Die neue Gesundheitsministerin kommt ohne Fachexpertise ins Amt – kaum zwei Wochen nach Arbeitsbeginn muss sie sich auf der höchstmöglichen internationalen Bühne behaupten, der Weltgesundheitsversammlung in Genf. Die größten Baustellen warten aber zu Hause.
Land unter bei den Geriatern: Einer aktuellen Erhebung zufolge wird sich bis 2035 fast jede:r zweite Altersmediziner:in in den Ruhestand verabschiedet haben. Gleichzeitig steigt die Zahl der Patienten, die entsprechend versorgt werden müssen. Umso schlimmer, dass das Fach an den medizinischen Fakultäten nach wie vor ein Schattendasein fristet.
Deutschland gibt 10 Millionen Euro extra für die WHO – am Finanzloch durch den Ausstieg der USA ändert das wenig, nun stehen harte Strukturreformen an. In dessen Rahmen strebt Deutschland, insbesondere Berlin, als nun drittgrößter Geldgeber eine stärkere Rolle an. Bei der Weltgesundheitsversammlung wird ab heute zudem über das Pandemieabkommen beraten.
Nachdem der wissenschaftliche Beirat beim Bundesamt für Soziale Sicherung als eine seiner letzten Amtshandlungen gutachterlich bestätigt hat, dass die Manipulationsbremse im Finanzausgleich vor allem Kassen mit vielen kranken Versicherten benachteiligt, fordern Barmer, DAK, KKH, IKK Classic und der AOK-Bundesverband ein schnelles Aus für die Bremse.
Arzneimittellieferengpässe sind aus den Nachrichten weitgehend verschwunden. Das liegt allerdings nicht daran, dass das Problem gelöst ist. Im Interview erklärt Pro Generika-Geschäftsführer Bork Bretthauer, warum die Versorgungslage nach wie vor unglaublich fragil sei.
Ob KI-Anwendungen, die den Dokumentationsaufwand reduzieren, Leuchtturmprojekte mit Klinikkonzernen oder stärkere Datennutzung zur direkten Versichertenansprache: Möglichkeiten, wie die elektronischen Patientenakten künftig genutzt werden könnten, gibt es viele. Diskutiert wurden diese in der Konrad-Adenauer-Stiftung.
Angesichts desaströser Organspendezahlen fordern führende Mediziner des Deutschen Herzzentrums der Charité mehr politisches Engagement: Gesetzlich erlaubt werden müsse nicht nur die Widerspruchslösung, sondern auch die Entnahme nach Herz-Stillstand. Hoffnung gebe es indes mit Blick auf die Forschung zu Kunstherzen und Xenotransplantationen.
Die neue Gesundheitsministerin weiß, dass sie erstmal mit schlechten Botschaften beginnen muss. Die GKV hofft, dass sie schnell ein Vorschaltgesetz zur Stabilisierung der Kassenlage auf den Weg bringt – und dabei keine Zumutungen scheut. In ihrer ersten Rede als Ministerin blieb Nina Warken gestern aber im Ungefähren.
Zwar sind technische Sonderfaktoren mit dafür verantwortlich, dass die Zahlungsfähigkeit des Gesundheitsfonds bereits in diesem Monat mit Steuergeld gesichert werden muss. An der massiven finanziellen Schieflage des Fonds ändert dies jedoch nichts. Entsprechend laut sind die Forderungen aus Politik und Kassen, für Verbesserungen auf der Einnahmeseite zu sorgen.
Lang war es still um die Konnektorenfrage im Gesundheitswesen. Doch bald steht die nächste Frist an. Komponenten mit der RSA-Verschlüsselung sollen ab 2026 keine Anwendung in Gesundheitseinrichtungen mehr finden. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung fordert eine Verlängerung der Nutzungsdauer und zeigt auf, was ein Festhalten an der Frist bedeuten würde.
Wann der Referentenentwurf für ein Medizin-Registergesetz vom BMG vorgelegt wird, ist auch zu Beginn der neuen Legislatur unklar. Die zuständige Referatsleiterin erklärte nun aber, was das Gesetz können und was es gerade nicht umfassen soll. Bei den Register-Arbeiten im Kontext Europäischer Gesundheitsdatenraum ist ebenfalls noch vieles zu tun.
Notfallversorgung und Rettungsdienste müsse man zusammendenken, so der Tenor seit Jahren. Auf Regierungs- und Gesetzgeberebene gelang das zuletzt weniger gut, bei einer Konferenz des Zi zum Thema aber zeigten mehrere Beispiele, dass es auch ohne Gesetzesgrundlage (dafür aber mit viel Verhandlungsarbeit) gelingen kann.
Beim 129. Ärztetag in Leipzig wird nicht nur der Auftritt der neuen Gesundheitsministerin mit Spannung erwartet. Ungewiss ist auch, ob der Streit über die GOÄ-Novelle dort nun endlich zum Ende kommt und der mit dem PKV-Verband erarbeitete Entwurf eine Mehrheit findet. Ansonsten wollen die Delegierten vor allem über den Umgang mit KI diskutieren.
Vage Ankündigungen im Koalitionsvertrag - und nun? Zum Tag der Pflegenden drängten gestern zahlreiche Verbände auf zügiges Handeln der Regierung in Sachen Pflegereform. DRK-Präsidentin Hasselfeldt bezeichnete die Versorgungssicherheit als gefährdet, die Diakonie übergab eine Petition. Und von der neuen Ministerin gab es schon mal Good-Will-Bekundungen.
Die US-Regierung will die Preise verschreibungspflichtiger Arzneimittel auf das Niveau der in vergleichbaren Ländern günstigsten gezahlten Preise senken. Das machte Donald Trump gestern deutlich und unterzeichnete eine entsprechende Executive Order – die zunächst Aufforderungscharakter hat. Deutsche Industrievertreter warnten indes vor den Folgen.
Um die Beitragsspirale zu stoppen, plädiert der DAK-Chef Andreas Storm dafür, die Arzneimittelausgaben für die nächsten Jahre strikt an die Einnahmeentwicklung der Krankenkassen zu koppeln. Gelingen soll dies über einen floatenden Herstellerabschlag.
Fast jede:r vierte Erwachsene in Deutschland leidet unter Migräne. Bei einem Drittel von ihnen treten außerdem vorhergehende Symptome wie Licht- oder Geräuschempfindlichkeit auf. Die Nachauswertung einer Studie zeigt nun, wie ein Migränemedikament, das in den USA bereits zugelassen ist, gegen diese Symptome helfen könnte.
Die Zukunft beginnt jetzt – so lautete das diesjährige Motto der Yes!Con, der größten deutschen Krebsconvention. Damit die Erkenntnisse und Erfahrungen von gestern den Menschen heute helfen können, braucht es eine Menge nutzbarer Daten. Und Vertrauen. Die neue Bundesgesundheitsministerin könnte an verschiedenen Stellen ansetzen.
In dieser Legislatur wird viel über die Stabilisierung der GKV-Finanzen diskutiert werden. Vor allem Vertreter der Pharma-Verbände, aber auch Apotheken, haben sich auch deshalb wiederholt für eine Ausweitung der Selbstmedikation in Deutschland ausgesprochen. Was spricht dafür, was dagegen? Und muss die Regulierung angepasst werden?
Private-Equity-Gesellschaften betreiben hierzulande inzwischen mindestens 54 Praxisketten mit fast 50.000 Beschäftigen – und es werden immer mehr. Das ist einer aktuellen Analyse über die Verbreitung investorenbetriebener MVZ zu entnehmen, die heute veröffentlicht wird. Der Verfasser drängt auf ein umfassendes Transparenzregister.
In der vergangenen Legislaturperiode sind mit Blick auf die klinischen Studien wichtige Weichen gestellt worden. Entscheidend für den Erfolg des MFG dürfte auch die digitale Infrastruktur sein. Auf dem Gesundheitsgipfel auf der YES!CON wird darüber diskutiert, wie Deutschland wieder zu einem führenden Standort für medizinische Forschung gemacht werden kann.
Nach Ansicht von Expert:innen erhalten gut 30 Prozent der sterbenden Menschen im letzten Lebensjahr Palliativ- und Hospizversorgung, aber rund 80 Prozent bräuchten diese. Dieser Unterversorgung soll nicht selten eine Überversorgung mit kurativen Behandlungsmaßnahmen am Lebensende gegenüberstehen, die medizinisch(-ethisch) nicht immer zu rechtfertigen ist.
Seit den Ankündigungen von Donald Trump, künftig auch Zölle auf Arzneimittel erheben zu wollen, ist die Pharmaindustrie in Alarmbereitschaft. Aus Brüssel ist jetzt jedoch zu hören, dass die Zeichen hier auf Deeskalation stehen. Dahinter steckt wohl die Einsicht, extrem abhängig von Medikamenten-Exporten zu sein.
Die neue Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) stellt ihr Bekenntnis zur Dialogbereitschaft in den Mittelpunkt ihrer Rede zur Amtseinführung. Um die „gesundheitspolitischen Herausforderungen“ zu bewältigen, werde sie „in den Austausch auf Augenhöhe“ gehen. Die „Umsetzung des Koalitionsvertrags“ werde den „Schwerpunkt“ ihrer Arbeit bilden.
Bedarfsplanungsreformen, bessere Übergänge im Arbeitsmarkt und die Finanzierung der Weiterbildung in der Psychotherapie – der Koalitionsvertrag deckt die großen Brände in der psychiatrisch-psychotherapeutischen Versorgung ab. Auffällig ist aber die starke Verknüpfung von psychischen Erkrankungen und innerer Sicherheit.
Schon die Ampelregierung wollte die Gematik zu einer Digitalagentur Gesundheit umbauen. Das Vorhaben ist allerdings am Koalitionsbruch gescheitert. Die schwarz-rote Koalition will den Plan nun erneut angehen. Aber mit welchem Fokus?
Ob soziale Medien psychische Probleme verursachen oder ob psychisch erkrankte Jugendliche dort Zuflucht suchen und negativer filtern als gesunde – diese Diskussion ist nur die neueste Erscheinungsform von älteren Debatten wie die um Gaming oder Fernsehkonsum. Eine neue Studie versucht sich an einer Antwort und Expert:innen bewerten die Ergebnisse.
Die SPD stellt ihre Ministerinnen und Minister für das Kabinett Merz vor – viele von ihnen werden auch im Gesundheitsbereich eine Rolle spielen. Nicht zuletzt die künftige Arbeitsministerin Bas, die mit Finanzminister Klingbeil, dem BMG und den Fraktionen erneut über Steuerzuschüsse zum Gesundheitsfonds verhandeln könnte.
Innerärztliche Konflikte waren es, an denen eine Novellierung der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) vor bald zehn Jahren scheiterte. Droht ein solches Szenario erneut? Nachdem sich 21 Fachgesellschaften und Berufsverbände gegen die neue GOÄ-Entwurfsfassung ausgesprochen haben, will die Bundesärztekammer die Wogen glätten.
Die geringen Impfquoten in Deutschland bereiten Experten Sorgen. Um sie zu steigern, gebe es zwar schon einen guten Austausch. Was allerdings tatsächlich fehle, sei jemand, der sich wirklich mit dem Thema Koordination von Impfung und dem Voranbringen von Initiativen beschäftige, so der Geschäftsführer von Moderna Deutschland, Andreas Pollner.
Im Koalitionsvertrag haben sich Union und SPD nur wenig Konkretes für die Digitalisierung im Pflegesektor vorgenommen. Währenddessen sind sich Akteure aus dem Bereich sicher, dass die Pflege von digitalen Prozessen profitieren könnte und formulieren, was es dafür bräuchte.
Als klares Bekenntnis zur Stärkung von Innovation und Forschung im Bereich der Medizinwissenschaft bezeichnen Helmholtz, DKFZ und DZNE den Koalitionsvertrag von Union und SPD. Zugleich mahnen sie einen Abbau von Bürokratie, vereinfachte regulatorische Rahmenbedingungen, verlässliche Förderung und transparente Regelungen zur gemeinsamen Datennutzung an.
Der Reformprozess für eine überarbeitete Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) geht in eine neue Runde: 21 Berufsverbände und Fachgesellschaften kritisieren in einer Stellungnahme sowohl den Prozess um den finalen Entwurf als auch dessen Inhalt. Die Kritik wird vier Wochen vor dem 129. Deutschen Ärztetag laut, bei dem über die Novelle abgestimmt werden soll.
Kurz nach dem Launch der ePA deckt der Chaos Computer Club eine neue Sicherheitslücke auf. Die Gematik reagiert prompt und schließt den Einfallsweg, nämlich die elektronische Ersatzbescheinigung. Ob es sich bei der Lücke um eine peinliche Panne oder ein erwartbares Problem zu Beginn eines großen IT-Projekts handelt, daran scheiden sich die Geister.
Die Krankenhäuser in Deutschland müssen immer mehr hochbetagte Menschen versorgen – und sind darauf nicht genügend vorbereitet. Das ist dem aktuellen Krankenhausreport der AOK zu entnehmen, der am Mittwoch veröffentlicht wurde. Gleichzeitig könnten durch bessere ambulante Betreuung pro Jahr rund 1,4 Millionen Klinikaufenthalte vermieden werden.
Bessere Patientensteuerung durch ein Primärarztmodell: Für die im Koalitionsvertrag angekündigte Reform hat die Bundesärztekammer bereits ein Umsetzungskonzept. Es enthält Ideen, Versprechen und Forderungen, etwa nach Entbudgetierung beteiligter Fachärzte und einem Runden Tisch für alle Akteure. Derweil gehen Unfallmediziner auf Distanz.
Alljährlich stellt sich im Gesundheitswesen die Frage: Was tun gegen die teilweise viel zu niedrigen Impfquoten in Deutschland? Verschiedene Akteure haben nun wieder eine Menge Vorschläge vorgetragen – und im BMG scheint man manchem gegenüber gar nicht so abgeneigt zu sein. Auch ein Gesetzesvorhaben aus der vergangenen Legislatur könnte recycelt werden.
Leonie Sundmacher, Mitglied im Sachverständigenrat Gesundheit, sieht einen großen Reformstau in Deutschland. Im Interview unterstützt sie Pläne für ein Primärarztsystem und fordert eine regelmäßige Neubewertung der Wirksamkeit von Gesetzen.
Nach zwei Fachpolitikern an der Spitze führt nun eine Frau das BMG, die sich vor allem aufs Managen fokussieren dürfte – ähnlich wie ihr Vorvorgänger. Der neue Staatssekretär Kippels verspricht eine sachorientierte Arbeit für die nächsten Jahre.
Vor lauter Baustellen im deutschen Gesundheitssystem kann schnell in Vergessen geraten, was eine Vergleichsstudie des Wissenschaftlichen Instituts der PKV zeigt: Deutschland hat einen sehr guten Zugang zum Gesundheitssystem. Allerdings sind die Ergebnisse mau. Kann das Gesundheitsverhalten der Patient:innen dafür eine Erklärung liefern?
Warum langfristige Investitionen in die Gesundheit im Morbi-RSA abgebildet werden sollten und wie dies gelingen kann, dazu hat ZEW-Gesundheitsökonom und FAU-Professor Simon Reif klare Vorstellungen. Im Interview spricht er auch darüber, wie ein Primärarztsystem erfolgreich eingeführt werden könnte und wieso Krankenkassen mehr Handlungsspielraum brauchen.
Klaus Kleinertz war ein angesehener Kardiologe, er engagierte sich unter anderem im Bundesverband Medizinischer Versorgungszentren. Im März 2024 kam er gewaltsam zu Tode. Die Angeklagten stehen seit Oktober vor Gericht, am heutigen Montag wird in Chemnitz das Urteil gesprochen – von Freispruch bis lebenslange Haft scheint alles möglich.
Pay-for-Performance-Erstattungsmodelle sollen die Finanzierungsrisiken für die Krankenkassen senken und dafür sorgen, dass nur die neuartigen Arzneimittel bezahlt werden, die auch die Wirkung entfalten, die sie versprechen. Doch der Risikopool im Finanzausgleich ist dafür nicht ausgelegt.
Ist die ambulante spezialfachärztliche Versorgung (ASV) nach einigen Jahren mit Anlaufschwierigkeiten endgültig in der Versorgung angekommen, um zu bleiben? Und wie passt die ASV in das sich verändernde Gesundheitssystem mit stärkerem Fokus auf Ambulantisierung, sektorenübergreifender Versorgung und Krankenhausreform?
Nach der erneuten Korrektur der Wachstumsprognose für das laufende Jahr nach unten durch die amtierende Bundesregierung wächst die Wahrscheinlichkeit, dass der Gesundheitsfonds in diesem Jahr ohne Darlehen des Bundes nicht auskommen wird. 2026 drohen wegen der konjunkturbedingten Einnahmeschwäche zusätzliche Beitragserhöhungen.
Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen fordert konsequentere Maßnahmen gegen den Konsum sogenannter legaler Drogen. Insbesondere Alkoholprodukte müssten höher besteuert werden, heißt es in ihrem Jahresbericht. Sie seien hierzulande so günstig wie nirgendwo sonst in Europa – bei immer höheren Kosten für Folgeerkrankungen. Doch die Union wehrt sich.
SPD und Grüne haben zu Ende verhandelt und gestern ihren Koalitionsvertrag über die Zusammenarbeit in der 23. Legislaturperiode der Hamburgischen Bürgerschaft vorgelegt. Neun der 148 Seiten widmen sich den Themen Gesundheit und Pflege.
„Zunächst“ keine Wiedereinführung der Wehrpflicht – darauf hat sich Schwarz-Rot im Koalitionsvertrag verständigt. Kommt es später anders, würde auch der Zivildienst wieder eingeführt. Ein probates Mittel gegen den Fachkräftemangel in der Pflege? Die Wohlfahrtsverbände widersprechen entschieden: Es brauche Freiwillige, keinen Zwangsdienst.
Das größte Problem im Gesundheitswesen wird nicht die immer schwieriger werdende Finanzierung, sondern der Fachkräftemangel sein. Das gilt insbesondere für die Pflege. Um dem Pflegekräftemangel zu begegnen, hatte die letzte Bundesregierung einen gesetzgeberischen Dreiklang geplant. Was wird daraus?
Jeder vierte Patient hat keinen Kontakt zum Hausarzt, wenn er in die Praxis kommt. Das zeigt eine aktuelle Versichertenbefragung des GKV-Spitzenverbands. Eine stärkere Einbindung des nicht-ärztlichen Praxispersonals scheint daher sinnvoll, wie sie derzeit schon in verschiedenen Modellen erprobt wird.
Im vergangenen Frühjahr drangen schrille Misstöne aus der AOK Bayern nach außen. Es kursierte ein anonymes Schreiben, in dem es hieß: „Die Zustände erinnern an eine Diktatur.“ Mittlerweile habe sich nicht alles, aber vieles gebessert, stellen Gewerkschaftsvertreter fest. Und der Vorstand versichert, er setze auf intensiven Dialog.
Das weitverbreitete Schmerzmittel Ibuprofen könnte das Alzheimer-Risiko reduzieren. Zu diesem Befund kam jetzt eine deutsche Forschungsgruppe. Allerdings zeigten sich nicht nur positive Effekte: Der Studie zufolge kann die Substanz auch Prozesse befördern, die mit Alzheimer in Verbindung stehen. Therapeutische Perspektiven bieten die Erkenntnisse dennoch.
Überfällige Aufwertung einer wirksamen Heilmethode oder Hofierung von Pseudomedizin? Im Koalitionsvertrag haben Union und SPD versprochen, die Osteopathie berufsgesetzlich zu regeln. Will heißen: Die umstrittene Behandlungsform soll zum eigenständigen Beruf mit klar vorgegebener Ausbildung avancieren. Für dieses Vorhaben gibt es Lob – und heftige Kritik.
Nach der Pandemie ist vor der Pandemie: WHO-Mitglieder trainieren regelmäßig, wie die Zusammenarbeit zwischen Ländern, aber auch internationalen und regionalen Gesundheitsorganisationen intensiviert werden könnte. Die USA und China fehlten dabei zuletzt. Wie die WHO damit umgeht, erläutert Christophe Schmachtel, Leiter einer der WHO-Simulationsübungen.
Das Bundesgesundheitsministerium hat sich kurz vor dem schrittweise stattfindenden Rollout der elektronischen Patientenakte mit den Kinder- und Jugendärzten auf eine Richtlinie zum Schutz des Kindeswohls geeinigt. Außerdem hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung eine Richtlinie zur anfänglichen Sanktionsaussetzung mit dem Ministerium abgestimmt.
In einem Brief macht BMG-Leitungsstabschef Boris Velter deutlich, wie groß die Differenzen mit der Union weiterhin sind: An eine gemeinsame Linie bei der GKV-Finanzreform scheint er kaum zu glauben. Währenddessen warnen die Grünen vor einer Verschleppung der Aufklärung von Spahns Maskenbeschaffung in einem CDU-Ministerium.
Union und SPD wollen die Rahmenbedingungen für telemedizinische Angebote verbessern. Zuletzt hat die Kassenärztliche Bundesvereinigung mit den Kassen Regelungen getroffen, um Videosprechstunden in die breitere Anwendung zu bringen. Online-Arzt-Plattformen kritisieren die Beschlüsse. Doch wie stark werden Online-Sprechstunden überhaupt genutzt?
In zwei Wochen soll die elektronische Patientenakte für alle Praxen verfügbar sein und somit der schrittweise Rollout starten. Ab Anfang Oktober soll die Nutzung verpflichtend sein, ab 2026 sanktionsbewehrt. Nötige Sicherheitsmaßnahmen für die flächendeckende Nutzung sind einem BMG-Schreiben zufolge umgesetzt.
Arbeitet die Selbstverwaltung zu langsam? Wenn die gesetzlich vorgegebene Beratungsdauer von ohnehin langen zwei oder drei Jahren überschritten wird, kann das schnell so wirken. In seinem neuesten Fristenbericht erklärt der Gemeinsame Bundesausschuss im Detail, warum es in einigen wenigen Verfahren Verzögerungen gibt.
Die GKV-Stabilisierung wird im Koalitionsvertrag als Ziel genannt, die Umsetzung bleibt aber offen. Die designierte Koalition preist weitere Beitragserhöhungen offenbar bereits ein, während neuer Streit über einen höheren Steuerausgleich programmiert ist. Ein Schließen des Defizits durch ein Beschäftigungsplus ist nach Kalkulation der TK unrealistisch.
Union und SPD haben sich auf ein verpflichtendes Primärarztsystem verständigt. Über die genaue Ausgestaltung wird schon jetzt intensiv diskutiert. Während Haus- und Fachärzte um Kompetenzen rangeln, plädiert die AOK-Gemeinschaft für eine umfassende Reform der ambulanten Versorgung und sieht Chancen für das Transformationsprojekt.
Im Streit um die Erstattung innovativer Gentherapien haben sich der GKV-Spitzenverband und das Pharmaunternehmen CSL Behring für das Präparat Hemgenix zur Behandlung der Hämophilie B auf ein Pay-for-Performance-Modell geeinigt. Einmalig zwei Millionen Euro erhält der Hersteller, allerdings nur, solange die Therapie wirkt. Ist das Modell übertragbar?
Eine der größten Lehren der Covid-Pandemie ist nach Ansicht vieler Public Health-Expert:innen, dass internationale Zusammenarbeit und ein globaler Austausch von Daten und Erkenntnissen zur Krisenvorsorge und -prävention unabdingbar sind. Gefährden Entwicklungen in den Vereinigten Staaten nun diesen Informationsfluss?
Der große Wurf ist es nicht. Unter diesem Tenor lassen sich die Reaktionen der meisten Gesundheits- und Pflegeakteure auf den gestern präsentierten Koalitionsvertrag zusammenfassen. Er enthalte zwar viele sinnvolle Ansätze, lasse aber konkrete Ideen zur Umsetzung vermissen. Was den Kritikern vor allem fehlt: ein Konzept zur schnellen Beitragsstabilisierung.
Weil sich die USA zunehmend aus der globalen Gesundheit zurückziehen, muss Europa Verantwortung übernehmen, meint eine WHO-Vertreterin. Und ist mit der Position, dass Europa und insbesondere Deutschland davon profitieren können, nicht alleine. Dafür bräuchte es aber wiederum einen attraktiven Forschungs- und Wirtschaftsstandort. Vorschläge gibt es viele.
Der Bundesverband der Betreiber medizinischer Versorgungszentren ist angesichts des von Union und SPD geplantem Regulierungsgesetzes für investorengeführte MVZ in Alarmbereitschaft. Ein aktualisiertes Rechtsgutachten soll die Politik davon überzeugen, dass Verbote gegen Verfassungs- und Europarecht verstoßen.