Standpunkt : Wer Holzwärme im GModG bremst, bremst die Wärmewende
Das umstrittene Gebäudemodernisierungsgesetz soll die Wärmewende vereinfachen. Laut Martin Bentele ist das Gegenteil der Fall: Es übertrifft seinen Vorgänger, das Gebäudeenergiegesetz, an Unübersichtlichkeit und Bürokratie. Der Geschäftsführer des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbands kritisiert neue Hürden statt Rückenwind für Holzwärme durch das Gesetz. Dabei ist Holzwärme noch der dominierende erneuerbare Wärmeträger in Deutschland.
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Holzwärme spielt für die Energiewende eine Schlüsselrolle. Ohne sie würden die Ziele im Wärmesektor noch krachender verfehlt, stellt sie doch rund 60 Prozent der gesamten erneuerbaren Wärme. Pellets werden überwiegend aus Reststoffen der Holzverarbeitung hergestellt, die von der im Rückzug begriffenen Spanplatten- und Papierindustrie ansonsten kaum genutzt würden. Gleichzeitig lassen sie sich einfach lagern und stehen unabhängig von Wetter oder Tageszeit – oder globalen Verwerfungen am Energiemarkt – zur Verfügung. Gerade diese Verlässlichkeit ist ausschlaggebend und sollte, wenn möglich, im vollen Potenzial ausgeschöpft werden.
Die große Mehrheit der „Pelletheizer“ ist zufrieden. Das zeigt eine aktuelle Civey-Umfrage im Auftrag des Deutschen Pelletinstituts. Die Heizungen gelten als technisch ausgereift und bezahlbar. Pellets sind kontinuierlich günstiger als fossile Brennstoffe. Auch der Kesselkauf und -einbau werden staatlich gefördert. Besonders dort, wo weder Fernwärme noch Wärmepumpen realistische Optionen sind, bieten Pelletheizungen eine wichtige Alternative. Zudem garantiert das Qualitätssiegel ENplus bundesweit gleichbleibende Brennstoffqualität vom Hersteller bis zur Lieferung als Basis für den reibungslosen Heizungsbetrieb.
Für viele Menschen, gerade im ländlichen Raum oder älteren, schlechter sanierten Gebäuden, sind Pellets oder Hackschnitzel außerdem oft die günstigste Form erneuerbarer Wärme. Werden Holzheizungen durch Auflagen und schlechtere Bewertungen unattraktiver gemacht, wie aktuell im Gebäudemodernisierungsgesetz (GModG) geplant, steigen die Kosten für Eigentümer. Wer keine realistische Alternative hat, wäre gezwungen, notwendige Investitionen aufzuschieben oder länger auf fossile Energien zu setzen – durch den steigenden CO2-Preis ein kostspieliges Unterfangen.
GModG: Bürokratie ohne Mehrwert
Nach dem Regierungsentwurf sollen Betreiber neuer Holzheizungen nachweisen, dass ihre Brennstoffe die Anforderungen der Biomassestrom-Nachhaltigkeits-Verordnung erfüllen. Das klingt nur beim flüchtigen Hinsehen sinnvoll. Tatsächlich ist dies für private Haushalte weder praktikabel noch notwendig. Zum einen wurde die Verordnung für große Energieanlagen ab 7,5 Megawatt entwickelt – nicht für den privaten Heizungskeller. Für Hausbesitzer würden die neuen Anforderungen zusätzlichen Aufwand und Unsicherheit bedeuten, ohne dass sich in puncto Nachhaltigkeit etwas verbessert.
Zum anderen ist mehr Nachhaltigkeit nicht nötig: Denn Pellets werden in Deutschland zu etwa 90 Prozent aus Sägespänen und Resthölzern hergestellt, die als Nebenprodukte der Sägeindustrie anfallen. Zu 10 Prozent wird nicht-sägefähiges Rundholz aus der Holzernte genutzt. Wälder in Deutschland – wie auch fast überall in Mitteleuropa – werden per Gesetz nachhaltig bewirtschaftet. Nicht zuletzt durch den klimabedingt notwendigen Waldumbau ist auch in den kommenden Jahrzehnten genügend Rohstoff vorhanden. Und Deutschland seit Jahren europaweit Spitzenproduzent und Nettoexporteur von Pellets.
Widersprüche im Gesetzentwurf
Eine weitere allgemeine Unsicherheit im GModG-Entwurf entsteht durch die Eliminierung der 65-Prozent-Erneuerbaren-Regel durch die sogenannte Bio-Treppe. Diese war in den letzten Wochen in aller Munde und zielt vor allem auf die Verwendung von Gasen ab: Abgesehen von unklaren Kosten und Verfügbarkeiten, ist der klimapolitische Nutzen mehr als fragwürdig. Die steigende Pflicht zur Nutzung erneuerbarer Anteile bei fossilen Brennstoffen soll nur für neue Heizungsanlagen gelten. Für viele Öl- und Gasheizungen, die unter den bisherigen Regeln des GEG eingebaut wurden, würde die Verpflichtung hingegen entfallen. Gleichzeitig soll das Verbot fossiler Brennstoffe ab 2045 gestrichen werden. Beides widerspricht den Klimazielen im Gebäudesektor und würde vermutlich Strafzahlungen von Deutschland an die EU in Milliardenhöhe nach sich ziehen.
Deshalb möchten wir den Gestaltern des GModG diese vier Forderungen nahebringen, damit soziale, klimapolitische und wirtschaftliche Ziele im Gebäudesektor erreichbar bleiben:
- Die Nachweispflicht nach der Biomassestrom-Nachhaltigkeits-Verordnung streichen oder auf große Anlagen beschränken
- Hybridheizungen mit Holzanteil vollständig auf die Bio-Treppe anrechenbar machen – unabhängig vom Installationszeitpunkt
- Den Primärenergiefaktor für Holz so niedrig ansetzen, wie es europäisches Recht erlaubt
- Das Verbot fossiler Brennstoffe ab 2045 im GModG erhalten
Mehr Pelletheizgeräte? – Kein Problem!
Warum knarzende (Bio-)Treppen für Klimaluftschlösser bauen, wenn auch ein einziger, nicht besonders aufwändiger Schritt beim Heizungstausch ausreicht? Mit Holz- und Pelletheizungen ist man ohne große Umbauten mit einer Maßnahme direkt bei 100 Prozent erneuerbarer Wärme. Auch in Zukunft wird es genug Rohstoff für die energetische Holznutzung geben. Dass bei der Holzverarbeitung rund 40 Prozent des Holzes in Form von Sägespänen anfällt, verdeutlicht das riesige heimische Rohstoffpotential. Die jährlich rund 7,5 Mio. Tonnen Sägenebenprodukte vom Holzeinschnitt werden nur zu gut einem Fünftel für Pellets genutzt.
Diese Späne sind, genauso wie Holzreste aus der notwendigen Durchforstung für klimastabile Mischwälder, ein heimischer, nachwachsender Rohstoff. Nutzen wir ihn doch für Baustoffe, für die Papierherstellung – und ergänzend für Holzwärme zur Substitution klimaschädlicher fossiler Brennstoffe. Genauso wird es bei der sogenannten stofflichen Verwendung auch gemacht: Holzbau ersetzt oder minimiert den Einsatz von Beton & Co. und ist vor allem durch den wirtschaftlichen Einsatz der bei der Herstellung unvermeidbar anfallenden Nebenprodukte preislich konkurrenzfähig.
Emissionen – kein Grund zur Sorge!
Wer dabei noch an Lagerfeuerromantik denkt, verkennt die deutsche und österreichische Ingenieurskunst, die in den meisten Anlagen steckt. Moderne Pelletkessel und -kaminöfen sind automatisch betriebene Systeme mit deutlich geringeren Emissionen als herkömmliche Scheitholzöfen. Dank ENplus-zertifiziertem Energieträger und präziser Steuerung ist Heizen mit Pellets effizient und sauber. Die Staubemissionen liegen deutlich unter den gesetzlichen Grenzwerten, wie Messungen der Schornsteinfeger zeigen. So sind Holzfeuerungen (bis 1 MW) nur für rund neun Prozent der Staubemissionen (PM10) in Deutschland verantwortlich. Insgesamt machen Pelletheizungen und Pelletkaminöfen heute lediglich 0,5 Prozent aus. Bei Feinstaub (PM2,5) sind es 1,1 Prozent.
Kurz: Holzenergie ermöglicht sowohl die Investition in klimaresiliente Wälder als auch in Bauholz als langfristigen CO2-Speicher und ist auch im Betrieb nachhaltig. Ordnungsrechtliche Vorgaben, wie im GModG geplant, würden hier ein funktionierendes marktwirtschaftliches System mit einem breit verfügbaren und daher bezahlbaren Energieträger aus dem Takt bringen.
Martin Bentele ist diplomierter Forstwirt und Geschäftsführer des Deutschen Energieholz- und Pellet-Verbands e.V. (DEPV) sowie dessen Tochterunternehmens, des Deutschen Pelletinstituts (DEPI), in Berlin.
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