Dass Gesetze hinter dem Zeitplan bleiben, ist keine Neuigkeit in dieser Legislaturperiode. Bei der Säule zwei der Cannabis-Teillegalisierung aber kommt der Verdacht auf, dass das Ministerium das unangenehme Thema aussitzen könnte, während nach außen alle Beteiligten gute Miene machen. Für Ärger sorgen auch ein BGH-Urteil und eine Formulierungshilfe.
Der Fachkräftemangel ist die wohl größte Herausforderung im Gesundheitssystem. Beim 128. Deutschen Ärztetag in Mainz appellierte der Bundesärztekammer-Präsident Klaus Reinhardt an die Politik, einen Gesundheitsgipfel einzuberufen und statt auf Regulierung und Quotierung auf die Triebfedern des individuellen Handelns zu setzen.
Nach der Einführung des EU-HTA sollte gemessen werden, ob innovative Therapien dadurch wirklich schneller zu den Patienten gelangen, fordern zwei Vertreter:innen der Takeda-Chefetage. Im Interview geben sie zudem Einblicke darüber, wie beim Pharmariesen Standortentscheidungen getroffen werden und was sie vom EU-Pharmapaket halten.
Bis Ende Mai muss Karl Lauterbach sein Konzept für eine nachhaltige Pflegereform vorlegen. Der Dachverband der Betriebskrankenkassen traut dem Minister das offensichtlich nicht zu. Jedenfalls hat er gestern eigene Vorschläge gemacht. Priorität muss demnach die Abwendung der bereits eingetretenen finanziellen Schieflage der Pflegekassen haben.
Ende März beschloss das Bundeskabinett Lauterbachs Entwurf für ein Medizinforschungsgesetz. Nun machen mehrere Ausschüsse des Bundesrats Druck: Die geplante Bundesethikkommission genieße keine institutionelle Unabhängigkeit und gefährde die gesellschaftliche Akzeptanz der Forschung am Menschen. Geheime Erstattungspreise für Arzneimittel lehnen sie auch ab.
Während der GVSG-Entwurf im Kassenlager angesichts der Fachanhörung im BMG als „Gutes Vergütungssteigerungsgesetz“ verschrien wird, sehen die Hausärzt:innen darin das wichtigste Gesetz der letzten Jahre. Die Stakeholder-Kritik reichte gestern von „substanzlos“ bis hin zu Vorschlägen für Übergangslösungen bei der Fachärzt:innen-Entbudgetierung.
„Kein Anschluss unter dieser Nummer“, hieß es fast sechs Monate lang. Seit gestern gibt es zu gesundheitlichen und gesundheitsrechtlichen Fragen wieder Ansprechpartner. Die zur Stiftung umgebaute UPD nahm ihre Arbeit auf. Allerdings erstmal nur mit einem telefonischen „Basisangebot“. Die versprochenen regionalen Beratungsstellen kommen später.
Das Krankenhausversorgungsverbesserungsgesetz rückt auf der Kabinettszeitplanung weiter nach hinten und könnte unter anderem um Punkte ergänzt werden, die die sektorenübergreifende Versorgung stärken sollen. Die Krankenhauskommission hat dazu neue Vorschläge vorgelegt.
Kurz vor dem Tag der Pflegenden am 12. Mai liegen die Ergebnisse der DBfK-Umfrage „Pflege, wie geht es dir?“ vor. Dem Bundesgesundheitsminister müssten die Ohren klingeln: Scheitert sein Versprechen, die Kompetenzen der beruflich Pflegenden auszuweiten, dann könnten wohl viele von ihnen ihren Beruf, den sie eigentlich für sinnstiftend halten, verlassen.
Der Bundesverband der Belegärzte und Belegkrankenhäuser erkennt im KHVVG eine Chance, Fehler bei der Gestaltung der Finanzierungsregelungen für vertragsärztliche Leistungen sektorenübergreifender Versorgungseinrichtungen zu korrigieren. Damit könnte auch der Weg zu einer stärkeren Ambulantisierung geebnet werden.
Alle 52 Minuten nimmt sich hierzulande ein Mensch das Leben – und die Zahl missglückter Suizidversuche wird auf über 100.000 pro Jahr geschätzt. Grund genug für Gesundheitsminister Lauterbach, eine Präventionsstrategie vorzulegen. Sie reicht von einer Krisen-Hotline rund um die Uhr bis hin zur Absicherung von Orten mit Magnetwirkung für Suizidwillige.
In einem Rechtsgutachten macht der GKV-Spitzenverband seine Zweifel an der Verfassungsmäßigkeit des Transformationsfonds deutlich. Auch, wenn der Verband erst einmal selbst nicht klagen will, stünde dies jedem GKV-Versicherten offen – es droht eine weitere offene Flanke für die Krankenhausreform.
In einer gemeinsamen Stellungnahme fassen die Gesundheitsminister der Länder ihre Kritik an der vom Bund geplanten Krankenhausreform zusammen. Vor allem fordern sie Nachbesserungen beim Transformationsfonds: Dieser sollte aus ihrer Sicht maßgeblich durch den Bund finanziert werden. Auch G-BA und GKV-Spitzenverband sehen deutlichen Änderungsbedarf.
Ronni Gamzu, ehemaliger Generaldirektor des israelischen Gesundheitsministeriums und CEO des zweitgrößten Klinikums dort, wirbt für enge Zusammenarbeit mit Deutschland. Er berät Gesundheitsminister Karl Lauterbach zum Thema Digitalisierung und vereinbarte Kooperationen mit deutschen Unikliniken. Das Interview entstand bei Gamzus jüngstem Berlin-Besuch.
Zuletzt waren 130 unterschiedliche Praxissoftware-Systeme in Benutzung, darunter auch viele kleinere Anbieter und Auslaufmodelle unterhalb von 100 Installationen. Mit den Ergebnissen einer bundesweiten Umfrage zur Funktionalität dieser Software will das Zentralinstitut für die kassenärztliche Versorgung nun für etwas Orientierung sorgen.
Verschiebt die Krankenhausreform den ambulanten Sektor weiter in die Kliniken? Diese Furcht treibt die Niedergelassenen um, sie bringen eine Beschwerde in Brüssel ins Spiel. Neben der fast sicheren Verfassungsklage wäre dies eine zweite juristische Baustelle, die sich Jahre nach Inkrafttreten des Gesetzes auftun könnte.
Das Human Immunome Project will das weltweite Verständnis des Immunsystems auf ein neues Level heben. Dafür hat die globale Non-Profit-Organisation gestern ihren Fahrplan vorgelegt. Der bislang weltweit größte und tausende Parameter umfassende Datensatz soll über weltweite Erhebungsstandorte – zunächst zehn, später über 100, erreicht werden.
Das telemedizinische Pilotprojekt von der KV Nordrhein zur Entlastung ambulanter Kindernotdienste zeigt erste Erfolge. Die beratenen Eltern schienen mit den Videosprechstunden zufrieden und es zeigten sich Effekte für den Notdienst. Doch um den Dienst deutschlandweit und im Regelbetrieb anbieten zu können, müssen viele Fragen geklärt werden.
Systemrelevante Ausmaße hat die mithilfe findiger Finanzdienstleister und unter Umgehung deutschen Sozialrechts ausgelöste Wechselwelle älterer Versicherter von ihrer PKV in eine gesetzliche Krankenkasse noch nicht erreicht. Doch der GKV-Spitzenverband sieht den Gesetzgeber gefordert und der PKV-Verband das Image der Privatversicherung zu Unrecht beschmutzt.
Immer wieder wird über eine verbesserte Versorgung von Patient:innen durch Künstliche Intelligenz (KI) gesprochen. Kann die Technologie auch Beschäftigten im Gesundheitsbereich helfen? Mit der Entlastung durch KI gehen auch Gefahren einher, diskutierten Gäste bei einem Fachgespräch der SPD-Bundestagsfraktion.
Auf den ersten Blick sind es altbekannte Forderungen, etwa nach einer Aufwertung des Pflegeberufs, mehr Ambulantisierung und Digitalisierung. Der Sachverständigenrat Gesundheit und Pflege zeigt mit seinem Gutachten für 2024 aber Mut zur Radikalität: Eine Quotierung der Facharztweiterbildungen etwa dürfte nicht gerade populär sein.
Von der Versichertenzahl ist die AOK Bayern das größte Mitglied im Verbund der Ortskrankenkassen, auch beim Marktanteil ist sie vorne dabei. Doch in der Belegschaft rumort es gewaltig. Und die Selbstverwaltung aus Arbeitgebern und Gewerkschaften hat auch an anderer Stelle Probleme.
Klimawandel und Hitzewellen beeinträchtigen die Leistungsfähigkeit von Berufstätigen massiv. Das ist einer DAK-Studie zu entnehmen, die heute veröffentlicht wird. Demnach fühlt sich fast ein Viertel aller Beschäftigten bei extrem hohen Temperaturen schwer belastet, ein Fünftel klagt über Gesundheitsprobleme. Und auch das Unfallrisiko steigt.
Dass die europäische Nutzenbewertung den Zugang zu neuen Therapien EU-weit verbessert, daran hat der Chef des Gemeinsamen Bundesausschusses so seine Zweifel. Für Deutschland macht ihm die EU-HTA-Umsetzung keine Sorgen; das hohe Evidenzniveau will er in jedem Fall beibehalten. Während die Pharmaindustrie skeptisch ist, freut man sich in Österreich.
Erst mehr Geld für die Kliniken, und später irgendwann auch mal schärfere Qualitätsvorgaben? Die AOK ist strikt gegen eine solche Entkopplung von Finanz- und Strukturreform. Experten sehen es genauso. Mit Blick auf die Patientensicherheit müssten die Leistungsgruppen zügig definiert werden. Denn noch immer werden zu viele Kranke nicht optimal behandelt.
Die Pharmaindustrie zeigt inmitten der Wirtschaftskrise nicht nur Stabilität, sondern im industriellen Vergleich sogar ein deutliches Wachstum, so das Fazit des Verbandes der forschenden Pharmaunternehmen in Deutschland. Doch darauf könne sich Deutschland nicht ausruhen.
Die Corona-Pandemie hat gezeigt, wie wichtig Prävention ist. Doch die Bemühungen in diese Richtungen lassen aktuell in ganz Europa wieder nach. Die WHO tritt dem mit einer Weltimpfwoche entgegen und wird auch vom Pharmaunternehmen GSK unterstützt, welches das größte Impfstoffwerk weltweit betreibt.
Bei der Diskussion um Nachhaltigkeit im Gesundheitssektor geht es häufig um CO₂-Äquivalente, die man einsparen kann. Doch reichen einzelne Maßnahmen oder braucht es zur ökologischen, aber auch sozialen und wirtschaftlichen Nachhaltigkeit nicht grundlegende Reformen? Und welche Rolle spielt die Digitalisierung?
Nur kurz in der Klinik und dann verlässlich ambulant weiterbetreut und gepflegt: Was für bestimmte Patienten eine Selbstverständlichkeit sein sollte, scheitert in unserem System viel zu häufig an sogenannten Sektorengrenzen. Mit einem Modellprojekt namens StatAMed („Stationäre Allgemeinmedizin“) versucht die AOK Nordrhein/Hamburg nun, diese aufzubrechen.
Aufatmen bei der UPD: Vier Monate nach der Abschaltung kann die zur Stiftung umgebaute Einrichtung in Kürze wieder mit ihrer Beratung beginnen – allerdings erst mal nur als Telefon-Hotline. Der Aufbau der versprochenen Regionalstandorte wird sich noch bis mindestens Anfang 2025 hinziehen. Und dann sind da noch jede Menge Klagen von entlassenen Mitarbeitern.
Verspätet, aber noch im Mai, will das BMG sein Krankenhaus-Transparenzregister online schalten – zum Ärger der Länder und der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Die versucht das Interesse am neuen Portal nun im Vorfeld zu drosseln und stellt die Vorzüge des bereits bestehenden Registers heraus.
Mit einer emotionalen Medienkampagne wollen die Kassenärztliche Bundesvereinigung und die Kassenärztlichen Vereinigungen Öffentlichkeit und Politik auf die Nöte der Arztpraxen aufmerksam machen. Nach Protesten unter dem Titel „#Praxenkollaps“ folgt nun die bundesweite Kampagne „Wir sind für Sie nah“.
Zwar noch vereinzelt, aber zunehmend häufiger werden Forderungen nach einer Erstattungsfähigkeit für sogenannte Abnehmspritzen zum Zweck der Gewichtsreduktion formuliert. Aber wie sieht der gesetzliche Rahmen aus? Gibt es Ausnahmen? Und welche Rolle spielt die Kosten-Nutzen-Bewertung angesichts Kassen-Prognosen, die hohe Ausgaben vermuten lassen?
Bei einer Fachtagung des Bundesverbandes Managed Care herrschte mit Blick auf die jüngsten Änderungen am Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz Ernüchterung statt Aufbruchstimmung. Doch aufgeben gilt nicht. Die Beteiligten wollen sich dafür einsetzen, dass die vielen Primärversorgungsinitiativen auch umgesetzt werden.
In der Diskussion um Digitalisierung und gar den Einsatz Künstlicher Intelligenz in der Gesundheitsversorgung scheint es zwei Pole zu geben: Diejenigen, die auf Hürden wie Datenschutz und die hakende Telematik-Infrastruktur hinweisen und diejenigen, die die rosa Brille aufhaben. Es gibt aber auch ermutigende Berichte aus der Praxis.
Sollte der Gesetzgeber fragwürdige IGeL-Offerten in Arztpraxen verbieten? Die Bundesärztekammer wehrt sich gegen diese Forderung des Patientenbeauftragten. Doch Stephan Schwartze legt noch mal nach. Es gebe einen „steten Anstieg“ solcher Leistungen, die in ihrer Wirksamkeit kritisch zu bewerten seien. Und auch die Grünen dringen auf besseren Patientenschutz.
2023 ist die Zahl der Pflegebedürftigen stark gestiegen. Vertreter von Kassen und medizinischem Dienst halten soziale Probleme in Folge des Ukraine-Kriegs als Ursache für möglich. Dafür spricht, dass sich fast 90 Prozent der Leistungsempfänger für Geldleistungen oder eine Kombination aus Geld und Unterstützung durch einen Pflegedienst entschieden haben.
Bei der Krankenhausreform will Minister Lauterbach eine zentrale Verordnung erst nach der Gesetzesverabschiedung vorlegen – die Länder bestehen auf der umgekehrten Reihenfolge. Nach der Bund-Länder-Runde gab sich Lauterbach zuversichtlich, das Projekt bald auf den Weg zu bringen – die Länder legen eine neue Forderungsliste vor.
Beim Thema Ambulantisierung sieht man derzeit viele brennende Mülltonnen: Die Krankenhausreform, die das Thema befördern soll, lässt auf sich warten. Das stark abgespeckte GVSG mit seinem Hausärztefokus sorgt für verhaltene Reaktionen sowohl bei der Ärzteschaft als auch bei den Kassen. Der Teufel steckt – wie so oft – in der Vergütung.
Karl Lauterbach hat die innovativen Versorgungsansätze für Gesundheitsregionen gerade aus seinem Gesetzentwurf gekippt. Die AOK arbeitet in die Gegenrichtung. Gestern veröffentlichte ihr Kassenverbund ein Konzept, das mehr regionale Gestaltungsspielräume und bessere Möglichkeiten zur sektorenübergreifenden Zusammenarbeit fordert.
Bezüglich der Long-Covid-Forschung ist in Deutschland einiges ins Rollen gekommen. Der G-BA hat eine Richtlinie für die bedarfsgerechte Behandlung beschlossen und das BMG hat Fördermittel für Forschung und Versorgungsmaßnahmen der Langzeitfolgen im Bundeshaushalt sichergestellt. Außerdem hat eine Expertengruppe im BfArM ihre Arbeit aufgenommen.
Experten sind fassungslos: Still und leise haben sich Bundesärztekammer und Kassenärztliche Bundesvereinigung auf die Auflösung des renommierten Ärztlichen Zentrums für Qualität in der Medizin zum Jahresende verständigt. Die Gründe dafür sind unklar. Und wer soll sich im System künftig um Qualitätssicherung, Leitlinien und Patientenorientierung kümmern?
Was in Strategiepapieren steht, wird nicht zwangsläufig umgesetzt. Dennoch gaben sich gestern einige derjenigen, die derzeit die Nationale Strategie Gen- und Zelltherapien erarbeiten, größte Mühe, für deren Umsetzung zu werben. Und die EU-Kommission setzt bei ihrem Biotech-Aufschlag auf die Entscheidungsträger nach der Europawahl.
Von der Uni Bonn zur obersten Datenschutzbehörde: Die Professorin und Politikberaterin Louisa Specht-Riemenschneider soll in die Leitung der Bonner Bundesbehörde wechseln. Die Nachfolge für Ulrich Kelber ist damit geklärt, Details zur Amtsübergabe bleiben aber noch offen.
Nach dem Eindampfen des Versorgungsstärkungsgesetzes versucht Gesundheitsminister Lauterbach, die Ursprungsidee zu einer Offensive gegen den Hausarztmangel umzudeuten. Die Kassen begrüßen die Streichorgie, die Hausärzte drängen auf schnelle Umsetzung – und die Fachärzte hoffen auf noch mehr Zugeständnisse. Thomas Trappe zur neuen Lage.
Seit 2016 legt der G-BA dem Gesundheitsausschuss des Deutschen Bundestages jährlich dar, ob und aus welchen Gründen er die gesetzlich vorgesehene Dauer eines Beratungsverfahrens überschreiten musste. Im Berichtsjahr 2023 bearbeitete der G-BA fast alle der 623 Verfahren fristgerecht.
Der lange erwartete Bericht der Kommission zur reproduktiven Selbstbestimmung und Fortpflanzungsmedizin deutet klar in Richtung Legalisierung von Abbrüchen bis zur 20. Woche sowie von Eizellenspenden. Bei Leihmutterschaften sieht er zumindest Möglichkeiten. Doch angesichts der kontroversen Materie und der Bundestagswahl könnte es beim Bericht bleiben.
Weil immer mehr „Good Manufacturing Practice“-Zertifizierungen für Wirkstoffe und Arzneimittel auslaufen und wegen des Anti-Spionage-Gesetzes der Chinesen nicht erneuert werden können, drohen in Deutschland neue Arzneimittellieferengpässe. Ohne zeitgerechte Lösung bei den deutschen Behörden befürchten Pharmaverbände dramatische Folgen.
Das Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz sollte die ambulante Versorgung in Zukunft flächendeckend sicherstellen und dabei verschiedene innovative Versorgungsmodelle intelligent miteinander verknüpfen. Viel übrig geblieben ist von diesem Vorhaben nicht. Zu dem neuen Referentenentwurf würde der Name „Hausärztestärkungsgesetz“ deutlich besser passen.
Es soll die häusliche Versorgung verbessern, Mediziner entlasten und den Pflegeberuf aufwerten: Mit dem Modellprojekt ErwiN wagen sich drei Bundesländer und zwei Krankenkassen erstmals an eine echte Übertragung ärztlicher Aufgaben an besonders ausgebildete Pflegekräfte. Eine Hoffnung ist auch, auf diese Weise die Zahl unnötiger Klinikeinweisungen zu senken.
Mit dem vor ungefähr drei Jahren verabschiedeten Krankenhauszukunftsgesetz wollte der Bund die Krankenhausdigitalisierung vorantreiben. Ende dieses Jahres laufen die Förderungen aus. Da stellt sich die Frage, wie es um die mit dem Geld angestoßenen Projekte steht und wie es mit den Vorhaben nach dem Förderzeitraum weitergehen kann.
Weil Deutschland noch „hinter dem Möglichen“, Zitat Lauterbach, zurückbleibt, will das BMG die Prävention und Versorgung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbessern. Die Idee, die bis zur Sommerpause in einen Entwurf münden soll, stößt auf viel Zustimmung. Die Vorstellungen liegen bei Gesundheitspolitikern und Akteuren in manchen Fragen jedoch auseinander.
Nach einem kommunalen Spitzentreffen kündigt Minister Lauterbach ein digitales Tool an, mit dem der „Rückbau“ der Kliniklandschaft gestaltet werden soll. Mit den Kommunen sieht er sich auf einer Linie – aber die widersprechen energisch. Und ein Warnruf der Leistungserbringer, sie besser einzubinden, findet Rückhalt in der FDP-Fraktion.
Bundeskanzlers Olaf Scholz (SPD) hat die Pharmaindustrie für sich entdeckt und sagte jüngst: „Was immer wir als Bund tun können, um den Pharmastandort Deutschland noch weiter zu stärken, das werden wir tun.“ Gehört dazu auch die umstrittene Erstattungsfähigkeit von Abnehmspritzen? Das könnte fatale Folgen für die gesetzliche Krankenversicherung haben.
Der medizinische Versorgungsbedarf steigt, während das Angebot schrumpft. Die Probleme, die der demografische Wandel mit sich bringt, sind bekannt – Deutschland hat also kein Erkenntnis-, sondern ein Umsetzungsproblem. Wie kann die Transformation der ambulanten Versorgungsstrukturen gelingen?
Heute gibt es erneut ein Spitzengespräch zur Krankenhausreform – selten war die Stimmung gegenüber Minister Lauterbach so schlecht. Gleichzeitig steigt der wirtschaftliche Druck auf die Häuser, was nun auch zu neuen Friktionen zwischen den Ländern führt.
Angesichts steigender Zusatzbeiträge wird der Ruf nach mehr Eigenverantwortung in der GKV lauter. Vor 20 Jahren gab es diese Debatte schon einmal. Haben die Politiker vergessen, dass das damals eingeführte Zuzahlungsregime der GKV im Wesentlichen noch immer gilt und kranke Versicherte allein im Jahr 2023 mindestens sechs Milliarden Euro gekostet hat?
Künstliche Intelligenz (KI) kann das Gesundheitssystem verbessern, da die Technologie präzise und personalisierte medizinische Vorhersagen treffen kann. Dabei sind sich diverse Vertreter:innen des Gesundheitssystems auf der DMEA einig. Darüber, wie die Regulierung in Deutschland hilft und blockiert, wird dagegen viel diskutiert.
Der Innovationsfonds gilt als gutes Vehikel für die Versorgungsforschung. Der Kritik, es werde zu wenig umgesetzt, wurde beim diesjährigen Kongress des Fonds mit Blick auf Zahlen und Lehren aus Fehlern der Wind aus den Segeln genommen. Der G-BA-Vorsitzende Hecken kritisierte aber Politik und eine Fachgesellschaft für vermeintlich voreilige Beschlüsse.
Eigentlich zur Stärkung der hausärztlichen Versorgung gedacht, könnten Regelungen in dem geplanten Gesetz zu einer Verschlechterung für chronisch Kranke führen und zu erheblichen Verlusten in den Praxen – davor warnen KBV und Zi das BMG. Beim Hausärzteverband sieht man den Vorstoß der Selbstverwaltung skeptisch.
Der Zeitplan war denkbar ambitioniert und nun ist er tatsächlich nicht mehr zu halten: Das EU-Pharmapaket kann in dieser Legislaturperiode nicht mehr abgeschlossen werden. Zwar will das europäische Plenum heute einen Beschluss fassen, doch der Rat ist noch nicht so weit. Dabei ist gerade mit Blick auf die Bekämpfung der Antibiotikaresistenzen Eile geboten.
Ein pensionierter Arzt wurde gestern vor dem Berliner Landgericht verurteilt, weil er einer Frau beim Suizid assistiert hatte. Die Begründung der Richter: Die Entscheidung der Patientin sei wegen einer psychischen Erkrankung nicht ausreichend freiverantwortlich gewesen. Abgeordnete kündigten an, sich für eine neue Regelung zum begleiteten Suizid einzusetzen.
Wenn das Pflegepersonal aus der Babyboomer-Generation in den Ruhestand geht, wird es kritisch. Und das ist nicht mehr lange hin. Nach den Prognosen des aktuellen DAK-Pflegereports kommt es in einigen Bundesländern schon ab 2029 zu sogenannten Kipppunkten, an denen der Pflegenachwuchs die altersbedingten Berufsaustritte nicht mehr auffangen kann.
Durch den demografischen Wandel ist die „Generation von morgen“ umso wichtiger. Die Kinder- und Jugendhilfe aber schlägt jetzt Alarm und lädt zum Kinderschutzgipfel – denn sowohl Jugendämter als auch Träger stehen vor einer Wand aus Bürokratie, Personalmangel und fehlenden Plätzen. Das könnte auch negative Auswirkungen auf die Gesundheit der Kinder haben.
Mit dem Medizinforschungsgesetz sollen geheime Erstattungsbeträge ermöglicht werden. Doch die Anhängerschaft dieses Plans ist klein, selbst die Pharmaverbände zeigen sich wenig euphorisch. Und so bleibt die Frage: Wem nützt es? Womöglich ausgerechnet dem Konzern Eli Lilly, für dessen Milliarden-Investition gestern der symbolische Spatenstich erfolgte.
Drei Wochen vor dem Start von Lauterbachs Prestigeprojekt besteht im BMG noch weitgehend Unklarheit über die praktische Umsetzung des Transparenzverzeichnisses zur Behandlungsqualität in Krankenhäusern. Kassen, Kliniken, Länder und Opposition machen derweil deutlich: Scheitert das Vorhaben, trifft sie keine Schuld. Schließlich habe man sie nie eingebunden.