Energieeffizienz : Reiches Realitätsraison verlangt nach Effizienz
Der beste Energiekonsum ist der, der nicht stattfindet. Carsten Müller (CDU) erläutert im Standpunkt, warum Effizienz eine wichtige Säule der Energiepolitik ist.
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Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat recht: Klimaschutz ist zentral – aber nicht das alleinige Ziel zukunftsfähiger Energiepolitik. Diese braucht einen realistischen Dreiklang aus Wirtschaftlichkeit, Versorgungssicherheit und Umweltverträglichkeit. Das gilt auch für wichtige Gesetze wie das Energieeffizienzgesetz, das Gebäudeenergiegesetz ebenso wie für die Förderung.
Ein nüchterner Blick zeigt, dass die Energiewende ohne eine massive Steigerung der Energieeffizienz nicht stemmbar ist. Nach 25 Jahren stammen erst rund 20 Prozent unserer Energie aus Erneuerbaren. Ohne Effizienzfortschritte wäre dieser Anteil deutlich geringer, denn unsere Volkswirtschaft ist heute fast um ein Viertel größer als vor 20 Jahren. Diese Entkopplung ist eine Erfolgsgeschichte!
Energieproduktivität ist zum Wettbewerbsfaktor und Turbo der Energiewende geworden. Wollen wir gleichzeitig Wachstum, Wohlstand und Klimaneutralität schaffen, muss der absolute Energieverbrauch weiter sinken. Das Ziel lautet darum, die jährlichen Effizienzfortschritte bis 2030 zu verdoppeln.
Das stärkt auch unsere Versorgungssicherheit. Über 100 Milliarden Euro zahlen wir jährlich für unsere größtenteils fossile Energieimportabhängigkeit. Gerade ein Drittel unseres Bedarfs wird durch heimische Erzeugung gedeckt. Das ist geopolitisch riskant und wirtschaftlich ineffizient. Besser wäre, dieses Kapital in heimische Wertschöpfung zu lenken: Schon heute sichert die Energieeffizienzbranche mit rund einer Million Beschäftigten Jobs, Innovation und Steuereinnahmen.
Negawatt sind unterschätzt
Zu lange wurde diese Ressource unterschätzt. Energie durch Effizienz einzusparen – also Negawatt – sind oft günstiger als zusätzliche Megawatt Erzeugung, Reservekraftwerke, Netze oder Speicher. Echte Technologieoffenheit verlangt daher, Energieeffizienz gleichrangig mitzudenken.
Das senkt Systemkosten und macht die Energiewende bezahlbarer. Auch Brüssel erkennt das Potenzial. Die EU-Kommission hat jüngst eine „neue Ära“ der Energieeffizienz angekündigt – ein Feld, auf dem Europa technologische Führungsstärke zeigen kann. Es gibt somit die Chance, die strukturellen Kosten der Energiewende zu reduzieren, ohne den Fortschritt auszubremsen.
Investitionen in Energieeffizienz wirken dabei nachhaltiger als die alleinige Dauerbezuschussung von Energiekonsum. Die bestehenden und angekündigten Strompreisentlastungen entlasten Wirtschaft und sollen die Elektrifizierung des Wärmesektors beflügeln.
Verbrauchsseite mehr berücksichtigen
Doch die Entlastungen entwickeln sich gerade zum größten Subventionsposten des Bundes – mit wachsenden Haushaltsrisiken pro zusätzlicher Megawattstunde. Entlastung braucht daher marktwirtschaftlichen Ausgleich. In anderen Ländern existieren längst erfolgreiche Energieeffizienzanreizsysteme, die große Potenziale heben – oft schneller, als neue Kraftwerke gebaut werden können. Deutschland hat das Potenzial, bei der Energieeffizienz zur europäischen Spitze zurückzukehren. Zentral ist ein kluger politischer Rahmen. Das Energieeffizienzgesetz gehört ganz klar dazu. Energiemanagementsysteme und
-audits liefern belastbare Daten für Entscheidungen.
Auch beim Gebäudeenergiegesetz gilt: Eine alleinige Ausrichtung an CO2 wäre eine kapitale Schnapsidee. Effizienzstandards schützen Bewohner und Nutzer von Gebäuden vor Energiekostenschocks und entlasten das Netz in Winterlastspitzen. Jetzt geht es darum, die bestehenden Gesetze und Förderprogramme genauso wie die Sondervermögen, die Sanierung öffentlicher Gebäude und die Umsetzung europäischer Vorgaben so zu nutzen, dass das enorme Potenzial für mehr Energieeffizienz in Deutschland noch effektiver gehoben wird.
Die Energiepolitik braucht einen Realitätscheck, der endlich auch die Verbrauchsseite ernsthaft in den Blick nimmt. Nur mit mehr Effizienz bleibt Energie dauerhaft bezahlbar.
Carsten Müller ist CDU-Bundestagsabgeordneter, geschäftsführender Vorsitzender des Ausschusses für Recht und Verbraucherschutz sowie ehrenamtlicher Vorsitzender der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (DENEFF).
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