Wann ist eine Frau eine Frau – und wer darf sie behandeln? Diese Frage entschied das Berliner Sozialgericht in einem Kostenübernahmestreit zwischen einem Krankenhaus und einer Krankenkasse. Der Streit ist aber nur die Spitze des Eisbergs.
„Gentherapien sind ein entscheidendes Zukunftsfeld der Medizin“, sagt der Präsident des Verbandes forschender Pharma-Unternehmen in Deutschland, Han Steutel. Deutschland verliere international aber zunehmend den Anschluss. Wie lässt sich das ändern und welche Innovationen kommen in diesem Jahr auf den Markt?
Die Impfpflicht soll kommen, sagt die Ampelregierung. Doch angesichts des Fahrplans, des parlamentarischen Verfahrens und nicht zuletzt wegen der Omikron-Welle stehen die Chancen zunehmend schlecht, dass das Vorhaben im Parlament eine Chance hat.
Während das Programm für die diesjährige deutsche G7-Präsidentschaft noch auf sich warten lässt, liegt Frankreichs Agenda für dessen sechsmonatigen Vorsitz im Rat der EU bereits vor. Ein Überblick über die gesundheitspolitischen Schwerpunkte.
Wie soll der im Koalitionsvertrag angekündigte Nationale Präventionsplan mit Leben gefüllt werden? Was ist bei der Umsetzung zu beachten und welche konkreten Maßnahmen könnten wie ausgestaltet werden? Eine kleine Zusammenschau, was Parteiexperten und Stakeholder im Gesundheitswesen für nötig erachten.
Die Funktionsfähigkeit des Gesundheitssystems und der kritischen Infrastruktur müsse abgesichert und gewährleistet werden, heißt es in den Empfehlungen des Corona-Expertenrats. Darum wollen Bund und Länder heute die Quarantäne- und Isolationsregelungen erneuern.
Präventionsmaßnahmen zielten in der Vergangenheit oftmals darauf ab, Menschen mit bestimmten Interventionen zu einer gesünderen Lebensweise zu bewegen. Die krankmachende Umgebung wurde häufig vernachlässigt. Die neue Regierung will das eine stärken, ohne das andere zu vergessen und muss dabei hohen Erwartungen gerecht werden.
Die Ampel will die Krankenhausversorgung in Deutschland grundlegend reformieren. Weg von der Planung nach Bettenzahl, hin zu regionalen Versorgungsverbünden, so lautet das Motto. Vorbild könnte Nordrhein-Westfalen sein, das diesen Wandel bereits vollzieht. Die DKG und der Gesundheitsökonom Boris Augurzky haben darüber hinaus weitere Reformideen.
Enttäuschung über die Rückzieher bei Krankenhausfinanzierung und Besteuerung von Medikamenten, aber auch Hoffnung auf substanzielle Reformen und Kostenersparnis: Im Interview bewertet Stefanie Stoff-Ahnis, Vorstandsmitglied im GKV-Spitzenverband, die Pläne der neuen Regierung für den Klinik- und Arzneimittelsektor.
Obwohl Omikron neuen Studien zufolge weniger schwere Krankheitsverläufe verursacht als andere Varianten, rechnen die Krankenhäuser in Deutschland mit insgesamt mehr Patienten als in der Delta-Welle, vor allem auf den Normalstationen. Die Impfquoten seien zu gering, auch beim Boostern, manche Medikamente wirkten nicht gegen Omikron.
Im Kampf gegen Corona markierte die neuartige mRNA-Technologie von BioNTech den Durchbruch. Nun macht sich das Mainzer Unternehmen gemeinsam mit dem Pharmariesen Pfizer ans nächste Impfprojekt. Die beiden entwickeln auf gleicher Basis ein neues Vakzin gegen Gürtelrose, das verträglicher sein soll und leichter produziert werden kann als die bisherigen.
Künftig sollen Impf-, Genesenen- und Testzertifikate schon bei einer Online-Buchung über die CWA validiert werden können. Datenschützer:innen kritisieren die Neuerung, das BMG versucht zu beschwichtigen und verweist auf weitere Tests und eine Prüfung des Bundesdatenschutzbeauftragten.
Deutschland ist Europameister bei der Intensivbetten-Dichte – und war es schon vor der Pandemie. Der internationale Vergleich deutet auf Überkapazitäten hin. Ebenso der Umstand, dass kaum irgendwo sonst so viele Corona-Patienten intensivmedizinisch betreut wurden.
Aufgrund der sich rasch ausbreitenden Omikron-Variante kommen die Kultusminister heute zu einem vorgezogenen Treffen zusammen. Doch auch wenn die Zahl der Krankenhauseinweisungen von Kindern steigen könnte, bewerten Kinderärzte Omikron bisher als nicht besorgniserregend.
Wenn Deutschland eine gute Gesundheitsversorgung wolle, seien studierte Pflegefachpersonen und eine gut aufgestellte Pflegewissenschaft unverzichtbar, sagt Christine Vogler. Die Präsidentin des Deutschen Pflegerates erklärt im Interview, welche Weichen die neue Regierung stellen muss.
Minister Lauterbach will die Quarantäne-Zeiten verkürzen. Bei der Diskussion geht derzeit vieles durcheinander. Vor allem aber stellt sich die Frage, ob die Verkürzung am Ende nicht zu einer Verlängerung wird. Denn die Ausnahmen für Geimpfte und Genesene wackeln gerade.
Die Ampelparteien sind sich einig, und auch die Union drängelt: Für die Pflege braucht es in dieser Legislatur eine tiefgreifende Reform. Nötig sind vor allem eine spürbare Aufwertung der Pflegeberufe, Kostenentlastung für die Heimbewohner und verlässliche Finanzierung auf Jahre hinaus. Wenn das nicht gelingt, drohen gesellschaftliche Verwerfungen.
Wer keine Krankenversicherung hat, wird nicht behandelt – das gilt auch für Kinder. Denn obwohl ein Antrag auf Kostenübernahme einer Behandlung beim Sozialamt gestellt werden kann, müssen die Betroffenen eine Abschiebung fürchten. Ein Projekt im Südwesten Berlins behandelt Kinder anonym und kostenlos.
Wenn Müdigkeit, Erschöpfung und Schmerzen nach einer COVID-19-Infektion bleiben, sprechen Ärzte von Long-COVID. Bislang weiß man noch wenig über die Ursachen und die langfristigen Folgen – ähnlich wie bei der Myalgischen Enzephalomyelitis/Chronischen Fatigue-Syndrom. Die Ampel-Koalition will das ändern.
Die Ampel kündigt im Koalitionsvertrag mehr Tempo bei der Einführung von TI-Anwendungen an. Die KV Bayern hält das aufgrund technischer Probleme für falsch und fordert eine einjährige Testphase. Mit Einführung der ePA 2.0 könnten nun aber auch vermehrt Patienten die digitalen Lösungen nachfragen.
An dem gerade erst eingerichteten wissenschaftlichen Corona-Expertenrat, der die Bundesregierung zu Fragen des Infektionsschutzes berät, mehrt sich die Kritik. Es geht um die Umstände der Auswahl seiner Mitglieder, die personelle und institutionelle Zusammensetzung des Gremiums sowie die eingeschränkte Vielfalt der dort vertretenen Disziplinen.
Deutschland erwartet die Omikron-Welle, doch was kommt danach? Weitere Wellen, glauben die meisten Deutschen offenbar. Die Pandemie wird uns noch über das kommende Jahr hinaus begleiten, ist eine überwältigende Mehrheit überzeugt.
Für viele Kinder und Jugendliche ist die Pandemie Stress: Abstandhalten zu Freunden, ein reduziertes Freizeitangebot und vielleicht finanzielle Sorgen der Eltern. Die Zahl der an einer Depression Erkrankten ist in dieser Altersgruppe zuletzt gestiegen. Ein Portal bietet Aufklärung und Hilfe.
Der Deutsche Ethikrat befürwortet eine Ausweitung der kürzlich beschlossenen Corona-Impfpflicht für Personal in sensiblen Einrichtungen „auf wesentliche Teile der Bevölkerung“. Dies müsse von einer Reihe von Maßnahmen flankiert werden, heißt es in einer Empfehlung des beratenden Gremiums. Über Umfang und Ausgestaltung indes ist der Rat zutiefst gespalten.
Der oder die Drogenbeauftragte bekommt mit der Cannabis-Legalisierung einen völlig neuen Job. Das Amt des oder der Pflegebevollmächtigten wird angesichts der überfälligen Reformen noch mal wichtiger. Und die oder der Patientenbeauftragte könnte sich in der Pandemie auch mal stärker zu Wort melden. Wer darf die Aufgaben in der neuen Legislatur übernehmen?
Immer mehr Daten gibt es zu Covid-19-Infektionen bei Kindern mit der Virusvariante Omikron. So gehen einige Wissenschaftler davon aus, dass eine gleichzeitige Grippewelle zu vermehrt kranken Kindern in Südafrika geführt hat. Auch in England sind bisher keine schweren Verläufe festgestellt worden, sagt Jörg Dötsch, Leiter der Uni-Kinderklinik Köln.
Zum 1. Januar sollte das E-Rezept der Gematik eingeführt werden, das „eRezept Deutschland“ von TK, Barmer, DAK und Co. dann auslaufen. Auf Drängen der Kassen wird das nun vom BMG verschoben. Für die Autorität der halbstaatlichen Gematik ist dies ein herber Rückschlag.
Mit einem Extra-Steuerzuschuss von sieben Milliarden Euro hat die alte Regierung quasi in letzter Minute eine größere Beitragserhöhungswelle unter den rund 100 Krankenkassen abgewendet. Corona-Sondereffekte beim Leistungsvolumen kamen ihr zu Hilfe. Auf breiter Front mehr bezahlen müssen daher nur AOK-Versicherte. Und das ist politisch gewollt.
Der 2019 eingeweihte Health Innovation Hub des Gesundheitsministeriums schließt zum Jahresende planmäßig seine Türen. HIH-Leiter Jörg Debatin sprach zum Abschied mit Tagesspiegel Background über die gescheiterte Besetzung einer Stelle für digitale Pflege, mangelndes Engagement der Ärzte und veraltete Technik.
Trotz noch im Sommer anderslautender Statements und steigenden politischen Drucks will die Ampelkoalition den Patentschutz für COVID-19-Impfstoffe und -medikamente vorerst nun doch nicht aussetzen.
Zahlensalat und anderes Unverdauliches: Die Impfkommunikation des neuen Gesundheitsministers ärgert nicht nur die Ärzteschaft. Am Ende von zwei brisanten Tagen scheint es nun, dass Lauterbach aus Versehen doppelt Moderna-Dosen bestellt hat.
Als Reaktion auf die hohen Infektionszahlen bestehen die Bundesländer erneut auf Freihaltequoten für Corona-Patienten in den Kliniken. Darunter leiden andere Kranke, deren bereits geplante Therapien verschoben werden. Definieren, was ein elektiver Eingriff ist, können die Länder indes nicht. Diese heikle Entscheidung obliegt den Ärzten – in jedem Einzelfall.
Auch in Medizinerpraxen sitzen Verschwörungsideologen, die gegen Hygieneregeln verstoßen, ihren Patienten falsche Atteste ausschreiben oder ihnen von der Corona-Impfung abraten. Von vielen bekommen die Ärztekammern nichts mit, und bei Beschwerden ist der Nachweis schwierig. Allerdings ist das Haftungsrisiko im Falle geschädigter Patienten erheblich.
Ist die neue, hochansteckende Virusvariante Omikron in Deutschland noch zu stoppen? Nein, sagen Virologen und Modellierer. Die Frage sei nur noch, wie lange die rasante Ausbreitung entschleunigt werden könne. Bis zu 40 Millionen Infektionen im ersten Halbjahr 2022 seien hierzulande denkbar. Die Politik müsse „antizipatorisch“ handeln.
Soll man die eigenen Kinder gegen COVID-19 impfen lassen? Im Interview beantwortet Leif Erik Sander, Leiter der Forschungsgruppe für Infektionsimmunologie und Impfstoff-Forschung an der Charité, die wichtigsten Fragen zum Thema.
Noch nie wurde so viel für sie gespendet, noch nie war sie so viel im Einsatz. Die vor 50 Jahren gegründete Organisation Ärzte ohne Grenzen ist aufgrund von gewaltsamen Konflikten und der Corona-Pandemie gefordert wie nie. Dabei kündigt sich die größte Gesundheitskrise gerade erst an: der Klimawandel.
Die Corona-Pandemie droht zur unkontrollierten Bereinigung im Kliniksektor zu führen, nötig sind aber zielgenaue Hilfen. Ein Zwiespalt, dem der Beirat zur Evaluierung von Bundeshilfen in einer neuen Stellungnahmen gerecht zu werden versucht. Entstanden ist ein Kompromiss im Sinne der Kliniken.
Richtig umstritten war die Einführung der Digitalen Gesundheitsanwendungen nicht – die Vergütungsregelungen der Therapien waren es dafür umso mehr. Die Herstellerverbände werden heute den nun mit dem GKV-Spitzenverband getroffenen Konsens zu dynamischen Höchstbeträgen und Schwellenwerten vorstellen.
Keine Bürgerversicherung für SPD und Grüne, dafür das Zugeständnis der FDP, im Bereich der Arzneimittel Sparpotenziale zu heben: In der Gesundheitspolitik haben die Ampel-Koalitionäre schwierige Kompromisse geschlossen, um Platz für Neues zu machen. Doch bei der Ausgestaltung der Vorhaben könnte die Harmonie schnell bröckeln.
Ein Krebspatient mit Kinderwunsch lässt seine Spermien einfrieren. Wenige Tage vor seinem Tod bittet er um Herausgabe der Proben an ein spanisches IVF-Zentrum. Die Klinik weigert sich. Zu Unrecht, entscheidet das OLG Hamburg. Es ist das erste Mal, dass ein deutsches Gericht den Weg für eine postmortale künstliche Befruchtung im Ausland frei macht.
Die Lebenserwartung ist auch in Deutschland aufgrund der Corona-Pandemie gesunken – allerdings weit weniger als in anderen EU-Staaten, wie ein aktueller EU-Bericht zeigt. Doch die Datenlage sei lückenhaft, kritisieren die Autoren. Sie fordern eine evidenzbasierte Gesundheitspolitik und die Bereithaltung von Gesundheitspersonal auf Abruf.
Die Reform der Krankenhausvergütung steht weit oben auf der Agenda der neuen Bundesregierung. Wie sehr das 2004 eingeführte System diagnosebezogener Fallpauschalen zu Fehlanreizen führt, erfuhr unser Autor am eigenen Leibe. Er landete nach einem Knochenbruch statt auf der Unfallchirurgie in der Geriatrie, wo seine Brüche sieben Tage unbehandelt blieben.
Seit COVID-19 grassiert, macht ein Husten die Mitmenschen schnell nervös. Dass sich dahinter auch chronische Lungenerkrankungen verbergen können, daran denken die wenigsten. Dabei kommen sie immer häufiger vor. Die neue Bundesregierung soll schnellstmöglich einen „Aktionsplan Lunge“ entwickeln, fordern verschiedene Fachverbände.
Zahlreiche Kliniken in Deutschland werben bereits mit dem Einsatz von 5G: Vitaldaten können kontinuierlich beobachtet werden oder sogar Operationen aus der Ferne stattfinden. Doch noch handelt es sich dabei um Projekte. Und auch nicht jeder Einsatz der neuen Mobilfunktechnologie ist sinnvoll.
In nahezu vollständigem Konsens hat sich der EU-Sonderausschuss zur europaweiten Krebsbekämpfung gestern auf einen dicken Antragskatalog verständigt. Ziele sind vor allem grenzüberschreitende Erleichterungen für Forscher und Patienten sowie deutlich mehr Vorsorge. Zoff könnte es allerdings bei der Forderung nach Warnhinweisen auf Alkoholprodukten geben.
Die ersten drei Corona-Wellen haben zu einer deutlichen Übersterblichkeit geführt. Das geht aus der Auswertung der Sterbefallstatistik des Statistischen Bundesamtes hervor. Erstmals sind auch differenzierte Betrachtungen möglich, wie viele Menschen mit oder an COVID-19 gestorben sind und wer besonders gefährdet ist.
Die Gesundheitssysteme der 55 afrikanischen Staaten wecken zunehmend das Interesse der deutschen Gesundheitswirtschaft. Isolierte Förderprogramme oder punktueller Aktionismus seitens der Gesundheitspolitik versprechen jedoch keine entscheidenden Fortschritte. Partnerschaften müssten in den Mittelpunkt gerückt werden, meinen zwei Wirtschaftsexperten.
Die Hoffnung, die Corona-Pandemie mit digitalen Tools zu bekämpfen oder zumindest einzudämmen, war und ist in vielen Regionen der Welt groß. Ein Bericht der NGO AlgorithmWatch kommt nun zu dem Ergebnis, dass diese Hoffnung oft nicht nur unerfüllt bleibt, sondern gar Gefahren für Privatsphäre und Sicherheit birgt.
Welchen Einfluss hat ein Vorsitzender im Gesundheitsausschuss? Diese Frage stellt sich gerade akut, weil die AfD den Posten übernimmt. Bisherige Erfahrungen zeigen: Es kommt drauf an. Mit dem neuen Minister jedenfalls droht eine übermäßig spannungsgeladene Konstellation.
Ungewollt Kinderlose sollen unter der neuen Ampel-Koalition mehr Unterstützung erfahren. Im Koalitionsvertrag von SPD, Grünen und FDP gibt es dazu gleich mehrere Passagen, die die genauen Pläne umreißen. Sind diese Leistungsausweitungen in Zeiten leerer Kassen überhaupt stemmbar?
Mit Edgar Franke und Sabine Dittmar werden dem Gesundheitsminister zwei starke Staatssekretäre zur Seite gestellt. Unverkennbar geht es dabei auch darum, Lauterbach in den Strukturen des BMG mehr Halt zu geben – und die Kommunikation in Parlament und Öffentlichkeit zu unterstützen.
Der SVR-Vorsitzende Ferdinand Gerlach befürwortet zwar eine ePA für jeden Bürger, glaubt aber nicht, dass sich diese in der aktuellen Konstruktion durchsetzt. Der Ampel-Koalitionsvertrag mache währenddessen Hoffnung auf Korrektur.
Nach einer Berechnung des GKV-Spitzenverbandes hat sich das Einkommen von niedergelassenen Medizinern sehr unterschiedlich entwickelt. Augenärzte legten am meisten zu, HNO-Ärzte und Chirurgen am wenigsten. Warum die Schere so auseinandergeht, können oder wollen die Funktionäre nicht sagen. Der Virchowbund behauptet nur, die Zahlen der GKV seien unseriös.
Der neue Gesundheitsminister hat Leistungskürzungen schon mal ausgeschlossen. Doch wie lässt sich die Kombi aus alten Finanzlasten und neuen Versprechungen in der kommenden Legislatur finanzieren? Während die Begehrlichkeiten der Leistungserbringer wachsen, hat bei den gesetzlichen Versicherern das Rechnen begonnen.
Die Corona-Pandemie hat zwar nicht wie befürchtet zu einer Explosion der Malaria-Fallzahlen geführt, dennoch hat sich der Anstieg im vergangenen Jahr nochmal beschleunigt, heißt es im gestern veröffentlichten Welt-Malaria-Bericht. Für Hoffnung sorgt derweil ein neuer Impfstoff.
Mit dem Amt des Bundesgesundheitsministers geht Karl Lauterbachs Lebenstraum in Erfüllung – jetzt muss ihm die Transformation vom Corona-Erklärer zum Reformer des Gesundheitswesens gelingen. Selbst die Opposition begrüßt die Personalie: Sie weiß um die potenzielle Fallhöhe.
Überlastete Kliniken allerorten? Nein, sagt der Gesundheitsökonom Reinhard Busse – und weist auf das verborgene Gesicht der von Corona ausgelösten Krise deutscher Krankenhäuser hin: Rund 1000 Kliniken sind überdurchschnittlich leer. Während die DKG auf eine Ausweitung der Klinikhilfen drängt, wünscht sich Busse deren Konzentration auf die Intensivstationen.
Die höchsten Einnahmen haben Zahnarztpraxen, mit mehr als 720.000 Euro pro Jahr. Doch auch Allgemein- und Fachärzte kamen 2019 im Schnitt auf über 600.000. Das bedeutet pro Praxis einen Reinertrag von knapp der Hälfte, pro Inhaber 215.000 Euro. Und: 70 Prozent des Geldes stammen aus der GKV. Diese Zahlen hat jetzt das Bundesamt für Statistik geliefert.
Ein Gutachten des Bundesministeriums für Gesundheit liefert erstmals eine Bestandsaufnahme der komplizierten Register-Strukturen in Deutschland. Das Ergebnis: Es gibt zwar viele medizinische Register, doch sind sie oft zu klein, unzureichend finanziert und schlecht vernetzt. Viele Wissenschaftler wissen kaum etwas mit ihnen anzufangen.
Als Reaktion auf die hohen Corona-Infektionszahlen riegeln die Spitzen von Bund und Ländern viele Bereiche des öffentlichen Lebens für Ungeimpfte komplett ab. Bei privaten Treffen gibt es für sie zudem strenge Kontaktbeschränkungen. Doch auch auf Geimpfte und Genesene kommen Einschränkungen zu, allerdings in weit geringerem Ausmaß.
In den vergangenen Jahren nur mit kleineren Reformen besänftigt, setzen Physiotherapeut:innen, Ergotherapeut:innen und Logopäd:innen in dieser Legislatur auf den großen gesundheitspolitischen Wurf. Ihre Forderungen und Begründungen zeigen viel Bedarf – vor allem bei der Ausbildung, den Gehältern und der Einbindung in die Selbstverwaltung.
In vielen europäischen Ländern übernehmen entsprechend qualifizierte Pflegekräfte bestimmte Aufgaben der Primärversorgung. Unter dem Begriff „Community Health Nurse“ fungieren sie als Gatekeeper oder Lotsen – aber auch als eigenverantwortliche Behandler:innen. Nun taucht der Begriff im Koalitionsvertrag auf. Was bedeutet das?
Düsteres Szenario für die Pflege: Bis 2030 dürfte der Personalmangel aus Forschersicht noch heftiger werden als befürchtet. Der Grund dafür ist eine deutlich höhere Zahl von Pflegebedürftigen als bisher angenommen. Man müsse dann mit sechs statt mit fünf Millionen Betroffenen rechnen, heißt es im neuen Pflegereport der Barmer.
Zahnärzte, Apotheker, Veterinärmediziner: Jeder, der spritzen kann, darf für mehr Tempo beim Impfen sorgen, heißt es im Gesetzentwurf zur Stärkung der Impfprävention. Die einrichtungsbezogene Impfpflicht soll Mitte März kommen. Wer sich ihr verweigert, darf nicht mehr arbeiten. Intensivpfleger erhalten Sonderprämien, Kliniken Ausgleichszahlungen.
Bremen hat mit Abstand die höchste Impfquote aller Bundesländer. Im Interview erklärt Gesundheitssenatorin Claudia Bernhard (Die Linke), wie der Stadt das gelungen ist, was sie von einer allgemeinen Impfpflicht hält und warum Bremens Krankenhäuser trotz hoher Impfquote an ihre Grenzen kommen.
Corona-Ausgangssperren waren laut Verfassungsgericht verhältnismäßig – Schulschließungen ebenso. Eine Begründung: Es habe Zeit gefehlt, sich vorzubereiten. Ein politischer Freifahrtschein für die kommende Welle ist das nicht.