KI in der Logistik : Nur durch gemeinsames Wissen gelingt die Industrialisierung
Künstliche Intelligenz ist in vielen Unternehmen angekommen, entfaltet aber in komplexen industriellen Strukturen nur begrenzt Wirkung. Doch durch gemeinsames Prozesswissen – etwa in Form offener Standards – können KI-Systeme Informationen besser einordnen.
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Künstliche Intelligenz hat in Unternehmen bereits sichtbare Spuren hinterlassen. Sie unterstützt bei Routinetätigkeiten und verarbeitet große Informationsmengen effizient. In industriellen Wertschöpfungsketten bleibt ihr Nutzen aber begrenzt, insbesondere in der Logistik. KI ist zwar technisch verfügbar, operativ aber kaum wirksam, weil ihr der gemeinsame Kontext fehlt. Sie braucht nicht nur Daten, sondern einheitliches Prozesswissen, das in vielen Branchen nicht strukturiert vorhanden ist.
Industrieprozesse sind stark individualisiert. Logistikunternehmen arbeiten mit heterogenen Systemlandschaften, unterschiedlichen Begriffen und abweichenden Abläufen. Statusmeldungen wie „Loading Arrival“, „Delivered“ oder „In delivery“ können je nach Organisation Unterschiedliches bedeuten; Abkürzungen sind mehrfach belegt, Prioritäten folgen ungeschriebenen Regeln. In diesem Umfeld kann KI Muster erkennen, aber nicht zuverlässig bewerten.
Dieses fehlende gemeinsame Prozesswissen ist ein strukturelles Hindernis, insbesondere in der Logistik, die hohe Komplexität und viele Beteiligte vereint.
Neutraler Ausgangspunkt durch offene Standards
Die Open Logistics Foundation erarbeitet derzeit offene Standards, die eine gemeinsame Wissensbasis schaffen sollen. Auf dieser Grundlage könnten künftig kleine, spezialisierte KI-Modelle entstehen, die klar definierte Aufgaben übernehmen, etwa Bestandsprognosen oder die Erkennung von Abweichungen.
Weil solche Modelle in vielen Unternehmen ähnliche Anforderungen erfüllen, bieten sie sich für eine gemeinsame Entwicklung an. Eine offene Bereitstellung würde nicht nur den Integrationsaufwand senken, sondern auch eine breitere Nutzung ermöglichen. Damit dies gelingt, braucht es jedoch einheitliche Prozesslogiken, die KI-Systeme eindeutig interpretieren können.
Die Entstehung der Modelle setzt Fachwissen aus der Logistik voraus. Microsoft betont in diesem Zusammenhang die Bedeutung eines operativen Layers, der Modelle unabhängig von der eingesetzten IT-Landschaft nutzbar macht. Ihr produktiver Einsatz benötigt stabile Betriebsumgebungen, die skalierbar, sicher und in unterschiedliche IT-Landschaften integrierbar sind.
Hier setzt die Perspektive von Microsoft an: Modelle müssen unabhängig und ohne Mehraufwand einsetzbar sein, damit Unternehmen eigene Architekturen nutzen können, ohne sie neu interpretieren zu müssen. Microsoft baut eine Plattform, damit andere darauf ihre Plattformen bauen – eigene flexible, interoperable Betriebsumgebungen. Gemeinsames Wissen befeuert den Plattformbau und somit die Stabilität und die Geschwindigkeit bei Geschäftsprozessen und -modellen.
Die Differenzierung entsteht in der Orchestrierung
Die Modelle selbst sind austauschbar. Differenzierung entsteht erst, wenn sie zu einer Prozesskette kombiniert werden. Die Frage lautet nicht, welches Modell genutzt wird, sondern, wie mehrere Modelle zusammenarbeiten. Welche Daten sie austauschen. In welcher Reihenfolge sie Entscheidungen vorbereiten. Welche Regeln sie anwenden. Diese Orchestrierung ist individuell. Sie folgt dem gleichen Muster wie die Logistik selbst: Transport, Umschlag, Lager oder Zoll sind einfache Schritte. Der Wert entsteht erst durch ihre Abstimmung.
Genauso bilden spezialisierte KI-Modelle nur Bausteine, deren Zusammenspiel den eigentlichen Nutzen erzeugt. Das wird besonders deutlich, wenn im Lagerbetrieb Modelle eingesetzt werden, die Stapler erkennen sollen, unabhängig von ihrer Farbe oder Bauform. Ein einzelnes Unternehmen verfügt dafür oft nur über begrenzte Bilddaten.
Werden solche Daten jedoch organisationsübergreifend zusammengeführt, entstehen robustere Modelle, die zuverlässiger zwischen Fahrzeugen, Personen oder Hindernissen unterscheiden können. Erst gemeinsam mit weiteren Bausteinen wie Verkehrswege , Prioritäten oder Sicherheitszonen entsteht ein Prozess, der sich stabil in den Lagerbetrieb einfügt.
Ohne gemeinsame Prozessdefinitionen bleibt KI fragmentiert
Für die Logistik ergeben sich daraus klare Konsequenzen. Ohne gemeinsame Prozessdefinitionen bleibt KI fragmentiert und kann nur isolierte Aufgaben lösen. Kleine, spezialisierte Modelle lassen sich dagegen gemeinsam entwickeln und in vielen Kontexten wiederverwenden, weil sie keine unternehmensspezifischen Eigenschaften enthalten. Offene Standards senken den Integrationsaufwand und schaffen eine gemeinsame Grundlage, auf der solche Modelle verlässlich arbeiten können.
Damit sie im Betrieb funktionieren, braucht es einen stabilen operativen Layer, der ihre Nutzung in unterschiedlichen IT-Landschaften ermöglicht. Die eigentliche Differenzierung entsteht jedoch erst in der Orchestrierung: in der Art, wie Unternehmen diese Modelle kombinieren, miteinander verknüpfen und entlang ihrer Wertschöpfungsketten einsetzen.
Aus Sicht der Open Logistics Foundation und aus technischer Perspektive ergibt sich daraus ein gemeinsames Bild: KI wirkt erst dann verlässlich, wenn gemeinsames Wissen und eine tragfähige Basis zusammenkommen. Damit verschiebt sich der Fokus: Nicht mehr das einzelne KI-Modell entscheidet über den Erfolg, sondern das Zusammenspiel vieler Bausteine entlang der Wertschöpfungskette.
Für die Logistik eröffnet das die Möglichkeit, Prozesse stabil zu automatisieren, Abläufe einheitlich zu steuern und KI in großem Maßstab einzusetzen. Erst gemeinsames Wissen macht KI industrietauglich, und erst ihre Orchestrierung macht sie für Unternehmen wirklich wertvoll.
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