Nach Jahren öffentlichen Klagens von Bankrepräsentanten bemühen sich jetzt Finanzaufsichten um Entlastung: Die Europäische Zentralbank vereinfacht die Kreditrisikomodellierung bei den von ihr beaufsichtigten Großinstituten. Die Bundesbank und die Bafin wiederum kündigen für ihren jährlichen Stresstest eine einfachere Methodik an.
Es soll der große Wurf sein: Mit EU Inc. will Brüssel eine neue einheitliche Unternehmensform einführen, die vor allem Start-ups und Scale-ups zügig die europaweite Expansion ermöglichen soll. Experten allerdings zweifeln an der Praxistauglichkeit.
Wenn das Finanzsystem der Welt eine Stadt wäre, dann ist der Finanzstabilitätsrat (FSB) so etwas wie die Feuerwehr, die zur Brandbekämpfung ausrückt. Zudem ist er eine Havariezentrale, die mit transnationalen Vorgaben dafür sorgt, dass es möglichst erst gar nicht zum Ausbruch eines Feuers kommt – und im Zweifel genug Wasser da ist, um Brände zu löschen.
Nach der Meinung vieler Anlageberater führen die regulatorischen Anforderungen dazu, dass die Nachfrage nach nachhaltigen Anlageprodukten sinkt. Das Forum Nachhaltige Geldanlagen und der Bundesverband Finanzdienstleistung fordern daher erneut, die Nachhaltigkeitspräferenzabfrage gemäß Mifid II anzupassen. Damit könnten sie nun durchdringen.
Die EU-Kommission will die Berichtspflichten zu umweltschonenden Wirtschaftstätigkeiten abwandeln: Manche zusätzlichen Produkte und Dienstleistungen sollen künftig als taxonomiekonform gelten, andere sollen aus der Liste gestrichen werden.
Fondsgesellschaften, Pensionsfonds oder Vermögensverwalter könnten die erheblichen Naturrisiken ihrer Kapitalanlagen senken. Neue Publikationen und Initiativen weisen ihnen den Weg, um durch Investitionen in Ökosysteme finanzielle Chancen zu nutzen und zur milliardenschweren Naturwende beizutragen. Teil XX der Serie Transformation und Biodiversität.
Trotz mehr als 80 Maßnahmen im Clean Industrial Deal kommt Europas Industrie bei der Dekarbonisierung kaum voran. Eine neue Studie warnt: Entlastungsmaßnahmen könnten die Finanzierung des Umbaus untergraben und Investitionen ins Ausland treiben.
„Milliardengrab“, „viel zu spät“, „da lachen sich Visa und Mastercard kaputt“ – Deutschlands digitale Zahlungsdienstleister halten nicht viel vom digitalen Euro und wie er umgesetzt werden soll. Auf einer Konferenz der Payment-Szene übte man sich in freundlicher Einigkeit – Notenbanker und Finanzpolitiker zum Streiten waren nicht vor Ort.
Die EU-Kapitalmarktaufsicht will es Kleinanlegerinnen und Kleinanlegern erleichtern, an der Börse zu investieren. Ob und wie sie Nachhaltigkeit berücksichtigen müssen, soll auf einfachere Weise abgefragt werden und insbesondere Smartphone-Nutzern sollen Informationen in mehreren Stufen bereitgestellt werden.
Wer allgemein damit wirbt, dass sein Produkt nachhaltig oder umweltfreundlich ist, der muss das zukünftig belegen. Das gilt nach der Auffassung vieler auch für Fondsanbieter und Versicherer. Nachhaltigkeitssiegel oder Awards könnten helfen, doch es bleibt ein gewisses Risiko. Zudem zeigt sich: Viele sind auf die neuen Vorgaben offenbar kaum vorbereitet.
Rund die Hälfte der Unternehmenskredite deutscher Banken ist stark von mindestens einer Ökosystemleistung abhängig, wie eine Studie der Deutschen Bundesbank ergibt, die im April erscheinen soll. Bundesbank-Vorstand Michael Theurer ruft zu Risikomanagement, Strategien und aufsichtlichen Richtlinien auf. Teil XIX der „Serie Transformation und Biodiversität“.
Mit einem gemeinsamen Schreiben fordern die Finanzminister Deutschlands, Frankreichs, Italien, der Niederlande, Polens und Spaniens von der EU-Kommission mehr Tempo bei der Reform des europäischen Kapitalmarkts. So solle die EU-Aufsichtsbehörde Esma „gezielt gestärkt“ und der rechtliche Rahmen für digitale Finanzinfrastrukturen schnell bereitgestellt werden.
Alle Einnahmen aus dem Emissionshandel sollen in die industrielle Dekarbonisierung gehen – so will es zumindest EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen. Ein Vergleich zeigt: Die deutschen ETS-1-Erlöse entsprechen bereits einem Großteil der Finanzbedarfe für den Umbau der deutschen Industrie.
Banken können sich nun um eine Teilnahme am Pilotprojekt der EZB zum digitalen Euro bewerben, um dessen Alltagstauglichkeit zu testen. Und sie können sich demnächst erstmals über die EZB-Infrastruktur Geld in tokensisierter Form überweisen.
Falls die Bundesregierung ihr Zukunftsgesetz zum raschen, doch umweltrechtlich fragwürdigen Infrastrukturausbau durchsetzt, geraten Banken in Interessenskonflikte: Ökologische und finanzielle Risiken von Krediten könnten steigen statt, wie von Aufsichten gefordert, sinken. Großbanken sehen ihr Risikomanagement gewappnet – notfalls finanzieren sie nicht.
Angesichts rasanter Zerstörungen von Ökosystemen engagieren sich kapitalkräftige Investoren in der Initiative Finance for Biodiversity (FfB). Sie stellen Forderungen an Unternehmen und Staatslenker, um den Naturverlust zu stoppen und künftig die ökologische Vielfalt stärken. FfB hat 2026 Einiges vor. Teil XVII der Serie Transformation und Biodiversität.
Mehrere nachhaltige Fondsanbieter machen Druck auf Swiss Re: Der Rückversicherungsmulti habe in den vergangenen Jahren in Brasilien mehrere landwirtschaftliche Betriebe versichert, die im Verdacht stehen, Landraub von indigenen Völkern sowie Abholzungen betrieben zu haben. Die Reaktion des Konzerns auf die Vorwürfe ist kurz und wenig erhellend.
Ein Jahr Donald Trump bedeutet auch ein Jahr Abkehr von Nachhaltigkeit in der US-Regierung. Wer in amerikanische Staatsanleihen investiert, dürfte sich deshalb fragen, ob sie sich als nachhaltige Anlage überhaupt noch eignen. In der Finanzbranche gibt es dazu verschiedene Ansätze.
Die EU-Kommission will es für Venture-Capital- und Private-Equity-Fonds leichter machen, die Firmenbeteiligungen in ihrem Portfolio zu verkaufen. Dafür erwägt sie die Gründung einer Handelsplattform – und macht sich bereits Gedanken über die entsprechenden Regeln. Start-ups könnten die Plattform auch nutzen, um an frisches Kapital zu kommen.
Seit Ende 2024 gelten die Leitlinien der europäischen Finanzmarktaufsicht für Nachhaltigkeitsbegriffe in Fondsnamen. Eine Analyse von Nichtregierungsorganisationen zeigt nun unter anderem auf, wie viele Fonds daraufhin Anteile an fossilen Unternehmen verkauft haben – und wie viele sich lieber einfach unbenannt haben, um der Regulierung zu entgehen.
Unternehmer aus dem Mittelstand sollen nach Willen der Bundesregierung eine unkomplizierte Möglichkeit erhalten, ihre Betriebe vor allzu gierigen Erben und unwillkommenen Übernahmen zu schützen. Doch schon die vom Justizministerium erarbeiteten Eckpunkte für die neue Gesellschaft mit gebundenem Vermögen sorgen für Streit um Steuern und Fremdkapitalregeln.
Wird man mit dem digitalen Euro nur in Läden bezahlen können oder auch im Internet? Ein Kompromissentwurf fürs Europaparlament macht für den Online-Einsatz zur Bedingung, dass es keine privatwirtschaftliche Alternative gibt. Er stützt sich auf Vorschläge von Christdemokraten und aus der rechten Fraktion EKR.
„Kreislaufwirtschaft ist die Zukunftschance für Europa als rohstoffarmen und global unbedeutender werdenden Kontinent“, sagt Carsten Gerhardt, Vorsitzender der Stiftung Circular Valley, im Gespräch mit Tagesspiegel Background. Da aber die Finanzierung nicht gesichert ist, bringt er die Branche mit Kapitalgebern zusammen. Teil I der Serie Kreislaufwirtschaft.
Ein Umweltschutz-orientierter Verhandlungsleiter und ein gemäßigter Repräsentant der Christdemokraten: Die für die Überarbeitung der Verordnung zu Nachhaltigkeits-Offenlegungen im Finanzsektor zuständigen Europaparlamentarier lassen auf einen Kompromiss in der Parlamentsmitte hoffen.
Eine Konferenz in Frankfurt zeigt: Um Europas Finanzsektor stärker und unabhängiger in der Welt aufzustellen, wird schnell alles auf einmal benötigt – das Niederreißen von Hindernissen im EU-Kapitalmarkt, Rentenreformen, europäische Zahlungsdienstleister mit Marktmacht, eine rapide Steigerung der Digitalisierung sowie des KI-Einsatzes im Finanzsektor.
Mit 97 Fragen will die EU-Kommission von Stakeholdern erfahren, wie Banken wettbewerbsfähiger werden und der Wirtschaft besser dienen können. An manchen Stellen lässt sich ablesen, in welche Richtung Brüssel die Antworten lenken möchte.
Deutschland hat viele Regulierungen der EU zuletzt nur schleppend umgesetzt. Noch schwerer wiegt der Eindruck, dass Deutschland seinen Einfluss in Brüssel eher bremsend als gestaltend nutzt – etwa bei der Abschwächung des Green Deals. Dahinter stecke indes keine finstere Agenda, sondern hausgemachte Probleme in Politik und Verwaltung, sagen Experten.
Der Weltbiodiversitätsrat fordert einen systemischen Wandel von Wirtschaft und Finanzwesen. Entscheidend seien angepasste Regulierungen, Investitionsanreize für naturverträgliches Handeln, Kooperation und koordinierte Maßnahmen. Sonst drohe die Wirtschaft zu kollabieren. Teil XV unserer Serie Transformation und Biodiversität.
Inkompetente Chefs und unerkannte IT-Abhängigkeiten: In einem Ausblick auf ihre Prüfabsichten watschen Bundesbank und Bafin Banken ab. Die Finanzaufsicht will zudem ihre Mindestanforderungen an das Risikomanagement um ein Drittel verkleinern und erklärt, warum diese trotzdem künftig für Banken herausfordernd sein werden.
Im Jahreswirtschaftsbericht 2026 fehlen zentrale Wohlstandsindikatoren. Dafür erntet die Bundesregierung Kritik, auch von Forschungsinstituten. Sie haben Empfehlungen für eine erweiterte volkswirtschaftliche Berichterstattung erarbeitet – und setzen auf Erkenntnisse und Allianzen in und mit der Finanzbranche, um die Wirtschaftspolitik voranzubringen.
Der neue Fonds bei der Europäischen Investitionsbank ist ein erster Schritt für sozialen Klimaschutz, wie eine Gruppe von EU-Abgeordneten argumentiert. Die Abgeordneten werben für Maßnahmen wie Sozial-Leasing und Sanierungszuschüsse. Die Einnahmen bauen auf dem ETS 2 – doch seine Einführung gilt noch immer als politische Zitterpartie.
Seit Monaten zieht sich die Wahl von Kerstin Lopatta als neue Vorsitzende des wichtigen Sustainable Finance Reporting Board der Efrag hin. Dabei wurde sie sowohl vom EU-Parlament als auch der EU-Kommission empfohlen. Kritiker werfen ihr Interessenskonflikte und Intransparenz vor. Die andere Seite wiederum glaubt, man versuche, Lopatta hinauszudrängen.
Während weltweit dreißigmal so viel in Naturzerstörung investiert wird wie in den Naturerhalt, arbeiten Forscher an Auswegen, damit Finanzhäuser diesen Raubbau beenden. Jetzt existieren messbare Kennzahlen zu Naturkapital für Kreditvergabe, Anleihengeschäft und Transformationsberatung. Teil XIV der Serie Transformation und Biodiversität.
Viele Zentralbanken, große Vermögensverwalter und internationale Banken sind Teil des Netzwerks des Official Monetary and Financial Institutions Forum (Omfif). In den vergangenen Jahren haben insbesondere die Themen Nachhaltigkeit, geopolitische Risiken und digitale Währungen an Bedeutung gewonnen.
Anja Mikus wird Ende des Jahres die langjährige Führung des ersten deutschen Staatsfonds abgeben. Doch bis dahin will sie den Kenfo, der die Entsorgungskosten für Atommüll trägt, zum zentralen Asset-Manager des Bundes ausbauen.
Geht es auf den Märkten so weiter wie bisher, dann muss es laut dem Chef der deutschen Finanzaufsicht Bafin, Mark Branson, bald knallen. Die Bafin will daher für 2026 eine Reihe von Risiken für die Finanzstabilität in den Blick nehmen. Zudem schaut sie auf die großen Trends: Digitalisierung, Nachhaltigkeit – und die Entwicklungen in den USA.
Nicht nur die Goldbarren der Bundesbank liegen teilweise in den Händen der USA, sondern auch die in Europa genutzten Kartenzahlungssysteme. Und US-Digitaldienstleister werden von europäischen Finanzinstituten gerne genutzt. Ein Blick auf die seidenen Fäden, an denen manche Banken hängen – und die Alternativen.
Die Europäische Zentralbank bleibt dabei: Sie wird weiter naturbezogene Risiken beachten und Banken hierzu beaufsichtigen. Ökonomen und Biologen der EZB betonen gegenüber Tagesspiegel Background die große wirtschaftliche Rolle von Biodiversität. Teil XIII der Serie Transformation und Biodiversität.
Die EU-Kommission legt Ideen für Reformen an den Vorschriften für Venture-Capital-Fonds vor, um ihnen zu mehr Geld zu verhelfen. Eine von Deutschland und Frankreich eingesetzte Arbeitsgruppe sieht den größten Handlungsbedarf aber woanders. Klingbeil und der Pariser Finanzminister bemühen sich, deren Hauptempfehlung zu ignorieren.
Mit Unterstützung einer breiten Koalition von Rechtspopulisten bis Mitte-Links-Grün hat das EU-Parlament für die Einführung einer neuen EU-weit einheitlichen Unternehmensrechtsform gestimmt. Auch die Europäische Kommission ist an Bord. Jetzt hängt es an den Details, ob damit Europa weiter zu einem einzigen Wirtschafts- und Finanzraum zusammenwachsen kann.
Entwaldung ist ein systemisches Risiko. Darum startet die globale Investoreninitiative IIGCC in diesen Wochen die Plattform Deforestation Investor Group. Doch anders als bei deren Vorgängerorganisation existieren trotz zunehmender Waldzerstörung keine Selbstverpflichtungen zu Entwaldungsrisiken.
Es sind Notenbanker dabei, Experten für nachhaltige Finanzen, Banker, Versicherer, Politiker: Die Redaktion von Tagesspiegel Background Finanzen & Sustainability stellt 26 Personen vor, die 2026 wichtig werden für die internationale Finanzbranche.
Die Mercator-Stiftung und die Finanzexpertin Silke Stremlau, einst Vorsitzende des Sustainable-Finance-Beirats der Bundesregierung, wollen mit der unabhängigen „Denk- und Aktivfabrik“ Finance for Transition (F4T) neue Finanzierungslösungen für eine klimaresiliente, wettbewerbs- und zukunftsfähige Real- und Finanzwirtschaft entwickeln.
Die Bundesregierung hat den Abbau von Subventionen in Aussicht gestellt, zuletzt hat sie aber klimaschädliche Subventionen erhöht. Eine neue Studie beleuchtet den Ansatz des „Umwidmens“ von Steuervergünstigungen für mehr Akzeptanz bei dem Thema. Das könnte Geld und CO2-Emissionen sparen.
Die von den UN initiierte Investoreninitiative Prinzipien für verantwortungsvolles Investieren zählt die Politisierung von Nachhaltigkeit und die globale politische Instabilität zu den wesentlichen Risiken, denen sie und ihre Unterzeichner ausgesetzt sind. In ihrem Jahresbericht beschreibt sie auch andere Risiken für weniger Investorenengagement.
Manche Konservative wollen nur begrenzte Einsatzmöglichkeiten des digitalen Euros, falls eine privatwirtschaftliche Alternative existiert, andere EVP-Abgeordnete sind gegen diese Einschränkung. Ein Vorschlag der EU-Staaten steht derweil in Kontrast zu Datenschutz-Beteuerungen.
Die staatseigene Förderbank KfW sieht sich als weltweit mitführend bei Biodiversitätsfinanzierungen. Dieser Bereich solle ausgebaut werden, erklärte Jürgen Kern, Nachhaltigkeitschef (CSO) der KfW-Bankengruppe, im Interview von Tagesspiegel Background – und hofft auf mehr Kooperation mit privaten Investoren, auch um Naturfinanzierungsstandards zu entwickeln.
Der Europäische Rat der EU-Mitgliedsländer hat sich kurz vor dem Jahresende auf die Einführung des digitalen Euros festgelegt. Die Debatte um Sinn oder Unsinn des Euro-Datengeldes und die Ausgestaltung sowie Fähigkeiten der Infrastruktur dafür geht damit aber erst richtig los. Die deutschen Banken fürchten auch ums eigene Girokontogeschäft.
Die Regierungen Deutschlands und Kanadas beobachten genau, wie die US-Regierung mit den Stimmrechtsberatern ISS und Glass Lewis umgeht, die deutsche beziehungsweise kanadische Eigentümer haben. US-Präsident Trump hatte mit Verweis auf ausländische Eigentümer per Dekret Regierungsbehörden angewiesen, angebliche Kartellrechtsverstöße der Firmen zu untersuchen.
Das Regulierungsrad dreht sich kontinuierlich, wenn auch in Sachen Nachhaltigkeit zuletzt rückwärts. Nur was wird im kommenden Jahr passieren? Ein Blick auf die wichtigsten Regulierungen für den Finanzsektor.
Die Verringerung der Nachhaltigkeits- und Lieferkettenpflichten schafft es dank einer rechtsgerichteten Mehrheit durchs Europaparlament. Welche Angaben Unternehmen von kleineren Geschäftspartnern verlangen dürfen, wird eingeschränkt bei denjenigen, die sie für die eigene Nachhaltigkeitsberichterstattung erfragen.
Die für die Ausarbeitung der Nachhaltigkeitsberichtstandards zuständige Beratergruppe Efrag hat vergangene Woche neue Entwürfe vorgelegt. Der Umfang der Anforderungen an die Unternehmen würde damit zwar geringer, doch reicht das aus?
Mit einem riesigen Maßnahmenpaket möchte die EU-Kommission den europäischen Kapitalmarkt vorantreiben. Barrieren, die den freien Fluss von Kapital behindern, sollen abgeschafft, die Digitalisierung vorangebracht und die EU-Kapitalmarktaufsicht gestärkt werden. Ein Erfolg hängt jedoch davon ab, ob die EU-Staaten bereit sind, nationale Behörden zurechtstutzen.
Fast das ganze Jahr wurde um die Verringerung der Nachhaltigkeitsberichts- und Sorgfaltspflichten von Unternehmen gestritten und dabei einiges politisches Porzellan zerschlagen. Nun haben Vertreter des Europaparlaments und der EU-Staaten einen Kompromiss gefunden. Eine wichtige Klimaschutzpflicht soll wegfallen.
Vermehrt befassen sich EU-Finanzaufsichten mit den Folgen des dramatischen Verlusts an biologischer Vielfalt für Wirtschaft, Kapitalmärkte und Finanzsystemstabilität. Banken sollen ihre naturbezogenen Risiken erkennen und managen, auf Versicherer und Vermögensverwalter kommt das wohl zu. Ein Überblick – Teil XI unserer Serie Transformation und Biodiversität.
Die Bundesländer wollen nach Überschwemmungen keine Milliardenhilfen mehr zahlen. Die Versicherer wollen nicht für politischen Leichtsinn aufkommen, der Bauen in Flutgebieten erlaubt. Nun hat die Branche einen konkreten Vorschlag gemacht, wie sie sich eine Versicherung vorstellen kann.
Auf einer ESG-Konferenz des Bundesverbands Alternative Investments arbeitete die Branche sich an den Vorschlägen der EU-Kommission zu einer überarbeiteten Offenlegungsverordnung ab. So mancher ist ganz zufrieden mit den neuen Ansätzen. Doch die könnten auch ein paar Schönheitsfehler haben.
Die Stiftung Verantwortungseigentum setzt sich für eine neue Rechtsform ein, die „Gesellschaft mit gebundenem Vermögen“. Dieser Reformwunsch hat es sogar in den Koalitionsvertrag der schwarz-roten Bundesregierung geschafft. Doch es gibt steuerpolitische Bedenken einiger Lobbyverbände.
Kernwaffen, Munition mit abgereichertem Uran, Brandwaffen, Blendlaser, autonome Waffen: In Firmen, die mit all diesem Geschäfte machen, dürfen nachhaltige Fonds in der EU künftig investieren. Ein Blockadeversuch der linksgerichteten Fraktionen im Europaparlament ist gescheitert.
Untergrabenes Vertrauen in den US-Dollar, amerikanische Stablecoins, der unvollendete europäische Kapitalmarkt: In diesem Dreieck haben drei Geld- und Wirtschaftsexperten auf Einladung des Bankenverbands versucht, einen finanz- und währungspolitischen Standort für Europa gegenüber einer widersprüchlichen US-Regierungspolitik zu definieren.
Florida ermittelt gegen ISS und Glass Lewis. Der Generalstaatsanwalt des US-Bundesstaates beschuldigt die Stimmrechtsberater, umstrittene ESG-Forderungen in ihre Empfehlungen integriert zu haben. Die beiden Firmen weisen die Vorwürfe zurück. Berichten zufolge hat auch die US-Regierung sie aufs Korn genommen.
Die Konservativen im Europaparlament stimmen erneut mit den extrem-rechten Fraktionen für eine Abschwächung der EU-Anti-Entwaldungsverordnung. Die Industrie freut sich, Umweltschützer sind empört.
Auf einer Konferenz in Hamburg diskutieren Standardsetzer, Unternehmensvertreter, Politiker und Vertreter von Ministerien und EU-Kommission über die Zukunft der Nachhaltigkeitsberichterstattung. Das ist mühsam, die strittigen Punkte sind komplex – und zumindest für ein großes Problem fehlt derzeit eine brauchbare Lösung.
Die in Europa aktiven Großbanken, Vermögensverwalter und Börsenplätze drängen nach dem Omnibus für die EU-Nachhaltigkeitspflichten auch auf Änderungen bei den Finanzaufsichten: Um hiesige Kapitalmärkte wettbewerbsfähiger zu machen, müssten die „Erwartungen der Aufsichtsbehörden“ geändert werden, sagte der Chef des Finanzmarktverbands Afme, Ádám Farkas.
Die EU-Kommission will weiter daran arbeiten, Europa nachhaltiger zu machen. Dieser Gedanke zieht sich durch das Gespräch von Jessika Roswall mit Tagesspiegel Background. Umweltkommissarin Roswall glaubt an den Erfolg von Naturgutschriften, kündigt ein Gesetzespaket für die Kreislaufwirtschaft an und hat die Anti-Entwaldungsverordnung noch nicht aufgegeben.
Es gibt mehr Geld für eine Anpassung an den Klimawandel und für den Erhalt des Regenwaldes. Doch beim Umgang mit den Haupttreibern des Klimawandels findet die Weltgemeinschaft auf der Weltklimakonferenz COP30 in Belém nur den kleinsten gemeinsamen Nenner.