten Ausgestaltung führen sie jedoch dazu, dass Batteriespeicher pro „voll-bewerteter“ Leistungseinheit mehr Kapital einsetzen müssen als Gaskraftwerke. Der bestehende Nachteil aus der reduzierten „anrechenbaren Leistung“ wird damit ökonomisch verstärkt und direkt in die Ausschreibung übertragen, was die Wettbewerbsposition von Batteriespeichern in der Gebotswertung weiter verschlechtert.
Das Ergebnis: weniger Wettbewerb, höhere Kosten
Jedes dieser Kriterien lässt sich für sich genommen begründen. In ihrer konkreten Kombination entsteht jedoch ein Ausschreibungsdesign, das die Wettbewerbsfähigkeit von Langzeit-Batteriespeichern im wichtigsten Segment gezielt einschränkt.
Die Kriterien wirken dabei nicht isoliert, sondern greifen ineinander und verschieben die Zuschlagsbedingungen so, dass bestimmte Technologien bevorzugt und andere faktisch verdrängt werden. Das Ergebnis ist weniger Wettbewerb und damit höhere Kosten sowie eine weniger effiziente Gesamtlösung für Versorgungssicherheit.
Der effizientere Weg liegt auf dem Tisch
Die aktuelle Analyse von LCP Delta auf Basis unserer realen Projekt- und Kostendaten zeichnet ein klares Bild: Langzeit-Batteriespeicher können im Zusammenspiel mit anderen Technologien die gleiche Versorgungssicherheit gewährleisten wie neue Gaskraftwerke, zu deutlich geringeren Kosten.
Bereits ein teilweiser Ersatz von zwei Gigawatt Gaskraftwerkskapazität durch Batteriespeicher kann jährliche Einsparungen von bis zu 166 Millionen Euro ermöglichen, bei gleichbleibender Versorgungssicherheit. Der entscheidende Punkt dabei ist: Es braucht keinen vollständigen Ersatz von Gas, sondern eine intelligente Kombination. Das senkt bereits die Kosten erheblich.
Eine einseitige Fokussierung auf Gas greift zu kurz. Versorgungssicherheit sollte zu den geringstmöglichen Kosten beschafft werden. Dafür ist ein technologieoffenes Ausschreibungsdesign entscheidend.
Versorgungssicherheit heißt: Wettbewerb zulassen
Das bedeutet nicht, auf Gaskraftwerke zu verzichten. Es bedeutet, sie dem Wettbewerb auszusetzen und dort, wo andere Technologien effizientere Lösungen bieten, diese bei gleicher Versorgungssicherheit auch zuzulassen. Wir stehen in Deutschland vor der Aufgabe, ein resilienteres, zukunftsfähiges und zugleich kosteneffizientes Stromsystem aufzubauen.
Das gelingt nur mit einem ausgewogenen Mix an Flexibilitätsoptionen – nicht durch die implizite Vorfestlegung auf eine einzelne Technologie durch den Staat. Batteriespeicher gehören in das Langfristsegment der Ausschreibungen. Nicht als Ersatz, sondern als Teil der Lösung.
Philip Hainbach ist General Manager Germany bei Field. Field ist ein europaweit tätiger Entwickler, Investor und Betreiber von großskaligen Batteriespeicherprojekten mit Hauptsitz in London und Präsenz in Deutschland, Italien und Spanien.
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