Seit Montag liegt der neue Bericht der EU-Expertengruppe für eine Sozialtaxonomie vor. Die Mitglieder halten gleich zwei Modelle für denkbar. Bis Ende August sammelt der Beirat der EU-Kommission Rückmeldungen zu dem Entwurf ein – noch steht aber auch im Raum, dass es überhaupt keine neue Taxonomie geben wird.
In der Luft zerrissen wird die neue Sustainable-Finance-Strategie der Europäischen Kommission von keiner Seite. Große Zufriedenheit ist allerdings auch nicht festzustellen. Während NGOs und den Grünen die nötige Entschlossenheit fehlt, fürchten Kreditwirtschaft und EVP Überregulierung.
Mit der Erweiterung ihrer Sustainable-Finance-Strategie hat die EU-Kommission auch neue Anforderungen für Banken formuliert. Teilweise kommen sie unter Zugzwang. An einigen Punkten ist die Umsetzung allerdings noch nicht ganz genau geklärt.
Maxime Carmignac, die Tochter der Investorenlegende Edouard Carmignac, leitet als Geschäftsführerin die britische Niederlassung der französischen Fondsboutique Carmignac. Die 41-Jährige engagiert sich seit Jahren prominent für mehr Diversität und legt dar, wie sich dieses Ziel erreichen lässt.
Deutsche Finanzinstitute, die sich Mitte 2020 zu aktivem Klimaschutz verpflichtet haben, ziehen eine erste, vage Bilanz ihrer Aktivitäten. Bisherige Einschätzungen dazu sind skeptisch bis positiv. Die Gruppe mit inzwischen 19 Mitgliedern ist in jedem Fall weiter als der breite Finanzmarkt.
Der Fonds zur Finanzierung der kerntechnischen Entsorgung sieht sich als erster deutscher Staatsfonds sowie als größte öffentlich-rechtliche Stiftung in einer Vorreiterrolle. Es steigt nicht nur der Gewinn aus Kapitalanlagen, auch Nachhaltigkeit rückt beim Kenfo vermehrt in den Vordergrund.
Im Exklusiv-Interview prognostiziert der CEO des Energiekonzerns RWE, Markus Krebber: Der graue Kapitalmarkt wird austrocknen. RWE selbst emittiere nun ausschließlich grüne Anleihen. In Europa werde es kaum noch Investments geben, die Nachhaltigkeit widersprechen – allerdings brauche es Sicherheit für Transformationsschritte, zum Beispiel für Gaskraftwerke.
Die Europäische Kommission erhöht den Druck zu mehr Nachhaltigkeit im Finanzsystem. Berichtspflichten werden erweitert und Stresstests eingeführt, auch Standards für grüne Kleinkredite werden geprüft. Ratings sind in den Blick geraten, ebenso wie Greenwashing. Dies zeigt der Entwurf der Sustainable-Finance-Strategie, der Tagesspiegel Background vorliegt.
Durch die Ausweitung der Berichtspflicht auch auf mittelständische Unternehmen und kleinere Finanzinstitute verlangt die EU-Kommission der Wirtschaft viel ab. Rolf Tegtmeier, Direktor des Zentralbereichs Vorstandsstab/Kommunikation der Kreissparkasse Köln und Mitglied des Sustainable-Finance-Beirats, berichtet, was auf Banken und Mittelstand zukommen kann.
Noch folgt die EZB bei ihren Anleihekäufen dem Prinzip der Marktneutralität und bevorzugt keine bestimmten Sektoren oder Unternehmen. Doch in der Zentralbank wird längst über Änderungen diskutiert. In einem neuen Rechtsgutachten sieht Greenpeace die EZB sogar zu aktiver Klimapolitik verpflichtet.
In Frankreich treibt die Politik durch Regulierung seit Jahren verantwortliches Investment voran. Jetzt hat das Land die Offenlegungsregeln zu Nachhaltigkeitsinformationen für Unternehmen und Finanzakteure verschärft. Sie sollen sich unter anderem Ziele zum Schutz der Biodiversität setzen.
Gleich vier Mal steht die Ampel im Jahreswohlstandsbericht 2021 auf Rot, zwei Mal zeigt sie Gelb – und immerhin auch zwei Mal Grün. Der von den Grünen in Auftrag gegebene Bericht analysiert den Wohlstand Deutschlands nicht nur anhand des BIP, sondern bezieht weitere ökonomische sowie ökologische, soziale und gesellschaftliche Faktoren mit ein.
Der Corona-Aufbaufonds soll Europa nach der Krise wieder auf die Beine helfen. Jetzt gibt die Kommission nach und nach die nationalen Investitionspläne frei. Am Dienstag war Deutschland dran – und bekommt 25,6 Milliarden Euro. Die Wirkung auf private Investitionen ist trotz Crowding-out-Gefahr wohl eher positiv.
Der Entwurf zur Regulierungsverordnung für Europäische Green Bonds liegt vor, die Aufsichtsbehörde ESMA soll eng über die Einhaltung wachen. Vieles bleibt aber noch im Unklaren, denn die Grundlage bildet die EU-Taxonomie. Und es entzündet sich gleich Kritik: Die Übergangsfristen seien zu lang.
Ob die Europäische Zentralbank künftig bei ihren Geldmarkt-Interventionen nachhaltige Unternehmensanleihen bevorzugen wird, ist zwar noch nicht entschieden. Doch sie wird wohl den Druck auf die Kreditinstitute erhöhen wird, klimaschädliche Investments aus ihren Büchern zu nehmen. Auch neue Stresstests spielen eine Rolle.
Laut eines Beschlusses des norwegischen Parlaments sollen Rüstungsfirmen, die sich an Kriegsverbrechen mitschuldig machen, künftig aus dem Portfolio des staatlichen Pensionsfonds fliegen. Eine Analyse der Initiative Facing Finance zeigt, dass der Fonds aktuell noch in einige Waffenhersteller investiert ist.
Wo Nachhaltigkeit drauf steht, muss auch Nachhaltigkeit drin sein. Dieser Anspruch scheint selbstverständlich. Doch ist er es auch? Eine Analyse ergibt, dass einige Gründe dagegensprechen. In Zweifelsfällen, auch bei Geldanlagen, sind oft mehrere richtige Antworten möglich.
Die Privatwirtschaft kann die enormen Investitionen für den Klimaschutz nicht stemmen. Organisiert von den Grünen plädieren auch Finanzexpertinnen und -experten dafür, die Billionen-Summen mittels europäischer grüner Anleihen zu finanzieren. Erste EU-Green-Bonds sollen noch dieses Jahr emittiert werden – allerdings beschränkt auf den Corona-Fonds.
Finanzminister und Notenbanken haben sich darauf geeinigt, den TCFD-Standard für die Offenlegung von Klimarisiken durch Unternehmen zur Grundlage einer verpflichtenden Berichterstattung zu machen. Das stärkt die Rolle des Finanzstabilitätsrats FSB. Die Regeln sollen von den G20-Staaten ebenfalls übernommen werden.
Infolge der Coronakrise beteiligt sich der Bund erstmals an einem Unternehmen der Erneuerbaren-Branche. Der Windradhersteller eno energy aus Rostock erhält vorübergehend bis zu 28 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds.
Die grünen Bundeswertpapiere unterscheiden sich von denen anderer Staaten in struktureller und inhaltlicher Hinsicht. Das liegt an politischen Entscheidungen sowie an den Strukturen des Landes. Auch bei Förderbanken ist das deutsche Vorgehen speziell, zeigt der internationale Vergleich.
Ökosoziale Geldanlagen legten vergangenes Jahr in Deutschland um 25 Prozent auf insgesamt 335 Milliarden Euro zu. Aber der Marktanteil bei Fonds ist mit 6,4 Prozent weiter niedrig, so ein Branchenbericht. Das verantwortliche Investment hat die 1,9-Billionen-Marke überschritten.
Es gibt nur wenige Kreditinstitute, bei denen die EU viel Beifall findet für ihre regulatorischen Initiativen. Eines davon ist die Evangelische Bank (EB). Berenike Wiener, Direktorin und CSR-Expertin, erklärt, warum. Und wieso das Institut trotz nachhaltiger Ausrichtung und 8,4 Milliarden Euro Bilanzsumme noch recht unbekannt ist.
Deutschland trumpft mit umfangreichen grünen Staatsanleihen auf, um die sich Investoren reißen. Doch die Papiere schaffen nur mehr Transparenz, stoßen aber keine zusätzlichen Ausgaben zugunsten einer umweltverträglichen Wirtschaft an. Marktkenner hoffen auf indirekte Auswirkungen.
Damit Nachhaltigkeit finanzierbar ist, muss Sustainable Finance auch bei den Privatanlegern ankommen. Nur haben diese sehr unterschiedliche Vorstellungen von Nachhaltigkeit, wie eine Studie der Universität Kassel zeigt. Mitautor Christian Klein, Professor für Sustainable Finance, erklärt die Defizite bei Finanzberatern und die Herausforderungen für Banken.
Das Forschungsinstitut DIW hat die Auswirkungen der Anleihenkaufprogramme der Europäischen Zentralbank genau unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Auch grüne Bonds, die die Kaufkriterien erfüllten, profitierten stark. Dennoch empfiehlt das DIW der EZB, Nachhaltigkeit stärker in die Bonitätsprüfung einfließen zu lassen.
Nachhaltig orientierte Fonds boomen. Treiber sind besonders EU-Regulierungen. Die Vorgaben eignen sich aber noch nicht, um die Nachhaltigkeit von Fonds in ihrer Breite zu bewerten, so eine Studie des BVI. Eine geplante Fondskategorisierung lässt auf sich warten. Sie soll Finanzberatern helfen, verschiedene Kundenpräferenzen bedienen zu können.
Bis auf die Union haben die Parteien im Bundestag ihre Wahlprogramme oder zumindest Entwürfe vorgestellt. Nachhaltige Finanzen spielen trotz des Schwerpunkts Klimapolitik nur eine kleine Rolle. Allerdings: Union und Grüne positionieren sich separat mit ausführlichen Strategiepapieren.
Am vergangenen Freitag hatte der Sustainable-Finance-Beirat seine letzte offizielle Sitzung gemeinsam mit der Bundesregierung. Dabei ging es noch einmal um die Sustainable-Finance-Strategie der Regierung – und um die Frage, wie es mit dem Beirat nun weitergehen soll.
Mit der grünen Taxonomie liegt bereits eine Orientierung für ökologische Nachhaltigkeit vor. Eine solch genaue Einordnung für soziale Nachhaltigkeit würde mehr Geld in ESG-konforme Bahnen lenken. Denn bislang tun sich institutionelle Investoren schwer, wenn es um die soziale Komponente geht. Das zeigt eine aktuelle Studie zu Anbietern von Pensionsplänen.
Commerzbank und Deutsche Bank versprechen eine Umstellung Richtung Nachhaltigkeit und Klimaschutz, sie wollen aus der Kohlefinanzierung aussteigen. Dennoch geraten sie zunehmend unter Druck von Klima-Aktivisten und müssen sich von NGOs weiter scharfe Kritik gefallen lassen. Um Fortschritte zu beurteilen, ist inzwischen der Blick auf die Details entscheidend.
Die Europäische Zentralbank rechnet zunehmend mit spürbaren Folgen des Klimawandels für die Finanzwirtschaft – durch Stürme, Überflutung, Feuer und Hitzeperioden drohen Ausfälle. 30 Prozent des Kreditvolumens europäischer Banken seien betroffen. Zweitens stünden fossile Geschäftsmodelle vor Refinanzierungsproblemen.
Zur Anfang Mai vom Kabinett beschlossenen Sustainable-Finance-Strategie verstärkt sich das kritische Echo. Demnach sind die Maßnahmen zu schwach und unkonkret, um ein nachhaltiges Finanzwesens in Deutschland zu erreichen.
Bisher mussten nur große, kapitalmarktorientierte Unternehmen, Kreditinstitute und Versicherungen zu Nachhaltigkeitsaspekten berichten. Die EU-Kommission will künftig deutlich mehr Firmen dazu verpflichten und die Ansprüche an die Nachhaltigkeitsberichterstattung anheben. Das stellt Unternehmen vor neue Herausforderungen.
Taxonomie, unternehmerische Berichtspflicht, Offenlegungsverordnung – die Europäische Kommission krempelt für die Nachhaltigkeit die Finanzmärkte um. Finanz-Kommissarin Mairead McGuinness erklärt im Exklusiv-Interview, wie der Stand ist und was sie vorhat. Subventionen für Fossile will sie neu in den Fokus nehmen.