Wie ließen sich die Einnahmen aus der CO2-Bepreisung am besten rückverteilen? Darüber scheiden sich die Geister, wie eine Studie von Michael Pahle, Linus Mattauch und Stephan Sommer zeigt. Anhand der Erkenntnisse schlagen die Forscher einen regionalen Klimabonus vor – oder schlicht die Wahlfreiheit der Bürger zu erhöhen.
Durch die hohen Öl- und Gaspreise werden jeden Tag annähernd eine Milliarde Euro in die russische Kriegskasse gespült, sagt Norbert Röttgen vom Auswärtigen Ausschuss. Das sei fatal – daher müsse die Bundesregierung die Importe aus Russland einstellen.
Ein Dutzend Energiewirtschaftsfachleute veröffentlicht heute einen offenen Brief, der umreißt, welche Optionen es für Deutschland und die EU gibt, auf die russische Aggression umfassend und schnell zu reagieren. Tagesspiegel Background veröffentlich das Schreiben, das sich an Gesellschaft, Wirtschaft und Politik richtet und heute auch ans Wirtschaftsministerium geschickt werden soll, als Standpunkt.
Aufbruch in den grünen Wärmemarkt: Dena-Chef Andreas Kuhlmann stimmt Martin Pehnt vom Ifeu zu, dass es losgehen muss. In seinem Standpunkt ergänzt er, weist auf Schwierigkeiten hin und stellt fest: Es brauche dringend neue Politikkonzepte. Große Herausforderung bleibe die Ambivalenz zwischen Eilbedürftigkeit und Sorgfältigkeit.
Die Umstellung neuer Heizkessel auf 65 Prozent Erneuerbare bis 2025 braucht einen Innovationsschub: Clevere Wärmepumpen, Wärmenetze, eine Ausbildungsoffensive, Pop-up-Heizungen und soziale Abfederung. Die Umsetzung würde Milliarden Euro aus Gasimporten in die Wirtschaft vor Ort lenken, schreibt Martin Pehnt vom Ifeu in seinem Standpunkt.
Gut gemeint, aber halbherzig umgesetzt: Hagen Lessing, CEO der Ista-Gruppe, hält die neue Heizkostenverordnung schon jetzt für renovierungsbedürftig. Es sei zwar positiv, dass Mieter über ihren Verbrauch informiert werden müssen. Auf Papier allerdings und zu selten – es brauche dringend einen Modernisierungsschub. Nur durch schnelles Feedback für die Verbraucher ließen sich die Einsparpotenziale heben, schreibt er in seinem Standpunkt.
Die Netzbetreiber in Deutschland und Europa stehen im Zuge neuer Regulierung vor erheblichen strukturellen und technischen Herausforderungen im Bereich der Cybersicherheit. Maik Neubauer, Senior Advisor bei Decomplexity Europe, sieht erheblichen Nachholbedarf, denn noch verließen sich Netzbetreiber zu sehr auf theoretische Grundlagen.
Mehr als die Hälfte der Klimawirkungen des Flugverkehrs ließen sich durch Änderung der Flughöhe vermeiden. Darauf deuten Modellrechnungen hin, schreiben Joachim Curtius und Christoph Wolff im Standpunkt. Die Politik sollte Anreize setzen, dass Airlines auch klimaschädliche Nicht-CO2-Emissionen reduzieren.
Die explodierenden Energiepreise machen schmerzhaft deutlich, wie wichtig eine möglichst rasche und ökonomische Umsetzung der Energiewende ist. Höchste Zeit, die nationale Wasserstoffstrategie unter diesem Aspekt zu hinterfragen, findet Andreas Luczak, Professor der Fachhochschule Kiel.
An Willensbekundungen der Politik, Planungs- und Genehmigungsverfahren für Energieinfrastruktur zu beschleunigen, besteht kein Mangel. Woran es in der Praxis mit den Behörden hapert, trägt Ines Zenke, Partnerin der Energierechtskanzlei BBH, in ihrem Standpunkt vor. Manche ihrer Erlebnisse taugen zur Party-Anekdote.
Das Versäumnis, den langfristigen Bedarf an erneuerbaren Speicherkapazitäten zu planen, könnte die Energiewende gerade dann zum Stillstand bringen, wenn sie beschleunigt werden muss, schreibt Malcolm Turnbull, der ehemalige Premierminister von Australien.
Für die Transformation der Energiemärkte braucht es neue Kraftwerke zur Absicherung von Fluktuation. Soweit herrsche Einigkeit, meint Timm Kehler von Zukunft Gas in seinem Standpunkt. Es fehle aber an Anreizen, zu investieren. Dringend müsse deshalb ein Kapazitätsmarkt geprüft werden.
Um die Produktion von grünem Strom und Wasserstoff massiv ausbauen zu können, sollte die EU enger mit ihrem Nachbarkontinent kooperieren, fordert EIB-Präsident Werner Hoyer in seinem Standpunkt. Der Investitionsbedarf sei hoch, das Engagement werde sich aber auszahlen.
Während Deutschland die Taxonomie-Aufnahme von Gas, schließt eine von Spanien geführte Gruppe an EU-Ländern das strikt aus. Im Gastbeitrag mahnt Teresa Ribera, Stellvertretende Ministerpräsidentin Spaniens, dass die Hebelwirkung der Taxonomie auf die Energiepreisentwicklung und den industriellen Wandel mehr Beachtung finden müsse.
65 Prozent erneuerbare Wärme sollen laut Koalitionsvertrag ab 2025 bei neu eingebauten Heizungen Pflicht sein. Doch was heißt das genau? Hendrik Ehrhardt vom Wärmepumpenhersteller Stiebel Eltron interpretiert die Aussage wirtschaftlich und technisch – und mahnt zu schnellem Handeln. Mit unausgereiften Alternativen zur Wärmepumpe dürfe man sich nicht länger aufhalten.
Die US-Demokraten haben zum Verdruss ihrer europäischen Partner ihr großes Klimaschutzpaket immer noch nicht verabschieden können – aber die Situation im Kongress ist nicht die einzige Hürde für Klimaschutz in den USA. Es geht auch um Städte, Kommunen und Gerichte, wie Noah Gordon von Adelphi in seinem Standpunkt herausarbeitet.
Die Energiewende muss nun mit noch nie gesehenem Tempo vorangebracht werden – ohne dabei die Akzeptanz der Menschen zu verlieren. Denn das passiert allzu schnell, wenn die Bevölkerung entschädigt, aber nicht in den Prozess mit einbezogen wird, argumentieren Arwen Colell und Brigitte Knopf vom Mercator Institut (MCC). Sie erläutern, was es für eine echte gesellschaftliche Trägerschaft braucht.
40 Prozent der Emissionen in der Europäischen Union hängen an einem einzigen Klima-Instrument: dem Europäischen Emissionshandel. Kein anderes Instrument könne beim Klimaschutz verlässlicher liefern, deshalb müsse ein starkes Klima-Signal bei der ETS-Reform gesetzt werden, meint der grüne Europa-Abgeordnete Michael Bloss in seinem Standpunkt. Dafür seien vier Schritte notwendig.
Trotz des Debakels der EU-Taxonomie müssen Deutschland und Frankreich schnell und kraftvoll eine lange klimapolitische Agenda angehen, fordern Audrey Mathieu von Germanwatch und Neil Makaroff von der NGO Réseau Action Climat France in ihrem Standpunkt. Die Zeit für das Fit-for-55-Paket drohe abzulaufen.
Die Energiepreiskrise zeigt: Auch ohne Nachhaltigkeitserwägungen lohnt der Umstieg auf einen grünen Mix an Energieträgern, meint Hanno Balzer von der HH2E AG in seinem Standpunkt. Flexibilität und Speicherbarkeit werden aus seiner Sicht zur neuen „Leitwährung“ der Energiewirtschaft.
Wirtschafts- und Klimaminister Robert Habeck plant, dem Klimaschutz eine ressortübergreifende Kompetenz einzuräumen. Das sei richtig, meint Rechtsprofessor Martin Maslaton. Der Minister dürfe aber den Widerstand von einigen Bundesländern und Gemeinden nicht unterschätzen. Wenn sein kommunikativer Weg nicht zum Erfolg führt, könne er eine Bundesbehörde mit der Planfeststellung für neue Windparks und Solarkraftwerke betrauen.
Ist allein die unmittelbare Emissionsminderung die entscheidende Größe bei der Gestaltung der Energiewende im Gebäudebereich? Nein, meint Christian Stolte, Bereichsleiter der Dena. Er schlägt vor, aufgrund der vielfachen Vorteile, das Thema Energieeffizienz umfassend anzugehen und stellt Umsetzungsforderungen an die neue Bundesregierung.
Die EU hat den Beitrag der CO2-Entnahme zur Erreichung ihrer Klimaziele noch nicht geklärt. Die Mitteilung der Kommission zu Kohlenstoffkreisläufen war eine Gelegenheit, für mehr Klarheit zu sorgen. Aber sie lässt wichtige Fragen offen und stellt die Weichen für die weitere Debatte teils falsch, kritisiert Nils Meyer-Ohlendorf vom Ecologic Institut.
Die Bundesnetzagentur soll unabhängiger werden, so hat es der EuGH entschieden. Doch Gerichtsstreitigkeiten wie zur Festlegung des Eigenkapitalzinssatzes zeigen, dass die Gerichte längst zu einem Vertrauen gegenüber der Behörde übergegangen sind und die inhaltliche Auseinandersetzung nicht allein dort stattfinden kann. Einen Vorschlag, um diesen Zwist aufzulösen, macht Christoph Müller von Netze BW: Es brauche ein unabhängiges wissenschaftliches Expertengremium, das Rechtssicherheit schaffe.
Atomkraft und fossiles Erdgas sollen als grüne Investments deklariert werden, schlägt die EU-Kommission im Rahmen der Taxonomie vor. Eine komplette Fehlentwicklung, die die Bundesregierung klar ablehnen muss, meint Constantin Zerger, Leiter Energie und Klimaschutz der Deutschen Umwelthilfe. Er analysiert in seinem Standpunkt insbesondere die Bedingungen, unter denen fossile Gas-Kraftwerke laut Kommissions-Entwurf als grünes Investment gelten sollen.
Spekulanten treiben die Preise im europäischen Emissionshandel in die Höhe, meint der ehemalige BVEK-Vorsitzende Jürgen Hacker. Das verschleiere die tatsächlichen Vermeidungskosten für CO2-Emissionen. Um den Auswüchsen Einhalt zu gebieten, schlägt er eine Reform vor, die spekulative Anleger aus dem Markt drängen würde.
Die Europäische Kommission treibt mit ihren Plänen zu Kohlenstoffkreisläufen die Entnahme von CO2 aus der Atmosphäre voran. Gerade das Ziel Klimaneutralität macht ein gezieltes Vorgehen unvermeidlich, argumentieren Felix Schenuit und Oliver Geden von der SWP in ihrem Standpunkt, auch wenn der Schwerpunkt auf der Emissionsvermeidung liegen müsse. Sie raten der Bundesregierung zu einer stärkeren Positionierung.
Das Klimaschutzgesetz sollte um weitere Indikatoren, die über den CO2-Austoß hinausgehen, erweitert werden, argumentieren André Horstkötter von Thyssenkrupp Steel und Karsten Neuhoff vom DIW Berlin. Denn allein die Emissionsdaten zeichnen ein verspätetes Bild und umfassen nicht die reale Entwicklung, zum Bespiel getätigte Investitionen.
Hohe Energie-, Rohstoff- und Materialpreise halten den Coronagebeutelten Wirtschaftsstandort Deutschland in Atem. Die kreislaufwirtschaftlichen Strukturen zu optimieren kann sowohl dieses Problem abschwächen als auch die CO2-Emissionen signifikant senken, meint Daniel Jürgenschellert von der Unternehmensberatung Helbling Business Advisors in seiner Analyse. Gesellschaft, Umwelt und Unternehmen gewinnen dabei gleichermaßen.
Mehr Intelligenz, mehr Steuerbarkeit für neue Verbraucher braucht es im Stromverteilnetz, damit es wirklich zu einem „Klimaneutralitätsnetz“ werden kann. Frank Borchardt vom Forum Netztechnik/Netzbetrieb (FNN) des Elektro-Verbandes VDE appelliert in seinem Standpunkt an die neue Bundesregierung, die abgebrochene Diskussion um verbindliche neue Regeln schleunigst wieder aufzunehmen – auch wenn unterschiedliche Interessen abgewogen werden müssen.
Um die Klimaschutzziele bis 2030 zu erreichen, wird der Investitionsbedarf des Staats auf 30 bis 50 Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Woher könnten diese Mittel langfristig kommen? Und wofür sollen die Einnahmen aus dem Emissionshandel am besten ausgegeben werden? Aus wissenschaftlicher Sicht sei klar, schreibt Stefan Thomas vom Wuppertal Institut: Optimal ist eine Verwendung für Klimaschutzmaßnahmen und eine pauschale Rückerstattung. Die EEG-Umlage abzuschaffen sei dagegen kontraproduktiv.
Das Thema Erdgasimporte lässt uns diesen Winter nicht los. Aber künftig wird es zunehmend um Wasserstoffimportsicherheit gehen, schreibt Raffaele Piria von Adelphi in seinem Standpunkt. Auf dem Weg zur Klimaneutralität werde sich die Risikolandschaft grundlegend verändern. Darauf müsse sich Deutschland entschlossen und mit Weitblick vorbereiten – und zahlreiche Abwägungsentscheidungen treffen.
Was macht die SPD aus dem Kanzleramt und der Führung der Bundesregierung? In ihrem Standpunkt legen Brick Medak und Pieter de Pous vom Think Tank E3G dar, warum Olaf Scholz schon ganz am Anfang seiner Amtszeit bei der Taxonomie, der Debatte um hohe Energiepreise und dem zweiten Teil des Fit for 55-Pakets vor einer klimapolitischen Bewährungsprobe steht.
Die EU-Kommission stellt ihre Gebäude-Richtlinie vor – und schärft in dem Entwurf aller Voraussicht nach deutlich nach. Anlass für Barbara Metz und Elisabeth Staudt von der Deutschen Umwelthilfe, die neue Bundesregierung in die Pflicht zu nehmen. Eine ganze Reihe wichtiger Vorhaben müssten schnellstmöglich umgesetzt werden, um die Klimaziele auch im Gebäudesektor zu erreichen.
Die Geschäftsführer der drei Erneuerbare-Wärme-Verbände BSW, BWP und DEPV sehen im Ampel- Koalitionsvertrag eine Einigung auf einen überzeugenden klimapolitischen Aufbruch. Carsten Körnig, Martin Sabel und Martin Bentele sehen dennoch viel Arbeit auf die neue Bundesregierung zukommen. BEG, GEG, Sofortprogramm und CO2-Preis – an vielen Stellen müsse nachgebessert oder müssten Lücken geschlossen werden, um die Wärmewende zu schaffen.
Die Klima-Uhr tickt, aber mit einer Politik, die richtige Prioritäten setze, sei es noch machbar, das verbliebene CO2-Budget fair zu verteilen und die 1,5-Grad-Erderwärmungsgrenze einzuhalten, meint Matthias Kroll von der Stiftung World Future Council. Das müsse aber Konsequenzen haben, zum Beispiel nur kleinere und sparsamere E-Autos einzusetzen und den Energieverbrauch zugunsten des Globalen Südens zu senken.
Der ehemalige Sprecher des Bundesumweltministeriums, Michael Schroeren, hält die Herauslösung des Klimaschutzes aus dem Ressort für einen schweren Fehler. Budget gehe verloren, die Ganzheitlichkeit ebenso – und die Klimapolitik liege nun stattdessen bei einem Ministerium, das nicht auf ökologische Transformation gepolt sei. Die Grünen hätten bei der Geburt des BMU Pate gestanden und legten nun Axt an seine Existenz.
Aus Sicht von Axel Michaelowa wurde ein Durchbruch auf der Klimakonferenz in Glasgow nicht ausreichend gewürdigt: Das Regelwerk für den internationalen Kohlenstoffmarkt kann entscheidend zu Emissionsreduktionen weltweit beitragen. Übergangsregeln und Details sind noch unklar – Deutschland sollte die neuen Märkte in jedem Fall unterstützen, meint der Mitgründer der Perspectives Climate Group in seinem Standpunkt.
Klimaschutz für 1,5 Grad fordert in vielen Bereichen grundlegende Änderungen. Auch an der Demokratie? Nein, meint Nils Meyer-Ohlendorf vom Ecologic Institut in seinem Standpunkt. Trotzdem gibt es in der Debatte Untiefen, die allerdings umschifft werden können.
Die Klimapolitik steht im Zentrum des jetzt vorgelegten Koalitionsvertrags der drei Ampel-Parteien. Die wesentlichen Weichenstellungen für die Transformation werden allerdings in Brüssel im Rahmen des „Fit for 55“-Programms und nicht in Berlin ausgehandelt, betont ZEW-Präsident Achim Wambach in seinem Standpunkt. Die EU-Maßnahmen würden unmittelbare Konsequenzen für die Klimapolitik in Deutschland haben.
Zehn Gigawatt Elektrolyseur-Kapazität sollen 2030 in Deutschland laufen. Hartmut Gaßner und Georg Buchholz von der Kanzlei GGSC analysieren in ihrem Standpunkt, welche regulatorischen Hemmnisse den Ausbau bremsen – und wie Abhilfe geschaffen werden kann.
Ohne Gas als Brückentechnologie kann die Energiewende nicht gelingen. Daher ist es wichtig, dass sich die Bundesregierung für die richtigen Weichenstellungen in der EU-Taxonomie in Brüssel einsetzt. Der Kompromissvorschlag aus Frankreich reicht noch nicht aus, meint Michael Müller, Finanzvorstand von RWE.
Wie kann der Gebäudesektor klimaneutral werden? Robert Abromeit vom Buro Happold macht in seinem Standpunkt einen Vorschlag, welche vier regulatorischen Hebel mit einem neuen Gebäudeenergiegesetz umgelegt werden müssen, um das 2045-Ziel zu erreichen. Notwendig seien ein umfassender CO2-Zielwert, die Steigerung der Bestandssanierung, ein CO2-Schattenpreis und vor allem schnelles Handeln.
Zur Klimaneutralität gehöre der Abschied vom Erdgas. Dies bedeutet nach Ansicht von VKU-Chef Ingbert Liebing aber nicht – wie unter anderem an dieser Stelle gefordert – einen Abschied von der Gasinfrastruktur in Deutschland. Sie spiele vielmehr eine entscheidende Rolle auf dem Weg zur Klimaneutralität, meint er in seinem Standpunkt.
Was muss die Politik unternehmen, um den Ausbau der erneuerbaren Energien wirklich zu beschleunigen? Nicht noch mehr investieren, sondern entschlacken, meint Markus Meyer, verantwortlich für Energiepolitik beim Berliner Solarunternehmen Enpal.
Der Weg zur Klimaneutralität führt unweigerlich auch über die Dekarbonisierung des Gebäudesektors. Dort muss das Tempo nun deutlich anziehen, denn noch haben die meisten Immobilien eine schlechte Energieeffizienz. Matthias Hartmann, CEO von Techem, erläutert in seinem Standpunkt, warum ein hochautomatisierter Gebäudebetrieb dafür essenziell ist.
In ihrem Standpunkt analysieren Johannes Schroeten und Tsvetelina Kuzmanova von der Klimadenkfabrik E3G die Debatte um die EU-Taxonomie und gelangen zum Schluss: Der Diskurs sei geprägt von Missverständnissen und Fehleinschätzungen, mit signifikanten Risiken für den Sustainable Finance Standort Deutschland und EU.
Kapazitätsmärkte, um die fluktuierenden Erneuerbaren mit flexiblen Kraftwerken abzusichern, sind in aller Munde. Carsten Pfeiffer vom BNE und Sebastian Bolay vom DIHK plädieren in ihrem Standpunkt dagegen. Der Strommarkt gebe auf vielen Ebenen ausreichend Anreiz für Flexibilität – und die langwierige Einführung eines Absicherungsmarktes würde Investoren sogar lähmen.
Nicht alle Industriezweige lassen sich dekarbonisieren – in der Kalkbranche entsteht rohstoffbedingt CO2. Daher braucht es die Möglichkeit, Kohlenstoffdioxid abzuscheiden und zu speichern, schreibt Philip Nuyken vom Bundesverband der Deutschen Kalkindustrie. Dies sei eine wichtige Aufgabe für die neue Bundesregierung.
Bürgerräte haben Konjunktur. Nun haben auch auf Ebene der EU-Bürgerforen begonnen. Der erste Schritt ist also gemacht, aber es ist noch ein weiter Weg, damit die EU-Bürgerforen Erfolg haben, schreiben Nils Meyer-Ohlendorf vom Ecologic Institute und Felix Nasser vom Bürgerrat Klima. Für den Erfolg der europäischen Bürgerforen machen sie in ihrem Standpunkt drei Vorschläge.
Greta Thunberg nennt es „Blablabla“ – Jochen Flasbarth verteidigt dagegen leidenschaftlich den Sinn und Nutzen von Klimakonferenzen. Auch die COP26 bringe die Welt voran, vor, während und nach Glasgow. Er nennt in seinem Standpunkt die vier wichtigsten Gründe, warum das der Fall ist.
Fast alle reden von Bürgerbeteiligung und Akzeptanzerhöhung, um den schnelleren Ausbau der erneuerbaren Energien zu ermöglichen. Harald Uphoff, Geschäftsführer der 100 Prozent Erneuerbar Stiftung, hat einen ganz konkreten Vorschlag, wie sich das besser bewerkstelligen ließe. Mediatoren, vom Bund finanziert, sollen die Betroffenen und Beteiligten an einen Tisch bringen und produktive Kompromisse ermöglichen.
Europäische Forschung und Innovation ist aus Sicht von GERICS-Direktorin Daniela Jacob ein Schlüsselelement für die erfolgreiche Klimaschutz-Transformation. Sie plädiert in ihrem Standpunkt dafür, mehr voneinander zu lernen und wissenschaftlich enger zusammenzuarbeiten – und hat dabei auch Deutschlands Rolle im Blick.
Zur Klimaneutralität gehört auch der Abschied vom Erdgas. Die aktuelle Planung der Gasfern- und Verteilnetze setzt jedoch auf den unveränderten Fortbestand der Gasinfrastruktur – und riskiert damit Investitionsruinen für Staat und Haushalte, meinen Andreas Jahn von RAP und Barbara Saerbeck von der Agora Energiewende.
Welchen Nutzen hätte eine Laufzeitverlängerung für die sechs verbleibenden Kernkraftwerke in Deutschland? Der Berater Thomas Unnerstall nimmt in seinem Standpunkt die konkreten Auswirkungen unter die Lupe. Sein Fazit: Die Meiler in Betrieb zu halten würde Klimaschutz und Versorgungssicherheit kurzzeitig helfen, hat aber nur begrenzte Effekte und einen zu hohen politischen Preis.
Die Ampelkoalition plant die Abschaffung der EEG-Umlage. Das könnte bedeuten, Förderungsmechanismen auslaufen zu lassen sowie die Ausbauziele für Erneuerbare aufzugeben und die Entwicklung dem Markt zu überlassen, befürchtet Marc Melliger vom IASS Potsdam. In seinem Standpunkt schlägt er vor, stattdessen das EEG durch vermehrte Ausschreibungen zu stärken.
Die Gaskrise stellt Deutschland und Europa vor eine enorme Herausforderung. Hanns Koenig von Aurora Energy Research geht in seinem Standpunkt analytisch den Ursachen auf den Grund und beschreibt mögliche Auswirkungen, auch auf die Grundversorger. Politisch warnt er vor Aktionismus, betroffenen Haushalten müsse jedoch geholfen werden.
Nach den Ölpreisschocks der 70er Jahre hieß es: „Energiesparen ist unsere wichtigste Energiequelle“. Doch bei den aktuell Sondierenden fiel das Zauberwort noch gar nicht. Es lautet „Energieeffizienz“, meint Christian Noll, geschäftsführender Vorstand des Verbandes Deneff. Er wirbt für richtige Entscheidungen, die eine dauerhaft bezahlbare, klimaneutrale und sichere Energieversorgung ermöglichen.
Einen absoluten Hochwasserschutz gibt es nicht. Doch sind wir in Deutschland noch nicht am notwendigen Schutz angelangt – ob bei Städten, Gemeinden oder Objekten. Gleichzeitig steigt mit dem Klimawandel das Hochwasserrisiko. Jetzt müssen wir endlich schneller vorankommen, fordert Timo Heinisch von der IU Internationale Hochschule in seinem Standpunkt.
Alle Blicke richten sich im Moment auf die Bundespolitik. Warum die deutsche Klima- und Energiepolitik aber nicht nur in Berlin, sondern ganz maßgeblich auch in Brüssel, Glasgow und Paris gestaltet wird, erläutern Jule Könneke und Brick Medak vom Think-tank E3G in ihrem Standpunkt.
Bei der Reaktion auf die hohen Energiepreise steht für Europa viel auf dem Spiel, schreiben die Wirtschaftsweise Veronika Grimm und der Energiewende-Monitoring-Vorsitzende Andreas Löschel in ihrem Standpunkt. Die Gefahr sei groß, dass der für Klimaschutz so entscheidende Markt geschwächt werde. Stattdessen solle auf Sozialpolitik, Erneuerbare, Infrastruktur und Effizienz gesetzt werden.
Strom- und Gaspreise erreichen in diesen Tagen schwindelerregende Höhen. Deutsche Unternehmen werden davon besonders stark belastet, es droht akute Überforderung, schreibt Ludwig Veltmann vom Mittelstandsverbund. Die Absenkung der EEG-Umlage könne für die neue Bundesregierung nur ein erster Schritt sein. Vielmehr müsse im Sinne des Klimaschutzes ein verlässlicher Rahmen entstehen.
Wo stimmen die Parteien bei ihren Positionen zu Wasserstoff überein, wo gibt es Dissens? Eine Analyse von Jörg Kemmerzell, Lucas Flath und Michèle Knodt von der TU Darmstadt arbeitet die Knackpunkte heraus. Bei der Ampel und Jamaika liegen vor allem Grüne und FDP auseinander, ein rot-schwarzes Bündnis hätte dagegen viele Überschneidungen.
Polen, Frankreich und Deutschland verfügen bereits über eine Plattform für den Austausch: Das Weimarer Dreieck. Aus Sicht von Sylwia Andralojc-Bodych von der NGO Germanwatch sollte dieses Format zur Koordinierung der Klimapolitik neu belebt werden. So würden Polen Ängste genommen, die trotz zunehmender Klimaschutzbemühungen weiter vorhanden sind.
Nahezu alle Wahlprogramme haben die Bedeutung von Klimaschutz und Digitalisierung hervorgehoben. Die Verbindung zwischen den Themen beschränkt sich bisher allerdings auf die Forderung, digitale Technologien energieeffizienter zu machen. Jens Strüker (Universität Bayreuth und Fraunhofer FIT) sowie Ingo Schmidt vom Übertragungsnetzbetreiber Tennet plädieren in einem Thesenpapier dafür, Digitalisierung endlich systematisch als Instrument zur Dekarbonisierung des Energiesystems zu nutzen.
Warum ist Erdgas so teuer wie noch nie in Deutschland und Europa? Friedbert Pflüger, seit 2009 Berater von Unternehmen und Regierungen im Energiesektor – unter anderem auch für Nord Stream 2 – sieht keine willentliche Einschränkung durch Gazprom, sondern eine spezielle Marktkonstellation als Ursache. Er rät dazu, gemeinsame Projekte, auch im Bereich der erneuerbaren Energien, in den Blick zu nehmen.