Der Klimaökonom Reimund Schwarze vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung fordert eine verpflichtende Katastrophenversicherung für Wohngebäude, denn Starkregenereignisse seien überall und jederzeit möglich. Ein reines Marktmodell hält er dabei für ungeeignet. Unerlässlich sei eine sozialpolitische Flankierung, schreibt der Wissenschaftler.
Trockenheit und Erntebrände in Mecklenburg-Vorpommern, Starkregen mit Verwüstung ganzer Ortschaften in Rheinland-Pfalz und NRW: Das Extremwetter zeigt vor der eigenen Haustür, was der Klimawandel in weniger gemäßigten Zonen der Erde schon seit geraumer Zeit anrichtet. Peter Renner und Olivia Henke von der Stiftung Allianz für Entwicklung und Klima fordern deshalb ein globales Konzept, um das weltweite Problem gemeinsam zu lösen.
Mit dem „Fit for 55“- Paket gibt die Kommission diese Woche den Startschuss für einen jahrelangen Prozess zur Umsetzung der neuen Klimaziele der EU. Brick Medak und Rebekka Popp vom Think Tank E3G beschreiben in ihrem Standpunkt, was es für einen gelungenen Start dieses politischen Marathons braucht.
Momentan scheint es so, als ob jedes Gespräch über die europäische Klimapolitik früher oder später um den geplanten CO2-Grenzausgleichsmechanismus CBAM kreist. Warum die EU nicht all ihre Hoffnungen darin setzen sollte, erklären Christopher Kardish und William Acworth vom Forschungs- und Beratungsinstitut Adelphi im Standpunkt.
Ein neuer europäischer Emissionshandel für Verkehr und Gebäude wäre ein Irrweg, warnen Dorothee Saar und Julian Schwartzkopff von der Deutschen Umwelthilfe (DUH) in ihrem Standpunkt. Die Lenkungswirkung sei strittig, soziale Schieflagen drohten und Lobbyinteressen könnten die Oberhand gewinnen. Sie plädieren für höhere Energiesteuern in der EU.
Quantencomputer können helfen, den Klimawandel einzudämmen, meint Udo Littke, Europachef von Atos. Dafür dürften sie aber nicht länger im Labor versteckt werden. Es gebe bereits vielversprechende Ansätze, die dringend in die Praxis gebracht werden müssten.
Grüner Wasserstoff aus Onshore-Windkraft kann bis 2030 das Preisniveau von grauem Wasserstoff aus fossiler Produktion erreichen, glaubt man bei Siemens Gamesa. Mit Offshore-Wind sei die Preisparität schon 2035 zu erreichen. Was dazu auf regulatorischer Ebene geschehen muss, erklärt CEO Andreas Nauen im Standpunkt.
Die EU-Klimaschutzverordnung regelt 60 Prozent der EU-Emissionen. Um die Klimaziele für 2030 und 2050 zu erreichen, muss die jetzt anstehende Überarbeitung der Verordnung gelingen, schreibt Nils Meyer-Ohlendorf vom Ecologic Institute in seinem Standpunkt. Er macht eine Reihe von Reformvorschläge.
Intensiv wird gerade darüber diskutiert, wie die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung am besten an die Bürger:innen zurückerstattet werden sollten. Ein prominenter Vorschlag: Abschaffung der EEG-Umlage. Der Umweltökonom Paul Lehmann äußert in seinem Standpunkt jedoch Zweifel, ob das umwelt- und sozialpolitisch sinnvoll wäre.
Das neue Klimaschutzgesetz sieht vor, der Atmosphäre CO2 zu entziehen. Dazu fehlt es Deutschland nicht an Innovationskraft, aber an mutiger Politik, schreiben Jan Minx und Arwen Colell vom Mercator Research Institute on Global Commons and Climate Change .
Der 17. Juni 2021, der 30. Jahrestag der Unterzeichnung des Nachbarschafts- und Freundschaftsvertrages zwischen Polen und Deutschland, bietet eine ideale Chance zum Einstieg in die Weiterentwicklung und Renaissance der bilateralen Beziehungen, schreibt Sylwia Andralojc-Bodych von Germanwatch. Besondere Aufmerksamkeit gebühre dabei dem Klimaschutz.
Die Wasserstoffwirtschaft entwickelt sich. Gut so, meint Dena-Chef Andreas Kuhlmann in seinem Standpunkt. Aber das reiche lange nicht. Vielmehr müsse bei der Stromversorgung, bei der Infrastruktur, bei den Fachkräften ebenso dringend mit Mut und Elan vorangeschritten werden. Er beschreibt drei zentrale Losungen, die bei der Bewältigung der großen Aufgabe Klimatransformation stets beachtet werden sollten.
Angesichts der enormen Bedeutung der Wälder für Klima- und Umweltschutz müssen Kahlschläge in der neuen EU-Forststrategie verboten werden, schreibt die Forstwissenschaftlerin und Europaabgeordnete der Grünen, Anna Deparnay-Grunenberg. Ohne eine nachhaltige Waldbewirtschaftung würde die EU an dem Ast sägen, auf dem sie sitzt.
Um die ukrainische Wasserstofferzeugung anzukurbeln, reichen Geschenke aus Deutschland nicht aus, schreiben Georg Zachmann und Lukas Feldhaus von Berlin Economics. Um längerfristig sichere und wettbewerbsfähige Exporte zu garantieren, müsse Deutschland auf tiefgreifende Reformen des ukrainischen Strommarktes bestehen.
Das Zeitalter von Erdgas ist vorbei – diese Ansicht vertritt Constantin Zerger, Leiter Energie und Klimaschutz der Deutschen Umwelthilfe. In seinem Standpunkt antwortet er auf einen Beitrag von Timm Kehler, Vorstand des Branchenverbandes Zukunft Gas, der für die Innovationskraft der Erdgaswirtschaft und klimaneutrale Gase im Gebäudebereich geworben hatte.
Sind die Braunkohle-Entschädigungen vereinbar mit EU-Recht? Diese Frage untersucht die EU-Kommission derzeit. Am heutigen Montag endet die Frist, in der Verbände und Unternehmen sich in dieses Prüfverfahren einbringen können. Eine kritische Einschätzung kommt vom Ökoenergieanbieter Greenpeace Energy: Die Braunkohle-Kompensationen könnten am Ende nicht nur den Markt verzerren, sondern auch den eigentlich geplanten Nutzen fürs Klima konterkarieren, meint Vorstand Sönke Tangermann.
Im Sommer soll das „Fit for 55“-Paket der EU veröffentlicht werden. Es soll den EU-Klima- und Energierahmen für 2030 so ausgestalten, dass die Ziele des Green Deal erreicht werden können. Christoph Rinke, Vorstand von Bürgerenergie Berlin, sagt, um die vereinbarten Klimaziele erreichen zu können, müsse die Bundesregierung die Weichen für die Bürgerenergie stellen.
Im Gegensatz zur Stromnetzplanung führt die Gasnetzplanung bislang eher ein Schattendasein, bemerken Cora Herwartz und Felix Heilmann vom Thinktank E3G. In Anbetracht der Klimaziele und der Debatte um Wasserstoffnetze fordern sie einen wissenschaftsbasierten und offenen Austausch darüber, wie eine klimagerechte Infrastrukturplanung in Deutschland aussehen sollte.
Timm Kehler nimmt den kürzlich vorgestellten Net-Zero-Fahrplan der Internationalen Energieagentur zum Anlass für zwei Hinweise: Die IEA verlange mitnichten einen pauschalen Verkaufsstopp für neue, fossil betriebene Heizungen. Und die Gasbranche arbeite an Wasserstoff-Innovationen für die globale Dekarbonisierung, schreibt der Chef des Branchenverbands Zukunft Gas.
Die verschärften deutschen Klimaziele laufen ohne eine Lösung der sozialen Konflikte ins Leere, warnt IÖW-Forscher Bernd Hirschl. Er empfiehlt in seinem Standpunkt ein neues Zusammenspiel aus Fordern, Fördern und Umverteilung im Gebäudesektor, neue Beteiligungsformen beim Erneuerbarenausbau, öffentliche Parkhäuser zum Laden von E-Autos und Kommissionen wie beim Atom- und Kohleausstieg.
Der neue Klimakurs der USA mag dasselbe Ziel vor Augen haben wie der Green Deal der EU – doch die Wege dahin sind durchaus unterschiedlich. Das könnte zu Spannungen führen, schreibt Samantha Gross, Direktorin für Energiesicherheit bei der amerikanischen Denkfabrik Brookings Institution.
Ist ein radikaler Schnitt mit der Energieinfrastruktur notwendig für die Dekarbonisierung? BDEW-Chefin Kerstin Andreae meint in ihrem Standpunkt: Nein, im Gegenteil. Mit Strom-, Gas- und Fernwärmenetz seien die entscheidenden Strukturen für die Wärmewende bereits vorhanden. Ihnen komme in der Übergangszeit und auch bei vollständiger Klimaneutralität eine entscheidende Rolle zu – dazu brauche es aber kluge Regulierung.
Bis 2030 sollte Deutschland auf dem gleichen Minderungspfad voranschreiten wie in den vergangenen drei Jahren, fordert Joachim Nitsch vom Verein CO2-Abgabe. Dann wären bis dahin schon 73 Prozent weniger Emissionen erreicht. Wie das konkret möglich wäre, beschreibt Nitsch in seinem Standpunkt.
Die Prognosen der Bundesregierung zum Strombedarf liegen eher im unteren Bereich des Erwartbaren, meint auch Werner Götz, Chef des Übertragungsnetzbetreibers Transnet BW. Damit sei der errechnete Netzausbaubedarf nur das Minimum. Um das genauer abschätzen zu können, brauche es ein sektorenübergreifendes Zielbild des Energiesystems.
Die Konferenz zur Zukunft Europas kann ein Meilenstein der EU Klimapolitik werden – vorausgesetzt ihre Empfehlungen sind konkret und konzentrieren sich auf die Handlungsfähigkeit der EU, schreibt Nils Meyer-Ohlendorf vom Ecologic Institut. Er macht drei Vorschläge für eine klimapolitisch erfolgreiche Konferenz.
Die Umstellung auf eine klimaneutrale Lebensweise ist zügig möglich – auch in unserer modernen Industriegesellschaft, schreibt Ralf Schmidt-Pleschka vom Ökostromversorger Lichtblick. Es brauche dafür allerdings eine ganze Reihe politischer Reformen. Der Standpunkt stellt die aus Sicht des Autors fünf drängendsten Aufgaben vor.
Viele Ansätze sind lobenswert im ersten Entwurf der neuen Richtlinie zur Förderung erneuerbarer Energien (REDIII), meint Simone Peter, Präsidentin des Bundesverbandes Erneuerbare Energie (BEE). In ihrem Standpunkt erklärt sie, wo es aber an ambitionierten Zielquoten und Verbindlichkeiten mangelt.
In einer heute veröffentlichten Analyse des Kopernikus-Projekts Ariadne nehmen Grischa Perino und Kollegen von Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung sowie der Uni Hamburg den paradoxen Effekt der Marktstabilitätsreserve auseinander. Er sorgt mitunter dafür, dass sie entgegen ihrer eigenen Zielsetzung im EU-Emissionshandel für mehr statt weniger Emissionen und Preisschwankungen sorgt. Eine Lösung haben die Forscher auch parat.
Die Finanzierung der Energiewende ist nicht das Problem. Wind- und Solarstrom sind die günstigsten Energieformen aller Zeiten. Um wirklich auf einen 1,5-Grad-Pfad zu kommen und das Pariser Klimaabkommen einzuhalten, gilt es die Verhinderungsplanung und Blockaden der großen Koalition zu überwinden. Das fordern die drei grünen Bundestagskandidaten Katharina Beck, Philip Alexander Hiersemenzel und Simon Gabriel Müller in ihrem Standpunkt.
Die derzeitige Konstellation des Strommarkts benachteiligt die erneuerbaren Energien und schafft für fossile Kraftwerksbetreiber weitgehend risikolose Möglichkeiten zu Arbitrage-Gewinnen, meint Klaus Mindrup, SPD-Umweltexperte im Bundestag. Er plädiert in seinem Standpunkt für Reformen, die Flexibilität, Eigenverbrauch und Speicherung belohnen.
Die Rhetorik zur Klimasicherheit stimmt, aber die Politik hinkt der Wissenschaft weit hinterher, schreibt Sabrina Schulz in ihrem Standpunkt. Sie startet in wenigen Tagen als Geschäftsführende Direktorin des Sustainable Development Solutions Network Germany und plädiert anlässlich des Biden-Klimagipfels für einen klaren und strategischen Kurs, um Konflikten vorzubeugen und sie einzudämmen.
Der Zusammenschluss Scientists for Future veröffentlicht heute einen 16-Punkte-Vorschlag für eine klimaverträgliche Energieversorgung in Deutschland. Urban Weber, Professor der TH Bingen, baut in seinem Standpunkt auf diesen Forderungen auf und plädiert für einen massiven Ausbau von Wind- und Solarkraft. Die Zeit der Ausreden sei vorbei.
Zahlreiche Staaten sollten den internationalen Klimagipfel diese Woche zum Anlass nehmen, ihre Klimapläne zu schärfen, meinen die beiden Expertinnen für internationale Klimadiplomatie Jennifer Tollmann und Jule Könneke vom Thinktank E3G. Deutschland könnte dafür wichtige Signale setzen.
Geldpolitik ist nicht neutral, sie wirkt auf Klima und Gesellschaft. Deshalb fordern die Finanz- und Wirtschaftsexpert:innen Gerhard Schick, Adam Tooze, Daniela Gabor und Pierre Monnin eine neue demokratische Legitimation für Zentralbanken. Der Text entstand im Anschluss an die internationale Konferenz „Next Generation Central Banking: Climate change, inequality, financial instability“ im Februar.
Wie sollten Wasserstoffnetze reguliert werden? Kerstin Andreae plädiert in ihrem Standpunkt gegen einen zweigleisigen Ansatz. Gas- und Wasserstoffinfrastruktur sollten einheitlich behandelt und gedacht werden, um Stabilität zu garantieren und langfristig zu planen, argumentiert die Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung.
Nationale Klimaziele sind der falsche Weg. Kollektive Ziele der EU lassen sich effizient durch eine Ausweitung des Emissionshandels umsetzen. Die Mitgliedsstaaten behalten dennoch weiterhin die Eigenverantwortung, die Auswirkungen des Emissionshandels bei sich möglichst günstig zu beeinflussen, argumentiert Andreas Luczak von der Fachhochschule Kiel in seinem Standpunkt.
Hochschulen müssen fit werden für die Klimazukunft. Das ist in Zeiten der Pandemie keine zusätzliche Anforderung, sondern eine Chance, altbekannte Probleme zu lösen. Dafür müsste allerdings ein Sonderprogramm für klimaneutrale Wissenschaft aufgelegt werden, schreiben der Ökonom Uwe Schneidewind und Kai Gehring, Bundestagsabgeordneter der Grünen.
Die Nationally Determined Contribution (NDC) der EU zum Pariser Klimaschutzabkommen ist ein Schritt nach vorne, bleibt aber hinter dem Notwendigen zurück, wie eine Analyse der Leiterin Klimaschutz des WWF, Viviane Raddatz, zeigt. Problematisch sei insbesondere die Einbeziehung von CO2-Senken, auch die Ausweitung des Emissionshandels sieht sie skeptisch.
Wie kann die Gasdominanz Russlands strategisch eingehegt werden? Der Wissenschaftler Thomas O’Donnell von der Hertie School of Governance prüft in seinem Standpunkt die Möglichkeit, die Ukraine mit ihren großen Gasspeichern zu einer Art „Zentralbank“ für europäische Energie zu machen und sie als Puffer zu nutzen. Zusammen mit weiteren Alternativen zu den Nord-Stream-Pipelines verbessere das die Versorgungssicherheit stark.
Alle Welt spricht über Corona. Dabei spielt sich vor unseren Augen eine viel größere Katastrophe ab, die immense Auswirkungen auf Unternehmen weltweit haben wird. Doch viele Managerinnen und Manager unterschätzten immer noch die Gefahren, warnt Michael Bruch von Allianz Global Corporate & Specialty.
Individuelle Verantwortung der Mitgliedsstaaten – weniger kollektive Ziele für die EU – sind Voraussetzung für eine erfolgreiche EU Klimapolitik. Die Erhöhung der Reduktionsziele für Mitgliedsstaaten sollte Ausgangspunkt der Überarbeitung der EU Klimapolitik sein, nicht eine diffuse Diskussion zur Ausweitung des Emissionshandels, schreibt Nils Meyer-Ohlendorf.
Phosphorrecycling aus Klärschlamm ist ab 2029 in Deutschland vorgeschrieben. Oliver Rottmann (Uni Leipzig) und Martin Lebek (Remondis) erklären in ihrem Standpunkt, warum sich die Phosphorrückgewinnung als exzellentes Beispiel für die Vorteile der Kreislaufwirtschaft eignet und auch mit hohen CO2-Einsparungen verbunden ist. Das müsse bei der Vergabe öffentlicher Aufträge stärker berücksichtigt werden.
Der europäische Emissionshandel wird zum Spielball von Spekulation. Michael Pahle, Leiter der Arbeitsgruppe Klima- und Energiepolitik am PIK, beschreibt in seinem Standpunkt, wie sich Preiswellen bilden, warum sich die Lage demnächst eher noch verschärft und wie regulatorisch gegengesteuert werden könnte. Er betont aber: Spekulation bietet auch Vorteile.
Die Unternehmen wollen in die Zukunft investieren – sei es in die E-Mobilität, in die Windkraft oder in neue industrielle Prozesse und Materialien. Dafür brauchen sie aber schnellstmöglich, noch vor der Bundestagswahl, positive Signale aus der Politik, argumentieren der brandenburgische SPD-Wirtschaftsminister Jörg Steinbach und der SPD-Umweltexperte Klaus Mindrup in ihrem Standpunkt.
Raus aus dem Energiecharta-Vertrag, und zwar so schnell wie möglich, fordern die beiden grünen Abgeordneten Katharina Dröge (Bundestag) und Tom van der Lee (Parlament der Niederlande). Das wäre zwar nicht einfach – aber angesichts der Einschränkungen für eine effektive Klimapolitik dringend notwendig.
Das Klima retten wir gemeinsam: DGB-Chef Reiner Hoffmann und der finnische Spitzengewerkschafter Antti Palola rücken in ihrem Standpunkt die „Just Transition“ in den Fokus. Nur mit hoch qualifizierten und motivierten Beschäftigten und Solidarität werde die Transformation Richtung Klimaneutralität gelingen.
Die Dekarbonisierung der Industrie wird eine zentrale Aufgabe der Klimaschutzpolitik. Barbara Praetorius, Professorin der HTW Berlin, entwirft in ihrem Standpunkt die Grundzüge und Anforderungen einer wirksamen Strategie, die Marktmechanismen, Förderung und Ordnungsrecht zusammenbringt und zu Technologieführerschaft führen soll.
Der Gebäudesektor verfügt über einen mächtigen Hebel zur Erreichung der Klimaziele: energetische Sanierungen. Hier ein höheres Tempo zu erreichen, erfordere ein schlüssiges Anreiz- und Finanzierungskonzept. Klimaschutz und Kostenverantwortung ließen sich ausbalancieren, schreibt Michael Zahn, CEO des Immobilienkonzerns Deutsche Wohnen, in seinem Standpunkt.
In seinem Standpunkt fordert Nabu-Präsident Jörg-Andreas Krüger mehr Entschlossenheit bei der CO2-Reduktion. Der Emissionsrückgang durch Corona täusche über die Versäumnisse hinweg. Die neue Bundesregierung müsse an vielen Stellen anpacken – und zwar schnell.
Hohe, aber nicht ganz genau bestimmbare Risiken, enorme Externalitäten – die Klimakrise und die Coronapandemie weisen trotz sehr unterschiedlicher Zeitskalen Parallelen auf, schreibt Robert Schmidt, Mikroökonomie-Professor der Fernuni Hagen. Demokratien müssten neue Wege beschreiten, um komplexe Probleme zu bewältigen. Er plädiert für gestärkte Expertengremien und Bürgerversammlungen.
Unternehmen und Institutionen befassen sich zunehmend mit dem Einkauf von grünem Strom. Aus Sicht des WWF ein positiver Trend – wenn die Qualität stimmt. Denn die volle Wirkung entfaltet der Ökostrombezug erst dann, wenn nachweislich ein Zusatznutzen für die Energiewende entsteht. WWF-Energieexperte Henrik Maatsch ordnet in seinem Standpunkt auf Basis eines neuen Leitfadens die Kriterien und macht Unternehmen einen Vorschlag, wie sie am sinnvollsten vorgehen.
Nach Ansicht von Yvonne Zwick hat der Bund es in den Corona-Konjunkturpaketen versäumt, klare Zeichen für nachhaltiges Wirtschaften zu setzen. Die Vorsitzende des Unternehmensnetzwerks B.A.U.M. fordert, die gesellschaftliche „licence to operate“ an die Transparenzleistung von Unternehmen zu knüpfen.
Die EEG-Novelle bietet eine Chance, grundsätzliche Benachteiligungen der Energieeffizienz endlich abzuschwächen, argumentiert Carsten Müller in seinem Standpunkt. Der CDU-Abgeordnete und Vorstandschef der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff) rät zu einer Reform, die das Energieeinsparen belohnt, und schreibt: „Lassen Sie uns keine Dinos sein!“
Spätestens nach der Bundestagswahl werden in der deutschen Klima- und Energiepolitik die Weichen neu gestellt. Gunther Kegel, Präsident des Elektroindustrie-Verbands ZVEI, setzt in seinem Standpunkt vier Schwerpunkte, mit denen die Ökonomie in den Dienst der Ökologie gestellt werden könne. Beim zukünftigen Stromverbrauch fordert er, die Bundesregierung müsse sich ehrlich machen.
Wie weiter bei Nord Stream 2? Brick Medak und Felix Heilmann vom Thinktank E3G schlagen einen Stufenplan unter Leitung von Kanzlerin Angela Merkel vor. Er soll aus einem Moratorium, einem Gipfel und der Studie eines internationalen Expertengremiums bestehen.
Künstliche Intelligenz kann eine Schlüsseltechnologie im Kampf gegen den Klimawandel sein – oder ihn weiter vorantreiben. Eine verantwortungsvolle KI-Anwendung sei deswegen nötig, schreibt Lucas Spreiter vom KI Bundesverband. In seinem Standpunkt nennt er sieben Schritte für einen nachhaltigen und klimaschützenden KI-Einsatz.
Auf der Münchner Sicherheitskonferenz könnten ab morgen erste große Schritte in Richtung einer neuen transatlantischen Klimapolitik- und Energiepartnerschaft zu beobachten sein, hofft Berater und Professor Friedbert Pflüger. Er sieht gewaltige Potenziale für USA und EU zur Zusammenarbeit, von Technologie bis Diplomatie. Etwas Geduld und Verständnis für unterschiedliche Interessen sei aber gefragt, schreibt er in seinem in seinem Standpunkt.
Heftig wird debattiert, wie das EEG ausgestaltet werden muss, um einen Ökostromanteil von 65 Prozent im Jahre 2030 zu erreichen. Andreas Luczak, Professor für Regenerative Energien an der Fachhochschule Kiel, wundert sich in seinem Standpunkt, welchen Sinn so ein nationales Ziel angesichts des europäischen Emissionshandels überhaupt noch hat.
Der Veränderungsdruck auf Unternehmen durch den Klimaschutz ist allgegenwärtig, argumentiert Felix Staeritz, Experte für Innovation in Großunternehmen, in seinem Standpunkt. Geschäftsmodelle seien gefährdet. Er rät zu digitalen Plattformen und Kooperationen mit Gründern. Die Großen von heute hätten auch Wettbewerbsvorteile, müssten sie aber konsequent nutzen.
Eine zu niedrige Eigenkapitalverzinsung für die Betreiber der Energienetze könnte zum Stolperstein für die Energiewende werden, argumentiert Ralf Schodlok, Vorstandsvorsitzender der ESWE Versorgungs AG aus Wiesbaden, in seinem Standpunkt. Er beklagt den Argwohn, mit der der Branche begegnet werde. Die Bundesnetzagentur sei auf dem Weg, zur Innovationsbremse zu werden.
Das Bundeswirtschaftsministerium hat den richtigen Weg eingeschlagen, um den schnellen Markthochlauf für Wasserstoff zu ermöglichen, urteilt Sebastian Bleschke in seinem Standpunkt. Der Geschäftsführer der Initiative Erdgasspeicher (INES) stellt fest, dass der Netzbau deutlich schneller gehen wird als bei Erdgas – auch die Kosteneffizienz ist aus seiner Sicht gewahrt.
Das Thema Methan-Emissionen wurde bislang unterschätzt, kleingeredet, abmoderiert, kritisiert Constantin Zerger von der Deutschen Umwelthilfe. Zwar hätten die EU und Deutschland Besserung versprochen. Doch statt nur die Datenlage zu verbessern sollte der Gesetzgeber dringend regulatorische Maßnahmen zur Senkung der Emissionen ergreifen.
Deutschland setzt nach Wind- und Solarkraft auf Wasserstoff, um den Klimaschutz voranzutreiben. Konsequent und richtig, finden Christian Held von der Kanzlei BBH und Energiepolitik-Professor Friedbert Pflüger von der Uni Bonn. Für den schnellen Markthochlauf müsse die Politik aber regulatorische Hürden beseitigen und funktionierende Märkte schaffen. In ihrem Standpunkt machen sie Vorschläge, wie das gelingen könne.
Bei dem schweren Vorfall am 8. Januar im europäischen Stromnetz haben sich Speicher bei der Netzstabilisierung verdient gemacht, wie eine Auswertung aus der Praxis zeigt. Hans Urban, Berater unter anderem bei der Smart Power GmbH, sieht großes Potenzial in der Regelenergie für Speicher – und plädiert dafür, den Einsatz mit den Innovationsausschreibungen zu verbinden. Die Bundesregierung sei gefragt, die entsprechenden Regeln auf den Weg zu bringen.
Der Ausbau der Erneuerbaren soll laut EEG in einigen Jahren möglichst ohne Subventionen weitergehen. Doch aus heutiger Sicht ist der Umstieg auf einen rein marktgetriebenen Ausbau nicht vereinbar mit dem 65-Prozent-Ziel – es sei denn mit extrem hohen CO2-Preisen. Das zeigen neue Analysen von Aurora Energy Research, die Casimir Lorenz in seinem Standpunkt präsentiert.
Die endogene Rationierung – die automatische Absenkung der ausgeschriebenen Windkraftleistung – ist keinesfalls so harmlos, wie es von der Bundesregierung heißt. Sie werde schon in den kommenden Monaten Zähne zeigen, schreibt Jörn Schaube, Referent Energiepolitik der Klima-Allianz Deutschland, in seinem Standpunkt. Statt auf den „beihilferechtlichen Olymp“ gelangen zu wollen, solle das Instrument abgeschafft werden.