Desiree Fixlers Vorwürfe hatten Ermittlungen ausgelöst und den Aktienkurs der Deutsche-Bank-Tochter einbrechen lassen. Jetzt erläutert sie genauer, was sie dort erlebt hat.
Damit zu hohe Klima- und Umweltansprüche die grüne Transformation der Wirtschaft nicht ausbremsen, wollen Fachleute die EU-Taxonomie erweitern. Finanzakteure benennen Vor- und Nachteile.
Im etablierten London, im ehrgeizigen Frankfurt oder im mondänen Genf – wo wird künftig für die Welt entschieden, wie Unternehmen über ihre Umweltauswirkungen berichten sollen? Der Wettstreit um die Ansiedlung des neuen Gremiums spiegelt den um das große Geschäft mit nachhaltigen Finanzprodukten wider.
WWF Deutschland und Finanzwende fordern umfassende Gesetzesreformen, um den deutschen Finanzsektor auf nachhaltige Investitionen auszurichten. Dafür haben die Organisationen ein Rechtsgutachten vorgelegt, dessen Umsetzung die Transparenz grüner Geldanlagen erhöhen und Finanzströme im Immobiliensektor sowie öffentlicher Banken klimafreundlich machen würde.
Im Oktober soll die EU nach dem Willen der Europäischen Kommission erstmals grüne Anleihen begeben. Die EU würde bei dem geplanten Volumen direkt zum weltweit größten Emittenten. Doch ihre Pläne stoßen auch auf Widerstand.
Der Präsident des Bayerischen Industrie- und Handelskammertags, Professor Klaus Josef Lutz, hat eindringlich vor den Auswirkungen der EU-Regulierungen in Sachen nachhaltige Finanzen gewarnt. „Da hängen Millionen von Arbeitsplätzen daran“, erklärte er auf dem Bayerischen Stromgipfel. Auf Nachfrage wurde er deutlicher: Die EU-Vorgaben seien „ein Irrweg“.
Noch fällt es schwer, aus Nachhaltigkeitsberichten von Banken auch eine direkte Wirkung ihres Handelns ablesen zu können. Die GLS Bank hat für ihren neuen Bericht nun auf die Methode der „ganzheitlichen Messung“ gesetzt, um ihre Wirkung transparenter zu machen. Es soll ein Signal an die Branche sein.
Philipp Aeby, Vorstandsvorsitzender der Schweizer Researchagentur Reprisk, erläutert internationale Trends bei Reputationsrisiken für die Finanzwelt und ordnet den Fall DWS ein.
In vier Monaten werden Banken bei der Vergütung ihrer Beschäftigten auch Nachhaltigkeitsaspekte berücksichtigen müssen – doch die Umsetzung dieser EU-Vorgabe ist noch nicht weit vorangeschritten. Bankenverbände warten noch auf Konkretisierungen.
Der von der Europäischen Kommission vorgestellte Entwurf für eine Green-Bond-Verordnung stößt auf Widerstand: EU-Mitgliedsstaaten fürchten, bald nur noch sehr eingeschränkt eigene grüne Anleihen emittieren zu können – weil Staaten nur wenige Nachhaltigkeitswirkungen ihrer Titel messen und belegen können. Prompt werden Nachbesserungen gefordert.
Die nachhaltig ausgerichtete Smartphone-„Bank“ musste Anfang des Monats eine Abmahnung der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg kassieren. Eine bemängelte Formulierung hat das Fintech daraufhin zwar geändert, gegen andere Punkte wehrt es sich aber.
In Kürze stehen internationale Beratungen zu einer globalen Übereinkunft zu Einwegplastik an. Nachdem viele Staaten und Unternehmen für einen weltweit geltenden UN-Vertrag plädieren, ruft jetzt auch ein institutioneller Großanleger dazu auf.
Die globalen Ziele für Klima, Biodiversität und Wasser wären mit naturschützender Raumplanung erreichbar, erklärt eine Forschergruppe. Da die Weltbiodiversitätskonferenz verschoben wurde, müsse sich die Weltklimakonferenz im November damit befassen. Das hat tiefgreifenden Folgen, auch für die Finanzwirtschaft.
Emissionen an anderer Stelle ausgleichen – dieses Konzept könnte eine wichtige Rolle beim Klimaschutz spielen und auch finanziell eine große Bedeutung bekommen. Doch bislang wird bei vielen Zertifikaten bezweifelt, ob sie halten, was sie versprechen. Mit neuen Richtlinien und Technologien sollen sie zuverlässiger werden.
Die Subventionen des Bundes verdoppeln sich innerhalb von drei Jahren. Doch nicht einmal die Hälfte der Hilfen hat einen positiven Bezug zu den Klima- und Umweltzielen, zeigt der neue Subventionsbericht. Der deutsche Gesetzgeber versteckt sich hinter der EU, den G7 und G20.
Die Zahl der Finanzakteure, die bis 2050 netto keine CO2-Emissionen mehr ausstoßen wollen, nimmt zu. Eine einflussreiche Initiative versucht nun, auch Beteiligungsgesellschaften und Private-Equity-Fonds für Klimafreundlichkeit zu gewinnen. Diese seien dafür besonders gut positioniert, argumentiert sie.
Eine neunseitige Erklärung der EU-Kommission zur Offenlegungsverordnung SFDR schafft nur bedingt Klarheit, wie nachhaltigkeitsorientierte Finanzprodukte aussehen dürfen. Viele Konzepte sind möglich. Auf jeden Fall ist ein hoher Anspruch gefordert. Wer nachhaltige Geldanlagen vertreiben will, muss noch mehr Anforderungen erfüllen.
Florian Huber misst dem neuen Sachstandsbericht des Weltklimarats IPCC große Bedeutung bei: Jeder solle nach den Erkenntnissen handeln, sagt im Tagesspiegel-Background-Interview der Leiter von EYCarbon – der Marke, unter der das Wirtschaftsprüfungs- und beratungsunternehmen EY die Industrie in Sachen Klimafreundlichkeit berät.
Die Umweltorganisation Urgewald kritisiert in einem Bericht, dass deutsche Banken weiter in großem Ausmaß Kohleförderung und -verstromung finanzieren. Die Banken halten ihre Nachhaltigkeitsbemühungen für nicht ausreichend gewürdigt.
Der vom Weltklimarat vorgestellte Sachstandsbericht ist in Wirtschaftspolitik und Wirtschaft als Aufruf zum Handeln aufgefasst worden. Bundesfinanzpolitiker forderte die Einbeziehung von Klimarisiken in die Urteile von Ratingagenturen. Wirtschaftsprüfer und Fondsmanager kündigten an, den Klimawandel in ihrer Arbeit stärker zu berücksichtigen.
Wären manche Geschäftsaktivitäten überhaupt noch lukrativ, wenn Emissionsrechte teurer würden? Diese Frage treibt Anleger und Unternehmen um. Einige rechnen es mit theoretischen Preisen durch – doch das Konzept hat Tücken, warnt ein Experte.
Drei Billionen Euro sind in der EU nach ESG-Kriterien angelegt, Tendenz stark steigend, so eine Studie. Laut Umfragen orientieren sich institutionelle Anleger vermehrt an Nachhaltigkeit, auch wegen der Pandemie. Für Anlageentscheidungen fordern sie solidere Daten von Unternehmen.
Die deutsche Finanzaufsicht will per Richtlinie vorgeben, unter welchen Bedingungen Anlageprodukte als nachhaltig gelten können. Dazu stellt sie einen Entwurf zur Diskussion. Trotz Verbesserungen gegenüber einer Vorversion kritisiert der Fondsverband BVI den Alleingang der Bafin als kontraproduktiv.
Die für ihre klimaschädliche Investitionspolitik oft kritisierte Neue-Seidenstraße-Initiative Chinas wird grün – Kohleprojekte sind abgesagt, stattdessen werden erneuerbare Energien in den Partnerländern finanziert. Das ist auch Folge der ehrgeizigen Sustainable-Finance-Strategie Pekings.
Wie sind die rechtlichen Rahmenbedingungen für nachhaltiges Investieren an wichtigen Finanzplätzen? Die Kanzlei Freshfields Bruckhaus Deringer hat sich in zehn Ländern und der EU genauer angeschaut, welche Fallstricke auf Investoren, Pensionsfonds und Versicherer warten. Das Fazit: Es ist zu kompliziert – und auch die EU hat noch viel zu tun.
Grüne Refinanzierungsinstrumente wie Green City Bonds und grüne Kommunalkredite werden von Deutschlands Städten und Gemeinden nur selten genutzt. Eine neue Studie der Förderbank KfW bringt zu Tage, warum: wegen noch zu geringen Zinsvorteilen und vor allem einem erheblichen bürokratischen Mehraufwand.
Nach den zerstörerischen Sturzfluten im Westen werden die hohen Schäden abgeschätzt – und die Versicherer finden sich gleich in zwei Debatten. Erstens um die Entwicklung der Klimawandelrisiken. Und zweitens werden in der Politik Rufe nach Pflichtversicherungen laut. Das lehnt die Branche brüsk ab.
Vor der UN-Generalversammlung und der Klimakonferenz COP26 in Glasgow wächst die Kritik an der Finanzpolitik der G-20-Staaten. Subventionen für klimaschädliche Energien seien nur wenig gesunken. Auch die Implementierung nachhaltiger Standards in der Firmenbilanzierung komme zu langsam voran, so eine Studie. Einen (Fast-)Musterknaben gibt es: Deutschland.
Nach der verheerenden Unwetter-Katastrophe in Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz will die Bundesregierung schnell helfen, Förderbanken geben erste Erleichterungen bekannt. Die Versicherer können die Schäden noch nicht einmal ansatzweise abschätzen – und eine Debatte um staatliche Unterstützung bahnt sich an.
Das „Fit for 55“-Paket der Europäischen Kommission bedeutet eine neue Klimaarchitektur, löst einen gewaltigen Investitionsbedarf aus und ist mit der Sustainable-Finance-Strategie verknüpft. Die Finanzwirtschaft erwartet Impulse für grüne Produkte.
Wie schafft man es, hunderte Milliarden Euro rund um den Globus anzulegen und dabei auf mehr Nachhaltigkeit hinzuarbeiten? Henrik Pontzen, ESG-Abteilungsleiter von Union Investment, erklärt im Interview, warum die Fondstochter der Volks- und Raiffeisenbanken gerade aus Klimagründen auf VW setzt. Und warum sich die EU teils selbst im Weg steht.
Seit Montag liegt der neue Bericht der EU-Expertengruppe für eine Sozialtaxonomie vor. Die Mitglieder halten gleich zwei Modelle für denkbar. Bis Ende August sammelt der Beirat der EU-Kommission Rückmeldungen zu dem Entwurf ein – noch steht aber auch im Raum, dass es überhaupt keine neue Taxonomie geben wird.
In der Luft zerrissen wird die neue Sustainable-Finance-Strategie der Europäischen Kommission von keiner Seite. Große Zufriedenheit ist allerdings auch nicht festzustellen. Während NGOs und den Grünen die nötige Entschlossenheit fehlt, fürchten Kreditwirtschaft und EVP Überregulierung.
Mit der Erweiterung ihrer Sustainable-Finance-Strategie hat die EU-Kommission auch neue Anforderungen für Banken formuliert. Teilweise kommen sie unter Zugzwang. An einigen Punkten ist die Umsetzung allerdings noch nicht ganz genau geklärt.
Maxime Carmignac, die Tochter der Investorenlegende Edouard Carmignac, leitet als Geschäftsführerin die britische Niederlassung der französischen Fondsboutique Carmignac. Die 41-Jährige engagiert sich seit Jahren prominent für mehr Diversität und legt dar, wie sich dieses Ziel erreichen lässt.
Deutsche Finanzinstitute, die sich Mitte 2020 zu aktivem Klimaschutz verpflichtet haben, ziehen eine erste, vage Bilanz ihrer Aktivitäten. Bisherige Einschätzungen dazu sind skeptisch bis positiv. Die Gruppe mit inzwischen 19 Mitgliedern ist in jedem Fall weiter als der breite Finanzmarkt.
Der Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung sieht sich als erster deutscher Staatsfonds sowie als größte öffentlich-rechtliche Stiftung in einer Vorreiterrolle. Es steigt nicht nur der Gewinn aus Kapitalanlagen, auch Nachhaltigkeit rückt beim Kenfo vermehrt in den Vordergrund.
Im Exklusiv-Interview prognostiziert der CEO des Energiekonzerns RWE, Markus Krebber: Der graue Kapitalmarkt wird austrocknen. RWE selbst emittiere nun ausschließlich grüne Anleihen. In Europa werde es kaum noch Investments geben, die Nachhaltigkeit widersprechen – allerdings brauche es Sicherheit für Transformationsschritte, zum Beispiel für Gaskraftwerke.
Die Europäische Kommission erhöht den Druck zu mehr Nachhaltigkeit im Finanzsystem. Berichtspflichten werden erweitert und Stresstests eingeführt, auch Standards für grüne Kleinkredite werden geprüft. Ratings sind in den Blick geraten, ebenso wie Greenwashing. Dies zeigt der Entwurf der Sustainable-Finance-Strategie, der Tagesspiegel Background vorliegt.
Durch die Ausweitung der Berichtspflicht auch auf mittelständische Unternehmen und kleinere Finanzinstitute verlangt die EU-Kommission der Wirtschaft viel ab. Rolf Tegtmeier, Direktor des Zentralbereichs Vorstandsstab/Kommunikation der Kreissparkasse Köln und Mitglied des Sustainable-Finance-Beirats, berichtet, was auf Banken und Mittelstand zukommen kann.
Noch folgt die EZB bei ihren Anleihekäufen dem Prinzip der Marktneutralität und bevorzugt keine bestimmten Sektoren oder Unternehmen. Doch in der Zentralbank wird längst über Änderungen diskutiert. In einem neuen Rechtsgutachten sieht Greenpeace die EZB sogar zu aktiver Klimapolitik verpflichtet.
In Frankreich treibt die Politik durch Regulierung seit Jahren verantwortliches Investment voran. Jetzt hat das Land die Offenlegungsregeln zu Nachhaltigkeitsinformationen für Unternehmen und Finanzakteure verschärft. Sie sollen sich unter anderem Ziele zum Schutz der Biodiversität setzen.
Gleich vier Mal steht die Ampel im Jahreswohlstandsbericht 2021 auf Rot, zwei Mal zeigt sie Gelb – und immerhin auch zwei Mal Grün. Der von den Grünen in Auftrag gegebene Bericht analysiert den Wohlstand Deutschlands nicht nur anhand des BIP, sondern bezieht weitere ökonomische sowie ökologische, soziale und gesellschaftliche Faktoren mit ein.
Der Corona-Aufbaufonds soll Europa nach der Krise wieder auf die Beine helfen. Jetzt gibt die Kommission nach und nach die nationalen Investitionspläne frei. Am Dienstag war Deutschland dran – und bekommt 25,6 Milliarden Euro. Die Wirkung auf private Investitionen ist trotz Crowding-out-Gefahr wohl eher positiv.
Der Entwurf zur Regulierungsverordnung für Europäische Green Bonds liegt vor, die Aufsichtsbehörde ESMA soll eng über die Einhaltung wachen. Vieles bleibt aber noch im Unklaren, denn die Grundlage bildet die EU-Taxonomie. Und es entzündet sich gleich Kritik: Die Übergangsfristen seien zu lang.
Ob die Europäische Zentralbank künftig bei ihren Geldmarkt-Interventionen nachhaltige Unternehmensanleihen bevorzugen wird, ist zwar noch nicht entschieden. Doch sie wird wohl den Druck auf die Kreditinstitute erhöhen wird, klimaschädliche Investments aus ihren Büchern zu nehmen. Auch neue Stresstests spielen eine Rolle.
Laut eines Beschlusses des norwegischen Parlaments sollen Rüstungsfirmen, die sich an Kriegsverbrechen mitschuldig machen, künftig aus dem Portfolio des staatlichen Pensionsfonds fliegen. Eine Analyse der Initiative Facing Finance zeigt, dass der Fonds aktuell noch in einige Waffenhersteller investiert ist.
Wo Nachhaltigkeit drauf steht, muss auch Nachhaltigkeit drin sein. Dieser Anspruch scheint selbstverständlich. Doch ist er es auch? Eine Analyse ergibt, dass einige Gründe dagegensprechen. In Zweifelsfällen, auch bei Geldanlagen, sind oft mehrere richtige Antworten möglich.
Die Privatwirtschaft kann die enormen Investitionen für den Klimaschutz nicht stemmen. Organisiert von den Grünen plädieren auch Finanzexpertinnen und -experten dafür, die Billionen-Summen mittels europäischer grüner Anleihen zu finanzieren. Erste EU-Green-Bonds sollen noch dieses Jahr emittiert werden – allerdings beschränkt auf den Corona-Fonds.
Finanzminister und Notenbanken haben sich darauf geeinigt, den TCFD-Standard für die Offenlegung von Klimarisiken durch Unternehmen zur Grundlage einer verpflichtenden Berichterstattung zu machen. Das stärkt die Rolle des Finanzstabilitätsrats FSB. Die Regeln sollen von den G20-Staaten ebenfalls übernommen werden.
Infolge der Coronakrise beteiligt sich der Bund erstmals an einem Unternehmen der Erneuerbaren-Branche. Der Windradhersteller eno energy aus Rostock erhält vorübergehend bis zu 28 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds.
Die grünen Bundeswertpapiere unterscheiden sich von denen anderer Staaten in struktureller und inhaltlicher Hinsicht. Das liegt an politischen Entscheidungen sowie an den Strukturen des Landes. Auch bei Förderbanken ist das deutsche Vorgehen speziell, zeigt der internationale Vergleich.
Ökosoziale Geldanlagen legten vergangenes Jahr in Deutschland um 25 Prozent auf insgesamt 335 Milliarden Euro zu. Aber der Marktanteil bei Fonds ist mit 6,4 Prozent weiter niedrig, so ein Branchenbericht. Das verantwortliche Investment hat die 1,9-Billionen-Marke überschritten.
Es gibt nur wenige Kreditinstitute, bei denen die EU viel Beifall findet für ihre regulatorischen Initiativen. Eines davon ist die Evangelische Bank (EB). Berenike Wiener, Direktorin und CSR-Expertin, erklärt, warum. Und wieso das Institut trotz nachhaltiger Ausrichtung und 8,4 Milliarden Euro Bilanzsumme noch recht unbekannt ist.
Deutschland trumpft mit umfangreichen grünen Staatsanleihen auf, um die sich Investoren reißen. Doch die Papiere schaffen nur mehr Transparenz, stoßen aber keine zusätzlichen Ausgaben zugunsten einer umweltverträglichen Wirtschaft an. Marktkenner hoffen auf indirekte Auswirkungen.
Damit Nachhaltigkeit finanzierbar ist, muss Sustainable Finance auch bei den Privatanlegern ankommen. Nur haben diese sehr unterschiedliche Vorstellungen von Nachhaltigkeit, wie eine Studie der Universität Kassel zeigt. Mitautor Christian Klein, Professor für Sustainable Finance, erklärt die Defizite bei Finanzberatern und die Herausforderungen für Banken.
Das Forschungsinstitut DIW hat die Auswirkungen der Anleihenkaufprogramme der Europäischen Zentralbank genau unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Auch grüne Bonds, die die Kaufkriterien erfüllten, profitierten stark. Dennoch empfiehlt das DIW der EZB, Nachhaltigkeit stärker in die Bonitätsprüfung einfließen zu lassen.
Nachhaltig orientierte Fonds boomen. Treiber sind besonders EU-Regulierungen. Die Vorgaben eignen sich aber noch nicht, um die Nachhaltigkeit von Fonds in ihrer Breite zu bewerten, so eine Studie des BVI. Eine geplante Fondskategorisierung lässt auf sich warten. Sie soll Finanzberatern helfen, verschiedene Kundenpräferenzen bedienen zu können.
Bis auf die Union haben die Parteien im Bundestag ihre Wahlprogramme oder zumindest Entwürfe vorgestellt. Nachhaltige Finanzen spielen trotz des Schwerpunkts Klimapolitik nur eine kleine Rolle. Allerdings: Union und Grüne positionieren sich separat mit ausführlichen Strategiepapieren.
Am vergangenen Freitag hatte der Sustainable-Finance-Beirat seine letzte offizielle Sitzung gemeinsam mit der Bundesregierung. Dabei ging es noch einmal um die Sustainable-Finance-Strategie der Regierung – und um die Frage, wie es mit dem Beirat nun weitergehen soll.
Mit der grünen Taxonomie liegt bereits eine Orientierung für ökologische Nachhaltigkeit vor. Eine solch genaue Einordnung für soziale Nachhaltigkeit würde mehr Geld in ESG-konforme Bahnen lenken. Denn bislang tun sich institutionelle Investoren schwer, wenn es um die soziale Komponente geht. Das zeigt eine aktuelle Studie zu Anbietern von Pensionsplänen.
Commerzbank und Deutsche Bank versprechen eine Umstellung Richtung Nachhaltigkeit und Klimaschutz, sie wollen aus der Kohlefinanzierung aussteigen. Dennoch geraten sie zunehmend unter Druck von Klima-Aktivisten und müssen sich von NGOs weiter scharfe Kritik gefallen lassen. Um Fortschritte zu beurteilen, ist inzwischen der Blick auf die Details entscheidend.
Die Europäische Zentralbank rechnet zunehmend mit spürbaren Folgen des Klimawandels für die Finanzwirtschaft – durch Stürme, Überflutung, Feuer und Hitzeperioden drohen Ausfälle. 30 Prozent des Kreditvolumens europäischer Banken seien betroffen. Zweitens stünden fossile Geschäftsmodelle vor Refinanzierungsproblemen.
Zur Anfang Mai vom Kabinett beschlossenen Sustainable-Finance-Strategie verstärkt sich das kritische Echo. Demnach sind die Maßnahmen zu schwach und unkonkret, um ein nachhaltiges Finanzwesens in Deutschland zu erreichen.
Bisher mussten nur große, kapitalmarktorientierte Unternehmen, Kreditinstitute und Versicherungen zu Nachhaltigkeitsaspekten berichten. Die EU-Kommission will künftig deutlich mehr Firmen dazu verpflichten und die Ansprüche an die Nachhaltigkeitsberichterstattung anheben. Das stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen.
Taxonomie, unternehmerische Berichtspflicht, Offenlegungsverordnung – die Europäische Kommission krempelt für die Nachhaltigkeit die Finanzmärkte um. Finanz-Kommissarin Mairead McGuinness erklärt im Exklusiv-Interview, wie der Stand ist und was sie vorhat. Subventionen für Fossile will sie neu in den Fokus nehmen.