die Mühlen der Politik mahlen in Sachen nachhaltiger Finanzen. Und keinesfalls nur die: Gleich alle vier Haupttexte des heutigen Briefings von Tagesspiegel Background Sustainable Finance beschreiben den Fortgang verpflichtender und freiwilliger Regeln in Sachen Nachhaltigkeit.
Mit einem besonders großen Brocken fangen wir an: Die Taskforce on Nature-related Financial Disclosures (TNFD) hat jetzt nach zweijähriger fisseliger Arbeit der internationalen Finanz-Community einen Rahmen für die Berichterstattung zu einem noch fisseligeren Thema vorgelegt – wie man solche schwer in Zahlen greifbaren Naturwerte wie Bodenqualität oder Artenvielfalt in Unternehmensberichte und Risikoeinschätzungen ummünzt. Susanne Bergius hat für uns die Details aufgeschrieben.
Ebenso ums vermeintlich Kleingedruckte der Regulierung ging es auf der Konferenz „Nachhaltige Geldanlagen“ in Frankfurt. Dort beobachtete Friedrich Geiger, wie ein Finanzlobbyist um mehr Regulierung bettelte – und Regulierer von „Unstimmigkeiten“, „Unklarheiten“ und „Widersprüchen“ sprachen. Verkehrte Welt, möchte man meinen. Doch ging es in der Stadt am Main vor allem darum, die Nachhaltigkeitsregulierungen zu vereinheitlichen. Der Wunsch nach dem Level Playing Field, wie es so schön im Wirtschaftsjargon heißt, lässt grüßen.
Ähnliches spricht auch aus den vielen Stellungnahmen, welche die EU-Kommission zu ihrem Vorhaben, ESG-Ratinganbieter zu regulieren, erhalten hat: Denn auch hier sprach sich ein großer Teil der betroffenen Verbände und Unternehmen für eine Ausweitung der Regulierung auf ESG-Datenanbieter aus, wie Thomas Wendel beim Durchkämmen der Stellungnahmen feststellte.
Regulierung: ja, aber – bitte, bitte – a little bit lighter: So scheinen gerade auch viele in der EU zu ticken. Die Europäische Kommission möchte nun plötzlich die Schwellenwerte anheben, bei denen Unternehmen Nachhaltigkeitsberichte laut CSRD-Richtlinie vorlegen müssen – angeblich, weil die Geldentwertung ja auch so drastisch vorangeschritten ist. Gleich um 25 Prozent sollen diese Werte nach oben gezogen werden, berichtet Jan Schulte. Die Regulierer bekommen offenbar auch in Brüssel kalte Füße angesichts der ausufernden Bürokratie.
Wen jetzt trotzdem die Lust überkommt, an weiteren Regulierungen mitzustricken: Australien sucht für die Entwicklungen einer eigenen Taxonomie international Expertinnen und Experten. Details finden Sie, liebe Leserinnen und Leser, in unseren Kurznachrichten, passenderweise ziemlich down under.
Außerdem in diesem Briefing: Elisabeth Schrey, Ko-Geschäftsführerin des Deep Tech & Climate Fonds, der auch mit Bundesgeldern nachhaltig Start-ups fördern soll, im Porträt; Standpunkt-Gastbeitrag von Daniel Quinten, Vorstandsmitglied des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken und derzeit Sprecher des Bankendachverbands Deutsche Kreditwirtschaft, über die Schwierigkeiten, die Transformation in die Taxonomie zu bekommen, sowie viele weitere Meldungen zu nachhaltigen Finanzen.