Die dänische Regierung und der staatliche dänische Übertragungsnetzbetreiber Energinet.dk beschreiben das dänisch-britische Stromkabel Wiking Link als eine grüne Investition, die dänischen Windstrom nach Großbritannien leiten und so die Energiewende unterstützen soll. Bisher geheim gehaltene Berechnungen von Energinet.dk zeigen jedoch, dass die eigentlichen Nutznießer der Trasse deutsche Kohlekraftwerke sein werden.
Wenn es um die vermeintliche Wettbewerbsfähigkeit wichtiger Industrien geht, herrscht in Deutschland Merkantilismus statt Rechtsstaat. Bestes Beispiel: der Umgang mit Betrügereien beim Diesel. Konsequente Sanktionen hingegen würden das Image von „Made in Germany“ sogar verbessern.
Die Energiewende ist ein Mehrgenerationenprojekt, das gemanagt werden muss und langfristig verlässliche Rahmenbedingungen braucht. Die große Koalition sollte die Energiewende daher wieder stärker auf die politische Agenda setzen und für die Umsetzung die Bevölkerung mitnehmen – auch mittels der Schul- und Fachbildung, schreibt ZIA-Vizechef Thomas Zinnöcker in seinem Standpunkt.
Die Diskussion zum Einsatz von Drohnen in der Energiewirtschaft wird bisher viel zu sehr von Technikern geführt. Die wirklichen Bremsklötze liegen in der Gesetzgebung in Berlin und Brüssel. Vor allem Out-of-Sight Flüge müssen erleichtert werden. Nur so ist das wirtschaftliche Potenzial der Drohnen zu heben.
Christoph Müller, Vorsitzender der Geschäftsführung der Netze BW GmbH, erklärt, warum die Kritik an den Netzentgelten nicht gerechtfertigt sei. Sie würden weder den Anreiz zum Stromsparen torpedieren noch sozial schwächere Haushalte benachteiligen.
Deutliche Energieeinsparung in Gebäuden und weniger CO2-Emissionen: Die Wärmewende muss zum Eck-pfeiler einer erfolgreichen deutschen Klima- und Energiepolitik werden. Aber wie sind die Ambitionen der neuen Bundesregierung effizient in die Tat umsetzbar? Andreas Kuhlmann, Chef der Deutschen Energie-Agentur (Dena) und Sprecher der Allianz für energieeffiziente Gebäude (geea) wirbt für einen breiten Ansatz. Würde allein auf die Elektrifizierung gesetzt, wird es teuer, schreibt er im Standpunkt.
Der europäische Emissionshandel hat neue Regeln, die in wenigen Tagen in Kraft treten. Kostenlose Zuteilung, gelöschte Zertifikate, Ausnahmen für Wärmeerzeuger: Ines Zenke, Partnerin der Energierechtskanzlei Becker Büttner Held, erklärt in ihrem Standpunkt, wie das reformierte Regelwerk funktioniert und hat dabei insbesondere die Großemittenten der Industrie im Blick.
Jeder spricht von der Digitalisierung der Energiewelt. Doch häufig fehlt es an Klarheit, wie ihren beiden Komponenten den Erfolg neuer Geschäftsmodelle bestimmen. Die erste, die Dezentralität, ist bekannt. Die zweite, die Heterogenität, wird oft zu wenig berücksichtigt. Dabei ist die Unterscheidbarkeit der Produkte wichtig für das Interesse der Konsumenten. In ihrem Standpunkt analysieren Barbara Hennecke und René Mono von der 100 Prozent Erneuerbar Stiftung den Unterschied.
Welche Rolle spielen Energiespeicher in der Zukunft? In ihrer Analyse identifizieren Jörg Jas-per und Bernd Schürmann, Experten für Energiewirtschaft der EnBW, viele Stärken. Die Flexibilität ist enorm hoch, die Wettbewerbsfähigkeit auch. Denn finanziert werden sie zum Beispiel über den Bedarf an Elektromobilität. Dennoch bleiben sie nur ein Baustein unter vielen, weil die speicherbaren Strommengen nicht ausreichen, um längere Produktionslücken der Erneuerbaren auszugleichen.
Priorität für die Energieeffizienz – ist das nur ein leerer Slogan? Nein, meinen Jan Rosenow und Andreas Jahn vom Regulatory Assistance Project, einem Think-Tank zu Regulierungsfragen. Sie sehen großes Potenzial und raten dazu, den Efficiency-First-Ansatz stärker im europäischen Regulierungsrahmen zu verankern. Es sei wichtig, die messbaren Erfolge fortzuführen und auszubauen.
Die deutschen Autohersteller sind wenig innovativ. Krampfhaft halten sie am Verbrennungsmotor fest. Das liegt am Management und den Gewerkschaften, aber auch an der Politik. Was sich ändern muss, schreiben Andreas Knie und Weert Canzler in ihrem neuen Buch „Taumelnde Giganten. Gelingt der Autoindustrie die Neuerfindung?“, das sie am Dienstag vorgestellt haben.
Wind- und Solaranlagen kommen auch in Deutschland in einigen Jahren womöglich ohne staatliche Unterstützung aus. Sie sind dann allerdings erheblichen Marktrisiken ausgesetzt. In seinem Standpunkt analysiert Manuel Köhler vom Analysehaus Aurora Energy Research, was die Preise drückt und wie Risiken korrelieren. Ein besseres Verständnis hilft Investoren – und der Politik, die die Entwicklung unterstützen kann.
Derzeit wird in Brüssel die Biokraftstoffpolitik ab dem Jahr 2020 bis 2030 verhandelt. Die Aussichten für die Biodiesel- und Bioethanolbranche sehen düster aus. Doch würden sich die Kritiker durchsetzen, drohen erhebliche Probleme für die Energiewende im Verkehr, schreibt Elmar Baumann, Geschäftsführer des Verbands der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB), in seinem Standpunkt.
Um dem Klimawandel effektiv entgegentreten zu können, müssen sich auch Entwicklungs- und Schwellenländer rasch von ihren fossilen, treibhausgasintensiven Energieträgern verabschieden. Die positiven Zusatznutzen von Energiepolitiken mit Erneuerbaren können hierbei zum entscheidenden Argument für den Strukturwandel werden, schreibt Sebastian Helgenberger vom IASS Potsdam in seinem Standpunkt.
Erwiderung von Michel J. Rossi, ETH Lausanne, zum Standpunkt von Thomas A. Koch, Leiter des Instituts für Kolbenmaschinen am Karlsruher Institut für Technologie (KIT)
Der EU-Energiebinnenmarkt würde enorme Werte schaffen. Verbraucher könnten von Milliardeneinsparungen profitieren, Jahr für Jahr. Doch die Nationalstaaten blockieren. Insbesondere Deutschland muss endlich seiner Verantwortung als zentrales Bindeglied im europäischen Stromnetz nachkommen, fordern Philip Baker und Andreas Jahn vom Regulatory Assistance Project (RAP) in ihrem Standpunkt.
Seit das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig im Streit um die Luftreinhaltepläne ein Urteil gefällt hat, ist das berüchtigte F-Wort wieder in aller Munde: Fahrverbote. Die Luftqualität in vielen deutschen Innenstädten ist katastrophal – was die Politik bislang untätig hingenommen hat. Nun ebnen die Gerichte den Weg für Dieselverbote in deutschen Innenstädten. Dass die Entwicklung in Deutschland Konsequenzen für ganz Europa hat, ist den meisten bislang kaum bewusst.
Union und SPD haben im Koalitionsvertrag vereinbart, ein Klimaschutzgesetz einzuführen. Thorsten Müller, Wissenschaftlicher Leiter der Stiftung Umweltenergierecht, schreibt in seinem Standpunkt, dass damit die Einhaltung der Klimaziele keinesfalls sicher gewährleistet sei. Nur eine Verfassungsänderung könne hohe Verbindlichkeit bringen. Dennoch bringe schon das Klimaschutzgesetz große Vorteile.
Wie sieht der europäische Energiemarkt der Zukunft aus? Die Beschlüsse des Industrieausschusses des Europaparlaments müssen noch im Trilog durchgesetzt und in einigen Punkten verbessert werden, schreibt Rainer Hinrichs-Rahlwes, Vizepräsident der European Renewable Energies Federation (EREF). Er hat den derzeitigen Stand ausführlich analysiert.
Der gerade in NRW verhandelte Antrag zum Aussetzen der Energieeinsparverordnung (EnEV) zeigt, wie sehr die Politik trotz jahrelanger Bekenntnisse zur Energieeffizienz immer noch mit den notwendigen Maßnahmen zu ihrer Steigerung hadert, findet Christian Noll, Geschäftsführender Vorstand der DENEFF. Er fordert „Schluss mit den Ausreden!“ – und appelliert damit auch an die nächste Bundesregierung.
Mit der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) soll die sichere Verwahrung radioaktiver Abfälle endgültig zu einer staatlichen Aufgabe werden. Doch die Suche nach einem Endlagerstandort steht erst am Anfang, schreibt Ursula Heinen-Esser, Vorsitzende der Geschäftsführung der BGE, in ihrem Standpunkt.
Bei der Gestaltung des Marktrahmens für das Energiesystem greift der Koalitionsvertrag leider zu kurz, schreibt Matthias Zelinger. Für die CO2-Bepreisung etwa gibt es genug Ansätze, eine europäisch sinnvoll eingebettete Lösung zu finden. Zudem braucht es mehr Anreize in Forschung und dringend eine bessere Zusammenarbeit der Fachleute in den Ministerien.
Der Koalitionsvertrag von Union und SPD ist nicht gerade mutig: Das ist auch das Urteil von Jörg Jasper, dem Konzernexperten für Energiewirtschaft von EnBW. Er betont aber: Die Hoffnung auf überfällige Reformen, zum Beispiel bei der Energiebesteuerung, darf nicht aufgegeben werden. Die Energiebranche müsse am Ball bleiben.
Die Energiewende wurde einst mit der Mondlandung verglichen – der Koalitionsvertrag von CDU/CSU und SPD ist aber noch kein ausreichender Beitrag zu einer erfolgreichen Landung in der Energiewelt von morgen, schreibt Stefan Kapferer, Vorsitzender der Hauptgeschäftsführung des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW), in seinem Standpunkt.
Um die Ziele des Klimaschutzabkommens von Paris zu erreichen und den Anstieg der globalen Mitteltemperatur bis zum Jahr 2100 im auf höchstens zwei Grad zu begrenzen, reicht es nicht aus, Emissionen zu reduzieren. Wilfried Rickels und seine Kollegen vom Institut für Weltwirtschaft in Kiel betonen die Notwendigkeit, der Atmosphäre CO2 zu entziehen.
Union und SPD haben viel Kritik einstecken müssen für den Koalitionsvertrag, auch im Bereich Energie- und Klimapolitik. Andreas Kuhlmann, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur (Dena), legt in seiner Bewertung den Schwerpunkt auf die positiven Aspekte. „Der Kurs stimmt, und es sind gute Ansätze erkennbar“ schreibt er. Jetzt müsse aber schnell und entschlossen gehandelt werden.
Das Thema Energieeffizienz hat es doch noch auf die Agenda der Koalitionsgespräche geschafft. Das ist gut, denn ein Weiter So bei der Energie- und Wärmewende darf es in einer Groko nicht geben, schreibt Thomas Zinnöcker, Vizepräsident des Wirtschaftsverbands Zentraler Immobilien Ausschuss und Leiter der Task Force Energie.
Wie konnte Deutschland in die Situation geraten, seine nationalen und internationalen Klimaschutzverpflichtungen weit zu verfehlen? Franzjosef Schafhausen, bis 2016 Abteilungsleiter im Umweltministerium, blickt in seiner Analyse auf die kleinen Details und die großen Bögen und stellt fest: Bei Debatten wie um den Kohleausstieg wird nur die Spitze des Eisbergs betrachtet. Tatsächlich brauche es, anders als bisher, eine langfristige und konsequente Strategie.
Das Berliner Energie- und Klimaschutzprogramm ist beschlossen. Andreas Irmer, Geschäftsführer der Berliner Stadtwerke, erklärt in seinem Standpunkt, was die 2014 neu gegründete Gesellschaft nun erreichen will. Insbesondere die in Berlin kaum genutzte Photovoltaik und die Gebäude haben die landeseigenen Stadtwerke im Blick.
Große gesellschaftliche Reformen benötigen überzeugende politische Führung, tragfähige Konzepte und politische Mehrheiten. Doch bei der Umsetzung der deutschen Energiewende, dem Kernvorhaben zur Erreichung der Klimaschutzziele, schrillen in allen drei Bereichen die Alarmglocken, wie Daniela Setton vom IASS in ihrem Standpunkt feststellt. An der Effektivität der von der möglichen großen Koalition geplanten Energie-Kommission zweifelt sie.
Produktionswissenschaft und produzierende Unternehmen müssen mehr dazu beitragen, die Klimaziele aus dem Pariser Abkommen zu erreichen. Das fordert Berend Denkena, neuer Präsident der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Produktionstechnik (WGP). Er macht sich für eine klarere Positionierung der WGP-Institute stark.
Für Fachfremde ist die Sache beim Diesel klar: Es gibt klare Grenzwerte, die Hersteller haben flächendeckend durch Betrug dagegen verstoßen und deshalb ist die Luftqualität in den Städten schlecht. Daher wurde im Dezember vermutet, dass die EU-Kommission eine Klage vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die Städte beschließen würde. Dies wurde zumindest vertagt. Der Experte Thomas Koch schreibt, dass die Verantwortung für die Emissionen nicht so eindimensional ist.
Die Sondierungsvereinbarung zwischen Union und SPD steht. Aber für einen Koalitionsvertrag und in der Regierungsarbeit müssen noch viele Leerstellen gefüllt werden. Thomas Bareiß (CDU), Energiebeauftragter der Unionsfraktion, schreibt in seinem Standpunkt, welche Probleme und Chancen er in den Mittelpunkt rücken möchte. Er plädiert für eine Stärkung des Emissionshandels und einen netzsynchronen Ausbau der erneuerbaren Energien, warnt aber vor einer "Mogelpackung" beim Kohleausstieg.
Mit dem Einsetzen einer Kommission ist schon Helmut Kohl vor den Herausforderungen des Klimaschutzes geflüchtet – und hat der Kohleindustrie so Lebensjahre gesichert. Standpunkt-Autor und Energie-Fachanwalt Martin Maslaton fragt: Welches Vertrauen kann eine Braunkohle-Kommission erwarten, die die ausgewiesenen Klimaschutzbehinderer der Republik versammelt?
Welche Renditen sind für die Betreiber von Gas- und Stromnetzen angemessen? In einem Musterverfahren wird darüber am 17. Januar verhandelt. Ines Zenke, deren Kanzlei BBH rund 600 Unternehmen in diesem Verfahren vertritt, argumentiert in ihrem Standpunkt, warum eine höhere Verzinsung des eingesetzten Kapitals nötig ist, trotz höherer Kosten für die Verbraucher.
Angesichts eines wachsenden Bedarf an sauberer Energie zur Sektorkopplung sollte die PV-Leistung in Deutschland nach Einschätzung von Branche und Wissenschaft in den nächsten 20 bis 30 Jahren auf mindestens 300 Gigawatt ausgebaut werden, schreibt Carsten Körnig in seinem vollständigen Standpunkt. Lesen Sie, welche politischen Rahmenbedingungen er von einer neuen Regierung fordert:
Unterm Strich hat der Rat der EU-Energieminister beim Ausbau der erneuerbaren Energien eindeutig die Bremserrolle übernommen und schreckt vor einer echten Energiewende zurück, schreibt Rainer Hinrichs-Rahlwes, Vizepräsident der European Renewable Energies Federation (EREF), in seinem Standpunkt. Er hofft auf späte Einsichten im Trilog.
Bis 2020 verfehlen wir nahezu alle unsere Energiewendeziele. Noch schlimmer ist: wenn wir so weitermachen, wird die Diskrepanz zwischen Soll und Haben in den darauf folgenden Jahrzehnten sogar noch viel größer. Es ist also höchste Zeit für einen Kurswechsel, fordert Eberhard Umbach in seinem Standpunkt.
Schwindet die Unterstützung für den Klimaschutz? In seinem Standpunkt geht Andreas Troge der Frage nach, wie das Thema eine langfristige politische und gesellschaftliche Basis erhalten kann. Er argumentiert, der Klimaschutz müsse als Gesundheitsthema etabliert werden, der Staat müsse zudem Planungs-Hybris vermeiden und die Gerechtigkeit im Blick behalten.
Mindestens zwei Wege sind denkbar, um die Kohleverstromung drastisch zu verringern und schließlich zu beenden: eine verhandelte Lösung mit festgelegtem Schließungszeitplan oder Reststrommengen, ähnlich dem Atomausstieg. Oder ein CO2-Mindestpreis, wie ihn etwa Frankreich und die Niederlande fordern. Das Ziel ist ähnlich, sie unterscheiden sich jedoch in vier wesentlichen Aspekten. In seinem Standpunkt analysiert Manuel Köhler die unterschiedlichen Optionen.
Die beiden SPD-Bundestagsabgeordneten Klaus Mindrup und Johann Saathoff entwerfen in ihrem Standpunkt eine energiepolitische Agenda für die künftige Regierung. Gegen den Klimawandel vorgehen, aber ohne Strukturbrüche und überstürzte Abschaltung der alten Kohlekraftwerke, fordern sie. Ihr Fazit: Vor der Energiewende fürchten muss man sich nicht, sondern sie als Chance begreifen.
Der europäische Emissionshandel liefert keine zuverlässigen Signale. Derzeit ist der Preis zu niedrig, er könnte aber in Zukunft auch einmal zu hoch liegen, dann droht politischer Druck. Christian Flachsland (Hertie School of Governance) und Christoph Wolff (European Climate Foundation) meinen: Höchste Zeit, einen Mindestpreis einzuführen. Das würde alle drei schwerwiegenden Probleme adressieren, schreiben Sie in ihrem Standpunkt.
Die Braunkohle hat in Deutschland keine Zukunft – und die sächsische Regierung wusste das. Dennoch hat sie für das Land keine Alternativen geschaffen, sondern, wie der langjährige Ministerpräsident Stanislaw Tillich tatsächlich sagte, „gegen Windmühlen gekämpft“. Dass mit dem neuen CDU-Regierungschef Michael Kretschmer, der diesen Mittwoch gewählt werden soll, auch eine neue Energiepolitik kommt, ist nicht zu erwarten.
Die Dunkelflaute ist heute schon gut beherrschbar, schreiben die Autoren Schwill, Sämisch und Aengenvoort in ihrem Standpunkt. Was fehlt, ist der Mut, sich auf ein neues Energiesystem einzulassen. Denn niemand weiß, wie der Markt in 50 Jahren aussehen wird und welche Technologien sich durchsetzen werden.
Nach dem Rückzug der USA aus dem Weltklimaabkommen wird die Führungsrolle in der Klimapolitik neu verhandelt. Das politische Vakuum versuchen seitdem auch zahlreiche Unternehmen zu füllen. Denn viele sehen sich geldwerten Risiken durch den Klimawandel ausgesetzt. Den notwendigen Umbauprozess in Richtung einer CO2-neutralen Wirtschaft hat das aber noch nicht eingeleitet. Standpunkt-Autor Alexander El Alaoui vermutet eine Wette der Märkte gegen die Klimaschutzpolitik.
Der Industrieausschuss des EU-Parlaments hat für stärkere Klimaziele bis 2030 gestimmt. Viele Entscheidungen sind positiv. Allerdings gibt es ein Schlupfloch, schreibt Rainer Hinrichs-Rahlwes von der EREF in seinem Standpunkt.
Nach Ansicht von Björn Klusmann, dem Geschäftsführer des FÖS, muss die Besteuerung des Energiesektors grundsätzlich neu geregelt werden. Eine CO2-Steuer, die innerhalb jedes Sektors gleich hoch ist, würde die gewünschte Lenkungswirkung für den Klimaschutz entfalten. Er macht aber auch Vorschläge, wie die Steuer sozial gerecht gestaltet werden könnte.
Nach dem Dieselgipfel zieht Andreas Knie, Chef des Berliner InnoZ, enttäuscht Bilanz. Er schreibt: Die Bevorzugungsmaschinerie für den privaten Pkw läuft unvermindert weiter. Es fehlt der Mut zu radikalen Konzepten. Die Mobilität braucht aus seiner Sicht eine neue Geschichte. Wäre das der „Untergang des Abendlandes"? Aus seiner Sicht nicht.
Bisher wurde der Finanzsektor in der deutschen Klima- und Entwicklungsdebatte zu wenig berücksichtigt. Ein schlecht gestalteter Übergang zu einer klimagerechten, nachhaltigen Wirtschaft birgt finanzielle Risiken, ein gut gestalteter hingegen enorme Investitionschancen, schreibt Julia Bingler, Policy Advisor Green Finance der NGO Germanwatch. Deutschland müsse jetzt handeln, um internationale Verpflichtungen zu erfüllen und den Anschluss an einen wachsenden Zukunftsmarkt nicht zu verlieren.
Kommunale Energieversorger sind bestens in der Lage, sich im Geschäftsfeld Elektromobilität zu behaupten, schreibt Mark Walcher. Die Infrastrukturbetreiber müssten aber auch gemeinsame Plattformen vorantreiben. Von der neuen Bundesregierung fordert er: Weg mit dem Diesel-Rabatt und mehr Fördergelder für E-Autos. Gesellschafter von Smartlab sind die Duisburger Versorgungs- und Verkehrsgesellschaft, Erdgas Schwaben, die Stadtwerke Düsseldorf, Osnabrück und Aachen sowie das Stadtwerke-Netz Thüga.
Eine Quellensteuer für fossile Brennstoffe ist nach Ansicht von Robert Schmidt, Professor der TU Kaiserslautern, deutlich effektiver als Eingriffe in einzelne Sektoren. Ein umfassender, einheitlicher CO2-Preis sollte in jedem Land das Basisinstrument sein für den Klimaschutz, schreibt er in seinem Standpunkt. Die Hürden bei der Einbindung in das europäische Handelssystem hält er für überwindbar.
Wie wirkt sich das EEG 2017 auf die Finanzierung von erneuerbaren Energien in Deutschland aus? In seinem Standpunkt schreibt Berthold Bonanni, Head of Competence Center Energy der Commerzbank, dass der Markt sich angesichts steigenden Konkurrenzdrucks weiter konsolidieren wird und internationale Wettbewerber in den Markt drängen. Die Commerzbank werde im Gegenzug verstärkt im Ausland investieren.
Der im Ergebnispapier der Sondierungsgespräche sichtbare Minimalkonsens ist ein energiepolitischer Schritt in die richtige Richtung, schreibt Martin Maslaton in seinem Standpunkt.
Vor allem Osteuropa ist gegen den Bau des zweiten Strangs der Ostseepipeline. Die EU-Kommission plant nun Eingriffe in den Betrieb. In seinem Standpunkt analysiert Severin Fischer von der ETH Zürich, warum die geplanten Regeländerungen einen Bruch darstellen und riskant sind.
Entgegen der Einschätzung vieler Umweltorganisationen hält Karsten Neuhoff, Leiter der Klimapolitik-Abteilung des DIW, die gerade beschlossene Reform des europäischen Emissionshandels für einen erheblichen Fortschritt. Zwar fehlen insbesondere im Grundstoffsektor starke Anreize für Verbesserungen. Aber Anfang der 2020er-Jahre herrsche Zertifikate-Knappheit und es gebe Raum für weitere Verbesserungen.
Einige Branchenteilnehmer rechnen mit Null-Geboten in der kommenden Ausschreibungsrunde für Onshore-Windkraft. Bei Offshore war das schließlich schon zu beobachten. Thorsten Müller, Wissenschaftlicher Leiter der Stiftung Umweltenergierecht, analysiert, warum solche Gebote eigentlich nicht rational wären, was sich aber dahinter verbergen könnte.
Deutschland hat bislang außerhalb des Stromsektors wenige Erfolge beim Klimaschutz vorzuweisen. Der Vorstandsvorsitzende des Ökostromanbieters Naturstrom, Thomas E. Banning, plädiert für eine übergreifende CO2-Abgabe. Diese Lösung würde endlich das Verursacherprinzip einführen, das Dickicht an Vorschriften lichten und nebenbei die EEG-Umlage senken.
Die Energiewende wird teuer. Aber sie lohnt sich trotzdem. Auch, weil sich wirtschaftliche Chancen bietet. In ihrem Standpunkt erklären Hans-Martin Henning und Andreas Bett, Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE in Freiburg, warum ein einheitlicher CO2-Preis ein Schlüsselinstrument ist.
Über eine Jamaika-Koalition wird derzeit noch gestritten, am Ende der Verhandlungen steht bei Erfolg ein Koalitionsvertrag. Doch der hat keine rechtlich bindende Funktion – aus gutem Grund, wie Ines Zenke von der Energierechtskanzlei BBH schreibt.
In Bonn werden jetzt die Weichen für ambitionierten Klimaschutz gestellt, schreibt Rita Schwarzelühr-Sutter in ihrem Standpunkt.
Wenn Deutschland seine Klimaziele erreichen will, muss die Energiewende im Gebäude endlich vorangehen. Mit der Jamaika-Koalition kann dies grundsätzlich klappen, schreibt Thomas Zinnöcker vom ZIA. Vorausgesetzt die Kanzlerin vertraut auf die jeweiligen Stärken von FDP und Grünen, so Zinnöcker, der auch Vorstandschef des Energiedienstleisters Ista ist.
Wie könnte der Kohleausstieg marktwirtschaftlich effizient organisiert werden? BEE-Präsident Fritz Brickwedde schlägt vor, den Kraftwerken ein Stunden-Budget zuzuweisen. Sie wären dann noch am Netz, würden aber nicht mehr durchgängig Strom erzeugen. Soziale Härten würden abgefedert.
Eine dezentrale Energiewende benötigt Platz für die Windenergie. In Bayern dränge die Abstandsregelung die Windkraft in den Wald. Auch die Entwicklung in Nordrhein-Westfalen sei „nur noch absurd“, argumentiert Hubert Weiger, Vorsitzender des BUND.
Julia Verlinden, die Energieexpertin der Grünen-Bundestagsfraktion, setzt sich in ihrem Standpunkt mit den Voraussetzungen auseinander, die erfüllt werden müssen, um die Klimaziele 2020 noch zu erreichen
Zum Beginn der neuen Legislaturperiode ist es Zeit für eine Inventur der Energiewende. Die Vorgängerregierung hat mit etlichen Gesetzen und Verordnungen in den vergangenen vier Jahren bereits umfangreich gearbeitet und einige Schwachstellen beseitigt. Aber das reicht nicht.
Steht alles bereit für einen Wiedereinstieg in die Kernkraft in Deutschland? Aus Sicht von Hans-Josef Fell, dem grünen EEG-Mitautor und Präsidenten der Energy Watch Group, deutet darauf vieles hin. Der Ausbau der erneuerbaren Energien werde gedrosselt, die Atomforschung für neue AKW vorangetrieben und der Euratom-Vertrag bleibe bestehen.