irgendwie kann man sich nicht so recht einen Reim darauf machen: Da gibt Bundeskanzler Friedrich Merz in Brüssel den frugalen Haushaltspolitiker, der dem sogenannten Club Med der überausgabefreudigen EU-Südländer gerne klarmacht, dass sie ihre Staatshaushalte konsolidieren müssen. Zuhause aber, in Berlin wie im Sauerland, sollen jetzt mal so eben wieder Milliarden Euro in die Taschen von ach so armen Autofahrern fließen, sobald die Spritpreise wieder einen Mucks machen.
Kann man sich das denn hier leisten, weil Deutschlands öffentlichen Kassen so super konsolidiert sind? Offenbar hat man's ja. Zumindest, wenn es um fossil angetriebene Blechkisten geht, on denen viele gerade vor Wahllokalen gestanden haben.
Die sehr spezielle Ambivalenz zwischen Ausgabewunsch und Sparzwang merkt man auch einem Entschließungsbericht des Europäischen Parlaments an, über den wir im heutigen Briefing von Tagesspiegel Background Finanzen & Sustainability berichten: Dort hat nämlich eine breite Mehrheit der Abgeordneten dazu aufgerufen, paneuropäische „Safe Assets“ – also gemeinsame EU-Schuldscheine – als Gegenstücke zu den überall flüssigen US-Staatsanleihen zu kreieren – um damit die internationale Rolle des Euros als Reservewährung zu stärken und Europas Kapitalmarkt zu vertiefen.
Außerdem berichten wir unter anderem über eine Studie, die zeigt, dass Kreditrisikoprüfungen von Banken Vorteile für emissionsintensive Unternehmen bergen und bringen den aktualisierten Terminkalender für Finanz- wie Sustainable-Finance-Fachleute.