Glasfaserausbau : Warum Stadtwerke auf Partnerschaften mit der Telekom setzen
Viele Unternehmen setzen derzeit darauf, beim Glasfaserausbau miteinander zu kooperieren. Dabei stand die Strategie der Deutschen Telekom zuletzt mehrfach in der Kritik der Wettbewerber. Nun meldet sich Thilo Höllen, Leiter der Breitbandkooperationen bei der Telekom, selbst zu Wort in der Debatte.
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Deutschland steht vor großen Herausforderungen. Die Digitalisierung ist sicher eine zentrale Aufgabe. Wir betrachten sie als Teamsport. Was wir damit meinen? Bereits heute entsteht jeder dritte Glasfaseranschluss der Telekom in Kooperationen.
Deren positiver Effekt lässt sich einfach auf den Punkt bringen: Wo Unternehmen zusammenarbeiten, profitieren am Ende vor allem die Menschen. Sie bekommen schnelle Netze, mehr Anbieterfreiheit und Zugang zu einer digital vernetzten Zukunft. Die logische Konsequenz ist also, dass der Glasfaserausbau in Deutschland durch Kooperationen zwischen Telko-Anbietern und regionalen Unternehmen entscheidend vorangebracht werden kann. Manches Netz wäre ohne Kooperation mit der Telekom gar nicht entstanden.
Immer mehr regionale Akteure arbeiten mit der Telekom partnerschaftlich zusammen. Sie setzen damit auf ein Modell, das Effizienz, Kundennutzen und wirtschaftliche Stabilität vereint. Jüngstes Beispiel: Die Stadtwerke München und ihre Telekommunikationstochter M-Net. Sie haben mit der Telekom eine langfristige Kooperation für die nächsten 30 Jahre vereinbart. Bei dieser Partnerschaft erschließen die Unternehmen gemeinsam sämtliche Wohnungen mit Glasfaser. Insgesamt rund 550.000 Haushalte profitieren. Die Telekom erhält Zugriff auf das Glasfasernetz der M-Net und andersherum. Für die Kundinnen und Kunden bedeutet das: nur eine Glasfaserdose in jeder Wohnung. Aber die Auswahl aus einem ganzen Blumenstrauß von Anbietern – von Telekom und M-Net über 1&1 bis hin zu Vodafone oder Telefónica, die sich in die Netze einmieten können. Sie müssen nichts weiter tun, als sich für einen Anbieter entscheiden. Und können dann mit Highspeed surfen oder streamen.
Große und kleine Partnerschaften
Der Grund dafür: Sämtliche Kooperationsvereinbarungen erlauben es nicht nur den beteiligten Unternehmen, sondern auch den jeweiligen Wholesale-Partnern, das Netz frei zu nutzen. Dieser Kerngedanke heißt „Open Access“. Und den leben wir nicht nur in großen Kooperationen. Ebenfalls im Oktober haben wir mit den Stadtwerken Wunsiedel im Nordosten Bayerns eine Kooperationsvereinbarung geschlossen. Hier sprechen wir von 2.400 Haushalten, Wunsiedel ist also eine verhältnismäßig kleine Partnerschaft. Aber auch hier treibt uns das Ziel an, gemeinsam mit unserem lokalen Partner allen Bürgerinnen und Bürgern Glasfaseranschlüsse und freie Anbieterwahl zu ermöglichen. Wunsiedel oder München – was zählt, ist der Gedanke, nicht die Größe.
Kooperationen dieser Art erleben gerade einen richtigen Boom. Und zwar aus gutem Grund. Derzeit entstehen mehr als vier Millionen Glasfaseranschlüsse in solchen Ausbaupartnerschaften, fast eine halbe Million davon ist bereits aktiv. Kein anderes Unternehmen in Deutschland zählt derzeit so viele Glasfaser-Partnerschaften mit Stadtwerken wie die Telekom. Neben dem Bau des Netzes aus eigenen Mitteln ist dies ein zusätzlicher wie wesentlicher Beitrag zur Digitalisierung unseres Landes.
Langfristige Partnerschaften mit Substanz
Wettbewerbsverbände wie der VATM kritisieren die Strategie der Telekom und werfen ihr vor, Stadtwerke in Kooperationen zu drängen. Gleichzeitig monieren sie, dass wir Zugang zur passiven Infrastruktur – also beispielsweise einer freien Glasfaser – unserer Kooperationspartner bekommen. Hier geht es aber um ein grundsätzliches Rollenverständnis: Die Telekom ist Netzbetreiber. Unser Geschäftsmodell basiert darauf, dass wir neben unseren Produkten auch die Angebote unserer Wholesale-Partner auf unseren eigenen und auf Kooperations-Netzen anbieten können. Dazu brauchen wir einen passiven Zugang, da das aktive Vorleistungsprodukt (BSA) lediglich für Telekom-Kunden gedacht ist.
Die Alternative dazu ist Infrastruktur-Wettbewerb um den Kunden. Im Gegensatz zu einigen Wettbewerbern sind wir immer bereit, uns diesem zu stellen. Wettbewerb ist nicht nur für uns positiv, sondern auch für die Kundinnen und Kunden und politisch ausdrücklich erwünscht. Wir haben uns daher immer entschieden gegen ein Überbauverbot ausgesprochen. Und um einmal mit einem Missverständnis aufzuräumen: Auch unsere Wettbewerber setzen auf Kooperationen, bei dem sie exklusiven Zugang zur passiven Infrastruktur bekommen. So etwa Net Cologne in Bonn oder Vodafone in diversen Gebieten wie zum Beispiel Essen (Metrofiber), Dinslaken (Westconnect), im Rhein-Hunsrück-Kreis (Westconnect), im Ortenaukreis (kommunale Infrastruktur), im Main-Kinzig-Kreis (BBMK – kommunale Infrastruktur), Gronau (Stadtwerk) und vielen anderen Gebieten, wo sie in Summe deutlich mehr als 100.000 Haushalte als exklusiver Netzbetreiber versorgen.
Die Praxis zeichnet bei den Telekom-Kooperationen ein anderes Bild als das, was unsere Wettbewerber bevorzugen: Die Zusammenarbeit mit unseren Partnern beruht auf Freiwilligkeit und bietet für beide Seiten klare Vorteile. Die Telekom betreibt, wartet und entstört die Netze, während die Stadtwerke diese vor Ort planen und ausbauen. So teilen beide das Risiko und setzen ihre Stärken gezielt ein. Die wachsende Zahl langfristiger, meist auf 30 Jahre ausgelegter Verträge, belegt: wir verhandeln auf Augenhöhe. Kooperationen gelten mittlerweile als zentraler Wachstumstreiber des Glasfasermarkts – auch der Bundesverband Glasfaseranschluss (Buglas) und der Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko) bestätigen diesen Trend jüngst.
Unser Credo lautet: Wenn zwei Partner zusammenfinden, die ein gemeinsames Ziel eint, finden wir einen Weg, den wir gemeinsam beschreiten. Mehr als 50 bestehende Partnerschaften sprechen eine deutliche Sprache. Glasfaserausbau ist Teamsport. Und genau so gehen wir ihn an.
Thilo Höllen ist bei der Telekom Deutschland für die Aktivitäten rund um Partnerschaften im Glasfaser- und Breitbandausbau verantwortlich. Sein Team hat zahlreiche Kooperationsvereinbarungen zu Ausbau, Anmietung und Einkauf entwickelt, verhandelt und etabliert – zum Beispiel die Kooperationsvereinbarungen in Münster, Bochum oder Regensburg. Thilo Höllen studierte Betriebswirtschaftslehre, European Business Management. und General Business Management an den Hochschulen Trier, dem Athlone Institute of Technology in Irland und an der ESMT Berlin.
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