Klimawandel : COP30: Steigende Temperaturen gefährden Arbeitskräfte
Mehr als 2,4 Milliarden Arbeitskräfte weltweit sind laut einem aktuellen UN-Bericht inzwischen regelmäßig übermäßiger Hitze ausgesetzt. Besonders gefährdet sind Menschen, die im Freien oder in prekären, nicht regulierten Beschäftigungsverhältnissen tätig sind – sie sind den zunehmend belastenden Bedingungen oft schutzlos ausgeliefert, schreibt Alan Dangour von der Stiftung Welcome.
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Weltweit führt der Klimawandel zu häufigeren und intensiveren Hitzeperioden. Das gefährdet die Gesundheit von Milliarden von Menschen, beeinträchtigt damit die Produktivität von Unternehmen und schadet ganzen Volkswirtschaften. Wir brauchen dringend evidenzbasierte politische Maßnahmen, um Leben und Lebensgrundlagen zu schützen.
Extreme Hitze ist längst kein lokales oder regionales Sommerphänomen mehr. Sie hat sich zu einer globalen Herausforderung entwickelt, die unseren Alltag durchdringt – ob am Arbeitsplatz, auf dem Weg dorthin oder in der Freizeit.
Die Temperaturen steigen rund um den Globus, und überall müssen sich Menschen auf längere Perioden extremer Hitze einstellen. Doch nicht alle sind gleichermaßen betroffen oder geschützt. Klimatisierte Büros, Schattenplätze und Zugang zu Trinkwasser mildern die Belastung – doch Milliarden von Arbeitskräften bleiben außen vor.
Hitze kostet Gesundheit
Gesundheitliche Probleme durch Hitze reichen von milden Beschwerden bis hin zu lebensbedrohlichen Zuständen. Leichte Fälle klingen meist nach einem Tag ab, wenn der Körper abkühlt und Flüssigkeit zugeführt wird. Schwerere Fälle hingegen können bleibende Organschäden, langfristige Behinderungen und eine Notfallbehandlung nach sich ziehen.
Arbeiten bei Hitze kann auch tödlich sein. Das Risiko ist besonders hoch für ältere Menschen, chronisch Erkrankte und körperlich weniger belastbare Personen – doch selbst gesunde Menschen sind bei extremer Hitze gefährdet. Diese erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Komplikationen in der Schwangerschaft und psychische Belastungen.
All diese gesundheitlichen Folgen wirken sich langfristig auf das Wohlbefinden aus – gefährden aber ebenso die wirtschaftliche Sicherheit auf individueller, unternehmerischer und gesellschaftlicher Ebene.
Wirtschaftliche Kosten
Im Jahr 2024 gingen durch Hitzeeinwirkung weltweit rund 639 Milliarden potenzielle Arbeitsstunden verloren – mit Einkommensverlusten in Höhe von 1,09 Billionen US-Dollar, fast ein Prozent des globalen BIP. In den USA verlieren Unternehmen bereits 100 Milliarden US-Dollar jährlich durch Produktivitätsausfälle infolge extremer Hitze – bis 2050 könnten es 500 Milliarden werden. In Indien verlieren Landwirte, Bauarbeiter und Fabrikarbeiter Einkommen und riskieren ihre Gesundheit durch unerträgliche Temperaturen.
Für jedes Grad über 20 Grad Celsius sinkt die Produktivität um zwei bis drei Prozent. Besonders betroffen sind Berufe mit körperlicher Arbeit – etwa in der Landwirtschaft, im Bauwesen oder in der Produktion.
Auch in Deutschland wirkt sich der Klimawandel bereits spürbar auf die Arbeitswelt und die wirtschaftliche Produktivität aus: 2023 gingen insgesamt etwa 37 Millionen Arbeitsstunden durch hitzebedingte verringerte Arbeitskapazität von Beschäftigten verloren. 58 Prozent allein im Bausektor.
Laut einer repräsentativen Umfrage der abhängig Beschäftigten in Deutschland aus dem Jahr 2024 fühlen sich 23 Prozent im Job während einer Hitzewelle stark belastet. Das entspricht etwa zehn Millionen Menschen. Mehr als zwei Drittel der Erwerbstätigen in Deutschland sehen ihre Leistungsfähigkeit durch Extremtemperaturen eingeschränkt und fast ein Fünftel hat hitzebedingte Gesundheitsprobleme. 28 Prozent der Beschäftigten machen sich zudem Sorgen, dass ihr Betrieb langfristig nicht ausreichend auf wiederkehrende Hitzeperioden vorbereitet ist.
Hitze ist also nicht nur ein Gesundheitsproblem – sie betrifft die Lebensgrundlage von Haushalten, die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit ganzer Volkswirtschaften und stellt eine globale Herausforderung für Lieferketten, Produktionsstätten, betriebswirtschaftliche Entscheidungen und für das Verhältnis zwischen Unternehmen und Beschäftigten dar. Und dennoch sind wir gefährlich schlecht vorbereitet.
Kostenwirksame Lösungen, die Leben retten und Existenzen schützen
Die Lösungen sind vorhanden – wissenschaftlich fundiert, praxistauglich und wirtschaftlich sinnvoll. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) fordern Regierungen und Unternehmen auf, jetzt zu handeln: durch hitzeangepasste Gesundheitsrichtlinien für gefährdete Sektoren, Frühwarnsysteme für Hitzewellen und Schulungen für sicheres Arbeiten bei Hitze.
Praktische Maßnahmen können Leben retten und Existenzen schützen. Unternehmen können einfache, aber wirksame Schritte umsetzen – etwa Schattenplätze, Trinkstationen und flexible Arbeitszeiten. Diese Maßnahmen sind kostengünstig und senken nachweislich die Gesundheitsrisiken bei extremer Hitze.
In den Schutz von Arbeitskräften zu investieren ist eine kluge unternehmerische Entscheidung: Sie schützt die Gesundheit, erhält die Produktivität und stärkt die Widerstandsfähigkeit gegenüber klimabedingten Extremereignissen – die in Zukunft nur noch häufiger auftreten werden.
Wir wissen, was zu tun ist – aber die Zeit drängt.
Da immer mehr Menschen extremer Hitze ausgesetzt sind, braucht es eine koordinierte globale Reaktion. Wir müssen die Ursachen des Klimawandels bekämpfen – durch den raschen Ausstieg aus fossilen Energien und Investitionen in saubere Technologien, die Emissionen wirksam reduzieren.
Regierungen und Arbeitgeber müssen jetzt handeln, um ihre Arbeitskräfte zu schützen – insbesondere jene, die am stärksten gefährdet sind. Je länger wir zögern, desto größer wird die Bedrohung für Leben, Lebensgrundlagen und den wirtschaftlichen Wohlstand weltweit.
Alan Dangour ist Direktor für Klima und Gesundheit bei Wellcome. Wellcome ist eine globale gemeinnützige Stiftung mit Sitz in London und einem Europa-Büro in Berlin.
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