Grüngas im Wärmemarkt : Echter Wettbewerb statt Grüngasquote
Anfang des Jahres forderte Timm Kehler vom Verband Gas- und Wasserstoffwirtschaft an dieser Stelle eine Grüngasquote. Claus Fest vom Bundesverband Wärmepumpe antwortet: Ein echter Wettbewerb um das Heizen mit erneuerbaren Energien sei zu begrüßen. Doch eine Quote sei der falsche Weg und ein falsches Kundenversprechen.
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Es ist erfreulich, wenn sich die Gaswirtschaft inzwischen ernsthaft mit erneuerbaren Energien im Wärmemarkt beschäftigt. Dieser Schritt ergibt sich wohl einerseits aus der Debatte rund um das Gebäudemodernisierungsgesetz. Andererseits aus dem Absturz, den Gasheizungen seit zwei Jahren am Wärmemarkt erleben.
Einem echten Wettbewerb um das Heizen mit erneuerbaren Energien steht die Wärmepumpenbranche jedenfalls offen gegenüber. Die Debatte um eine Grüngasquote ist davon allerdings noch weit entfernt. Sie wird seit Jahren geführt – auch und gerade innerhalb der Energiewirtschaft. Und der Vorschlag war dort bislang nie akzeptiert.
Gaslieferanten würden durch planwirtschaftliche Instrumente gezwungen, bestimmte Mengen erneuerbarer Gase einzukaufen, unabhängig davon, ob diese Mengen real verfügbar, wettbewerblich organisiert oder preislich tragfähig sind. Notfalls wären Strafen zu zahlen – de facto vom Betreiber der Heizung über den Preis – oder die Mengen wären schlicht nicht verfügbar und das Kundenversprechen könnte nicht gehalten werden.
Grüngasquoten ersetzen keinen funktionierenden Markt
Deshalb hat sich diese Idee bislang nie durchgesetzt. Das Verhältnis von Angebot und Nachfrage bei erneuerbaren Gasen lässt keinen funktionierenden Markt zu. Der Biomethanmarkt ist klein, fragmentiert, langfristig gebunden und kaum skalierbar. Zudem hat der Erzeuger bessere Absatzalternativen, etwa in der Verstromung. Quotenmodelle funktionieren unter solchen Bedingungen nicht – sie erzeugen Preissprünge, Verdrängungseffekte und vor allem Lock-In-Effekte.
Eine Grüngasquote steht im Widerspruch zu einer Klimapolitik, die konsequent auf den CO₂-Preis als marktwirtschaftliches Instrument setzt. Denn: Wäre der CO₂-Preis hoch und verlässlich genug, würde sich der Einsatz von Biomethan rechnen, wo er sinnvoll ist – sei es am Strommarkt, in der Industrie oder eben in den Haushalten.
Quoten ersetzen dieses Preissignal nicht. Durch den grünen Anstrich sorgen sie ohne passende Rahmenbedingungen vielmehr zunächst für jede Menge neu installierte Gasheizungen. Sobald die Preislenkung des Emissionshandels dann endlich Wirkung entfaltet, wird sich herausstellen, dass ein großer Teil dieser neuen Heizungen in Netzgebieten installiert wurde, in denen sich eine vollständige Umstellung zu erneuerbarem Gas nicht rechnet. Die Verantwortung dafür fällt dann auf die Politik zurück.
Ankündigungen ersetzen keine Investitionen
Planwirtschaftliche Instrumente schaffen keine Versorgungssicherheit. Das Konzept der Grüngasquote für sich genommen verweigert Kunden eine ehrliche Auskunft über die Zukunft ihrer Versorgung. Kommt es vor der eigenen Haustüre zu einer konsequenten Netzumstellung oder wird der Gashahn in absehbarer Zeit zugedreht?
Wenn Städte mehr als die Hälfte ihrer Versorgungsgebiete als Prüfgebiete für Wasserstoff oder grüne Gase ausweisen – besonders eklatant zuletzt in den Entwürfen für Chemnitz –, halten sie sich damit alle Optionen so lange als möglich offen und vermeiden klare Aussagen. Der im Gesamtvolumen geschrumpfte Wärmemarkt zeigt, wie dies tausende von Investitionen im Gebäudesektor verhindert.
Einerseits wird § 71k des Gebäudeenergiegesetzes dafür kritisiert, dass er angeblich keinen ausreichenden Spielraum für die Umstellung von Gasnetzen auf Wasserstoff lasse. Andererseits werden genau diese Umstellungen in Prüfgebieten implizit in Aussicht gestellt – ohne Investitionsbeschluss, ohne Haftung, ohne gesicherte Versorgung.
Entweder es gibt eine realistische, belastbare Perspektive für vollständig erneuerbare Gasnetze – dann braucht es verbindliche Transformationspläne und tatsächliche Investitionen. Oder diese Perspektive fehlt – dann fehlt auch eine belastbare Entscheidungsgrundlage für Millionen von Hauseigentümern.
Der belastbare Alternativpfad liegt längst auf dem Tisch
Dem gegenüber steht ein Pfad, der heute schon vielfach umgesetzt wird: Wärmepumpen, Effizienzmaßnahmen, Gebäudemodernisierung. Diese Technologien sind verfügbar, sie senken Emissionen unmittelbar und sie schaffen Wertschöpfung vor Ort.
Im Unterschied zu importierten Gasen – ob fossil oder grün etikettiert – handelt es sich hier um Technologien aus Deutschland und Europa, umgesetzt durch das lokale Handwerk, eingebettet in regionale Wertschöpfungsketten. Jeder Euro, der hier investiert wird, bleibt im Land, stärkt Beschäftigung und reduziert dauerhaft Energieimporte. Die Bundesförderung effiziente Gebäude löst ausweislich ihres letzten Evaluierungsberichts das Vierfache an Investitionen aus.
Dabei stehen Anlagentechnik und Gebäudehülle nicht im Widerspruch. Das Gebäudemodernisierungsgesetz kann – richtig genutzt – der Startpunkt einer echten Investitionsoffensive sein: in effiziente Heizsysteme, in bessere Gebäude, in niedrigere Energiekosten und in Klimaschutz mit Substanz.
Investieren statt ankündigen
Die Gaswirtschaft ist eingeladen, Teil dieser Lösung zu sein. Aber dann gilt: Liefern statt ankündigen. Wer weiter Gasheizungen legitimieren will, muss den vollständigen Umstieg der Netze auf erneuerbare Gase garantieren – und zwar im Einklang mit den Klimazielen, den rechtlichen Vorgaben der EU-Gebäuderichtlinie (EPBD) und der Erneuerbare-Energien-Richtlinie (RED III). Solange das nicht der Fall ist, bleiben Grüngasquoten ein Versprechen ohne Fundament.
Claus Fest ist seit 2023 Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Wärmepumpe (BWP). Er ist auch Geschäftsführer des deutschen Zweigs beim Meter Asset Provider Calisen. Bis Ende 2025 war Fest Leiter Energiewirtschaft bei EnBW.
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