Standpunkt : Die Wärmepumpe wird es überleben, aber die deutsche Industrie?
Jan Ossenbrink hat in Köln das Wärmepumpen-Start-up Vamo mitaufgebaut, in der Technologie sieht er die Zukunft. Im Standpunkt warnt er vor den GMG-Eckpunkten, insbesondere der Grüngasquote und Bio-Treppe. Die deutsche Wärmepumpenindustrie könnte bald abwandern.
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Die aktuelle politische Debatte um das Gebäudeenergiegesetz (GEG) hat die Branche erneut in einen künstlichen Wartemodus versetzt, der volkswirtschaftlich brandgefährlich ist. Während die Wärmepumpe technologisch und ökonomisch die einzige logische Standardlösung im Wärmesektor bleibt, gefährden unklare politische Signale eine Schlüsselindustrie der Zukunft.
Auch wenn die Wärmepumpe Stück für Stück in deutschen Heizungskellern Einzug finden wird – fraglich ist, wie lange die wesentlichen Komponenten noch von Herstellern aus Deutschland oder Europa kommen. Denn unter dem Auf und Ab leiden insbesondere die heimischen Hersteller und damit der Standort an sich.
Die technologische Überlegenheit gegen politische Narrative
Die Wärmepumpe hat sich bereits im Jahr 2025 als das marktführende System bei Modernisierungen im Bestand etabliert und die Gastherme in deutschen Kellern erstmals überholt. Diese Entwicklung ist nicht auf kurzfristige Trends zurückzuführen, sondern beruht auf klaren technischen Vorteilen, die sich in einer uneinholbaren Effizienz niederschlagen. Allen politisch motivierten Narrativen und Vorurteilen zum Trotz ist die Technologie längst massentauglich. Die Erfahrung aus dem Feld bestätigt, was unzählige Studien und Gebäudestatistiken vorher in der Theorie gezeigt haben: über 80 Prozent des Gebäudebestands lassen sich ohne umfangreiche Sanierungen umrüsten.
Die Bundesregierung suggeriert derzeit eine technologische Wahlfreiheit mit Optionen wie Wasserstoff, Biogas oder gar grünes Heizöl. Beim Blick auf die naturwissenschaftlichen, technischen und ökonomischen Fakten entpuppen sich diese jedoch als Märchen. Aufgrund massiver Umwandlungsverluste und mangelnder Skalierbarkeit im Verteilnetz stellt etwa Wasserstoff keine realistische Option für die private Wärmeerzeugung dar. Dieser politische Irrweg führt lediglich zu einer künstlichen Verlängerung einer sterbenden Technologieära.
Die volkswirtschaftliche Kostenfalle der fortgesetzten fossilen Abhängigkeit
Volkswirtschaftlich bedeutet das Festhalten an fossilen Importen den Abfluss von Milliarden Euro ins Ausland. Diese könnten im Inland die regionale Wertschöpfung im Handwerk unterstützen und die Verbraucher würden nicht der Abhängigkeit von ausländischen Gaslieferanten ausgesetzt.
Mit einer Lebensdauer von 20 Jahren erzeugen heute installierte Gasheizungen einen Lock-in-Effekt, der eine Klimaneutralität bis 2045 faktisch unmöglich macht und sicherlich zur Einführung von teuren Reparaturgesetzen führt. Ab 2028 wird die vermeintliche Wahlfreiheit durch den europäischen Emissionshandel aus ökonomischer Sicht dann vollkommen obsolet, da die Kosten des Heizens mit fossilen Brennstoffen aufgrund der systematisch steigenden CO2-Bepreisung für Verbraucher nicht mehr tragbar sein werden.
Für die 2030er Jahre deuten breit angelegte wissenschaftliche Studien eine Verdopplung bis Verdreifachung der CO2-Aufschläge über den Emissionshandel an. Darüber hinaus befinden sich die Gasnetze bereits jetzt in einer Abwärtsspirale: Aufgrund rückläufiger Nutzerzahlen müssen die hohen Fixkosten der Infrastruktur auf eine geringere Anzahl an Abnehmern verteilt werden, was wiederum zu einer Steigerung der Netzentgelte in dreistelliger Millionenhöhe führt.
Der Rattenschwanz der Wärmewende
Für Unternehmen hat regulatorische Unsicherheit sofort einen operativen Einfluss. Dies konnte man an dem Gesamtabsatz von Heizungen in den letzten drei Jahren ablesen. Die Nachfrage schwankte zwischen 1,2 Mio. und 600 Tsd. Wärmeerzeugern. Auf so ein Auf und Ab lässt sich keine Finanzplanung einstellen.
Bei der hitzig geführten politischen und gesellschaftlichen Debatte rund um Deutschlands Wärmewende haben politische Aussagen direkten Einfluss auf den Markt. Der bisherige Schlingerkurs der Politik und die anhaltende Unsicherheit führen zu nachhaltiger Kaufzurückhaltung. Kunden, die Angst vor eine Fehlentscheidung haben, kaufen nicht. Und dies ist fatal für eine technologische Transformation, die in Deutschland ohnehin viel zu langsam abläuft.
Fachunternehmen haben sich in den letzten Jahren auf diese Situation eingestellt und gehen Kundengespräch für Kundengespräch geduldig auf jedes Vorurteil ein, klären über die technischen Fakten auf und arbeiten gegen die Emotionen an. Für die meisten Betriebe ist mittlerweile klar, dass die Wärmepumpe die neue Standardtechnologie im Heizungskeller wird. Sie haben sich mit Schulungen der Hersteller in die neue Technik eingearbeitet und mit ersten Projekten viel praktisches Wissen gesammelt.
Durch das gestiegene Angebot und den höheren Wettbewerb sind die Endkundenpreise in den letzten Monaten erstmal gefallen. Die Technologie war dabei, sich sukzessive aus der Nische in den Massenmarkt zu bewegen. Vor diesem Hintergrund dieser positiven Entwicklung und den getätigten Investitionen findet sich in der Branche mittlerweile niemand mehr, der noch Verständnis für neuerliche Nebelkerzen hat. Wer vor einem Jahr verärgert war, ist mittlerweile einfach nur noch sprachlos.
Das Risiko geopolitischer Naivität
Diese gegenwärtige Entwicklung erinnert stark an den Niedergang der heimischen Photovoltaik-Branche im letzten Jahrzehnt. Auch hier führten plötzliche Kürzungen der Fördermittel und politische Instabilität zum Verlust einer Schlüsselindustrie, die weltweit führend war an die Konkurrenz aus Asien. Heute laufen wir erneut Gefahr, Wertschöpfung in einer Schlüsseltechnologie ohne Not und trotz Innovationsvorsprung auf Dauer zu verlieren. Während deutsche Entscheidungsträger über eine Grüngasquote debattieren, werden insbesondere chinesische Hersteller diese Phase der Unsicherheit für einen aggressiven Markteintritt nutzen.
Heimische Hersteller werden gezwungen, eine ressourcenintensive Doppelstrategie zu fahren und weiterhin veraltete Gastechnologien zu produzieren, anstatt ihre Kapazitäten voll auf die Skalierung zukunftsfähiger Technologien zu fokussieren. Während spezialisierte Wettbewerber aus Asien ihre Produktionslinien konsequent auf elektrische Systeme optimieren und dadurch enorme Wettbewerbsvorteile erzielen, verliert der deutsche Standort durch diese Zersplitterung an Boden.
Sollte die Bundesregierung diesen Kurs fortsetzen und die Förderung tatsächlich zu Ostern abrupt kürzen, steuern wir auf einen letzten Boom zu, bevor der Markt Ende 2026 zusammenbricht und wir den Verlust einer weiteren Schlüsselindustrie beklagen.
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