Hochlauf der E-Mobilität : Plug-in-Hybride als Teil der Lösung
Trotz wachsender E-Auto-Zulassungen bleibt der Hochlauf der Elektromobilität in Deutschland hinter den Erwartungen zurück. Plug-in-Hybride könnten eine realistische Brückenlösung sein, doch regulatorische Verschärfungen drohen ihren Marktanteil zu gefährden.
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In diesem Jahr hat der Absatz von batterieelektrischen Fahrzeugen nochmals an Fahrt aufgenommen. Gut so! Doch trotz immenser Investitionen in die Elektromobilität bleibt ihr Hochlauf nach wie vor hinter den Erwartungen zurück. Wir sind nicht da, wo wir sein wollten. Darauf gilt es zu reagieren.
In den letzten zehn Jahren ist der Anteil von E-Fahrzeugen (BEV) im deutschen Neufahrzeugmarkt für Pkw von 0,4 Prozent auf aktuell etwa 18 Prozent gestiegen und müsste in den nächsten zehn Jahren auf 100 Prozent steigen, um die europäische CO2-Flottenregulierung zu erfüllen. Doch viele Kundinnen und Kunden zögern noch bei der Entscheidung für ein rein batterieelektrisches Fahrzeug. Auch angesichts einer deutlich veränderten globalen Lage mit gravierenden Rückwirkungen auf die deutsche Wirtschaft erscheint die Erreichung des Zieles heute unrealistisch.
Was wären die Konsequenzen, wenn wir trotz mangelnder Kundenbereitschaft keine weiteren Lösungsoptionen zulassen? Wenn große Teile der potenziellen Neuwagenkäufer sich in 2035 entschließen, den noch gut erhaltenen Verbrenner einige Jahre weiterzufahren und es zu einem Einbruch des Neuwagenmarktes über mehrere Jahre kommt? Am Ende verlieren alle, die Kundinnen und Kunden, die Industrie, der Standort und das Klima.
Andere Weltmärkte reagieren flexibler
Um es klar zu sagen, batterieelektrische Fahrzeuge sind der Hauptpfad zu einer klimaneutralen Mobilität im Bereich Pkw. Aber andere Weltmärkte agieren flexibler als Europa und fördern gezielt auch Plug-in-Hybride (PHEV) und ihre spezifische Ausprägung als Range-Extender, um den Hochlauf der Elektromobilität erfolgreich zu gestalten.
PHEV verbinden eine hohe Kundenakzeptanz mit der Möglichkeit, lokal emissionsfrei zu fahren. Bei regelmäßigem elektrischem Fahren sind die CO2-Emissionen gegenüber einem reinen Verbrenner erheblich reduziert. Gleichzeitig bieten PHEV auch eine robuste Alltagstauglichkeit, beispielsweise bei Reisen in Regionen mit unzureichender Abdeckung der Ladeinfrastruktur. Und gerade mit Blick auf den Auf- und Ausbau der Ladeinfrastruktur sind einige Regionen in der EU noch weit hinter den Notwendigkeiten zurück.
Insgesamt sind PHEV integraler Bestandteil einer breiten Elektrifizierungsstrategie und können einen wertvollen Beitrag zur CO2-Reduzierung leisten. Die Technik bietet das Potenzial, entscheidend für die Wirksamkeit ist die Nutzung.
Elektrischen Fahranteil steigern
Hier gilt es entsprechend anzusetzen. Die Automobilindustrie arbeitet intensiv an konkreten Maßnahmen, um den elektrischen Fahranteil weiter zu steigern – und benennt klar, was sie selbst leisten kann und was außerhalb ihres Einflussbereichs noch getan werden muss.
Innerhalb des Einflussbereichs der Automobilindustrie können neue Fahrzeuge künftig so konzipiert werden, dass sie regelmäßig geladen werden müssen. Beispielsweise könnte innerhalb einer definierten Kilometerleistung mindestens ein Ladevorgang verpflichtend sein. Erfolgt dieser nicht, folgt nach Warnhinweisen ein zusätzliches Zeitfenster, in dem das Nachladen erforderlich wird – andernfalls wird die Systemleistung spürbar reduziert. Solche Mechanismen sichern Fairness, stärken den Klimabeitrag und fördern elektrisches Fahren aktiv.
Ebenso entscheidend ist die technische Auslegung. PHEV müssen so entwickelt sein, dass die gängigsten Alltagsfahrten vollständig elektrisch erfolgen können. Transparente Informationen im Fahrzeugdisplay können zusätzlich motivieren: Wer seinen elektrischen Fahranteil, statistische Vergleiche oder die eigene Ladehäufigkeit kennt und mit Durchschnittswerten vergleichen kann, fährt bewusster und effizienter. Langfristig sollten zudem weitere Optionen, wie zum Beispiel Geofencing und elektrische Mindestreichweiten eine ergänzende Rolle spielen, wofür es allerdings regulatorische Planungssicherheit braucht.
Nicht zuletzt braucht es auch die konsequente Unterstützung der Politik. Der Ausbau einer flächendeckenden Ladeinfrastruktur ist Grundvoraussetzung. Ebenso wichtig sind bezahlbare Strompreise – öffentliches Laden muss günstiger sein als Tanken. Nur dann entsteht ein echter Anreiz für das elektrische Fahren.
Flexibilisierung entscheidend für den Erfolg
Noch sind PHEV in Europa sehr erfolgreich. Zwischen Januar und Juli 2025 wurden in Europa 565.220 PHEV neu zugelassen – das entspricht 38 Prozent aller elektrifizierten Neuzulassungen. 324.301 Fahrzeuge stammen von deutschen Herstellern, also rund 57 Prozent. In Deutschland liegt der Anteil von PHEVs an der E-Auto-Produktion in den ersten acht Monaten 2025 bei 27,1 Prozent. Diese Zahlen verdeutlichen die Bedeutung von Plug-in-Hybriden sowohl in der Automobilproduktion als auch bei den Neuzulassungen von E-Fahrzeugen in Deutschland und Europa.
Allerdings wird der Utility Factor für PHEV, der das Verhältnis von elektrischer und verbrennungsmotorischer Nutzung beschreibt, in den nächsten Jahren kontinuierlich verschärft. Diese Anpassung wird die Attraktivität der Fahrzeuge im Markt spürbar verringern, noch bevor sich die Wirkung der beschriebenen Maßnahmen im Feld zeigen kann. Daher sollten diese Verschärfungen vorläufig ausgesetzt werden, bis im anstehenden CO2-Review die zukünftige Rolle von PHEV bewertet werden kann. Wir setzen uns angesichts der technischen Weiterentwicklung der Fahrzeuge und wirksamen Maßnahmen zur verbesserten Nutzung für eine Stärkung von Plug-in-Hybriden ein.
Zudem bündeln PHEV industriepolitisch die gesamte Kompetenzkette Europas – Batterie, Leistungselektronik, E-Motor, Verbrennung, Getriebe, Software – und sichern damit erhebliche Investitionen und Arbeitsplätze entlang aller Wertschöpfungsstufen, gerade auch bei mittelständischen Zulieferern. Vieles spricht auch in Zukunft für Plug-in-Hybride als Teil der Lösung. Wir sollten ihr Potenzial nutzen und sie nicht mit dem Blick in den Rückspiegel ins Abseits stellen.
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