KI-Nutzung in Ministerien : Der Makel der Maschine
Dass Bundesdigitalminister Karsten Wildberger seine Reden mithilfe von KI schreibt, sorgte erst kürzlich für einen Aufschrei in der Bevölkerung. Die Meinungen darüber, ob Künstliche Intelligenz ein legitimes Hilfsmittel sein kann, gehen weit auseinander. Entscheidend ist am Ende die Qualität. Solange ein „Human-In-The-Loop“ war, sollten hochwertige KI-Texte auch Wertschätzung erhalten dürfen.
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Der große Aufreger im medialen Sommerloch: Bundesdigitalminister Karsten Wildberger gab zu, KI zur Erstellung von Texten und Reden zu nutzen. Die Reaktionen, gerade in den sozialen Medien, ließen nicht lange auf sich warten. „Wie peinlich!“ „Unglaublich!“ „Bundesregierung nutzt ‚radikal-libertäre‘ Software.“ Es wurden in diesem Zuge sogar einige seiner Medienbeiträge depubliziert. Bemerkenswert war dabei vor allem: Über die Qualität der besagten Reden und Texte wurde kaum gesprochen, über die Nutzung von KI hingegen umso mehr. Im politischen Haifischbecken musste man früher noch zeigen, dass eine Rede inhaltlich schlecht war. Heute reicht scheinbar die Information, dass eine KI an ihrer Entstehung beteiligt war. Der Angriffsvektor hat sich verschoben. Weniger das Gesagte zählt, sondern die Tatsache, dass es mit Unterstützung von KI entstanden ist.
Der Vorwurf der KI-Nutzung funktioniert gerade deshalb so gut, weil er weit verbreitete Gefühle instrumentalisiert. Die Angst vor manipulativen Algorithmen. Die Angst vor mächtigen Technologiekonzernen in ungünstigen geopolitischen Konstellationen. Die Angst vor dem eigenen Kontrollverlust bei all der unkontrollierbar scheinenden KI-Dynamik. Wer diese Ängste adressiert, bewusst oder unbewusst, hat die breite Aufmerksamkeit auf seiner Seite. Das Label „KI-generiert“ emotionalisiert sogar über Parteigrenzen hinweg. Und kognitiv zieht es ebenfalls gut: Kann etwas von Wert sein, wenn seine Erstellung (mit KI) nur eine Stunde statt der üblichen drei Stunden (ohne KI) gedauert hat? Oft verbinden wir Wert mit Aufwand und Leistung mit Mühe. Es geht um den Schaffensschmerz. (Generative) KI stellt diese Logik jedoch auf den Kopf. Sie senkt die Grenzkosten von Wissen und eloquenten Formulierungen dramatisch. Was früher knapp war und damit auch Status signalisierte, wird plötzlich für sehr viele Menschen verfügbar. Genau das macht KI gesellschaftlich so disruptiv.
KI-Nutzung legitim, solange „Human-In-The-Loop“
Und ich verstehe hier den Wunsch nach Transparenz – grundsätzlich. Irgendwie will man als lesende oder zuhörende Person ja wissen, ob KI beteiligt war. In bestimmten Bereichen verlangt das auch die EU-KI-Verordnung. Und als Medienhaus oder Content-Plattform hat man seine ganz eigenen Regeln und, sehr eng mit genau diesen verbunden, seine Existenzberechtigung.
Aber: Stellen wir uns vor, ein Text einer Autorin (m/w/d) wäre - transparent kommuniziert - mit KI erstellt und wirklich grottenschlecht, dann würden wir uns vermutlich weniger darüber auslassen, wie schlecht die KI mal wieder generiert hat. Nein, wir würden die Autorin, den Menschen, für diese Minderleistung zur Verantwortung ziehen. So ist das eben bei „Human-In-The-Loop“ und menschlicher Letztverantwortung. You write it, you own it. Und andersherum? Wenn der Text brillant ist, dann scheint die menschliche Letztverantwortung plötzlich nicht mehr auszureichen. Dann wird nicht angenommen, dass die Autorin ein Werkzeug klug eingesetzt hat. Dann wird gefragt, ob die Leistung überhaupt noch ihr zugerechnet werden darf. Und es wird vermutet, dass ein KI-System möglicherweise unerwünschtes Gedankengut hineingeschummelt hätte. Gerade im politischen Raum. Das ist bemerkenswert. Denn eigentlich müsste „Human-In-The-Loop“ in beide Richtungen gelten. Entweder wir schreiben Menschen die Verantwortung und die Leistung zu – oder wir tun eben beides nicht.
Die Qualität ist entscheidend
Vielleicht sollten wir bei der Transparenz deshalb etwas vorsichtiger und weniger dogmatisch sein. Bei einer politischen Rede wird auch nicht standardmäßig ausgewiesen, dass Mitarbeitende zugearbeitet haben. Wir offenbaren auch nicht die Nutzung von Textverarbeitungsprogrammen, Suchmaschinen und Rechtschreibkorrekturen. Warum also ausgerechnet bei KI? Die Antwort lautet meist: weil sie Inhalte erzeugt. Doch genau deshalb ist der mantraartige Ruf nach Transparenz bei der KI-Nutzung nicht so neutral, wie sie oft dargestellt wird. Er signalisiert zugleich, dass diese Information für die Bewertung des Ergebnisses relevant sei. Aus einer Herkunftsangabe wird zwangsläufig ein Interpretationsrahmen. Und vielleicht liegt darin die eigentliche Gefahr: Dass man den Lesenden und Zuhörenden immer weniger zutraut, ein Ergebnis nach seiner Qualität zu beurteilen.
Lassen Sie uns diese These also gern direkt mal testen: Dieser gesamte Beitrag ist übrigens vollständig mit KI erstellt worden. Lediglich ein paar Denkfehler habe ich selbst beigesteuert, damit es sich so richtig wertig und vor allem menschlich anfühlt.
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