Die Bundesfinanzaufsicht hat bekannt gegeben, welche Hauptrisiken sie 2022 für die Finanzbranche sieht. Auffällig dabei ist, dass sie Nachhaltigkeitsrisiken nicht dazuzählt. Das war in der Vergangenheit schon einmal anders. Zudem hat es bei der Bafin zuletzt einen Kompetenzwechsel in Sachen Sustainable Finance gegeben.
Die EU-Kommission will umweltschädlichen Produktgruppen einen Riegel vorschieben, was Unternehmen und indirekt auch ihre Geldgeber betreffen wird. Dazu will sie Ende März eine umfassende Regulierung vorschlagen, die Tagesspiegel Background im Entwurf vorliegt.
Entgegen anderslautenden Mutmaßungen lässt sich aus dem aktuellen Strukturvorschlag für eine soziale Taxonomie nicht ablesen, dass Rüstung als positive Aktivität einbezogen werden könnte. Waffen könnten nicht als sozial eingestuft werden, betont Antje Schneeweiß, die Leiterin der EU-Arbeitsgruppe, die die Empfehlungen für die EU-Kommission entwickelt hat.
Wie Treibhausgas-intensiv ist ein Portfolio und wie kann es klimafreundlicher werden? Um dies herauszufinden, benötigen Investoren Daten. Ein EU-Projekt könnte diese liefern, doch es wirkt wie eine Herkulesaufgabe.
Investitionsschutzabkommen wie der Energiecharta-Vertrag – einst geschaffen, um den früheren Ostblock in Europas Energieversorgung einzubinden – bremsen den nachhaltigen Umbau der EU aus: Milliardenteure Klagen vor Schiedsgerichten können Kraftwerksschließungen und Green Deal zum Kostenrisiko machen. Im Europaparlament regt sich Widerstand.
Die Loslösung des Westens von der Öl- und Gasmacht Russland schreitet in atemraubenden Tempo voran. Nur einige europäische Importeure wie Wintershall DEA zieren sich, ihre Brücken in Putins Reich ganz einzureißen. Umweltgruppen fordern vom Finanzsektor, auch diese Konzerne abzustrafen – und sehen sich in Warnungen vor fossilen Investments bestätigt.
Der russische Angriff auf die Ukraine stellt die westliche Welt auf den Kopf. Die Bundeswehr soll einen Milliarden-Fonds erhalten und die deutsche Rüstungsindustrie kann geschäftigen Zeiten entgegenblicken. Deren Verband forderte zuletzt, die Branche als nachhaltig einzustufen – dabei stellen ohnehin viele große Banken den Konzernen Kapital zur Verfügung.
Die EU-Platform on Sustainable Finance macht der EU-Kommission grundlegende Vorschläge, um eine Einordnung gesellschaftlich relevanter Wirtschaftsaktivitäten zu entwickeln. Sie hält diese für erforderlich. Eine neu aufgekommene, vieldiskutierte Frage umschifft das Beratergremium.
Was keine Klimakrise erreicht hat, gelingt Wladimir Putin mit dem Angriffskrieg gegen die Ukraine: Von einem Moment auf den anderen stoppen westliche Unternehmen ihre Geschäftstätigkeit in einem ganzen Land: Shell, Exxonmobil, Banken, Fonds, Apple, Ford, BMW verlassen Russland. Selbst Playmobil bleibt weg. Doch stranded assets muss man erst einmal loswerden.
Das EU-Parlament dürfe konventionell argumentierenden Wirtschaftslobbyisten nicht nachgeben. Sondern es müsse klare Mindeststandards zu unternehmerischen Sorgfaltspflichten beschließen. Das fordert Yvonne Zwick, Vorstandsvorsitzende des Unternehmensnetzwerks Baum e.V., in dem sich mehr als 700 Mitglieder für Nachhaltigkeit engagieren.
Der weitreichende Vorschlag der Europäischen Kommission zu einer Richtlinie für unternehmerische Sorgfaltspflichten trifft bei Wirtschaftsverbänden auf Protest und auf Zustimmung. Manchem EU-Parlamentarier ist die Vorlage nicht ehrgeizig genug.
Mit mehrmonatiger Verspätung hat die EU-Kommission gestern ihren Richtlinien-Entwurf für unternehmerische Sorgfaltspflichten vorgestellt, um internationale Standards in europäisches Recht zu integrieren. Insbesondere die vor mehr als zehn Jahren erlassenen UN-Leitlinien für Wirtschaft und Menschenrechten.
Die EU-Kommission lässt mit ihrem gestern vorgelegen Richtlinienentwurf zu menschenrechtlichen und ökologischen Sorgfaltspflichten die Banken, Versicherungen, Vermögensverwaltungen und andere Finanzakteure weitgehend außen vor.
Das kriegerische Gebaren Russlands gegenüber der Ukraine hat bei manchen Fondsmanagern dazu geführt, dass Staatsanleihen von dort für nachhaltige Fonds tabu sind. Bei Aktien gehen die Meinungen darüber allerdings auseinander.
Russland ist wahrlich kein Staat, in dem Geld besonders nachhaltig verdient wird. Manche Transaktionen der vergangenen Jahre zeichnen davon kein schönes Bild.
Paul-Josef Patts Wagniskapitalfirma eCapital gehört zu den ersten Adressen, wenn es um die Finanzierung nachhaltiger Technik-Start-ups geht. Doch obwohl Investoren angeblich fieberhaft nach Anlagemöglichkeiten in Greentech-Unternehmen suchen, merke er wenig davon, sagt Patt im Interview: „Wir hatten immer wieder Probleme, Anschlussfinanzierungen zu finden.“
Die EU-Kommission will zwar nur große und heikle Unternehmen zur Verantwortung für negative externe Effekte ziehen, das aber konsequent: Es soll menschenrechtliche und ökologische Sorgfaltspflichten für die gesamte Wertschöpfungskette geben sowie eine zivilrechtliche Haftung. Das geht aus einem Richtlinienentwurf hervor, der Tagesspiegel Background vorliegt.
Ab August müssen Berater nicht nur finanzielle Situation und Risikobereitschaft ihrer Kunden prüfen, sondern auch auf die Wünsche beim Thema Nachhaltigkeit eingehen. Das Forum Nachhaltige Geldanlagen arbeitet an einem Leitfaden für die praktische Umsetzung, nun will auch das Deutsche Institut für Normung (DIN) mitmischen und bastelt am eigenen Konzept.
Während einige Unternehmen, Finanzinstitute und Vereinigungen ein ehrgeiziges EU-Lieferkettengesetz fordern, wehren sich deutsche Spitzenverbände gegen strenge und breite Sorgfaltspflichten. Bei einem anderen großen Unternehmensverband stößt das auf Unverständnis.
Die Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB) startet zwar ihren ersten Klima- und Umweltrisiko-Stresstest erst in diesem Jahr. Bei Vorlage der Ergebnisse der jährlich stattfindenden Bankenprüfung äußerten EZB-Spitzenvertreter allerdings jetzt schon Unbehagen: Die Kreditinstitute müssten „entschlossene und unverzügliche Maßnahmen“ ergreifen.
Die EU-Kommission soll bei ihrer für kommende Woche erwarteten Richtlinie zu Sorgfaltspflichten keine Prüfung komplexer Beschaffungsketten integrieren und klein- und mittelständische Unternehmen ganz davon befreien, meint Thilo Brodtmann, Hauptgeschäftsführer vom Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA).
Die Zahl der Finanzakteure im EU-Emissionshandel nimmt stetig zu. Ihnen geht es nicht um Emissionsrechte, sondern um finanzielle Spekulationen. Der CO2-Markt drohe damit zunehmend von einer Geschäftslogik statt vom Klimaschutz getrieben zu werden, sagen Experten.
Mit Hilfe eines delegierten Rechtsaktes will die EU-Kommission festlegen, ob Atom und Gaskraftwerke nachhaltig sind oder zumindest als Transformationstechnologie durchgehen. Götz Reichert, Klimarechtsexperte am Centrum für europäische Politik (CEP), ist der Meinung, dass die Kommission das gar nicht entscheiden darf.
Deutschland soll sich nach dem Willen der Wissenschaftsplattform Sustainable Finance international dafür einsetzen, dass Firmen Nachhaltigkeitsdaten veröffentlichen müssen. Was soll offengelegt werden, wer soll es tun, soll es eine Pflicht sein, werden die Infos geprüft – dazu geben die Experten Tipps. Und sie schneiden noch ein weiteres brisantes Thema an.
Mehr als hundert Unternehmen, Finanzinstitute und Vereinigungen forderten am Dienstag von der EU-Kommission, endlich einen Vorschlag für eine effektive Lieferketten-Richtlinie vorzulegen. Neben aktiven verpflichtenden Prüfungen zu Menschenrechten und Umweltaspekten verlangen sie eine Haftungsregel.
Im Europäischen Parlament ist der Unmut über die geplante Erweiterung der EU-Taxonomie um Atom und Erdgas groß. Auf einer Abendveranstaltung am Dienstag mit rund 2.300 Teilnehmern übten Europaabgeordnete von Grünen, Sozial- und Christdemokraten demonstrativ den Schulterschluss. EU-Kommissionschefin Ursula von der Leyen droht eine Niederlage.
Sie sollen „Frühwarnsignale für die Vergrünung der Wirtschaft“ sein: Neue Frühindikatoren der 2 Degrees Investing Initiative messen Klimaschutz-Pläne von Schlüsselbranchen – und wie diese an den Finanzmärkten ankommen. Die erste Ausgabe leidet allerdings an Schwächen und Fehlern.
Die größten Vermögensverwalter hatten sich gegen eine Aufnahme von Erdgas in die Taxonomie ausgesprochen, doch die EU-Kommission geht in die entgegengesetzte Richtung und senkt die Hürden für fossiles Gas. In anderer Hinsicht geht sie aber auf ihre Kritikerinnen und Kritiker zu.
Durch die Aufnahme von Atomenergie und Gaskraftwerken verkomme die Taxonomie zu einem Instrument für Greenwashing, kritisiert der Vorstandssprecher der GLS Bank, Thomas Jorberg, währen der Vorstellung der Jahresbilanz. Zudem hält er die EU-Verordnung auch noch aus einem ganz anderen Punkt für schlecht.
Klimaminister Robert Habeck korrigiert sich: Alle Anträge auf KfW-Förderung, die vor dem plötzlichen Aus der Effizienzzuschüsse eintrafen, sollen nun doch beschieden werden. Das kostet weitere 5,4 Milliarden Euro. Der grüne Ressort-Chef gibt sich selbstkritisch, die Opposition fordert eine Verlängerung bis 31. Januar und schnell Klarheit über neue Programme.
Zivilgesellschaftliche Organisationen fordern von Equator-Principles-Mitgliedern, bei Projektfinanzierungen den Klimaschutz, Biodiversität, Menschenrechte und die Rechte indigener Bevölkerungen zu beachten. Die EP-Initiative kündigte für 2022 nur Unkonkretes an. Gleichwohl gelten die Prinzipien als Erfolgsgeschichte.
Die in der Net-Zero Asset Owner Alliance zusammengeschlossenen großen Versicherer haben davor gewarnt, ihre Klimagase-Ziele nicht einhalten zu können. Man benötige womöglich einen zeitlichen „Puffer“, wenn Regierungen und die Unternehmen der Realwirtschaft nicht schneller auf Netto-Null-Ziele umsteigen als bisher.
Laut der von den Grünen mitgetragenen Stellungnahme der Bundesregierung soll Erdgas zumindest für den Übergang in die EU-Taxonomie aufgenommen werden. Von NGOs kommt deutlicher Widerspruch. Für die Grünen könnte der hinter der Stellungnahme stehende Koalitionskompromiss zum Imageschaden werden.
Aufgeweichte Dämme in Brasilien gefährden Bevölkerungen und Umwelt. Es drohen Zerstörungen wie vor drei Jahren durch eine Erzmine, deren Damm der TÜV Süd zertifiziert hatte. Mehr als Tausend weitere Kläger fordern Schadensersatz von den Prüfern. Die Hilfsorganisation Misereor kritisiert Untätigkeit und verlangt von der EU ein wirksames Lieferkettengesetz.
Mit neuen Methoden und Szenarioanalysen erfasst die deutsche Notenbank die Klimarisiken für Unternehmen sowie mögliche Konsequenzen für Geldpolitik und Finanzstabilität. Sie fordert eine international koordinierte Klimapolitik und warnt vor hohen Kosten schlecht abgestimmter Maßnahmen.
Die Bundesregierung stoppt die Förderung des Neubaus energieeffizienter Häuser durch die KfW. Künftig soll vor allem die energetische Sanierung des Bestands unterstützt werden.
Die Sustainable-Finance-Plattform empfiehlt der EU-Kommission, dass diese ihr Vorhaben, Kernkraft und Erdgas in die Taxonomie nachhaltiger Wirtschaftsaktivitäten aufzunehmen, weitgehend aufgibt. Die geplante Aufnahme stehe nicht im Einklang mit bereits erlassenen EU-Regeln, urteilt sie.
„Zur Weißglut“ bringe ihn die von der EU vorgelegte Atom- und Gas-Taxonomie-Ergänzung, sagt der mächtige bayerische Wirtschaftsfunktionär Klaus Josef Lutz im Interview. Der Präsident des Industrie- und Handelskammertags im Freistaat beklagt, dass der Handel mit Solarmodulen damit nicht als nachhaltig gelte, Atomkraftwerke aber schon. „Das ist absurd.“
Nachhaltige Geldhäuser wollen mit Leitlinien für die Darstellung der Effekte wirkungsorientierter Investments die Finanzbranche dazu bringen, von Impactwashing Abstand zu nehmen. Die heute veröffentlichten Leitlinien lagen Tagesspiegel Background vorab vor.
Ab August sollen Finanzberater ihre Kunden nach ihren Nachhaltigkeitspräferenzen befragen und sie dann dazu beraten. Das ist allerdings deutlich leichter gesagt als getan. Denn es fehlen unter anderem wichtige technische Detailvorgaben zur EU-Offenlegungsverordnung. Finanzmarktteilnehmer hoffen daher auf eine Fristverschiebung.
Mit sehr deutlichen Worten kritisieren führende Abgeordnete des Europaparlaments den Plan der EU-Kommission zur Aufnahme von Atomenergie und Erdgas in den Katalog nachhaltiger Wirtschaftsaktivitäten. Vom offiziellen Beratergremium der Kommission, der Platform on Sustainable Finance, kommen ähnliche Vorbehalte.
Die Folgen des Klimawandels drängen mit Macht in die Geschäftswelt der Versicherer. Das zeigen nicht zuletzt die Schäden, die Naturkatastrophen im zurückliegenden Jahr angerichtet haben, sowohl in Deutschland als auch weltweit. Die Konzerne versuchen, Risiken durch die Natur besser einzuschätzen und fordern auch von der Politik Maßnahmen.
Die Rüstungsindustrie sieht sich durch zunehmende Nachhaltigkeitsregeln von Banken gegängelt – und ruft nach Hilfe aus Brüssel. Ausgerechnet die Waffenhersteller wollen von der Europäischen Kommission bei der anstehenden Erweiterung der Taxonomie um soziale Gesichtspunkte als nachhaltig anerkannt werden.
Während die Unternehmen und Finanzhäuser laut einer Studie meist nichts oder wenig gegen Entwaldung und Ökosystemvernichtung tun, bauen einige wenige Investoren ein Netzwerk zwecks aktiven Engagements für den Naturerhalt auf.
Auf den Vorschlag Brüssels, Atomkraft und Gas als nachhaltige Geschäftstätigkeiten in die EU-Taxonomie aufzunehmen, hagelt es von Verbänden aus der Zivilgesellschaft weiter Proteste: Hunderttausende Deutsche haben eine Petition unterschrieben und auch der BDI warnt vor einer unveränderten Umsetzung der EU-Vorlage.
Klimaneutrale Neubauten stehen im Fokus von Politik und Investoren. Doch Experten fordern, vor allem auf Bestandsgebäude zu schauen: Um die Klimaziele zu erreichen, müssten sie schnell saniert werden. Notwendig sind dafür umfangreiche private Investitionen, staatliche Vorbilder und bessere Regulatorik.
Mit der Vorlage eines neuen Taxonomie-Rechtsakts in der Silvesternacht hoffte EU-Kommissionpräsidentin Ursula von der Leyen, den Streit um Atom und Gas bald beenden zu können. Erreicht hat sie bisher das Gegenteil: Umweltverbände schäumen und für eine Klima-Transformation der Wirtschaft sind die Vorgaben womöglich zu eng.
Die Taxonomie-Pläne der EU-Kommission haben keine Bedeutung für die Förderpolitik des Bundes, stellt das Umweltministerium klar. Der Staatsfonds Kenfo etwa werde weiterhin kein Geld in Kernkraftwerksbetreiber stecken. Andere erklären die Klassifizierung aus Brüssel hingegen zum neuen Maßstab auch für die Politik.
Die größte Salzwasserlagune Europas, das Mar Menor in der spanischen Region Murcia, kollabiert: Obst- und Gemüseanbau haben das einst kristallklare Wasser in eine trübe Brühe verwandelt. Nun bleiben Touristen aus, Firmen gehen pleite, Immobilien verlieren Milliarden an Wert. Mit Aldi schließt eine erste große Supermarktkette Umweltsünder als Lieferanten aus.
Damit NGOs, Politiker, Unternehmen und Finanzakteure die Bedeutung der Ökosysteme richtig einschätzen können, braucht es eine angemessene Erfassung. Aber das ist sehr komplex. Darum haben sich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler kürzlich über ihre Fortschritte ausgetauscht und versucht, eine gemeinsame Sprache zu finden.
Wo steht Deutschland in Sachen Sustainable Finance – und was steht an in Sachen Reportingstandards für Unternehmen? Professor Alexander Bassen von der Universität Hamburg, Mitglied der EU-Beratungsgruppe Efrag zum Thema, ist einer, der es wissen muss. Zum Jahresauftakt erzählt er, was ihm Hoffnung macht – und was derzeit seine größte Sorge ist.
Während manche Journalistin und mancher Kernkraftgegner noch ihren Silvesterrausch ausschlafen, gibt Brüssel in einem seit Monaten ausgefochtenen Streit eine Entscheidung bekannt. Die EU-Kommission will Kernenergie und Erdgas als nachhaltig einstufen – unter bestimmten Bedingungen.
Für Investitionen in Sozialunternehmen könnte in Deutschland künftig ein mit Milliarden Euro gefüllter staatlicher Fonds bereitstehen. Wenn eine Bank den Kontakt zu Kunde oder Kundin verliert, soll deren Guthaben nach dem Willen der Regierungskoalition nicht mehr an das Kreditinstitut fließen, sondern dem Gemeinwohl nutzen.
Die Europäische Kommission hat ihre neuen Leitlinien für staatliche Umweltschutz- und Energiebeihilfen veröffentlicht. Ein früherer Entwurf ist spürbar entschärft worden, außerdem finden sich neue Förderinstrumente und -technologien. Die Wirtschaft fürchtet dennoch Nachteile. Und auch Erdgas soll unter Bedingungen förderfähig sein.
Die EU überfordere mit Sustainable-Finance-Regulierungen kleine- und mittelständische Unternehmen, die so auf dem Kapitalmarkt benachteiligt würden, meint Christoph Schlienkamp, geschäftsführender Vorstand des Finanzprofiverbandes DVFA und Portfoliomanager eines Umweltfonds. Sie sollten mehr Zeit erhalten, um Berichtspflichten zu Nachhaltigkeit zu erfüllen.
Künftig sollen auch Zentralbanken detailliert über ihre klimarelevanten Risiken, Prozesse und Strategien berichten. Empfehlungen gibt deren internationales Netzwerk.
Noch ist offen, wie es mit Nuklearenergie auf EU-Ebene weitergeht. Für Jean-Jacques Barbéris ist hingegen längst klar: Atomkraft ist als kurzfristige Übergangstechnologie erforderlich, um den Klimawandel zu begrenzen. Das sagte der Leiter Institutionelle und Firmenkunden beim französischen Vermögensverwalter Amundi in unserem Interview.
Die deutsche Nummer zwei und die internationale Großbank schränken die Finanzierung klimaschädlicher Kohle-Geschäfte weiter ein. Die Commerzbank setzt auch Grenzen für Öl und Erdgas und wird dafür von der Umweltorganisation Urgewald gelobt.
Auf den Finanzmärkten werden Differenzkontrakte seit Langem eingesetzt, die neue Bundesregierung will mit ihnen die klimaschädlichsten Teile der Industrie vergrünen: Der Staat soll klimafreundlichen Unternehmen das Risiko der unvorhersehbaren CO2-Preisentwicklung nehmen.
Das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz wird künftig einen Bereich für gemeinwohlorientiertes Wirtschaften erhalten. Es will also systematisch Unternehmen unterstützen, die nicht nur gewinnmaximierend agieren, sondern sozialökologische Ziele verfolgen. Dafür dürfte der designierte Staatssekretär Sven Giegold verantwortlich sein.
Dafür, dass Sustainable Finance bis zum Ende der Koalitionsverhandlungen ein umstrittenes Thema war, hat sich im Anschluss lange bei den Zuständigkeiten für nachhaltige Finanzen in Regierung und Bundestag wenig getan. Dabei hat das Thema Potenzial, Finanz- und Wirtschaftswelt nachhaltig umzukrempeln. Jetzt stehen aber einige Personalien fest.
Der Widerstand im Europäischen Rat war nicht groß genug, um zu verhindern, dass die Klima-Regeln ab Januar gelten. Sie nennen Bedingungen für Verkehr, Chemie, Metall, Strom und andere Branchen.
Greenwashing in großem Stil warf eine Studie der Branche für nachhaltige Fonds vor, die Finanzwende Recherche jüngst veröffentlicht hat. Laut den Autorinnen unterscheiden sich nachhaltige Fonds kaum von konventionellen. Nun wehren sich Branchenvertreter. Die Studie habe fachliche Schwächen und sei nicht auf der Höhe der Zeit.
Wie gehen Vermögensverwalter in den Atomländern Frankreich, Belgien und Schweiz mit der Forderung Emmanuel Macrons um, Atomkraft als nachhaltig im Sinne der EU-Taxonomie klimafreundlicher Wirtschaftsaktivitäten einzustufen? Tagesspiegel Background befragte Fondsanbieter aus diesen Ländern und stieß auf eine Mauer des Schweigens – mit einer großen Ausnahme.
Firmen sollen künftig wirtschaftlich erfolgreich arbeitend dem Gemeinwohl dienen können. Statt auf den ökonomischen Wert für Eigentümer achten zu müssen, sollen sie Gewinne in nachhaltige Geschäftsmodelle investieren können. Dafür will die neue Regierungskoalition eine Rechtsform schaffen.
Seit Monaten kämpfen EU-Mitgliedsstaaten erbittert um eine Erweiterung der Taxonomie nachhaltiger „grüner“ Geschäftstätigkeiten um Atomkraft und Gas. Jetzt hat der führende Taxonomie-Verhandler des Europaparlaments, Pascal Canfin, eine Aufnahme beider Technologien vorgeschlagen – und so EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen die Blaupause geliefert.