Smart-Meter-Rollout : Digitalisierung der Stromnetze – Deutschland muss dringend mehr Tempo wagen
Mit breiter Zustimmung im Bundestag ist der Neustart der Digitalisierung der Stromnetze in Deutschland seit Mai 2023 angelaufen. Trotzdem ist das Tempo weiterhin unzureichend. Lars Rohwer, CDU-MdB und Mitglied im Wirtschaftsausschuss des Bundestages, plädiert für einen dreigliedrigen Plan für eine wahrhaftige Beschleunigung beim Smart-Meter-Rollout
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In der Debatte um Standards an intelligente Stromzähler ist in Deutschland der Rollout von Smart Metern auf der Strecke geblieben. Der Handlungsbedarf ist offensichtlich. Schwarz-Rot im Bund will nun mit deutlichen Maßnahmen mehr Tempo in der für die Energiewende entscheidenden Zukunftsfrage wagen.
Ganz Deutschland diskutiert über künstliche Intelligenz, Technologie und Digitalisierung. Wenige Entwicklungen prägten das erste Viertel des 21. Jahrhunderts so sehr wie die Digitalisierung und die Energiewende. Genau mit der Schnittstelle dieser beiden Herausforderungen hat die Bundespolitik seit Langem zu kämpfen.
Mit dem Smart-Meter-Rollout bringen wir menschliche wie künstliche Intelligenz dorthin, wo sie ganz konkret wirkt: An jede einzelne Messstelle im Land. Energiewende und Digitalisierung verlangen uns Flexibilität ab, der sich die Bundesregierung nun entschlossen stellt.
Zukunft des Strommarktes liegt in der Flexibilität
Dass die Zukunft des deutschen Strommarkts in der Flexibilität liegt, ist längst unbestritten. Zwei von drei Deutschen sprechen sich für einen Einbau intelligenter Messsysteme aus (63 Prozent laut repräsentativer Bitkom-Studie, siehe 4.7.5. im Monitoring). Im scharfen Kontrast dazu stehen die erschreckend geringen Zahlen von bereits verbauten intelligenten Stromzählern in Deutschland. Zum 30. September 2025 weist die Bundesnetzagentur rund 4,7 Millionen installierte intelligente Messsysteme aus, davon etwa eine Million Pflichteinbauten. Das entspricht rund 20,2 Prozent der gesetzlichen Pflichteinbaufälle – aber nur 3,8 Prozent aller Messstellen in Deutschland.
Nach dem geltenden Rolloutfahrplan musste jeder grundzuständige Messstellenbetreiber zum Jahreswechsel 20 Prozent der Pflichteinbauten erreichen. Im bundesweiten Durchschnitt wird diese Quote zwar erreicht, in der Breite bleibt der Rollout aber deutlich hinter der vorgeschriebenen Marke zurück: Viele der übrigen grundzuständigen Messstellenbetreiber verfehlen diese teils klar und erreichen sie nicht einmal annähernd. Ohne Kooperationen droht vielen Messstellenbetreibern eine deutliche Zielverfehlung. Ein zentrales Infrastrukturprojekt der Energiewende droht so ausgerechnet an der Umsetzungsgeschwindigkeit zu scheitern.
Die Koalition aus CDU/CSU und SPD nimmt sich dem Smart-Meter-Rollout auf eine entscheidende neue Weise an. Mit pragmatischer Ausgestaltung, spürbaren Belohnungen und dem nötigen Selbstbewusstsein soll die Digitalisierung des Stromsystems eine Geschwindigkeit annehmen, die dem Anspruch an ein wahrhaftiges Tempo der Digitalisierung gerecht wird (Einen entsprechenden Entschließungsantrag hat der Deutsche Bundestag am 13.11.2025 unter der Drucksache 21/2793 verabschiedet.)
1. Klare Verantwortung und Kooperation
Wer schon vernetzt ist, soll auf diesem Vorteil aufbauen können. Mit einer klaren Zuständigkeit bei Verteilnetzbetreibern für den flächendeckenden Rollout platzieren wir die Gemeinschaftsaufgabe dort, wo der größte Systemnutzen entsteht. Statt uns Parallelsysteme und abweichende Apparaturen zu leisten, stellen wir durch die gezielte Unterstützung der Zusammenarbeit der Messstellenbetreiber untereinander ein einheitliches und tragfähiges System her. Der wettbewerbliche Smart Meter soll hier Anreize für Prozessoptimierung setzen, jedoch nicht für Verunsicherung sorgen.
Gerade für kleinere Verteilnetzbetreiber kann die flächendeckende Installation von intelligenten Stromzählern dennoch zu einer Herausforderung werden. Unabhängig von der Haushaltsmenge fallen Kosten an, die ein Break-even erst bei einer mittleren sechsstelligen Anzahl an installierten Geräten sichern. Eine so große Menge an Haushalten fällt nur in wenigen Fällen unter einen Messstellenbetreiber, zumal auf ebenjene großen Betreiber bereits ein Großteil des Rollouts entfällt.
Viele Verteilnetzbetreiber sind längst bereit, mehr Verantwortung zu übernehmen und in moderne IT- und Datenarchitekturen zu investieren und den Rollout in der Fläche voranzutreiben. Was sie benötigen, ist ein klarer, verlässlicher Ordnungsrahmen, der Investitionen ermöglicht und Kooperationen erleichtert. Das Ziel ist ausdrücklich nicht, Fusionsfantasien zu befördern, das würde nur unnütz Kräfte binden, die wir dringend beim Ausbau der Digitalisierung benötigen. Und keineswegs geht es, wie hier und da in der Fachwelt diskutiert, um zwangsweise Konzentration auf wenige Großakteure. Was wir wollen, ist, dass diejenigen, die fachlich und wirtschaftlich dazu in der Lage sind, den Rollout effizient und über Netzgrenzen hinaus organisieren können.
Mit gezielten Anreizen zur Zusammenarbeit mehrerer Messstellenbetreiber hat die schwarz-rote Koalition hier einen ersten Schritt getan, dem weitere Schritte folgen müssen. Zusammenführen von Erfüllungsquoten zwischen Messstellenbetreibern kann zu einem echten kooperativen Unterhaken führen.
2. Positiv-Pönalen für echten Wettbewerb
Die eingesparten Netzkosten stellen bei einem flächendeckenden Smart-Meter-Rollout die Installationskosten in den Schatten. Jeder verzögerte Einbau eines intelligenten Messsystems kostet am Ende Geld – und zwar alle Stromverbraucherinnen und Stromverbraucher. Diese Effizienzpotenziale aus bloßer Verzögerung preiszugeben, wäre verantwortungslos.
Sanktionen bei Nichterfüllung gehören dazu, sind aber nur ein Teil der Antwort. Mit der Übertragung der Grundzuständigkeit auf einen Auffangmessstellenbetreiber oder mit einer verpflichtenden Ausschreibung, wenn Unternehmen dauerhaft hinter den Zielvorgaben zurückbleiben, erhöhen wir hier à jour den Handlungsdruck.
Genauso wichtig ist jedoch die positive Seite der Anreizstruktur. Wir wollen leistungsfähige Messstellenbetreiber ausdrücklich belohnen. Wer schneller und qualitativ hochwertig ausrollt, soll davon auch messbare Vorteile haben – und über Belohnungen wie Positiv-Pönalen über die systemimmanenten Einsparungen hinaus bessergestellt werden und im Anschluss seine Erfolge auf säumige Betreiber übertragen können.
3.Mit Sicherheit ans Ziel
Die permanent andauernde Debatte über Anforderungen an Geräte, deren Betreiber und die Zuständigkeit ist zum Bremsklotz für den flächendeckenden Rollout geworden. Oft wird in der Debatte verkannt, was ein BSI-zertifizierter Smart Meter in einem diversifizierten Betreibersystem für einen zeitgemäßen Vorteil liefert.
Bürokratieabbau und Resilienz müssen kein Widerspruch sein. In Zeiten hybrider Angriffe auf unser Energiesystem lässt sich aus unserem vielseitigen Energiesystem eine Stärke machen. Der Smart Meter ist einer der wenigen Bereiche der Energiewende, in dem uns keine Abhängigkeit von Dumping-Ware aus dem nichteuropäischen Ausland droht. Diesen Vorteil zu verspielen, wäre fahrlässig.
Sicherheit und Schnelligkeit bringen wir in Einklang, statt sie gegeneinander auszuspielen. Die Europäische Union befindet sich in einem Prozess der Digitalisierung, zu dem Deutschland mit der notwendigen Sicherheit der Geräte beitragen kann. Mit dem Einführen krisenfester Standards haben wir einen entscheidenden Dienst für die Sicherheit in der Europäischen Union geleistet, dessen Nutzen nicht erst seit dem Beginn des russischen Angriffskriegs offensichtlich ist. Zur Abwehr vor grenzüberschreitenden digitalen Bedrohungen stärken wir mit unserer Vorarbeit nun unsere Partner und bringen unseren Fortschritt in der EU ein – für einen flächendeckenden, sicheren Rollout in unserer Wirtschaftsunion.
Die aufgezeigten Maßnahmen sind geeignet, einen sicheren und schnellen Rollout von Smart-Metern zu gewährleisten und somit eine zeitgemäße Antwort auf die drängendste Frage der Energiewende zu legen. Die Intelligenz ist da, jetzt gilt es, sie umgehend anzuwenden und zu verbreiten.
Lars Rohwer ist seit 2021 Mitglied des Deutschen Bundestages. Er ist Mitglied im Ausschuss für Wirtschaft und Energie sowie für die CDU/CSU zuständiger Berichterstatter für das Energiewirtschaftsgesetz.
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