Infrastrukturausbau : Auch Investoren sorgen sich um NEST
Eine aktuelle Umfrage des BDEW unter Kapitalmarktakteuren zeigt: Der geplante Regulierungsrahmen der Bundesnetzagentur ist nicht geeignet, den immensen Kapitalbedarf der Energiewende in den Netzen zu decken. Die Befragung zeichnet ein klares Stimmungsbild zum sogenannten NEST-Prozess – der Neuaufstellung der Anreizregulierung durch die Bundesnetzagentur, schreibt Andrees Gentzsch, Mitglied der Hauptgeschäftsführung.
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Die Konsultationsverfahren zu 1500 Seiten Neugestaltung des Regulierungsrahmen zu NEST (Netze.Effizient.Sicher.Transformiert) sind abgeschlossen. Bis Ende des Jahres will die Bundesnetzagentur (BNetzA) ihre Rahmen- und Methodenfestlegungen veröffentlichen. Weitere Festlegungen werden nächstes Jahr folgen.
Es ist kein Geheimnis, dass die Strom- und Gasnetzbetreiber in erheblicher Sorge sind, dass der Regulierungsrahmen richtig gesetzt wird. Alle Berechnungen der Branche – wenn man die von der BNetzA transparent gemachten Informationen zugrunde legt – ergeben, dass die in den Entwürfen vorgeschlagenen Methodenveränderungen zu massivem Mittelentzug bei allen Netzbetreibern führen wird.
Und das in einer Situation, in der die Netzanschlussbegehren von erneuerbaren Energien, Speichern, E-Ladeinfrastruktur, Rechenzentren, Industrie- und Gewerbe durch die Decke gehen. Der Netzausbau drängt auch auf der Verteilnetzebene wie nie. Die Investitionen der Netzbetreiber liegen inzwischen bei über 20 Milliarden Euro jährlich.
Allein in den kommenden fünf Jahren rechnen wir mit rund 280 Milliarden Euro Investitionsbedarf. Die Netzbetreiber vervielfachen ihr Investitionsvolumen für moderne Netze, die den Wirtschaftsstandort Deutschland sichern. Das ist ein historisches Investitionsprogramm. Wir brauchen starke Energienetze.
Eine Regulierung, die den Netzbetreibern über eine Regulierungsperiode aber fünf Milliarden Euro entzieht, schwächt die Infrastruktur – sie stärkt sie nicht. Mehr Aufgaben bei weniger Kostenanerkennung – das kann nicht funktionieren.
Regulierungsrahmen laut Investoren ungeeignet
Aber was sagen eigentlich die Investoren? Was sagen Eigenkapitalgeber, Banken, Analysten? Wie bewerten sie den Stand bei NEST? Wir haben 33 Kapitalgeber, Analysten und Finanzberater gefragt.
Und um es gleich zu sagen: Das Ergebnis ist besorgniserregend. Zwei Drittel der Teilnehmer bewerten den in den Festlegungsentwürfen skizzierten Regulierungsrahmen als nicht geeignet, um den gestiegenen Finanzierungsbedarf der Energiewende zu decken.
90 Prozent fordern eine kostendeckende Anerkennung der Fremdkapitalkosten und 70 Prozent sehen die Ausgestaltung der Effizienzanreize und die Anerkennung von steigenden Betriebskosten als zentral, um deutsche Netzinvestitionen attraktiv zu gestalten. Nur die Umstellung auf den WACC wird vorsichtig positiv bewertet, aber auch hier kommt es auf die Ausgestaltung an.
Ohne privates Kapital geht es nicht
Die Anreizregulierung ist zentral für die Modernisierung der Energienetze, sie definiert das Risiko- und Renditeprofil der Netzbetreiber. Ohne privates Kapital werden die erforderlichen Milliardeninvestitionen in die Netzinfrastruktur nicht zu stemmen sein. Die BNetzA trägt eine große Verantwortung, dass der Rahmen für das Rückgrat der Energiewirtschaft richtig gesetzt ist. Investoren und Netzbetreiber brauchen Klarheit, wie der regulatorische Rahmen zukünftig aussieht. Nur mit sicheren und modernen Netzen wird der Wirtschaftsstandort gestärkt, können die Wünsche der Netzkunden erfüllt werden.
Die Zahlen und die Sachargumente der Branche liegen auf dem Tisch. Die BNetzA kennt die Zahlen und die methodischen Probleme beim Effizienzvergleich, bei der Unterdeckung des FK-Zins und beim OPEX-Betriebskostenfaktor. Sie kennt auch die Lösungsvorschläge der Branche. Es ist jetzt an der Zeit, dass die BNetzA auch auf die Investoren hört und die richtigen Entscheidungen trifft.
Andrees Gentzsch ist Mitglied der BDEW-Hauptgeschäftsführung.
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