Smart-Meter-Rollout : Netzbetreiber: Konsolidiert euch!
Die deutsche Strom-Kleinstaaterei aus rund 800 Verteilnetz- und Messstellenbetreibern muss beendet werden, schreibt Konrad Schade, Chief Commercial Officer (CCO) des Energiedienstleisters Rabot Energy und Mitgründer der Smart-Meter-Initiative (SMI). Die kleinteilige Struktur werde zur Belastung bei der notwendigen Digitalisierung der Netze.
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Gleich vorweg der „Elephant in the room“: ein effizientes Stromnetz und der dringend notwendige, zügige Smart-Meter-Rollout ist mit über 800 Verteilnetz- und Messstellenbetreibern nicht zu stemmen.
Die Kleinteiligkeit des deutschen Stromnetzes war ohnehin schon immer ein Preistreiber der Netzgebühren, die die Politik nicht gerne thematisierte. Aber rund 800 Messstellen- und Verteilnetzbetreiber ohne eine echte Vereinheitlichung der Standards sind ein Preistreiber, der sich in hohen deutschen Netzgebühren widerspiegelt und von den Stromverbraucher:innen bezahlt wird. Manche der Messstellen haben gerade einmal 5000 Messpunkte. Nirgendwo in Europa gibt es mehr Verteilnetze.
Deutschlands Kleinteiligkeit bei den Verteilnetzen zahlen Verbraucher:innen indirekt über die im internationalen Vergleich hohen Netzgebühren. Mehr als 800 Verteilnetz- und Messstellenbetreibern bedeuten auch zahlreiche Doppelstrukturen – von der Verwaltung bis hin zu den IT-Systemen.
Die kleinteilige Struktur war also schon immer teuer. Jetzt aber, da Deutschland endlich auf europäisches Niveau beim Smart-Meter-Rollout aufschließen will, wird der Nachteil der Kleinteiligkeit fatal. Während die skandinavischen Länder, Spanien, Italien und die Niederlande die Umstellung oft schon vor Jahren abgeschlossen haben, liegt die Rollout-Quote in Deutschland aktuell noch immer bei nur drei Prozent – mit Abstand Schlusslicht in Europa. Die Folgen: zu teurer Strom und Netzgebühren, immer mehr kostspielige Redispatches und weggeworfener Strom.
Ein modernes, digitales Stromnetz benötigt Investitionen – beispielsweise in eine zeitgemäße IT-Infrastruktur. Sie sind die Voraussetzung dafür, dass überhaupt Smart Meter ausgerollt werden können. Die Marktkommunikation muss noch immer bei Hunderten Verteilnetz- und Messstellenbetreibern auf den aktuellen Stand gebracht werden, noch immer fehlen funktionierende Data-Hubs.
Einige der Messtellenbetreiber – vor allem kleinere – haben nach wie vor noch keinen einzigen intelligenten Zähler ausgerollt, weil sie diese Investitionen scheuen. Kein Wunder: Aus Branchenkreisen ist immer wieder zu hören, dass es mindestens 500.000 Messstellen braucht, damit sich die Investitionen lohnen.
Rollout für kleine Anbieter ökonomisch nicht zu stemmen
Die kleineren Messstellenbetreiber sollten daher lieber früher als später der unausweichlichen Wahrheit ins Auge blicken: der Rollout ist für sie aus ökonomischen Gründen nicht zu schaffen. Die fragmentierte Messstellenlandschaft sollte entweder durch verbindliche gemeinsame Standards und Investitionen oder notfalls durch Fusionen und Übernahmen beendet werden.
Ein möglichst flächendeckender Smart-Meter-Rollout in Kombination mit dynamischen Stromtarifen ist essentiell für das Gelingen der Energiewende. Nur wenn in der Breite Haushalte einen Anreiz haben, Strom dann zu verbrauchen, wenn er durch viel Sonne und Wind im Netz gerade grün und günstig ist, können Netze entlastet, erneuerbare Energien optimal genutzt und so fossile Energien dauerhaft vermieden werden.
Mit der kleinteiligen Struktur der Verteilnetz- und Messstellenbetreiber steht sich Deutschland derzeit selbst im Weg. Eine für alle günstige und effiziente grüne Energiewende erfordert eine konsequente Digitalisierung der Netze – und eine Konsolidierung der Verteilnetzstruktur wäre ein mutiger, konsequenter Schritt in diese Richtung.
Dr. Konrad Schade ist seit November 2023 Managing Director und Chief Commercial Officer von Rabot Energy, Anbieter von Energielösungen.
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