Rechenzentren : Transparenz und Effizienz sorgen für Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz
Deutsche Unternehmen haben schon heute Vorteile durch transparent und effizient betriebene Rechenzentren, finden Andreas Hantsch und Thomas von Wittern. Wer diese Stärken ausbaut, stärkt zugleich Wettbewerbsfähigkeit und Klimaschutz, argumentieren die beiden.
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Die Digitalisierung treibt Deutschlands Strombedarf in eine neue Dimension – und Rechenzentren stehen im Zentrum dieser Entwicklung. Sie sind das Rückgrat von Industrie 4.0, Künstlicher Intelligenz und moderner Verwaltung. Mit ihrer Bedeutung wächst jedoch auch ihr Energiebedarf. 2025 verbrauchten Rechenzentren in Deutschland rund 21 Terawattstunden Strom bei einer installierten IT-Leistung von etwa 2,75 Gigawatt. Das entspricht rund vier Prozent des gesamten Stromverbrauchs in Deutschland.
Experten erwarten, dass sich beide Werte bis zum Ende des Jahrzehnts etwa verdoppeln. Für das Jahr 2037 prognostiziert die Bundesnetzagentur auf Basis geplanter Projekte sogar einen Stromverbrauch von 80 bis 115 Terawattstunden bei bis zu 20 Gigawatt installierter IT-Leistung – bis zu zehn Prozent des deutschen Stromverbrauchs.
Diese Entwicklung ist kein Alarmismus, sondern Ausdruck einer digitalisierten Volkswirtschaft. Entscheidend ist daher nicht mehr nur die Frage, ob der Bedarf steigt, sondern auch, wie wir Rechenzentren betreiben. Wie lassen sich notwendige Bedarfe richtig schätzen? Wie die wachsenden Energiemengen so nutzen, dass sie weder Klimaziele noch Energieversorgung gefährden – und im Idealfall sogar zur Dekarbonisierung beitragen?
Fest steht: Der Strom, den ein Rechenzentrum aufnimmt, wird in Wärme umgewandelt. Heute wird diese Abwärme in den meisten Fällen mit zusätzlichem Energieeinsatz an die Umgebung abgeführt – ein systemischer Effizienzverlust. Dabei existieren längst Standards und Orientierungshilfen für nachhaltigen Betrieb. Der Blaue Engel für Rechenzentren und regulatorische Leitplanken wie das Energieeffizienzgesetz (EnEfG) sowie das Wärmeplanungsgesetz adressieren Effizienz und Abwärmenutzung ausdrücklich. Richtig ausgestaltet sind sie kein bürokratisches Hindernis, sondern ein Innovationsrahmen.
Die anstehende Novellierung des EnEfG bietet die Chance, bessere Rahmenbedingungen für effiziente Rechenzentren zu schaffen – und damit eine Vielzahl europäische Anbieter zu stärken, die bereits heute stark auf Nachhaltigkeit setzen. Drei Aspekte sind dabei entscheidend.
Transparenz schafft Wettbewerb um Effizienz
Faire Märkte funktionieren nur, wenn Anbieter und Kunden über vergleichbare Informationen verfügen. Das gilt auch für Rechenzentren. Nachfrage nach energieeffizienter Rechenleistung entsteht nur, wenn Kunden Effizienz erkennen können. Ohne Transparenz über Kennzahlen zum Energie- und Wasserverbrauch, Energieeffizienz sowie Treibhausgasemissionen bleibt ein effizientes Rechenzentrum für den Markt kaum von einem ineffizienten zu unterscheiden.
Mehr Transparenz schafft daher echten Wettbewerb um Nachhaltigkeit. Sie erleichtert zugleich die Nutzung von Abwärme, die häufig nicht allein am technischen Potenzial, sondern an fehlenden Informationen und Vertrauen zwischen Betreibern, Kommunen und möglichen Abnehmern scheitert.
Effizienz stärkt unternehmerische Handlungsfähigkeit
Digitale Souveränität bedeutet mehr als die Wahl eines Cloud-Anbieters. Sie hängt auch davon ab, ob Unternehmen ihre Datenverarbeitung bezahlbar, resilient und regulatorisch sicher betreiben können. Energieeffiziente Rechenzentren senken Betriebskosten, reduzieren damit Abhängigkeiten von volatilen Strompreisen und erhöhen die Planbarkeit von Investitionen.
Deutschland hat sich mit einer ausgewogenen Regulierung in die Gruppe internationaler Vorreiter im nachhaltigen Rechenzentrumsbetrieb eingereiht. Das stärkt die Position im globalen Wettbewerb und hilft Unternehmen, steigende ESG-Anforderungen des Kapitalmarktes zu erfüllen. Werden Effizienzanforderungen jedoch – wie in einem ersten Entwurf der Novelle skizziert – aufgeweicht, verlieren gerade jene Marktteilnehmer Planungssicherheit, die in nachhaltige Konzepte investiert haben.
Effizienz ist Stand der Technik
Der branchenübliche Effizienzindikator PUE (Power Usage Effectiveness) liegt in Deutschland bereits im Schnitt unter 1,4. Ab Juli 2026 schreibt das EnEfG für neue Rechenzentren einen PUE von 1,2 vor – ein ambitionierter, aber erreichbarer Standard. Moderne Neubauten werden bereits heute mit Werten unter 1,2 geplant. Würde der Grenzwert steigen, hätte das daher kaum Regulierungswirkung und zukünftig Nachteile. Weder notwendig noch hilfreich ist es zudem, das etablierte Messverfahren, das den PUE anhand der tatsächlichen Werte berechnet, durch einen theoretischen „Design-PUE“ zu ersetzen.
Der wichtigste Hebel liegt in moderner Kühltechnik und modularen Ausbaukonzepten. Optimierte Luftführung, effiziente Kälteerzeugung oder Direkt-Flüssigkühlung senken den Strombedarf und ermöglichen höhere Temperaturen der Abwärme. Dadurch wird es attraktiver, die Abwärme in Wärmenetze einzuspeisen. Rechenzentren können mehr sein als große Stromverbraucher. In urbanen Räumen mit hohem Wärmebedarf können sie zu wichtigen Bausteinen der Wärmewende werden. Aus unserer Erfahrung in Planung, Bau und Betrieb wissen wir: Abwärmenutzung entsteht nicht automatisch. Sie erfordert Kooperation zwischen Betreibern, Kommunen und Energieversorgern.
Wir sollten aus den Fehlern der Automobilindustrie lernen
Die Automobilindustrie liefert eine Mahnung: Deutschland war lange technologischer Vorreiter bei Verbrennungsmotoren – bis andere Marktakteure mit klarer industriepolitischer Strategie den Takt hin zu Elektrofahrzeugen vorgaben. Wer heute regulatorische Ambitionen verwässert, stellt Weichen für Jahrzehnte. Gerade deshalb ist die aktuelle energiepolitische Debatte entscheidend. Wenn Effizienzanforderungen aufgeweicht werden, entsteht kein Investitionsschub, sondern ein Rückschritt zu ineffizienten, dauerhaft teuren Infrastrukturen. Das würde nicht nur Klimaziele gefährden, sondern auch die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland.
Stattdessen sollten wir Effizienz als Motor für Innovation begreifen. Mindeststandards wie im Energieeffizienzgesetz setzen den Rahmen, in dem Innovation entsteht – und in dem digitale Infrastruktur und Wärmewende zusammengedacht werden können.
Der Energiebedarf der Digitalisierung wird weiter steigen. Die eigentliche Entscheidung lautet daher: Bauen wir eine digitale Infrastruktur, die Innovation und Klimaschutz verbindet – oder eine, die Energie verschwendet und Wettbewerbsfähigkeit verspielt.
Noch liegt diese Entscheidung in unserer Hand.
Andreas Hantsch ist Gründer und Berater von Hantsch Sustainability Consulting. Thomas von Wittern ist Gründer und CSO der Data Hall GmbH.
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