Angesichts der Klima- und Biodiversitätskrise fährt Seth P. Bernstein, Chef des großen US-Vermögensverwalters Alliance Bernstein, die Strategie, die Portfoliomanager zu schulen, ESG in Anlagebeschlüsse zu integrieren und Gespräche mit Konzernvorständen zu führen. Einen Brief von US-Oberstaatsanwälten pariert er im Tagesspiegel-Background-Interview gelassen.
Wenn es am Anfang in der Welt der nachhaltigen Geldanlagen oft darum ging, das Kapital in tatsächlich nachhaltige Unternehmen zu investieren, so ist nun die Finanzierung der Transformation das große Thema. Sustainable Finance 2.0 ist jedoch noch schwieriger. Denn immer schwingt die eine Frage mit: Können Investoren Unternehmen überhaupt zum Wandel bringen?
Seit 2014 verhandeln Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen über ein globales Abkommen zu Menschenrechten und Umweltaspekten in Lieferketten. Bisher erfolglos. Auch bei der laufenden Verhandlungsrunde in Genf zeigt sich: Entwicklungsländer wollen vor allem westliche Konzerne reguliert sehen, Industriestaaten sehen den globalen Süden mit in der Pflicht.
Was ist denn nun mit den angekündigten Regeln für Nachhaltigkeitsbegriffe in Fondsnamen? Die Wertpapieraufsicht Esma äußert sich weiter uneindeutig. Der Chef der EU-Bankenregulierung ruft derweil dazu auf, sich jetzt auf die Transition zu fokussieren.
Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz, Corporate Sustainability Due-Diligence Directive (CSDDD), EU-Antientwaldungsgesetz, Klimaberichterstattung – vor einem bürokratischen Monster, das inzwischen Europas Wettbewerbsfähigkeit und wirtschaftlichen Erfolg gefährde, warnt der Hauptgeschäftsführer des mächtigen Außenhandelsverbandes BGA, Antonin Finkelnburg.
Die weltgrößte katholische Investoreninitiative gegen Entwaldung und zum Schutz der Indigenen in Brasilien hat ihr Engagement beendet. Der Abschlussbericht, der Tagesspiegel Background vorliegt, erklärt Vorgehen, erreichte Forderungen und ein Modell zur Wirkungsmessung. Damit will die BKC-Bank in der Finanzbranche eine Diskussion zur Methodik anstoßen.
Ob ein Fonds hell- oder dunkelgrün ist, wird derzeit oft danach entschieden, ob er Artikel 8 oder 9 der EU-Offenlegungsverordnung entspricht. Dafür ist diese aber weder gemacht noch geeignet, sagt die EU. Und erwägt, Produktkategorien einzuführen. Zudem könnten auch Fonds, die nicht ökologisch oder sozial sind, Nachhaltigkeitsangaben machen müssen.
Wie gut können Investoren auf Unternehmen wirken, wann lässt sich überhaupt von Impact sprechen – und ist der eigentlich übertragbar? Auf einer Fachkonferenz in Frankfurt diskutierten über all diese Fragen Vertreterinnen und Vertreter aus Theorie und Praxis. Daraus soll ein wissenschaftlicher Aufsatz entstehen, der wichtige Definitionen liefert.
Europäische Dachverbände und deutsche Finanzakteure fordern heute EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und weitere Kommissionsmitglieder auf, einen Rahmen zu schaffen, um Kapital für soziale Investitionen zu mobilisieren. Tagesspiegel Background lag das Schreiben vorab vor. Eine französische Initiative arbeitet unterdessen an einer Sozialtaxonomie.
Das größte deutsche Kreditinstitut hat einen Biodiversitätsbeirat berufen, der am Montag erstmals getagt hat. Er soll allen Geschäftsbereichen helfen, Naturrisiken und Auswirkungen auf Ökosysteme zu managen, wie Markus Müller, ESG-Investmentchef der Privatkundenbank, gegenüber Tagesspiegel Background sagte.
Wie schlagen sich Firmen in Deutschland, Österreich und der Schweiz in der Nachhaltigkeitsberichterstattung – und vor allem, wie kommen sie beim Abbau der CO2-Emissionen voran? Eine neue Studie, die heute veröffentlicht wird, gibt Einblicke. Klimabilanzen sind inzwischen verbreitet.
Die Debatte über einen Fonds für klimabedingte Schäden und Verluste nimmt weiter an Fahrt auf. Eine indische Denkfabrik macht einen neuen Aufschlag für eine Ausgestaltung des Geldtopfs: Demnach sollen Entwicklungsländer Geld nach Naturkatastrophen erhalten. Die Bundesregierung sieht diesen Ansatz skeptisch – und auch die Rolle Chinas ist umstritten.
700 Investoren mit einem verwalteten Vermögen von 86 Billionen Dollar gehören dem Netzwerk an, nun startet es in seine zweite Phase. Jetzt sollen Investoren mehr auf die konkrete Anwendung von Klimaschutzplänen bei Unternehmen achten. Dabei hilft die aktualisierte Messmethode von Climate Action 100+.
In Brüssel verhandeln EU-Parlament, Ministerrat und Kommission über die Richtlinie zu menschenrechtlichen und ökologischen Sorgfaltspflichten von Unternehmen (CSDDD). Während sich punktuell Annährungen abzeichnen, stehen zu wesentlichen Aspekten kritische Debatten bevor. Investoreninitiativen, NGOs und manche Firmen fordern eine anspruchsvolle Regulierung.
Die Finanzaufsicht SEC hat untersucht, ob Werbeaussagen wahr waren und ob die DWS die Einhaltung einer zentralen ESG-Richtlinie überprüfte. Manche ranghohe Portfoliomanager waren sich der Richtlinie nicht bewusst oder unsicher, ob sie für die US-Tochter galt, so ein Ergebnis ihres detaillierten Berichts. Die DWS interpretiert ihn auf ihre Weise.
Heute veröffentlicht die OECD ein Rahmenwerk zur Bewertung von naturbezogenen Finanzrisiken für Aufsichtsbehörden und Zentralbanken. Es ist komplementär zu anderen aktuellen biodiversitätsrelevanten Rahmenwerken. Tagesspiegel Background hat vorab Einblick erhalten und mit dem Autorenteam gesprochen.
Werbeaussagen zur Umweltfreundlichkeit von Produkten sind künftig nur noch erlaubt, wenn die Anbieter belegen können, dass sie wahr sind. Darauf haben sich Europaparlament und EU-Rat geeinigt.
Nach zweijähriger Arbeit hat die internationale Taskforce on Nature-related Financial Disclosures (TNFD) ihre finalen Empfehlungen zur naturbezogenen Finanzberichterstattung veröffentlicht. Mehrere Anleitungen sollen dabei helfen. Für Finanzinstitute gibt es gesonderte Indikatoren. Das Echo ist überwiegend positiv, doch NGOs bezweifeln die Wirksamkeit.
Rund 15.000 Unternehmen in Deutschland müssen bald darüber berichten, wie nachhaltig sie sind. Eigentlich, denn die EU-Kommission möchte die Schwellenwerte, ab wann Firmen als klein, mittel oder groß gelten, anheben. Viele Unternehmen wäre dann doch von einer Nachhaltigkeitsberichtpflicht befreit. Möglich sind sogar noch weitere Erleichterungen.
Deutsche Fonds , die in erst noch grün werdende Firmen investieren, dürfen sich nicht nachhaltig nennen – die hiesigen Finanzaufseher bieten aber eine Alternative. Die EU-Aufseher haben derweil in einem Konsultationspapier einen Vorschlag für soziale Fonds versteckt, wie ebenfalls auf der Konferenz „Nachhaltige Geldanlagen“ erklärt wurde.
Die EU-Kommission hat dazu aufgefordert, ihren Regulierungsvorschlag für ESG-Ratingagenturen zu kommentieren. Viele Verbände und Unternehmen lobten im Grundsatz das Vorhaben, sind aber auch für mehr Eingriffe: Neben ESG-Ratingagenturen sollten auch Anbieter von Nachhaltigkeitsdaten in die Verordnung aufgenommen werden, so eine Forderung.
Heute und morgen trifft sich die Weltgemeinschaft in New York zum UN-Nachhaltigkeitsgipfel. Schon jetzt ist klar, dass die 2015 beschlossenen Sustainable Development Goals (SDGs) deutlich verfehlt werden. Neben Politik und Realwirtschaft ist auch die private Finanzwirtschaft gefordert, wie unabhängige Fachleute im aktuellen SDG-Bericht schreiben.
Kommenden Mittwoch befassen sich Bundestagsabgeordnete auf einer Konferenz mit der Asiatischen Infrastruktur Investitionsbank (AIIB). Laut NGOs verstößt diese gegen Umweltstandards, Klimaschutz und Menschenrechte. Auch der Ex-Kommunikationschef erhebt heftige Vorwürfe. Das Bundesfinanzministerium will die Bank an ihre Verpflichtungen erinnern.
Das Gremium für internationale Standards zur Nachhaltigkeitsberichterstattung hat öffentlich gefragt, woran es als nächstes arbeiten soll. Bei manchen Forderungen sind sich verschiedene mächtige Verbände einig. Aber es gibt auch Spezialwünsche.
Das übertrifft alle Erwartungen: Mehr als 300 Industrieanträge auf Betriebskostenförderung sollen beim BMWK eingegangen sein. Mit den Klimaschutzverträgen könnten selbst die teuersten Projekte gefördert werden, unter anderem durch einen Strompreisdeckel.
Von der Digitalisierung der Branche, über Risiken durch das sich verändernde Verhalten von Konsumenten, den Klimawandel, bis hin zum Ausnutzen aufsichtlicher Spielräume: Die Bafin machte auf ihrer Jahreskonferenz der Versicherungsaufsicht eine ganze Reihe von kritischen Punkten deutlich. Auch die Eiopa benannte zukünftige Herausforderungen.
Sind die Energiehilfen rechtswidrig finanziert worden? Hat der Finanzminister die Schuldenbremse umgangen? Ein brisanter Bericht aus dem Bundesrechnungshof wirft ein schlechtes Licht auf die Haushaltspolitik der Ampel-Koalition. Pläne zur Finanzierung des Industriestrompreises stehen damit auf einem wackligen Fundament.
Wie sollen multinationale Unternehmen sich an das Pariser Klimaabkommen und das Montreal-Abkommen zu Biodiversität anpassen? Empfehlungen dafür liefert die jüngste Ausgabe der OECD-Leitlinien für verantwortungsvolles unternehmerisches Handeln.
Bei ihrem neuen gesamtwirtschaftlichen Klima-Stresstest berücksichtigt die EZB erstmals Privathaushalte. Eine rasche Transformation der Unternehmen wäre am besten für die langfristige Finanzstabilität, so das Ergebnis.
Ab Mitte September wird es einen internationalen Rahmen für naturbezogene Finanzberichterstattung geben. Unternehmen und Finanzhäuser sollen ihre Risiken infolge des Artensterbens und ihre negativen Effekte auf Ökosysteme erkennen und sich strategisch auf Naturerhalt einstellen. Kritiker sagen, das Berichtssystem könne dies nicht leisten.
Weniger Aufwand für die Erstellung von Emissionsprospekten, mehr Mitspracherecht für Familienunternehmer bei einer Börsennotierung und niedrigere Hürden für Aktienanalysten: Verbesserte Rahmenbedingung für die Finanzierung könnten auch nachhaltigen Firmen zugutekommen. Für ESG-Anleihen ist eine zusätzliche Vorschrift vorgesehen.
Erstmals findet Anfang September der Africa Climate Summit statt. Die afrikanischen Länder wollen ausloten, wie sie grünes Wachstum voranbringen können. Dabei geht es auch um eine Reform der internationalen Finanzinstitutionen, damit die Länder des Globalen Südens leichter an Geld für Klimaschutz und Klimaanpassung kommen.
Lieber fundiert als zu schnell – Bernhard Engl, Chef des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG), vermisst vorausschauende Analyse bei vielen Entscheidungen zu Klimaschutz und Nachhaltigkeit. Statt „vieles einfach durchzudrücken“, sollte die Politik Bedenken ernst nehmen und bei Sustainable Finance kein „bürokratisches Monster“ schaffen, so Engl im Interview.
Mit ihrem neuen Gesetz will die Regierung den Finanzstandort Deutschland stärken. Dazu ändert sie unter anderem die Regelung zur Mitarbeiterbeteiligung. Doch obwohl in dem Gesetz auch von der großen Bedeutung von Investitionen die Rede ist, um die Wirtschaft auf den Klimaschutz einzustellen, hat es kaum etwas mit Sustainable Finance zu tun.
Eine behördliche Erläuterung, welche Pflichten sich für Unternehmen aus dem neuen deutschen Lieferkettengesetz ergeben: Sie können sich dieser nicht einfach durch Zusicherungen ihrer Lieferanten entledigen. Auch ein Verzeichnis mit Literatur und Beratungsangeboten enthält die Handreichung.
Aus dem Klima- und Transformationsfonds fließen 2024 rund eine Milliarde Euro in das „Aktionsprogramm Natürlicher Klimaschutz“. Umweltschützer halten weniger die Höhe der Mittel für ausschlaggebend. Wichtig sei vor allem eine unkomplizierte Förderpraxis.
Eigentlich sollen Privatanleger mit Eltifs die Möglichkeit erhalten, in Unternehmen und Projekte zu investieren, die bisher institutionellen Investoren vorbehalten waren. Doch wurden bisher nur sehr wenige aufgelegt. Erleichternde Regelungen sollen Anbietern nun mehr Spielraum verschaffen. Doch einige entscheidende Fragen sind noch ungeklärt.
Das für die Überwachung der internationalen Handelsströme zuständige Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle hat festgelegt, welche Sorgfaltspflichten sich für die Finanzbranche aus dem deutschen, an Menschenrechten orientierten Lieferkettengesetz ergeben: fast gar keine. Entwicklungsorganisationen und Finanzinitiativen laufen dagegen Sturm.
Das Fachgremium „Taskforce on Nature Markets“ der Initiative Nature Finance hat vergangenen Donnerstag sieben Empfehlungen gegeben, wie Regenwälder zu retten sind und eine faire globale „Naturökonomie“ möglich ist. Da hierfür der Kapitalmarkt entscheidend ist, sehen sie weltweit die Regulatoren gefordert – insbesondere die G20-Staaten.
18,9 Milliarden Euro sollen im kommenden Jahr dem Klima- und Transformationsfonds entnommen werden, um Gebäude klimafreundlicher zu machen. Der Trend soll sich in den nächsten Jahren fortsetzen, wie aus dem Wirtschaftsplan 2024 zum KTF hervorgeht, der gestern von der Bundesregierung verabschiedet worden ist.
Es gibt nicht viele Gründer in Deutschland, die ihr Geschäft im vermeintlich fernen Afrika sehen. Hendrik Reimers ist einer von ihnen. Mit Fairafric hat er eine Schokoladenfabrik in Ghana errichtet. So kann ein deutlich höherer Teil der Wertschöpfung im Land verbleiben als bei anderen Schokoladenproduzenten. Vor Ort profitieren Fabrikarbeiter und Farmer.
Tausende chemische Substanzen belasten die Natur und das Trinkwasser dauerhaft. Gegen das Ansinnen der EU-Chemikalienagentur, sie in den nächsten Jahren schrittweise zu verbieten, laufen Industrieverbände dennoch Sturm. Eine Investorengruppe hingegen fordert von Chemiekonzernen ein Ende dieser Kunststoffe.
Der Rechnungslegungs-Standardsetzer verzeichnet einen weiteren Abgang: Obwohl der Nachhaltigkeitsausschuss voll besetzt ist und erst Ende nächsten Jahres Amtszeiten enden, wird ein Mitglied gesucht, das in vier Monaten einsteigt. Wer ausscheidet, war zunächst unklar.
Die EU-Kommission hat ihre Nachhaltigkeitsberichtsstandards final angepasst. Verpflichtend sind viele Berichtspunkte zwar nicht, doch beim Klima gibt es wohl eine Berichtspflicht durch die Hintertür. Bei Versicherern scheint Brüssel gar etwas zurückzurudern. Sind die ESRS also gut oder schlecht? Ein Blick auf den Fußball könnte da helfen.
Geht es nach dem Wirtschaftsausschuss des Europaparlaments, sollen Versicherer mehr in die Realwirtschaft investieren können. Möglich machen könnten das lockere Kapitalanforderungen. Das Geld solle dann aber nicht den Aktionären oder dem Management zugutekommen, fordern die Abgeordneten.
2015 war die Gründung der Task Force on Climate-related Financial Disclosures nach dem Pariser Klimaabkommen ein wichtiger Startschuss für die globale grüne Transformation der Finanzmärkte. Die Offenlegungsstandards der Organisation sind heute zentrale Instrumente der Klimaberichterstattung. Doch bald wird die TCFD aufgelöst.
Zusammen mit Wissenschaftlern hat Greenpeace die Klimaambitionen der Europäischen Zentralbank untersucht. Das Ergebnis: Der Plan drohe nur ein Jahr nach seinem Inkrafttreten, kläglich zu scheitern. Die Autoren des Berichts legen detailliert da, woran das liegt, und geben Verbesserungsvorschläge.
Der Verband der weltweit einflussreichsten Börsenaufsichtsbehörden nickt die ISSB-Standards für Nachhaltigkeitsberichte von Unternehmen ab. Das Expertengremium TCFD hatte für deren Entwicklung Pionierarbeit geleistet. Die IFRS-Stiftung gibt nebenbei dessen Auflösung bekannt.
Yvonne Zwick, Vorsitzende des grünen Unternehmerverbands Baum, nimmt eine Wahl in den Nominierungsausschuss des DRSC nicht an. Dieser habe Bewerberinnen und Bewerber mit ausgezeichneter Nachhaltigkeitsexpertise nicht nominiert, kritisiert sie. Eine geheime Vereinbarung zum ISSB ruft derweil NGOs auf den Plan.
Wirtschaftsminister Robert Habeck will zeitnah den neuen Wirtschaftsplan zum Klima- und Transformationsfonds vorlegen. Schon jetzt ist klar, dass aus dem Fonds vermehrt Vorhaben finanziert werden sollen, für die im regulären Etat kein Platz ist. Doch durch die Einnahmenseite scheint das nicht gedeckt. Experten fordern einen Richtungswechsel.
Versicherer sollen Klimaszenarioanalysen sowie Pläne für den Übergang zur Nachhaltigkeit erstellen und Umweltrisiken berücksichtigen: Mit diesen Forderungen geht das Europaparlament in die Verhandlungen mit dem EU-Rat zur Richtlinie Solvency II. Ob Assekuranzen für Klima- und Biodiversitätsrisiken mehr Kapital vorhalten müssen, soll geprüft werden.
Wenn Unternehmen Anleihen oder Aktien emittieren, müssen sie einen Prospekt mit detaillierten Informationen vorlegen. Welche Angaben zu Umwelt und Sozialem enthalten sein müssen, haben die EU-Börsenaufseher nun erstmals geregelt. Besonders präzise sind die Regeln für nachhaltige Anleihen.
Klimawandel, hohe Energiepreise, steigende Zinsen: Deutschlands Wirtschaft steckt mitten in einer Transformation, die ihr industrielles Herz bedroht. Um die Krise zu meistern, müsse die Bundesrepublik ihr Wirtschaftsmodell radikal ändern, fordern Experten der PWC-Beratungssparte Strategy&. Zudem solle die Regulierung des Finanzsektors gelockert werden.
Manfred Weber (CSU), Chef der Konservativen im Europaparlament, hatte sich mit aller Macht dagegen gestimmt – und verlor: Die Abgeordneten stimmten mehrheitlich für das Gesetz zur Wiederherstellung der Natur. Nun bedarf es noch einer Einigung mit dem EU-Rat.
Die ambitionierten Klimagesetze der EU treffen seit diesem Jahr auf deutlich mehr politischen Gegenwind im Rat der Mitgliedsländer. Auch im Parlament wächst der Ruf nach weniger Regulierung. Wichtige Wahlen verstärken den Trend.
Bis zum Ende der Konsultationsfrist zu den von der EU-Kommission vorgelegten Standards für die Nachhaltigkeitsberichtspflicht haben sich Finanzvertreter für eine härtere Regulierung stark gemacht. Große Chancen haben sie damit wohl nicht mehr. Das machte zuletzt auch ein Auftritt von Finanzkommissarin Mairead McGuinness deutlich.
Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht erläutert, welche Rolle für sie zukünftig ESG-Themen spielen sollen. In ihrer neu vorgelegten Strategie macht sie dabei deutlich, worin sie ihre Aufgaben sieht – und auch worin nicht.
2018 schlossen sich das Green Finance Cluster Frankfurt und die Accelerating Sustainable Finance Initiative zum Green and Sustainable Finance Cluster Germany zusammen. Das Ziel: Zentraler SF-Ansprechpartner in Deutschland zu werden und der Klimatransformation der Wirtschaft eine Plattform zu bieten. Mit Erfolg.
Der einflussreiche Versicherungsverband GDV hat in Berlin seine alljährliche Regulierungskonferenz abgehalten. Das mit prominenten Rednern aus Politik und Verwaltung besetzte Klassentreffen der deutschen Assekuranz wurde erstmals von Klimaprotesten vor dem Tagungshaus am Spreeufer begleitet – und am Ende gab es auch Selbstkritik.
Morgen endet die Konsultation der EU-Kommission zu den von ihr vorgelegten Standards für die Nachhaltigkeitsberichtspflicht. Zwar gibt es auch zustimmendes Echo, aber es überwiegt der Ärger über deutlich abgeschwächte Vorgaben und widersprüchliche Anforderungen.
Julian Riedlbauer hat als Deutschland-Chef von GP Bullhound, einer Finanzierungs- und Übernahme-Beratungsfirma für Technologieunternehmen, einen Überblick über die Wagniskapitalbranche. Einstige Gründer erfolgreicher Internetfirmen legen nun Fonds für grüne Start-ups auf, berichtet er im Interview.
Lediglich 26 Prozent der Umsätze großer deutscher Firmen sind aktuell potenziell von der EU-Taxonomie erfasst, gerade einmal drei Prozent davon sind wirklich taxonomiekonform. Das zeigt eine am Dienstag veröffentlichte Auswertung. Bis diese Unternehmen nachhaltig sind, ist es also noch ein weiter Weg. Doch die Zahlen lassen noch weitere Interpretationen zu.
Die Befürworter eines Gesetzes zur Wiederbelebung geschädigter Ökosysteme haben sich im Umweltausschuss des Europäischen Parlaments nicht gegen das christdemokratisch-rechtsgerichtete Bündnis durchsetzen können. Im Juli soll das Plenum entscheiden.
Das International Sustainability Standards Board hat seine ersten Standards für die Nachhaltigkeitsberichterstattung vorgelegt. Im Gegensatz zu den EU-Standards sehen sie nicht vor, dass Unternehmen über ihre Auswirkungen auf Umwelt und Gesellschaft berichten. Aber CO2-Emissionen sollen offengelegt werden – von Finanzfirmen auch „finanzierte Emissionen“.
„Biodiversität ist kein ,nice to have'“, sagt Sabine Riewenherm, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz, im Tagesspiegel-Background-Interview. Sie will die Wirtschaft von dem ökonomischen Gewinn eines konsequenteren Naturschutzes überzeugen – und hofft auf den Finanzsektor, der die nötigen Mittel mit bereitstellen muss.
Mit Anleihen werden viele klimaschädliche Geschäftsaktivitäten finanziert, doch bislang gibt es keine Regeln, ob und wie die platzierenden Banken sie in ihren Treibhausgasbilanzen berücksichtigen. Ein angekündigter Standard verzögert sich.