Kein Nachgeben bei den CO2-Grenzwerten für die Autoindustrie; Hilfe für die Luftfahrt nur im Gegenzug für Klimaschutzmaßnahmen. William Todts von Transport & Environment, der europäischen Dachorganisation für umweltfreundlichen Verkehr, meint: Wir können die Nöte durch Corona minimieren und die begrenzten Ressourcen bündeln, um klimafreundlicher und widerstandsfähiger aus dem Konjunkturschock hervorzugehen.
Die Bundesregierung hat grundsätzlich einen mutigen Weg eingeschlagen, mit dem sie die Wirtschaft vor den Corona-Folgen schützen will, schreibt Christiane Leonard in ihrem Standpunkt. Noch fallen in der Praxis aber ausgerechnet die Unternehmen mittlerer Größe durch das Hilfssystem, kritisiert die bdo-Hauptgeschäftsführerin. Eine Verlängerung der Rückzahlungsfristen wäre eine mögliche Lösung des Dilemmas.
Sie laden die Medikamente aus den Flugzeugen: Bodenverkehrsdienstleister stellen in der Coronakrise den Umschlag wichtiger Waren sicher. Die Politik darf die Branche nicht länger ignorieren, fordert Eric Born, Vorstandschef des Weltmarktführers Swissport.
Die fatalen Auswirkungen der Nutzung von Soja- und Palmöl im Tank auf tropische Wälder hatte die Deutsche Umwelthilfe (DUH) kürzlich in einer Studie illustriert, die vom Biokraftstoffverband und seinem Geschäftsführer Elmar Baumann kritisiert wurde. Das bietet Gelegenheit, den erforderlichen Ausstieg aus Biokraftstoffen noch einmal genauer zu erläutern. Denn Biosprit vom Acker ist keine Lösung, sondern ein großes Problem.
Bremst das Coronavirus die Verkehrswende? Die wirtschaftliche Krise wird den Etat für die Transformation schrumpfen lassen, das eigene Auto könnte wieder populärer werden, schreibt Alexander Möller, Senior Partner bei Roland Berger im Standpunkt. Wie die Krise zur Chance werden kann, erklärt er in seinem Gastbeitrag.
Angebote wie Car-Sharing und E-Roller sind zwar nett, bringen aber keinen Qualitätssprung für die Mobilität der Zukunft. Erst die Aggregation von Bewegungsdaten schafft die Voraussetzungen für eine intelligente Nutzung, meint Jürgen Fritsche, Geschäftsleitung Public Sector bei der Beratungsfirma msg. Doch dafür müssten sich die Kommunen Rechte an den Datenschätzen sichern.
Die Coronakrise dürfte viele Unternehmen dazu zwingen, Kurzarbeit zu beantragen. Doch was heißt das eigentlich? Arbeitsmarktökonom Holger Schäfer über ein sinnvolles Instrument, das nicht alle Probleme löst.
Die Anrechnung kohlenstoffarmer Kraftstoffe auf Fahrzeugstandards könnte den Autoherstellern die Einhaltung ihrer Flottengrenzwerte erleichtern. Der Preis wären Intransparenz, Glaubwürdigkeitsverlust und verschärfte Nutzungskonkurrenz mit jenen Sektoren, in denen solche Kraftstoffe unverzichtbar sind, schreibt Günter Hörmandinger von Agora Verkehrswende.
Wie gelingt die Mobilitätswende? Welche Lösungen sind wo sinnvoll? Michael Barillère-Scholz, Geschäftsführer der DB-Tochter Ioki, beschreibt in seinem Meinungsbeitrag, wie neue Mobilitätskonzepte in den bestehenden Nahverkehr integriert werden können und wie der Klimaschutz vorangebracht wird.
Trotz Bedenken, hoher Investitionen und noch unklaren Geschäftsmodellen sollte die Entwicklung von 5G vorangetrieben werden, fordern Alejandro Garcia und Magdalene Piec von dem Beratungsunternehmen Detecon International in ihrem Standpunkt. Drei Vorteile sprechen für die Technologie: eine schnellere Datenübertragung, kürzere Latenzzeiten und höhere Kapazitäten.
Wenn die Elektromobilität in Deutschland ein Erfolg werden soll, muss ihre Einbindung ins Stromnetz von Anfang an mitgedacht werden, mahnen Andreas Jahn und Julia Hildermeier von der Nichtregierungsorganisation Regulatory Assistance Project. Bisher fehle ein schlüssiger Ansatz dazu.
Die deutsche Autobranche baut noch immer lieber alles selbst, statt in Start-ups zu investieren, da helfen auch die hippen „Innovations-Hubs“ wenig, kritisiert Filip Dames. Der Investor (Auto1 und Flixbus) fordert deshalb von Industrie und Politik mehr Flexibilität für neue Lösungen – sonst bleibt nur der Platz auf der Rückbank übrig.
Uber und FreeNow verstopfen mit ihren zusätzlichen Autos unsere Städte, kritisiert Michael Oppermann, Geschäftsführer beim Bundesverband Taxi und Mietwagen. Mit ihren Niedrigpreisen setzten sie die Taxi-Branche unter Druck. Er fordert eine Vorbestellfrist für Mietwagen, die die neuen Fahrdienste wieder zurückdrängt.
Für das Klima soll Fliegen teurer werden. Doch europaweit halten Regierungen Krisen-Airlines künstlich am Leben und die Preise niedrig. Eine Konsolidierung ohne Marktverzerrungen wäre konkreter Klimaschutz, schreibt Lufthansa-Politikchef Kay Lindemann.
Mobilitätsdaten sind in Fülle verfügbar – doch von Kommunen werden sie nicht richtig verwertet, private Anbieter stellen sie nur zögerlich für Dritte bereit. Deshalb braucht es eine Dateninfrastruktur, die vom Staat betrieben werden muss, betont Boris Otto, geschäftsführender Institutsleiter des Fraunhofer-Instituts für Software- und Systemtechnik ISST. Wie der Datenschatz damit gehoben werden kann, erklärt er in seinem Gastbeitrag.
Mobilität ist zu einem profitablen Gut geworden, das gehandelt und umkämpft wird. Die Politik als Daseinsvorsorger muss sich fragen lassen, warum sie den öffentlichen Raum als höchstes Gut für private Anbieter preisgibt. Warum die Zukunft der Mobilität deshalb verhandelt werden muss, schreibt Ingo Kollosche, Forschungsleiter Mobilität am Institut für Zukunftsstudien und Technologiebewertung, in seinem Gastbeitrag.
Ein Landleben ohne Auto? Carsharing oder Elektromobilität in der Provinz? Vieles ist möglich, um den Mobilitätsbedarf im ländlichen Raum abzudecken, glauben Silvia Hennig, Gründerin und CEO des Think Tanks Neuland21, und Mathias Großklaus, Leiter des Programmbereichs Mobilität. Für den Landkreis Potsdam-Mittelmark entwickeln sie derzeit ein Konzept für autonomes Ridepooling.
Wem gehören die Daten im Auto? Wie steht es um den Schutz und die Sicherheit der Fahrzeugdaten? Julius Reiter, im Vorstand von Transparency Deutschland zuständig für das Thema Digitalisierung und Fachanwalt für IT-Recht, analysiert in seinem Gastbeitrag Korruptionsgefahren und Regulierungsdefizite.
Nach dem Tesla-Baustopp gibt es Kritik am Klagerecht von Umweltverbänden. Zu recht, meint Wolf Friedrich Spieth, Rechtsanwalt und Konzernberater. Wer im Namen der „Allgemeinheit“ streitet, dürfe die Interessen der „Allgemeinheit“ nicht außer Acht lassen, betont er. Deshalb fordert er wiederkehrende Prüfungen.
Welche Chancen bietet die Elektromobilität klassischen Energieversorgern (EVU)? Das Kompetenzzentrum Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge an der Universität Leipzig (Kowid) bereitet dazu gerade eine Studie vor. Kowid-Geschäftsführer Oliver Rottmann und seine Co-Autoren vom Beratungsunternehmen EY analysieren in ihrem Gastbeitrag geschäftliche Perspektiven der EVU.
Smart-City-Konzepte taugen nicht als Blaupause für Smart Rural Areas. Denn wer Mobilität im ländlichen Raum verbessern will, muss andere Dinge angehen als in der Stadt. Welche vier Maßnahmen bei der Digitalisierung auf dem Land beachtet werden sollten, erklärt Peter Liggesmeyer, Direktor des Fraunhofer-Instituts für Experimentelles Software Engineering.
Mehr Digitalisierung und Vernetzung sind notwendig, um die Mobilität der Zukunft voranzutreiben. Dafür braucht es jedoch mehr als einen innovativen Mobilitätsmix, erklärt Alexander Sixt, Strategievorstand bei Sixt, in seinem Gastbeitrag.
Software definiert heute die Eigenschaften der Fahrzeuge. Doch die Daten werden bisher exklusiv an die Server der Hersteller übertragen. Das birgt ein Risiko für Manipulation, meint Richard Goebelt, Leiter des Geschäftsbereichs Fahrzeug & Mobilität beim Verband der TÜV (VdTÜV). Warum er ein TrustCenters als dritte Instanz fordert, erklärt er in seinem Gastbeitrag.
Nicht nur die Jahreszahlen von Daimler zeigen, wie groß die Herausforderungen der Automobilindustrie sind. Um die Transformation zu meistern, bedarf es einer aktiven Industrie- und Innovationspolitik, fordert IG-Metall-Chef Jörg Hofmann. Warum dazu auch Entbürokratisierung bei der Weiterqualifizierung gehört und eine Anpassung beim Kurzarbeitergeld, erklärt er in seinem Gastbeitrag.
Bisher werden Güter per Diesel-Lkw in die Innenstädte befördert. Doch es gibt innovativere Ideen: Wie Waren künftig unterirdisch transportiert werden können und warum sich Hamburg dafür besonders eignet, erklärt Smart-City-Loop-Geschäftsführer Christian Kühnhold.
Die Regierung will Flughafen-Mitarbeiter stärker durchleuchten: Der Innenausschuss diskutiert heute über die Zuverlässigkeitsprüfung (ZÜP). Für die Wirtschaft bleibt die Initiative unzureichend, schreibt Robin Kunst vom Bundesverband der Deutschen Industrie.
Schlankere Planungs- und Genehmigungsverfahren sollen den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur beschleunigen. Heute gehen vom Bundestag beschlossene Gesetzentwürfe in den Verkehrsausschuss des Bundesrats. Die Grünen-Verkehrspolitiker Stephan Kühn und Matthias Gastel bezweifeln, dass der Gesetzgeber den Investitionsstau auflöst.
Ein Elektrobus kostet rund 700.000 Euro, ein Dieselbus die Hälfte: Die Kosten auf die Fahrgäste umzuwälzen, wäre unverhältnismäßig. Feste Beschaffungsquoten für E-Busse sollten deshalb nicht nur gefordert, sondern auch gefördert werden, erklärt VDV-Geschäftsführer Martin Schmitz in seinem Gastbeitrag zur heute beginnenden Elektrobuskonferenz in Berlin.
Heute wird beim Deutschen Verkehrsgerichtstag über grenzüberschreitende Unfallregulierung diskutiert. Zwar gibt es einen Anspruch für Geschädigte auch gegen ausländische Haftpflichtversicherer, doch die Abwicklung muss europaweit effektiver gestaltet werden, fordert Verkehrsgerichtstagspräsident Ansgar Staudinger.
Verkehrsminister Andreas Scheuer will die Struktur der Deutschen Bahn „ohne Denkverbote“ diskutieren. Ludolf Kerkeling, Vorstandsvorsitzender der Wettbewerbsbahnen im Netzwerk Europäischer Eisenbahnen (NEE), plädiert in seinem Meinungsbeitrag für eine effiziente Non-Profit-Infrastruktur und mehr Wettbewerb auf der Schiene.
Tesla hat vergangene Woche VW an der Börse überholt – ein schwarzer Tag für die deutsche Autoindustrie, meint Johannes Reck, CEO & Co-Gründer von GetYourGuide; er warnt: Das ist erst der Anfang der Disruption. Deshalb müsse die Politik nun ran an die Mitarbeiterbeteiligung.
Komfort und Klimaverträglichkeit, Zeit und Strecke – um das zu verbinden, sind Nachtzüge eine unschlagbare Option, wie auch der Boom des ÖBB-„Nightjets“ zeigt. Welche sechs Schritte notwendig sind, damit der Nachtzug zu einer attraktiven Flugzeug-Alternative in ganz Europa wird, erklärt der bahnpolitische Sprecher der Grünen, Matthias Gastel, in seinem Standpunkt.
Deutsche Verkehrsunternehmen betreiben seit Jahrzehnten Rufbusse und andere Angebote dem Land, schreibt Jan Schilling, Geschäftsführer ÖPNV des Verbands Deutscher Verkehrsunternehmen. Um das Angebot zu verdichten, seien zusätzliche Investitionen und ein engerer Takt nötig. Der Autor warnt davor, neuen privaten Diensten das Feld zu überlassen.
In ihrer Bioökonomiestrategie versäumt es die Bundesregierung, konkret auf entscheidende Probleme wie die Teller-Tank-Diskussion einzugehen, bedauert Elmar Baumann, Geschäftsführer beim Verband der deutschen Biokraftstoffindustrie, in seinem Standpunkt.
Die Zahl der Fluglinien, die einen Teil ihrer Emissionen mit Investitionen in den Klimaschutz kompensieren wollen, steigt. Billigflieger Easyjet will sogar alle Flüge ausgleichen – was aber weniger als 30 Millionen Euro pro Jahr kosten soll. Geht das überhaupt? Im Standpunkt antwortet Deutschlandchef Stephan Erler auf die Kritiker.
Anstatt den Verbrennungsmotor zu verteufeln, sollten wir über alternative Kraftstoffe nachdenken, schreibt Jürgen Krahl, Präsident der Technischen Hochschule OWL im Standpunkt. Ohne Biokraftstoffe ließen sich die nationalen und europäischen Klimaziele nicht erreichen. Das müsse auch die Politik erkennen.
Ohne Künstliche Intelligenz (KI) gibt es kein autonomes Fahren. Doch bevor KI ans Steuer kann, müssen Normen und Standards für die Anwendung definiert werden. Warum es dabei nicht nur um Schnittstellen und eine gemeinsame Sprache geht, sondern auch um ethische Aspekte, erklärt DIN-Chef Christoph Winterhalter.
Im Flugscham-Jahr 2019 hat die Bundesregierung die Luftverkehrsteuer erhöht. Die Frage, wie die Emissionen beim Fliegen sinken sollen, blieb unbeantwortet. Politik und Gesellschaft dürfen sich im neuen Jahr keinen Scheinlösungen hingeben, sondern müssen gemeinsam Konzepte für Zero-Emission-Flüge erarbeiten, fordert DLR-Vorstand Rolf Henke.
Barrierefreiheit ist ein Menschenrecht – wird aber noch immer als Nettigkeit empfunden, kritisiert Jürgen Dusel, Behindertenbeauftragter der Bundesregierung. Warum Barrierefreiheit endlich auch als Standortvorteil gesehen werden sollte, wie das neue Behindertenparlament dabei helfen will und wie Berlin zur Weltstadt für Barrierefreiheit werden kann, erklärt er in seinem Gastbeitrag.
Wird Hamburg zur Wasserstoff-Metropole? Darüber wird heute in der Hansestadt diskutiert. Warum der Energieträger nicht nur an der Elbe eine Schlüsselrolle für die Verkehrswende spielt, erläutert Gabriele Schmiedel, Vorstandsvorsitzende von Siemens Hydrogen Solutions.
Um Promillefahrten künftig zu verhindern, sollte in jedem Neufahrzeug eine Alkohol-Wegfahrsperre verbaut sein. Das ließe sich über die EU gesetzlich gut regeln, schreibt Siegfried Brockmann, Leiter Unfallforschung der Versicherer, in seinem Standpunkt. Ein weiteres System soll die Geschwindigkeit kontrollieren.
Donald Trump will Klimaschutzgesetze der Obama-Ära zurückdrehen und Umweltstandards für Autos aufweichen. BMW, VW, Honda und Ford geht das zu weit, sie verteidigen die Standards an der Seite von Kalifornien. Bisher nur Zuschauer: Daimler. Margo Oge, von 1994 bis 2012 Abteilungsleiterin Verkehr und Luftreinhaltung bei der US-Umweltbehörde EPA, fordert in ihrem Meinungsbeitrag den Konzern auf, Stellung zu beziehen.
Wollen wir die Pariser Klimaziele erreichen, muss die Zahl der E-Pkw und der Heimladestationen in den nächsten Jahren massiv zunehmen. Der Experte Thomas Eberhard vom Bundesunternehmen Austria Tech stellt den Hochlauf für die Alpenrepublik vor: Bis 2030 müssen rund 440 private Ladepunkte pro Werktag installiert werden. Für das Stromnetz ist das kein Problem.
Trotz zusätzlicher Bundesmittel braucht der ÖPNV künftig viel Geld. Neue Wege in der Finanzierung schlägt Oliver Mietzsch, Geschäftsführer des Zweckverbands für den Nahverkehrsraum Leipzig (ZVNL), vor. Nicht nur der Staat und die Fahrgäste sollten zahlen, sondern zum Beispiel auch Betriebe und Anwohner, deren Immobilien durch eine gute Erschließung mit dem ÖPNV mehr wert sind.
Die geplante Nationale Wasserstoffstrategie wird einen Fahrplan für die Markteinführung von Elektrolyseuren enthalten. Die aktuell diskutierte Befreiung von Umlagen und Entgelten ist jedoch der falsche Weg, schreibt Christoph Heinemann vom Öko-Institut. Sinnvoll sei vielmehr eine staatliche Förderung, die eine nachhaltige Entwicklung der Technologie anreizt.
Vergabeverfahren für Batterie- oder Brennstoffzellen-Fahrzeuge sind für Städte und kommunale Verkehrsgesellschaften eine echte Herausforderung. Wer klug ausschreibt, überlässt die Planung teilweise dem wettbewerblichen Verfahren und optimiert das Ergebnis fortlaufend, schreiben die Anwälte Ute Jasper und Laurence Westen von der Kanzlei Heuking Kühn Lüer Wojtek.
Volocopter, Lilium oder A3: Für die einen sind sie ein Graus, für die anderen die Lösung urbaner Mobilitätsprobleme. Gereon Meyer von der VDI/VDE Innovation + Technik und die Ko-Autoren Jakob Michelmann und Stefan Wolf loten die Chancen deutscher Start-ups aus. Meyer ist einer der Redner auf der Konferenz „The Future of Transportation", die heute in Wien beginnt.
Brandenburgs Landesregierung steckt in einem Dilemma: Sie hat zugesagt, Teslas neue Elektroauto-Fabrik werde vollständig mit Ökostrom versorgt – obwohl das Land Spitzenreiter bei der Braunkohle ist. Damit setzt sich die Regierung selbst unter Druck, den Kohleausstieg zu forcieren, erklärt Christian von Hirschhausen, Forschungsdirektor Energie und Verkehr beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung. Man müsse Tesla dankbar sein.
Start-ups liefern Ideen für eine neue Mobilität in den Städten und auf dem Land. Von der etablierten Industrie werden sie oft nur als Zulieferer betrachtet. Soll die Verkehrswende gelingen, muss sich das ändern, meint Vanessa Cann, Plattformmanagerin beim Start-up-Verband. Die Rahmenbedingungen für Talent und Kapital müssten verbessert werden.
Die Realität ist komplex und eine einzige Technologie wird die Antriebswende zu mehr Klimaschutz im Verkehr nicht bewältigen. Matthias Kratzsch, Technik-Chef des Entwicklungsdienstleisters IAV, plädiert für eine ganzheitliche Betrachtungsweise – und für weniger Hysterie in der Diskussion um Technologieoffenheit und Elektromobilität.
Die Bundesregierung und die EU-Kommission setzen immer noch auf synthetische Kraftstoffe für Lkw – und damit aufs falsche Pferd, schreibt der Nutzfahrzeugexperte Stef Cornelis von der europäischen Umweltorganisation Transport & Environment. E-Fuels seien viel ineffizienter als die batterieelektrische Nutzung des Stroms. Auch die Autoindustrie entwickele immer mehr Lkw mit Batterie.
Rebecca Peters, stellvertretende Bundesvorsitzende des Fahrradclubs ADFC, begrüßt die im Klimapaket vorgesehenen zusätzlichen Millionen für den Radverkehr. Jetzt müssten Städte und Kommunen das Geld schnell abrufen – und große Vorhaben wie neue Fahrradbrücken, Radschnellwege und Fahrradquartiere angehen.
Automatisierte Fahrzeuge sind sicher und effizient, ist Oliver Luksic überzeugt. Der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Fraktion fordert die Regierung auf, schnell die nötigen Gesetze auf den Weg zu bringen. Es geht um Typengenehmigungen, Haftungsfragen und Datenschutz.
Seit knapp sechs Jahren hat Deutschland nun ein Ministerium, das die digitale Infrastruktur im Namen trägt. Sinnvollerweise ist es jenes, welches auch für Verkehr verantwortlich ist. Ergebnisse? Fehlanzeige. Ein Blick zurück und nach vorne von Dirk Evenson, der lange die New Mobility World der IAA leitete.
Digitalisierung, Urbanisierung, Klimaschutz und Bevölkerungsentwicklung: Die großen Trends beeinflussen, wie wir die Mobilität der Zukunft gestalten. Dabei sind die Bedürfnisse in Städten, Vororten und auf dem Land genauso andere wie die der jüngeren und älteren Generation. Unterschiedliche Mobilitätskonzepte erfordern entsprechende Infrastrukturen, schreiben Oliver Rottmann und André Grüttner von der Universität Leipzig.
Die Debatte um eine Änderung der gesetzlichen Grundlage für Fahrdienste verläuft einseitig, kritisiert Valerie von der Tann. Sie fordert, geteilte Mobilität in den Mittelpunkt einer Reform zu stellen: Ridepooling-Angebote müssten regulär genehmigungsfähig und – sofern sie Teil des ÖPNV sind – auch mit Rechten ausgestattet werden. Drei Thesen.
Die Verkehrswende biete eine großartige Zukunftserzählung: für mehr Lebensqualität, soziales Miteinander und neue Mobilität, schreibt Ellen Ueberschär, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, in ihrem Standpunkt. Die Politik dürfe diese Chance nicht verspielen, mahnt sie. Je länger sie den Wandel hinauszögere, desto schmerzhafter werde er.
Nicht nur in der Autobranche ist eine Digitalisierung des Lebenszyklus eines Produktes eine Voraussetzung für eine emissionsärmere Produktionsweise. Die Standpunkt-Autoren Jörg Walden von ipoint und Christian Kühne aus dem Umweltministerium Baden-Württemberg sind Mitglied beziehungsweise Geschäftsführer des Thinktanks Industrielle Ressourcenstrategien.
Für Taxi- und Mietwagenunternehmen sollen die gleichen Regeln bei der Personenbeförderung gelten, fordert Alexander Mönch, General Manager von Free Now in seinem Standpunkt. Dazu gehört ein neues Tarifsystem mit Unter- und Obergrenze sowie die Erlaubnis zum Pooling.
Wir brauchen Alternativen zum Auto, schreibt der ehemalige Außenminister Joschka Fischer in seinem Standpunkt. Wo öffentliche Verkehrsangebote attraktiv und verlässlich verfügbar sind, werden sie auch genutzt. Infrastruktur schafft Nutzer. Es ist kein Naturgesetz, dass dies nur in den großen Städten gilt. Wenn wir heute die richtigen Schlüsse ziehen, profitieren wir am Ende alle.
Ohne Kobalt, Lithium und Kupfer keine Energie- und Mobilitätswende. Über die damit einhergehenden Herausforderungen wird jedoch zu wenig diskutiert, kritisieren die Aspo-Deutschland-Vorstandsmitglieder Martin Held und Jörg Schindler sowie IASS-Direktor Ortwin Renn in ihrem Standpunkt. Sie fordern einen sparsamen Umgang mit den Metallen.
Die Förderpolitik der Bundesregierung im Bereich Elektromobilität sei einseitig, kritisiert Unu-Gründer Pascal Blum in seinem Standpunkt. Nicht nur E-Autos sollten gefördert werden, sondern auch elektrische Zweiräder, fordert der Start-up-Unternehmer. Nur so lasse sich das Platzproblem in den Städten lösen.
Eine Reform des Personenbeförderungsrechts sollte vor allem die Regulierung neuer digitaler Mobilitätsanbieter im Blick haben, schreibt Alexander Möller, Senior Partner im Kompetenzzentrum Transportation von Roland Berger. Er schlägt vor, den Konflikt um die Rückkehrpflicht durch städtische Mobilitäts-Hubs zu lösen.
Um sich im Wettbewerb mit China und den USA zu rüsten, müssen sich die Akteure im Mobilitätssektor in Europa untereinander vernetzen, fordern Michael Hanke, Managing Partner bei Detecon, und Associate Partner Ludwig Michael Haas. Entscheidend sei unter anderem der Aufbau eines einheitlichen Verkehrsmanagementsystems.
Unsere Städte sind für den heutigen Wirtschaftsverkehr nicht gemacht. Zu eng die Straßen, zu wenig Parkfläche und zu viele Verkehrsteilnehmer und Bewohner. Allein der Umstieg auf umweltfreundlichere Antriebe ist jedoch keine Lösung. Es bedarf vielmehr neuer Mobilitäts- und Transportkonzepte, die den Anforderungen von Logistikern und Anwohnern gerecht werden.
Der Entwurf für den Bundeshaushalt zeigt, dass Verkehrsminister Andreas Scheuer keine Verkehrswende will: Der Großteil seines Budgets fließt in den Straßenbau. Die geringen Investitionen für Radwege sollen für 2020 sogar zurückgehen, schreibt Stefan Gelbhaar, Grünen-Fraktionssprecher für Mobilität und Radverkehr.