THG-Quote : Deutschland muss bei Wasserstoff Kurs halten
Die Welt benötigt eine pragmatische Führungsrolle Deutschlands, wenn es darum geht, das richtige Gleichgewicht zwischen Energieunabhängigkeit, Klimaschutz, bezahlbarer Energie und Versorgungssicherheit zu finden, schreibt Raffi Garabedian, CEO des US-amerikanischen Elektrolyseurherstellers Electric Hydrogen. Die geplante Novelle des THG-Minderungsquotengesetzes könnte aus seiner Sicht Impulse liefern.
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Deutschland versucht derzeit, seine Energiesicherheits- und Klimaschutzprioritäten in Einklang zu bringen. Dabei müssen die Verantwortlichen darauf achten, den Kurs in der Wasserstoffpolitik beizubehalten und keine Überkorrekturen vorzunehmen. Ansonsten läuft Deutschland Gefahr, erneut von Ressourcen und Technologien der Vergangenheit abhängig zu werden, was seine Führungsrolle bei der Energiediversifizierung und der Energiewende gefährden würde.
Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Entscheidungsträger in Deutschland die tatsächliche Kostenentwicklung von Wasserstoff nachvollziehen können. Trotz zahlreicher gegenteiliger Medienberichte zeigen unsere Daten, dass mit der richtigen Technologie und dem richtigen Stromlastprofil die Gesamtinstallationskosten für grünen Wasserstoff in heute finanzierten Projekten um mehr als die Hälfte gesenkt werden können. Durch das richtige Zusammenwirken von technologischer Innovation und politischer Stabilität zur Förderung der Skalierung können grüner Wasserstoff und seine Derivate zu den günstigsten Molekülen werden, die für die Industrie, den Verkehr, die Luftfahrt und die Seeschifffahrt verfügbar sind.
Investitionen in Wasserstoff steigen
Skeptiker argumentieren, dass die Kosten für Wasserstoff zu hoch seien, als dass die Branche wirklich skalieren könnte. In der Realität wächst die Branche nun, nachdem der anfängliche Hype abgeklungen ist, in einem normalen und gesunden Tempo. Der Hydrogen Council berichtete kürzlich, dass die weltweiten Investitionen in Wasserstoff von 75 Milliarden US-Dollar im Jahr 2024 auf 110 Milliarden US-Dollar im Jahr 2025 steigen werden – ein Anstieg von 47 Prozent in nur einem Jahr.
Diese Diskrepanz zwischen Wahrnehmung und Realität spiegelt wider, was auch bei anderen sauberen bzw. grünen Technologien passiert ist. Als ich Chief Technology Officer bei First Solar war, heute einer der weltweit größten Hersteller von Solarmodulen, lehnten frühe Skeptiker die Solarenergie ebenfalls als zu teuer für eine Skalierung ab. Innerhalb von 15 Jahren wurde Solarenergie zur günstigsten Stromquelle der Welt. Wenn es um großtechnische Elektrolyse geht, sollten politische Entscheidungsträger vermeiden, dieselbe Fehleinschätzung erneut zu treffen.
Kritiker behaupten zunehmend, dass nur blauer Wasserstoff oder CCS eine erschwingliche Dekarbonisierung ermöglichen können. Das ist schlichtweg nicht richtig. Grüner Wasserstoff ist nur dann zu teuer, wenn er mit alter Technologie und veralteten Lösungen hergestellt wird. Die Innovationen, die die Energiewende vorantreiben, bieten eine reale Chance, die Kosten für die Herstellung von grünem Wasserstoff drastisch zu senken.
Dies kann erreicht werden, indem man sich auf einige wenige, hochwirksame Veränderungen konzentriert, um die Kosten für die Herstellung von Wasserstoff durch Elektrolyse radikal zu senken. Tatsächlich ermöglichen derzeit erzielbare Kosteneinsparungen an bestimmten Standorten mit attraktiven Stromerzeugungskosten und -preisen die Herstellung von RFNBO-konformen Kraftstoffen, die mit kohlenstoffarmen Kraftstoffen kostenseitig konkurrieren können. Diese Kosteneinsparungen werden mit der Zeit zunehmen und letztendlich dazu führen, dass E-Kraftstoffe aus grünem Wasserstoff mit fossilen Kraftstoffen kostengünstig konkurrieren können.
Wie in der Global Hydrogen Review 2025 der Internationalen Energieagentur festgestellt wurde, kombiniert das von unserem Unternehmen verwendete PEM-Elektrolyseursystem (HYPRPlant) proprietäre Technologie mit standardisierter Fertigung und modularem Transport der Anlagenteile, um komplette HYPRPlant-Systeme zu Gesamtinstallationskosten schnell einzusetzen, die bereits mit den von China erzielten Wasserstoffkostensenkungen konkurrieren können.
Mit THG-Minderungsquote können Kosten sinken
Mit unterstützenden Maßnahmen, wie einer Grüngasquote und einer ambitionierten THG-Minderungsquote, werden diese Kosten noch weiter sinken. Denn damit werden die nötigen Voraussetzungen für eine Bankenfinanzierung der entsprechenden Projekte geschaffen. Wie wir bei Solarenergie, Windkraft und Batterien gesehen haben, treibt politische Sicherheit Investitionen voran, was wiederum den Einsatz und die Skalierung fördert und damit zu Kostensenkungen führt. Wenn die politischen Entscheidungsträger die Chance erkennen und entschlossen handeln, wird Deutschland Europa zu globaler Wettbewerbsfähigkeit und Energieunabhängigkeit führen.
Es steht viel auf dem Spiel. Das richtige Gleichgewicht zwischen Bezahlbarkeit, Versorgungssicherheit und Klimaschutz hängt von langfristigen Nachfragesignalen ab. Die Führungsrolle und die Ambitionen von Bundesumweltminister Carsten Schneider und Bundeswirtschaftsministerin Katherin Reiche bei der Novelle des THG-Minderungsquotengesetzes haben den richtigen Kurs vorgegeben. Wenn Deutschland an seinem Engagement festhält, wird RFNBO-Wasserstoff in die Fußstapfen von Solarenergie und anderen Cleantech-Lösungen treten.
Die deutsche Bundesregierung tut das Richtige, indem sie den Kraftstofflieferanten sinnvolle und ambitionierte Klimaschutzziele und entsprechende Pönalen bei deren Nichterfüllung auferlegen. Der Gesetzesentwurf unterstützt damit auch den Bau von Elektrolyseanlagen mit einer Anschlussleistung von mindestens 100 Megawatt. Wenn diese in Gebieten mit kostengünstigem erneuerbarem Strom stehen, sind solche Großanlagen ideal geeignet, um die Kosten für grünen Wasserstoff schnell und kontinuierlich zu senken.
Deutschland braucht die gesamte Bandbreite der derzeit auf dem Markt entwickelten Energielösungen, um seine Ziele der Energiewende zu erreichen. Politische Maßnahmen, die die richtigen Nachfragesignale sowohl für blauen als auch für grünen Wasserstoff senden, werden diese Technologien unweigerlich zum Durchbruch bringen – eine solche Skalierung wird den Deutschen dauerhafte Einsparungen bei den Energiekosten bringen und die Energiesicherheit erhöhen. Wir begrüßen die Vision der deutschen Politik und ermutigen zur Beharrlichkeit.
Raffi Garabedian ist Mitgründer und CEO des US-amerikanischen Elektrolyseurherstellers Electric Hydrogen.
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