Internationaler Klimaschutz : Ökonomischer Klimaschutz ist populärer als gedacht – solange er global vereinbart wird
Klimaschutz hat es politisch derzeit schwer. Andere Krisen beschäftigen die Gesellschaft, und die globale Kooperation zur Einhaltung planetarer Grenzen erscheint beschädigt, stellt Linus Mattauch fest. Dabei sollten die politischen Entscheidungsträger nicht zu viel Angst vor ihren Bürgern haben, wenn sie Klimaschutz vorantreiben, betont der Arbeitsgruppenleiter am PIK.
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Ökonomen betonen stets, dass Klimaschutz ein globales Kooperationsproblem ist. Die zentrale Handlungsempfehlung der Volkswirtschaftslehre zur Vermeidung des Klimawandels ist darum, einen globalen Emissionshandel einzuführen. Diese Form der CO2-Bepreisung bedeutet, die Emissionen zu deckeln und Rechte an weiterer Verschmutzung zu versteigern, damit die Verschmutzer der Atmosphäre überall den gleichen Preis bezahlen.
Dass Klimaschutz global gelöst werden muss und Maßnahmen auf nationaler Ebene weniger bringen, sehen nach unseren Befragungen fast alle Bürger der G20-Länder so. Und dass fast alle Menschen auf der Welt finden, dass Regierungen beim Klimaschutz grundsätzlich mehr tun sollten, haben schon viele Befragungen der letzten Jahre ergeben.
Ein globaler Emissionshandel genießt Popularität im Globalen Norden
Allerdings sind die globalen Verhandlungen zum Klimaschutz stets auch „Weltumverteilungskonferenzen“, was auf zwei Sachverhalte zurückgeht: Erstens nutzen die Länder des Globalen Südens die Klimakonferenzen dazu, Forderungen für eine gerechtere Verteilung finanzieller Ressourcen zu stellen, weil es kein globales Forum mit noch mehr Sichtbarkeit für diesen Bedarf gibt. Zweitens sind relevante Länder des globalen Südens zu arm, um die Klimatransformation selbst bezahlen zu können. Im Ergebnis wird Fortschritt beim globalen Klimaschutz nicht ohne Umverteilung in den Globalen Süden stattfinden.
Unsere neue Studie zeigt, dass ein globaler Emissionshandel, der die Einnahmen aus dem Verkauf von Zertifikaten pro Kopf – und damit zugunsten der Länder des Globalen Südens – verteilt, auch im Globalen Norden sehr populär ist. Dass große Mehrheiten der Bevölkerung in den meisten Ländern der Welt mehr Klimaschutz fordern, haben schon andere Forschende belegt. Wir zeigen erstmals, dass die Menschen auch dann für einen globalen Emissionshandel sind, wenn sie verstehen, dass sie als Bürger im Globalen Norden einen geringen finanziellen Verlust hinzunehmen hätten.
Etwa drei Viertel der Europäer und gut die Hälfte der Amerikaner in unserer Befragung unterstützen einen global gerechten Emissionshandel. In Deutschland sind es 71 Prozent der Befragten. Wir hatten berechnet, dass unser Vorschlag zum Schutz des Klimas den Durchschnittsdeutschen 25 Euro pro Monat kosten würde – solche moderaten Kosten scheint die große Mehrheit der Bevölkerung nicht abzuhalten, effizienten Klimaschutz zu unterstützen, wenn gleichzeitig klar gemacht wird, dass dieser global und gerecht stattfinden würde.
Die positive Einstellung der Bürger zu global gerechtem Klimaschutz hat uns so sehr überrascht, dass wir das Ergebnis mit Methoden der Befragungsforschung gezielt geprüft haben. Wir wollten schauen, ob viele Menschen sozial erwünschte Antwort gaben, statt ihre eigene Meinung kund zu tun. Doch auch wenn wir den Vorschlag zwischen anderen Politikmaßnahmen „verstecken“ und die Menschen auswählen lassen, welche sie gut finden oder sie eine Petition an ihre Regierung für den globalen Emissionshandel unterzeichnen lassen, ändert sich das Ergebnis kaum. Allerdings weisen andere Studien darauf hin, dass politischer Streit über den Klimaschutz dazu führt, dass konkrete Maßnahmen unpopulärer werden – zumindest für die USA ist das gut belegt.
Unterschätzte Zustimmung zu globalem Vorgehen
Warum findet also kein ökonomisch vernünftiger und global gerechter Klimaschutz statt, wenn doch die Menschen des globalen Nordens, die ihn bezahlen müssen, in großen Mehrheiten dafür sind? Erstens mag es sein, dass Politiker, welche die Klimaziele unterstützen, die hohe Zustimmung zu globalen Maßnahmen ihrer Bevölkerung unterschätzen. Schließlich werden Politikmaßnahmen in der bereiten Öffentlichkeit fast ausschließlich national diskutiert.
Zweitens ist es denkbar, dass globale Maßnahmen als unrealistisch verkannt werden – möglicherweise sogar durch Beeinflussung jener Interessenvertreter, deren wirtschaftliche Partikularinteressen global gerechtem Klimaschutz entgegenstehen.
Man kann in der Tat nicht damit rechnen, dass Russland, die USA oder Saudi-Arabien noch rechtzeitig für die globalen Klimaziele in einen global harmonisierten Emissionshandel einsteigen werden. Es gibt Stimmen von politischen Entscheidungsträgern in der Europäischen Union, die gegenüber einem globalen Emissionshandel jedoch auch den Widerstand von Staaten wie Indien oder Indonesien anführen, weil die Unabhängigkeit ihrer wirtschaftlichen Entwicklung Priorität habe. Dabei würden solche Staaten von der Umverteilung unter einem internationalen Emissionshandel finanziell stark profitieren.
Internationale Zusammenarbeit geht bereits in die richtige Richtung
Daher sind auch zunächst vorläufige Formen von internationaler Zusammenarbeit Schritte in die richtige Richtung: Sogenannte Just Energy Transition Partnerships, welche die Länder des globalen Nordens bisher mit Südafrika, Vietnam, Indonesien oder dem Senegal abgeschlossen haben, um deren Energiesysteme maßgeschneidert zu dekarbonisieren, könnten in Zukunft mit Einnahmen aus der CO2-Bepreisung robuster finanziert werden. Auch der kommende zweite Emissionshandel (ETS 2) der Europäischen Union für den Gebäude- und Verkehrssektor verteilt die Einnahmen teilweise zugunsten der ärmeren europäischen Länder um.
Unsere Ergebnisse zeigen: Die öffentliche Meinung stellt kein Hindernis für eine vertiefte internationale Zusammenarbeit dar, wenn der globale Klimaschutz endlich die nötige politische Unterstützung erhält.
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