Windkraft : Monitoring-Bericht als Wegweiser: Erneuerbaren-Ausbau statt Abwärtsspirale
Eine Absenkung der Stromverbrauchsprognosen gilt mit Blick auf den derzeit viel diskutierten Monitoring-Bericht des Bundeswirtschaftsministeriums als wahrscheinlich. Welche politischen und vor allem wirtschaftlichen Risiken damit verbunden sein könnten, bewertet Frank May, CEO bei Alterric, einem Projektierer und Betreiber von Windenergieanlagen an Land.
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Die Entwicklungen beim Stromverbrauch werfen relevante Fragen hinsichtlich der sicheren Energieversorgung und der Stabilität des Wirtschaftsstandorts Deutschland auf. Aktuelle Prognosen zum zukünftigen Strombedarf erscheinen überhöht. Grund dafür ist vor allem die schwache Wirtschaftsleistung der vergangenen Jahre sowie die schleppende Elektrifizierung der Sektoren Wärme, Verkehr und Industrie.
Vor diesem Hintergrund hat die Bundesregierung einen Monitoring-Bericht beauftragt, der schon vor Veröffentlichung hinsichtlich seiner Ziele und möglichen Auswirkungen kontrovers diskutiert wird. Eine Korrektur der Prognosen für den Stromverbrauch nach unten wird als sehr wahrscheinlich angesehen und eine Senkung der Erneuerbaren-Ausbauziele befürchtet – insbesondere vor dem Hintergrund der Aussage von Wirtschaftsministerin Katherina Reiche, dass Deutschland ein „unrealistisches, auch völlig überzogenes Erneuerbaren-Ziel“ habe.
Die Erneuerbaren-Ausbauziele beruhen maßgeblich auf den bisherigen Verbrauchsprognosen. Sie sehen vor, dass mindestens 80 Prozent des Stromverbrauchs bis 2030 aus Erneuerbaren stammen soll. Werden die Stromverbrauchsprognosen nun nach unten korrigiert, droht die politische Versuchung, auch die Ausbauambitionen zu senken. Eine solche Entwicklung birgt jedoch erhebliche politische und insbesondere ökonomische Risiken.
Abwärtsspirale verhindern
Um die Standortbedingungen Deutschlands mit einer zukunftsfähigen Energieinfrastruktur zu sichern, ist ein ambitionierter Erneuerbaren-Ausbau notwendig. Nur durch die konsequente Steigerung des Erneuerbaren-Anteils lassen sich langfristig wettbewerbsfähige Strompreise gewährleisten. Durch positive Preisentwicklungen wird der Stromverbrauch attraktiver, insbesondere für die Wirtschaft im europäischen und weltweiten Standortwettbewerb.
Die in manchen Debatten geforderte „Zeitenwende der Energiepolitik“ birgt die Gefahr, in einer Abwärtsspirale zu münden: Hohe Strompreise dämpfen die Nachfrage. Wenn das Stromangebot angesichts der geringen Nachfrage dann nicht durch den Ausbau Erneuerbarer Energien erweitert wird, bleiben die Preise dauerhaft hoch, was den Bedarf weiter schwächt. Zusätzlich führt eine geringere Nachfrage dazu, dass die Netzentgelte auf weniger Verbrauch umgelegt werden, was die Netzentgelte je Megawattstunde und damit die Preise generell erhöht. Diesen Teufelskreis gilt es zu durchbrechen.
Zudem zeigt der aktuelle Versorgungssicherheitsbericht der Bundesnetzagentur: Verzögert sich die Energiewende, gefährdet dies auch die Versorgungssicherheit und es könnten zusätzliche steuerbare Kapazitäten nötig werden. Diese würden über den Kapazitätsmechanismus finanziert, was abermals steigende Kosten bedeutet. Der Ausbau Erneuerbarer ist für Deutschlands Wettbewerbsfähigkeit somit nicht nur aufgrund der Bezahlbarkeit, sondern auch im Sinne der Versorgungssicherheit zentral.
An ambitionierten Ausbauzielen festhalten
Daher ist es essenziell, dass die Bundesregierung an den gesetzten Ausbauzielen für Erneuerbare festhält. Deren niedrige Erzeugungskosten sind entscheidend für eine sichere und bezahlbare Energieversorgung – im Selbstverständnis Deutschlands als wachsender, stabiler und stark elektrifizierter Wirtschaftsstandort.
Abgesehen davon wird eine kurzfristige Reduzierung der Ausbauziele für Windenergie kaum die gewünschte Wirkung der Systemkostensenkung entfalten können, denn nicht nur Erneuerbare-, sondern auch Netzausbauprojekte sind mit einigen Jahren Vorlaufzeit geplant und befinden sich deshalb teilweise schon im fortgeschrittenen Stadium. Auch Alterric plant seine Projekte von 300 Megawatt Windenergie pro Jahr auf Grundlage aktuell geltender Vorgaben mit mehreren Jahren Vorlaufzeit. Solche Vorhaben brauchen Vertrauen in stabile Rahmenbedingungen.
Sinkende Preise durch Erneuerbare
Dabei stehen auch das Ziel, bis 2030 80 Prozent Erneuerbarenanteil am Bruttostromverbrauch zu erreichen und dessen Realisierbarkeit immer wieder zur Diskussion. Ungeachtet dessen gilt aber: Ein höherer Anteil Erneuerbarer im Stromsystem wirkt preissenkend. Dies zeigt auch die Anfang 2025 erschienene Studie des Fraunhofer Instituts, wonach im Jahr 2024 jedes zusätzlich eingespeiste Gigawatt aus Wind- und Solarenergie den Day-Ahead-Börsenstrompreis um durchschnittlich 2,51 Euro je Megawattstunde absenkte.
Auch weitere Studien von EPICO und Agora Energiewende zeigen nahezu übereinstimmend, dass der planmäßige Ausbau die Börsenstrompreise bis 2030 um mehr als 20 Prozent senken kann – auch in den Szenarien, die von einer langsameren Elektrifizierung ausgehen. Flexibel steuerbare Verbraucher können zusätzlich zur Systemkostensenkung beitragen, indem sie sich an Preissignalen orientieren.
Günstige Energiepreise sind eine zentrale Voraussetzung wirtschaftlichen Aufschwungs und der damit in Zusammenhang stehenden politischen Zielsetzungen: Neue Investitionen in Industrie und Produktion, die fortschreitende Digitalisierung und die angestrebte Elektrifizierung der Sektoren Wärme, Mobilität und Industrie setzen eine langfristig gesicherte und preisstabile Stromversorgung voraus.
Insbesondere energieintensive Unternehmen prüfen für Investitionsentscheidungen die Strompreisentwicklungen sowie die Verlässlichkeit der Energieinfrastruktur. Dabei sind klare Rahmenbedingungen und langfristige Ausbauziele entscheidend. Ein Bekenntnis zum Ausbau der Erneuerbaren und der Netzinfrastruktur stellt als Grundlage für die preisstabile und verlässliche, von Energieimporten unabhängigere Versorgung somit mittel- und langfristige Investitionsentscheidungen sicher.
Der Monitoring-Bericht und die abgeleiteten Handlungen der Politik werden daher richtungsweisend sein: Führt die Bundesregierung die drohende Abwärtsspirale fort oder setzt sie ein Zeichen für wirtschaftlichen Aufschwung?
Vertrauen schaffen in den Standort Deutschland
Ein konsequenter und planbarer Ausbau der Erneuerbaren, der Netzinfrastruktur sowie der Flexibilitäten sowohl auf Erzeugungs- als auch Nachfrageseite sind also entscheidend für wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen. Eine verlässliche und preisstabile Energieversorgung ist zentrale Voraussetzung für Wachstum. Wer den Ausbau jetzt verlangsamt, riskiert dauerhaft hohe Strompreise, eine schwache Nachfrage und damit den Verlust wirtschaftlicher Dynamik. Wer hingegen an den Ausbauzielen festhält, schafft Vertrauen in den Standort Deutschland. Damit wird ein wichtiger Grundstein für wirtschaftlichen Aufschwung und langfristige Wettbewerbsfähigkeit gelegt.
Das Festhalten an den Ausbauzielen wird somit zum klaren Bekenntnis der Bundesregierung zur deutschen Wirtschaft und Voraussetzung für die langfristige und preisstabile Versorgungssicherheit.
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