Die Bundesnetzagentur hat zahlreichen neuen Stromnetzprojekten jüngst eine Absage erteilt, zum Beispiel Netzboostern und Power-to-Gas. Dena-Chef Andreas Kuhlmann analysiert die Entscheidung und vertritt in seinem Standpunkt die Ansicht, dass die derzeitigen Planungsprozesse an ihre Grenzen gestoßen sind. Es brauche neue Verfahren.
Der neueste Sonderbericht des Weltklimarates zeigt in dramatischer Ehrlichkeit, wie wir mit unserer Lebensweise die Klimakrise weiter anheizen. Wir müssen das als Alarmsignal verstehen und endlich ins Handeln kommen, schreibt Rolf Sommer vom WWF in seinem Standpunkt. Veränderungen sind auf zwei großen Ebenen notwendig: Zuhause und vor dem Supermarktregal sowie auf Seiten der Regierung und der Wirtschaft.
Die neue Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, hat ein europäisches Klimaschutzgesetz versprochen. Wie es aussehen sollte, beschreiben Nils Meyer-Ohlendorf und Katharina Umpfenbach vom Ecologic Institut in ihrem Standpunkt. Fünf Lücken müsste das Gesetz schließen.
Der von der neuen EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen geplante „Green Deal“ wird zu einem unvermeidlichen Konflikt mit dem Freihandel führen, ist der Ökonom Jean Pisani-Ferry überzeugt. Denn für den Klimaschutz strebt von der Leyen auch eine CO2-Grenzsteuer an. Die damit verbundenen Probleme ließen sich aber, richtig gemanagt, in Chancen verwandeln.
Die Zeit ist überreif für einen CO2-Preis in Deutschland. Eine Bandbreite an Konzepten liegt auf dem Tisch – doch wie so oft steckt der Teufel im Detail. Warum die Klimawirksamkeit eines nationalen Emissionshandels zu wünschen übrig lässt und eine CO2-Steuer effektiveren Klimaschutz bietet, erklärt Lisa Badum, MdB und Sprecherin für Klimapolitik von Bündnis 90/Die Grünen.
Die derzeit viel diskutierte CO2-Bepreisung ist auch für mehr Klimaschutz im Gebäudebereich wichtig. Angesichts der zahlreichen nicht-finanziellen Hemmnisse, die der Gebäudesanierung heute im Wege stehen, braucht es aber weitere Maßnahmen, wie Veit Bürger vom Öko-Institut in seinem Standpunkt schreibt.
Autos mit Wasserstoffantrieb, Lkw nutzen synthetische Kraftstoffe, Deutschland setzt auf CCS – so beschreibt Unionsfraktionsvize Georg Nüßlein (CSU) seine Vorstellung von einem vorbildlichen klimaneutralen Land bis 2050. Beim Weg dorthin spielen auch Youtuber eine Rolle.
Die Bundespolitik ringt um den richtigen Weg bei der CO2-Bepreisung. Joachim Nitsch, Beirat im Verein CO2-Abgabe und bis 2005 Leiter der Abteilung Systemanalyse und Technikbewertung am Institut für Technische Thermodynamik des DLR, plädiert für eine pragmatische Lösung: Keine neue Steuer, sondern eine Reform der Abgaben und ein Mindestpreis im Emissionshandel.
Der Europäische Emissionshandel (EU ETS) funktioniert besser als jedes andere politische Instrument für den Klimaschutz, schreibt VCI-Hauptgeschäftsführer Utz Tillmann in seinem Standpunkt. Die Integration des Verkehrs- und Wärmebereichs in den EU ETS hält er aber für nicht zielführend. Die Emissionen, die nicht dem ETS unterliegen, sind separat in einem zusätzlichen Handelssystem zu behandeln.
Klimaschutzpolitik vergisst zu häufig die Regionen – ein Fehler, denn die Energiewende ist im Kern ein Dezentralisierungsprojekt, argumentieren Ludger Gailing und Andreas Röhring. Die beiden Forscher des Leibniz-Instituts für Raumbezogene Sozialforschung (IRS) haben zahlreiche Regionen genau unter die Lupe genommen und erfolgreiche Strategien identifiziert, wie Klimaschutzpolitik regional vorangebracht werden kann.
Die G20 Länder unterstützen den Ausbau der Kohlekraft in Schwellen- und Entwicklungsländern durch die Vergabe günstiger Kredite. Das untergräbt nicht nur das Pariser Klimaabkommen, sondern stellt für die Geberländer ein hohes Wirtschaftsrisiko dar, schreibt der Forscher Rainer Quitzow vom IASS-Potsdam. Beim kommenden G20 Gipfel in Japan müssen daher dringend die Richtlinien der Exportfinanzierung im Energiesektor verschärft werden.
Sollten die Vorschläge der Kohlekommission zwingend eins zu eins umgesetzt werden? Andreas Kuhlmann, Chef der Dena, ist anderer Meinung. Er warnt in seinem Standpunkt vor dem Verlust an Flexibilität und weist auf viele Unwägbarkeiten hin, deren Auswirkungen heute noch nicht abgeschätzt werden können. Es brauche ein Rahmengesetz, das auf die Reduktion von Treibhausgasemissionen ausgerichtet ist und in dem sich Innovationen bestmöglich entfalten können.
Vorschläge zu CO2-Preis und -Steuer gehen häufig von klar bestimmbaren Externalitäten aus, die Emissionen mit sich bringen. Der ehemalige UBA-Präsident Andreas Troge lenkt in seinem Standpunkt den Blick auf Schwachpunkte dieser Argumentation. Externe Kosten (des Marktsystems) ließen sich nicht internalisieren, sondern lediglich in andere externe Effekte überführen – in demokratische Abstimmungen oder administrative Entscheidungen.
Der von der Kohlekommission erzielte Kompromiss erfährt viel Kritik. Er führe dazu, dass die Emissionen steigen würden, hieß es zuletzt. Er sei außerdem zu teuer und der Ausstieg komme zu spät. Patrick Graichen, Direktor des Think-tanks Agora Energiewende, schreibt in seinem Standpunkt, warum der Kohlekompromiss genau seinen Zweck erfüllt und schnell umgesetzt werden muss.
Die Klimafrage wird die neue Konfliktlinie europäischer Gesellschaften. Während grüne und rechtspopulistische Kräfte europaweit triumphieren, müssen sich Parteien der demokratischen Mitte neu orientieren, schreiben Stella Schaller und Alexander Carius vom Think-tank Adelphi. Denn zukünftige EU-Klimapolitik gelinge nur mit einem glaubwürdigen Transformationsnarrativ.
Keine höhere Steuerbelastung für Sprit, Abdeckung nahezu aller CO2-Emissionen in Deutschland, schrittweise Einführung: Robert Christian Schmidt, Professor an der Fernuniversität Hagen, erläutert in seinem Standpunkt ein umfassendes Konzept für eine deutsche CO2-Besteuerung. Teil ist auch ein steuerlicher Grenzausgleich, um Carbon Leakage zu verhindern.
Wenn der Bundestag Klimaschutz und Energiewende nicht gesetzlich zum „öffentlichen Interesse“ macht, versandet die Energiewende im Klein-Klein der Partikularinteressen von Natur-, Luftfahrt- und „Anwohnerschützern“ und 8000 Seiten Gutachten je Genehmigungsantrag. Es ist Zeit für eine vernünftige Abwägung, schreibt Energierechtsexperte Martin Maslaton in seinem Standpunkt.
Die konservative Partei in Norwegen will die Auflagen des norwegischen Pensionsfonds für Investitionen in Kohle-, Öl- und Gasunternehmen verschärfen und damit staatliche Gelder aus fossilen Energien abziehen. Das würde auch die RWE-Aktien im Portfolio betreffen. Lene Westgaard-Halle erklärt in ihrem Standpunkt, warum ihr Land damit zum Vorbild wird.
Es gibt keinen belastbaren Grund, den Ökostromausbau mit dem Verweis auf einen vermeintlich zu geringen Netzausbau zu bremsen, schreibt die Sprecherin für Energiewirtschaft von Bündnis 90/Die Grünen im Bundestag, Ingrid Nestle, in ihrem Standpunkt. Das sei eine Nebelkerze.
Da geht einiges durcheinander, befindet Andreas Troge in seinem Standpunkt zur Debatte um die CO2-Besteuerung. Gegliedert in acht Thesen stellt er einige weit verbreitete Annahmen infrage – zum Beispiel, dass es eine sektorgenaue Bepreisung brauche, weil sonst nicht ausreichend Einsparanreize gesetzt würden. Er warnt vor staatlicher Sisyphusarbeit. Und fordert die Senkung von Steuern, über die derzeit keiner spricht.
Deutschland steigt im Jahr 2022 aus der Atomenergie aus, doch Länder wie China, Russland und Japan setzen weiter auf die Kernkraft. Welche Rolle die Kernenergie künftig in der Weltstromerzeugung und fürs Klima spielt, hat eine Expertenkommission der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften (Acatech) untersucht. Sie kommt zu dem Schluss, dass die Kernenergie wegen ihrer hohen Kosten in Zukunft kaum noch wettbewerbsfähig sein wird.
Die Trinkwasserversorgung trägt zum Klimaschutz bei und ist vom Klimawandel betroffen. Der Hitze-Sommer 2018 war ein Stresstest. Um die Wasserversorgung zukunftsfest zu machen, brauchen die Wasserversorgungsunternehmen auch die Unterstützung der Politik, schreibt Gerald Linke, Vorstandsvorsitzender des Deutschen Gas- und Wasserfaches in seinem Standpunkt.
Ein CO2-Preis allein ist kein Allheilmittel für mehr Klimaschutz, argumentiert Christian Noll , Geschäftsführender Vorstand der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff). Sonst müsste der Preis 1000 Euro pro Tonne betragen. Welchen Instrumentenmix es braucht, beschreibt Noll in seinem Standpunkt. Worauf es ankommt, hat die Deneff auch in einem Diskussionspapier zusammengefasst.
Bei der Suche nach einem Endlager für hochradioaktive Abfälle werden auch Daten von Öl- und Gasunternehmen benötigt. Noch nicht entschieden ist die Frage, ob und wie weit sie öffentlich gemacht werden müssen, doch derzeit sieht es nach einem restriktiven Umgang aus, der Vertrauen in den Suchprozess kosten könnte. Hartmut Gaßner, Partner der unter anderem auf Umweltrecht spezialisierten Kanzlei Gaßner, Groth, Siederer & Coll. (GGSC), plädiert in seinem Standpunkt für eine weitgehende Offenlegung.
Ist die Biomasse eine klimapolitische Allzweckwaffe? Nein, schreiben Daniela Thrän vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung und Gernot Klepper vom Institut für Weltwirtschaft Kiel in ihrem Standpunkt. Denn die Potenziale sind begrenzt. Umso wichtiger, sie klug einzusetzen. Nicht zum Heizen von Gebäuden, sondern als Kraftstoffe für den Flug-, Schiffs- und Schwerlastverkehr.
Als langwierig und behindert durch Sonderinteressen bezeichnete Sigmar Gabriel den Prozess, den bestehenden Emissionshandel ausweiten zu wollen. Lukas Köhler, klimapolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, widerspricht in seinem Standpunkt: Es ließe sich schnell umsetzen, würde den Bürger nicht überfordern und Deutschland von hohen Zahlungen wegen verfehlter EU-Klimavorgaben entlasten.
Der ehemalige Wirtschafts- und Umweltminister Sigmar Gabriel (SPD) befürwortet die Einführung einer CO2-Steuer. Eine solche müsse als „Kopf-Prämie“ an den Bürger vorab ausgezahlt werden und zwar als gleicher Betrag für alle, schreibt Gabriel in seinem Standpunkt. Allein damit ist es nicht getan: Der Staat muss zusätzlich die richtigen Anreize setzen.
Die CO2-Bepreisung ist in aller Munde. Aber ist der Ansatz derzeit mehr als eine „konsens-stiftende Leerformel“? Felix Matthes, Forschungskoordinator Energie- und Klimapolitik des Öko-Instituts, sortiert in seinem Standpunkt die Debatte und arbeitet fünf zentrale Themen heraus, über die Verständigung erzielt werden müsste. Dabei analysiert er auch die Schwachpunkte verschiedener Ansätze, zum Beispiel die Komplexität der Ausweitung des Emissionshandels auf den Verkehrssektor.
Wer eine CO2-Besteuerung fordert und gleichzeitig die Einkünfte zurück an die Bevölkerung geben will, statt sie zu investieren, schwächt die Wirkung des Instruments deutlich ab, argumentiert Johan Lilliestam vom Institute for Advanced Sustainability Studies (IASS) in Potsdam in seinem Standpunkt. Wirkungsvoller seien zum Beispiel Änderungen des Strommarktdesigns und Infrastrukturprogramme, um klimaneutralen Technologien den Aufbruch aus ihren Nischen zu ermöglichen.
Die Bundesregierung sollte Großbritannien, Frankreich und Norwegen folgen und das Potenzial von Elektrofahrzeugen für den Kampf gegen den Klimawandel nutzen, fordern LeasePlan-Chef Tex Gunning und Nigel Topping von „We Mean Business“ in ihrem Gastbeitrag.
Verkehrskommission und Bundesregierung sollten es Großbritannien und Frankreich gleichtun und das Potenzial von Elektrofahrzeugen für den Kampf gegen den Klimawandel nutzen, fordern LeasePlan-Vorstandschef Tex Gunning und Nigel Topping von „We Mean Business“ in ihrem Gastbeitrag für Tagesspiegel Background.
Der Referentenentwurf des Klimaschutzgesetzes ist als Rahmengesetz konzipiert: Er lagert das „Wie“ in einen Klimaschutzplan und Maßnahmenprogramme aus. Besonders kontrovers wird die Festlegung von Jahresemissionsmengen für die einzelnen Sektoren diskutiert, schreibt Sabine Schlacke, geschäftsführende Direktorin des Instituts für Umwelt- und Planungsrecht an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster.
Die Bewegung der Gilets Jaunes in Frankreich strahlt auch auf Deutschland aus – die Skepsis, ob eine CO2-Besteuerung akzeptiert würde, ist gestiegen. Ein Blick nach Frankreich zeigt: Entscheidend war das Zusammenspiel mit anderen Preiserhöhungen und die fehlende Rückverteilung. Man muss es sehr viel besser machen, meinen Murielle Gagnebin (Projektmanagerin) und Patrick Graichen (Direktor) vom Berliner Think-Tank Agora Energiewende.
Noch immer wird in Deutschland in sieben Reaktoren Tag für Tag radioaktiver Abfall produziert. Ende 2022 soll Schluss damit sein. Was bleiben wird, ist ein Problem, für das uns die kommenden Generationen verfluchen werden, schreibt Jochen Stay von der Anti-Atom-Organisation .ausgestrahlt.
Deutsche Alleingänge in der Energiepolitik schaden der Wirtschaft, schreibt DIHK-Präsident Eric Schweitzer in seinem Standpunkt. Gerade Deutschland müsse dem Verlangen der EU folgen und die europäischen Pläne umsetzen: mehr Markt, fairer Wettbewerb, grenzüberschreitender Handel. Das sichere die Basis der Industrie und nütze gleichzeitig dem Klimaschutz.
Ein höherer Frauenanteil würde die Energiewende vorantreiben, schreibt Christine Lins, Leiterin des Sekretariats des Global Women’s Network for the Energy Transition. Quoten, Jobsplitting und Mentoringprogramme könnten die Zahl weiblicher Führungskräfte erhöhen.
Fernwärme aus Kraft-Wärme-Kopplung ist ein integraler Baustein der Dekarbonisierung sowohl des Strom- als auch des Wärmesektors. Im Referentenentwurf des Gebäude-Energie-Gesetzes findet sich nun aber eine Bestimmung, die geeignet ist, die Fortentwicklung der Fernwärme und damit den Klimaschutz im urbanen Raum zu torpedieren, warnt Mainova-Chef Constantin Alsheimer.
Die Bundesregierung hat die baldige Einführung der CO2-Steuer vertagt. Das muss nicht schlecht sein, schreibt der CEO des Energiedienstleisters Ista, Thomas Zinnöcker, in seinem Standpunkt. Denn so bleibe mehr Zeit, die Abgabe wirklich verbraucherfreundlich zu gestalten.
Muss das Bundesverkehrsministerium für eine verfehlte Politik des Bundesumweltministeriums zahlen, wenn die Klimaschutzziele im Verkehr nicht erreicht werden? Das wird zu Konflikten führen, schreibt Elmar Baumann vom Verband der Deutschen Biokraftstoffindustrie (VDB).
Eine Reform der Energieabgaben in Deutschland kann gelingen, schreiben der Nachhaltigkeits-Berater Björn Klusmann und Johannes Lackmann von der gemeinnützigen Cum Ratione GmbH in ihrem Standpunkt. Der CO2-Preis solle aufkommensneutral, unbürokratisch, wettbewerblich und sozial ausgewogen sein. Ausweichbewegungen gelte es zu unterbinden. Für die Bürger müsse es ein Klima-Geld geben. Auch für die Industrie haben die Autoren einen Vorschlag.
Energieeffizienz und Klimaschutz sind wie eineiige Zwillinge, schreibt Klaus Körner in seinem Standpunkt. Mit energetischer Gebäudesanierung auf der Basis von Technologieoffenheit wäre beiden gedient. Die Frage sei nun, mit welchen Maßnahmen die Regierung das Sektorziel für Gebäude im Klimaschutzgesetz unterlegen werde.
Der Entwurf für das geplante Gebäudeenergiegesetz wirkt auf Christian Noll von der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz wie ein sich selbst verschlingendes Ungetüm. In seinem Standpunkt begründet er, warum das Gesetz sogar hinter Standards aus der Bronzezeit zurückfällt.
Auf die Empfehlungen der Kohlekommission müssen jetzt auch neue Maßnahmen für Gaskraftwerke folgen, fordert Timm Kehler von der Brancheninitiative „Zukunft Erdgas“. Dann müsse niemandem bange um die Versorgungssicherheit in Deutschland sein. Und die Klimaziele würden auch erreicht.
Kommissionen sollen unsere Demokratie unterstützen. Dafür müssten sie aber Lernprozesse ermöglichen, schreibt Martin Kowarsch, der als Gruppenleiter am Mercator Research Institute (MCC) zum Design wissenschaftlicher Politikberatung und zum Umgang mit Wertekonflikten forscht. Das hätte auch der Kohlekommission guttun können, die den Kompromiss womöglich überteuert erkauft habe.
Mit den Herausforderungen und Widersprüchen bei der Öffentlichkeitsbeteiligung im Auswahlverfahren für ein Atommüllendlager beschäftigt sich der Standpunkt von Wolfram König, Präsident des Bundesamtes für kerntechnische Entsorgungssicherheit. Umfassende Bürgerbeteiligung bedeute nicht, dass die Politik die schwierige Entscheidung für einen Standort abgeben könne, schreibt er.
Städtischer Industriepark oder Mountainbike-Park für Touristen – Welzow in der Lausitz setzt Ideen für die Zeit nach der Kohle längst um. Wichtig ist, Menschen, Wissenschaft und Wirtschaft am Ort mitzunehmen, wenn es um die Neuerfindung geht, schreibt Welzows Bürgermeisterin Birgit Zuchold (SPD) in ihrem Standpunkt.
Der Energiesektor mit seinen Emissionen treibt den Klimawandel voran, andererseits ist er auch deutlich von den Folgen betroffen. Wo ist diese kritische Infrastruktur besonders verletzlich, wie sollten Unternehmen und Politik reagieren? Markus Groth, Steffen Bender und Jörg Cortekar vom Climate Service Center Germany (GERICS) des Helmholtz-Zentrums Geesthacht plädieren in ihrem Standpunkt dafür, die Anpassung entschlossen voranzutreiben.
Zehn Jahre Verspätung beim Erreichen der Ziele, unentschlossenes Handeln: Bei der Energieeffizienz, insbesondere von Gebäuden, hinkt die Bundesregierung ihren Ambitionen weit hinterher. Sanierungsquote, Fokus auf Neubauten, zu wenige Fachhandwerker – die Liste der Versäumnisse ist laut Lothar Bombös, Vorstandschef des Qualitätsgedämmt e.V., lang.
Die nationale Kohleausstiegsstrategie setzt positive Anreize, berücksichtigt aber die Europäische Union zu wenig: Europäische Berichtspflichten, Unterstützungsmöglichkeiten und Kooperationsmöglichkeiten fehlen, bemängeln Sabine Schlacke von der Universität Münster und Michèle Knodt von der TU Darmstadt in ihrem Standpunkt.
Der Kohleausstieg ist beschlossene Sache. Dirk Uwe Sauer, Professor der RWTH Aachen und Sprecher des Akademienprojekts „Energiesysteme der Zukunft“ (ESYS), schlägt in seinem Standpunkt die weiteren Schritte vor. Er tritt für einen schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien, aber auch eine Marktreform ein.
Um die Klimaschutzziele zu erreichen, muss der Besitz eines privaten Autos unattraktiv werden und der ÖPNV besser funktionieren, fordern Weert Canzler und Andreas Knie. Nur dann würden die Menschen auf neue, digitale Angebote umsteigen, prognostizieren die Mobilitätsforscher vom Wissenschaftszentrum Berlin.
Zum Erreichen der deutschen Klimaschutzziele muss kein einziges deutsches Kohlekraftwerk durch politischen Eingriff stillgelegt werden, argumentiert Jürgen Hacker, der Vorsitzende des Bundesverbands Emissionshandel und Klimaschutz (BVEK), in seinem Standpunkt. Ein tatsächlich wirksamer und zugleich volkswirtschaftlich kosteneffizienter Klimaschutz sei allein über den Emissionshandel möglich – und Effizienz müsse sein, sonst drohten gelbe Westen.
Effiziente Erzeugung, gute Arbeitsplätze, ein wichtiger Beitrag zur Versorgungssicherheit: Thorsten Diercks vom Braunkohleverband DEBRIV spricht sich in seinem Standpunkt gegen die vorzeitige Stilllegung von Kraftwerken aus. 2050 seien die Anlagen auch ohne staatliche Eingriffe vom Netz. Zumindest müsse 2023 und 2026 der Fahrplan überprüft werden.
FDP-Vize Wolfgang Kubicki wirft den Grünen in seinem Standpunkt vor, für die deutschen Umweltziele die Nachteile der E-Mobilität auszublenden. Auch Handys und Laptops benötigen die kritischen Rohstoffe. Das Elektroauto führe aber zu einer dramatischen Verschlimmerung der Umstände und damit zu größerem Leid in der Welt – zu mehr Kinderarbeit, Umweltzerstörung und Ausbeutung.
Der öffentliche Druck, den die EU-Institutionen ausüben können, reicht nicht aus zur Disziplinierung der Mitgliedsstaaten in der Energie- und Klimapolitik. Michèle Knodt, Professorin der TU Darmstadt, schlägt in ihrem Standpunkt vor, die Energie- mit der Strukturpolitik zu verknüpfen. Der Zeitpunkt für eine kluge Verknüpfung sei günstig.
Der Kohleausstieg ist entscheidend für den Klimaschutz in Deutschland, schreibt Michael Otto, Aufsichtsratsvorsitzender der Otto Group und ehrenamtlich bei der Stiftung 2° – Deutsche Unternehmer für Klimaschutz engagiert. Er setzt große Hoffnungen auf ein ambitioniertes Klimaschutzgesetz als Kompass für die Wirtschaft.
Hinauszögern wird in der Kohlefrage keine Antworten liefern, argumentiert Michael Schäfer vom WWF in seinem Standpunkt. Die Länder verlangten absurde Zugeständnisse, aber es werde ihnen durch Finanzminister Olaf Scholz (SPD) auch das Leben schwer gemacht.
Natürlich verdient BMW am Verkauf neuer Autos. Gleichwohl spricht sich der Betriebsratsvorsitzende Manfred Schoch für neue Mobilitätsformen wie Ride Pooling, Ride Sharing oder Car Sharing aus. Der echte Durchbruch kommt nach seiner Einschätzung aber erst, wenn individuelle Kleinfahrzeuge mit elektrischem Antrieb vollautomatisiert auf unseren Straßen fahren. Diese E-Pods erlauben es, den Arbeitsweg produktiv zu nutzen und so den Büroaufenthalt zu verkürzen.
Beim Kohleausstieg sollten wir uns nicht auf die unsichtbare Hand des marktbasierten Emissionshandels verlassen: Braunkohletagebaue sollten zuerst und schnell auf ordnungspolitischem Wege stillgelegt werden. Ein Ausstiegsfahrplan kann entgegen der landläufigen Meinung zusammen mit dem Emissionshandel den C02-Ausstoß senken, schreiben Klaus Eisenack und Roman Mendelevitch von der Resource Economics Group an der Berliner Humboldt-Universität.
Einerseits ist der Klimawandel die komplexeste globale Herausforderung in der Geschichte der Menschheit. Andererseits ist es ganz einfach: Eine Weltwirtschaft mit niedrigerem Treibhausgasausstoß hilft den Klimawandel zu bekämpfen und macht uns dabei glücklicher, gesünder und reicher, schreibt Nick Bridge, Vertreter der britischen Regierung, in seinem Standpunkt.
Energieintensive Industrien wie die Stahl- und Zementherstellung oder die Chemiebranche erzeugen besonders hohe Emissionen. Gleichzeitig ist es dort besonders schwierig, sie zu reduzieren. Umweltstaatssekretär Jochen Flasbarth (SPD) fordert den Einsatz disruptiver Technologien wie grünem Wasserstoff.
Deutschland sollte alle Optionen zur Minderung des CO2-Ausstoßes nochmals prüfen – auch Verfahren zum Abscheiden und Speichern von Kohlendioxid im Untergrund, schreibt Reinhard F. Hüttl vom Deutschen Geoforschungszentrum (GFZ) in Potsdam.
Bei der Klimakonferenz in Kattowitz haben Saudi-Arabien, Kuwait, Russland und die USA dagegen gestimmt, den 1,5-Grad-Bericht des Weltklimarats willkommen zu heißen. Das ist ein Zeichen dafür, dass das Ende des fossilen Zeitalters näher rückt, schreibt Richard Black, Direktor der britischen Energy and Climate Intelligence Unit.
Solarstrom für Mietshäuser kann ein wichtiger Baustein der Energiewende werden, aber der Ausbau kommt bislang nur schleppend voran. Die jüngst diskutierten Vergütungskürzungen für Mieterstromprojekte wurden letztlich verhindert, haben aber Unsicherheit ob der politischen Ziele gebracht. Denn eigentlich stehen die Zeichen gut: Die steuerlichen Hemmnisse werden für Genossenschaften beseitigt, und mit dem Gebäudeenergiegesetz ergeben sich neue Chancen.