Sollen die Krankenkassen künftig Gesundheitsdaten an die forschende Industrie verkaufen dürfen? Die Berliner Rechtsanwältin Silvia Woskowski und der CDU-Abgeordnete Erwin Rüddel wünschen sich das. In den Daten schlummere „ein monetärer Mehrwert“, den man nicht verschenken dürfe, sondern zur Beitragsentlastung der Versicherten nutzen könne, schreiben sie. Dabei sollten die Versicherten allerdings selbst entscheiden dürfen, was sie mit wem teilen.
Apotheken sind wie Strom aus der Steckdose, sagt ABDA-Präsidentin Gabriele Overwiening. Am Mittwoch ist damit allerdings erst mal Schluss – die ABDA organisiert einen bundesweiten Protesttag. Im Standpunkt erklärt Overwiening, warum es diesen aus ihrer Sicht braucht und welche Forderungen die ABDA an die Bundesregierung hat.
Gesundheitsdaten nutzen oder schützen, das scheint ein großer Widerspruch zu sein. Dabei bringt der EHDS viele Vorteile, um als Patient:in überhaupt erst Zugang zu den eigenen Daten zu bekommen. Auf der Grundlage der DSGVO soll der EHDS die intensive Nutzung von Gesundheitsdaten zum Wohl souveräner Europäer:innen möglich machen. Ein Beitrag wider die Panikmache.
„Selbstwirksamkeit und Empowerment sind wichtige Bestandteile in der Schmerztherapie“, sagt Astrid Gendolla anlässlich des heutigen Tags des Schmerzes. Gendolla ist Fachärztin für Neurologie, spezielle Schmerztherapie und Psychotherapie. In ihrem Standpunkt fordert sie ein klares Bekenntnis der Gesundheitspolitik zu innovativen Online-Therapien.
Imprivata, ein Anbieter von IT-Sicherheitslösungen, hat sich in der Branche zu Cybersecurity umgehört. Wie Ingo Buck, Vorstand der OGiTiX Software AG, zusammenfasst, sehen die Befragten sich gut vorbereitet – angesichts zunehmender Attacken warnt er allerdings vor zu viel Optimismus.
Mit dem öffentlichen Fokus auf die zunehmende Gefährdungslage im Cyber- und Informationsraum wird auch die Rolle des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik zunehmend breit diskutiert. Welche Maßnahmen es braucht, um das Profil der Behörde zu stärken, kommentiert Sebastian Hartmann, Innenpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion.
Warum es mehr Innovationsfreude bei klinischen Studien braucht, schreibt Veronika Schweighart, Mitgründerin bei Climedo, im Standpunkt. Statt Vorreiter zu sein, sei Deutschland hier jedoch oft Paragraphenreiter, was sich wiederum auf die Forschungsergebnisse auswirke, ist sie überzeugt. Umso wichtiger sei es nun, besser über Studien aufzuklären, ihre Sichtbarkeit zu erhöhen und sie flexibel in den Patientenalltag zu integrieren.
Im Koalitionsvertrag sowie in geplanten Gesetzesvorhaben hat die Bundesregierung angekündigt, die regionale Gesundheitsversorgung zu stärken. Dieses Vorhaben muss Initiativen vor Ort Rückenwind und Freiräume für passgenaue und innovative Versorgungskonzepte bieten. Es ist der Hebel, um den Reformstau im Gesundheitswesen „von unten“ aufzulösen. Und dafür braucht es weder neue Institutionen noch zusätzliche finanzielle Mittel.
Das EU-Pharmapaket ist maßgebend für die Entwicklung von und den Zugang zu Arzneimitteln. Statt bestehende Probleme zu lösen, schrecke das Maßnahmenpaket aber forschende Pharmaunternehmen und vor allem Start-ups durch zu strenge Regulierungen und mangelnde Anreize ab. Das meint Rainer Westermann von der Life Sciences Acceleration Alliance.
Der Ausblick auf Krankenhäuser im Jahr 2030 mache deutlich, dass diese vor großen Herausforderungen stehen – mehr Digitalisierung sei zur Bewältigung der Hürden unausweichlich, meinen die Detecon-Berater Matthias Hemmes und Matthias Fischer. Eine ganzheitliche Digitalstrategie, eine neue Unternehmenskultur und eine Schnittstelle zum Patienten versprächen Besserung zum Status quo.
Die mangelnde pflegerische Versorgung in Deutschland gefährdet den gesellschaftlichen Zusammenhalt. Diese traurige Bilanz ziehen fünf renommierte Pflegeexpertinnen zum heutigen Internationalen Tag der Pflege. Bei politischen Maßnahmen gehe es nicht um höhere Pflegequalität, sondern vor allem um Kontrolle – und die aktuellen Reformvorhaben reichten nicht annähernd, um den Bedarf zu decken. Die Folge: Unterversorgung mit enormen volkswirtschaftlichen Folgekosten.
Die Ignoranz gegenüber gesundheitspolitischen Themen zeigt aus Sicht von Jochen A. Werner, Ärztlicher Direktor und Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Essen, dass die Brisanz dieses Themas noch nicht einmal im Ansatz erkannt worden ist. Doch das werde sich ändern – mit steigendem Handlungsdruck vor allem in der Notfallversorgung.
Die Verhandlungen mit den Krankenkassen zu neu zu verhandelnden Versorgungsverträgen für die Versicherten werden immer langwieriger, schreibt Eberhard Schmidt, Präsident der Bundesinnung der Hörakustiker (biha), im Standpunkt. Ursache sei vor allem die finanzielle Situation in der GKV. Ob Prävention und Gehörschutz weiterhin von den Versicherten vollständig privat gezahlt werden sollten, darüber müsse jedoch diskutiert werden.
Der „Europäische Gesundheitsdatenraum“ ist ein neues EU-Gesetz, das die Nutzung medizinischer Behandlungsdaten zu Forschungszwecken vereinfachen soll. Das unterläuft die ärztliche Schweigepflicht und damit den Kern der Vertrauensbeziehung zwischen Arzt und Patienten, sagen Silke Lüder vom Verein Freie Ärzteschaft und Jan Penfrat von Edri.
Krankenkassen und Leistungserbringer sind zur Wirtschaftlichkeit verpflichtet. Das ist gut und notwendig, darf aber nicht auf Kosten der Zukunft gehen. Denn die Klimakrise konfrontiert uns mit Zielkonflikten, für die wir als System Antworten finden müssen, meint der Publizist und Politikberater Albrecht Kloepfer.
Die Krankenhausstrukturreform zielt auf eine bessere und passgenaue gesundheitliche Versorgung ab. Die Geburtshilfe ist ein Sonderfall, schreibt Ulrike Geppert-Orthofer, Präsidentin des Deutschen Hebammenverbands und fordert die Einführung einer eigenständigen Leistungsgruppe für hebammengeleitete Geburt.
Seit das geltende EU-Arzneimittelrecht vor mehr als 20 Jahren eingeführt wurde, haben neue Megatrends die Gesundheits- und Pharmabranche revolutioniert. Das Rechtssystem muss damit Schritt halten, meinen Margaritis Schinas, Vizepräsident der Europäischen Kommission, und Stella Kyriakides, EU-Kommissarin für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit. Im Standpunkt erklären sie, warum das Arzneimittelrecht auf EU-Ebene reformiert werden muss und wieso bestimmte Maßnahmen dafür ausgewählt wurden.
Die anstehende Krankenhausreform wird viel Umbauarbeit erfordern – und zwar nicht nur auf politischer Ebene, sondern auch in den Bereichen Personalrecht, Ausschreibungs-, Zivil- und Arbeitsrecht. Benjamin Knorr ist Anwalt und auf Gesellschaftsrecht spezialisiert. Er gibt einen Überblick über die rechtlichen Stolperfallen der Reform.
Die Überregulierung ist laut Rainer Westermann, Vorstandschef der Life Sciences Acceleration Alliance, Ursache für den drohenden Kollaps in der Arzneimittelversorgung. Ein Aufweichen des Patentschutzes, wie aktuell im Pharma-Paket vorgesehen, wäre eine zusätzliche Bedrohung für zukunftssichere Medikamentenforschung und -versorgung.
Für viele steht ChatGPT für einen iPhone-Moment, eine Sprunginnovation, die in kürzester Zeit unsere Arbeits- und Lebenswelt verändert. Auch wenn die Ergebnisse von ChatGPT bei Weitem nicht perfekt sind – die aktuelle Aufmerksamkeit für große Sprachmodelle sei gerechtfertigt, auch für die Medizin würden sie enormes Potenzial versprechen, schreibt Wolfgang Nejdl, Professor an der Universität Hannover und Mitglied der Plattform Lernende Systeme.
Die Reisebranche ist so wie die Gesundheitsbranche ein Markt mit vielen verschiedenen Teilnehmern. Wurden in der Reisebranche bereits viele Schritte der Customer Journey digitalisiert, ohne das Reiseerlebnis zu verschlechtern, hat das Gesundheitswesen noch einen weiten Weg vor sich. Das meint Dirk Tietz, Geschäftsführer Doktor.De, im Standpunkt.
Zeitenwende – das ist auch in der Gesundheitsversorgung nicht zu groß gedacht. Gesunderhaltung und Patientenorientierung greifen als Leitbegriffe dieser Wende ineinander: Nur wenn Gesundheitsversorgung und -förderung auf die Menschen zugeht, werden Patientinnen und Patienten ihre Fähigkeiten mobilisieren und werden wir besonders gefährdete Bevölkerungsgruppen erreichen können, erklärt Lutz Hager, Vorstandsvorsitzender des BMC.
Was würden Sie davon halten, wenn Sie für Vor-, Haupt- und Nachspeise in unterschiedliche Restaurants gehen müssten? Eine Zumutung, aber genau so funktioniert unser heutiges Gesundheitssystem, meint Doctorbox-Mitgründer Stefan Heilmann.
Es ist höchste Zeit, aufs Gaspedal zu treten und aus dem Dauerparkmodus raus zu kommen, schreibt Medflex-CEO Martin Drees in seinem Standpunkt und nimmt Stellung zur Digitalstrategie. Er warnt vor einer „Amazonisierung“ des Gesundheitswesens.
Die Pflege steht vor radikalen Veränderungen, bedingt durch Fachkräftemangel und Demografie. Ohne eine zügige Digitalisierung wird dieser Wandel nicht gelingen, schreibt die Professorin für Digital Health, Florina Speth im Standpunkt. Neben der Förderung und dem bedarfsgerechten Einsatz von Alterstechnologien ist die digitale Vernetzung von Pflegebedürftigen und Pflegenden dringend erforderlich.
In Europa sind aktuell über 80 Millionen Menschen an Asthma oder COPD erkrankt. Die Aufmerksamkeit der Politik liegt nach drei Jahren Covid-19-Pandemie trotzdem nicht auf diesen chronischen Erkrankungen. Das muss sich ändern, fordert Monika Gappa, Chefärztin der Kinderklinik im EVK Düsseldorf, im Standpunkt. Es brauche eine langfristige Strategie.
Vor Kurzem hat Gesundheitsminister Lauterbach eine Digitalisierungsstrategie fürs deutsche Gesundheitssystem vorgestellt – doch Basics wie elektronische Patientenakte oder E-Rezept stehen noch immer nicht. Die große Sorge: Datenschutz. Dabei handle es sich fast schon um deutschlandspezifisches Phänomen, meint der Digital-Health-Experte Cornelius Maas im Standpunkt. Jedenfalls wirke die fehlende Liberalität bei den regulatorischen Bedingungen abschreckend auf potenzielle Investoren.
Das Vertrauen der deutschen Bevölkerung in die Gesundheitspolitik, eine qualitative und bezahlbare Versorgung sicherzustellen, sinkt Umfragen der Robert Bosch Stiftung zufolge seit Jahren. Dabei ist die Politik bei der Neuausrichtung der Primärversorgung prinzipiell auf dem richtigen Pfad, schreibt Bernhard Straub, Geschäftsführer der Stiftung im Standpunkt. Ein Aspekt, der jedoch immer wieder aus dem Blick gerate, sei die Prävention – trotz beachtlicher Hebelwirkung.
Das Gesundheitswesen braucht neue Unternehmensformen, fordert Felix Hoffmann. Er ist Vorsitzender von Purpose: Health e.V. und Professor für Digital Health. In seinem Standpunkt erläutert er, wie solche nicht profitorientierten, aber privatwirtschaftlichen Firmen aussehen könnten und was das für das Gesundheitswesen und den Wirtschaftsstandort Deutschland bedeutet.
Bei der Arzneimittelversorgung befindet sich Deutschland in einem Transformationsprozess, mit ungewissem Ausgang. Politik, Wirtschaft und Gesellschaft hätten die weitere Entwicklung jedoch in der Hand, schreibt Nora Schmidt-Kesseler, die unter anderem Hauptgeschäftsführerin des Verbandes der chemischen Industrie Nordost ist. Und diese Gestaltungsmacht erstrecke sich auch auf die Pharmaindustrie.
Im Gesundheitsministerium werden derzeit so viele Gesetze vorbereitet wie lange nicht: Krankenhausreform, Pflegereform und Versorgungsgesetze für den ambulanten und kommunalen Bereich. Gesundheitskioske sind trotz aller Kritik im Vorfeld weiter auf der Vorhabenliste. Anke Schlieker vom PKV-Verband hält das für falsch und fordert eine Bündelung und Vernetzung bestehender Angebote statt des Aufbaus neuer Strukturen. Die Interessen der Versicherten gerieten aus dem Blick, warnt sie.
Die angestrebte Cannabis-Legalisierung ist europa- und völkerrechtlich hochkompliziert. Deshalb empfiehlt der Unternehmer Niklas Kouparanis den Ampel-Regierenden, jede juristische Fußnote genau zu beachten – und möglicherweise auch ihre Strategie zu ändern.
Der demografische Wandel stellt das Gesundheitswesen vor große Herausforderungen. Sophie Chung, Gründerin und CEO des Digital-Health-Unternehmens Qunomedical, sieht die Lösung der Probleme nicht darin, einfach mehr Menschen in den Gesundheitssektor zu lotsen, sondern in der intensiveren Nutzung von Technologie.
Binnen eines Jahres wurde das Gütezeichen „Faire Anwerbung Pflege Deutschland“ 46 Personal-Serviceagenturen und 13 selbst anwerbenden Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen verliehen. Helmut Kneppe, Vorsitzender der Gütegemeinschaft, schreibt im Standpunkt, in welchen Bereichen Deutschland sich bei der Anwerbung von Arbeitskräften verbessert hat und inwiefern die Voraussetzungen noch ausbaufähig sind.
Aus der ehemaligen Apotheke der Welt ist für die deutsche Bevölkerung ein Sanierungsfall geworden, schreibt Herbert Lang, Vorsitzender des Vorstands der Sanacorp. In seinem Standpunkt fordert er eine wirtschaftliche Förderung und auch eine Wiederansiedelung der pharmazeutischen Industrie in Europa und Deutschland.
Ist es Wahrheit oder politische Legende, dass Investoren im Gesundheitswesen böse sind? Martin Jäger ist Rechtsanwalt im Regulatorischen Gesundheitsrecht im Berliner Büro von Taylor Wessing und blickt in die Praxis. Die Diskussion werde zu emotional, zu wenig faktenbasiert und lösungsorientiert geführt, beklagt er.
Deutschland braucht ein klares Bekenntnis zur Tabakprävention. Und die politischen Voraussetzungen sind gut, denn der im Koalitionsvertrag verankerte Nationale Präventionsplan bietet einen idealen Rahmen für eine verpflichtende Tabakpräventionsstrategie, schreibt Katrin Schaller, Präventionsexpertin am Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg.
Es garantierte bisher den Frieden zwischen Arzneimittelherstellern und Kassen: das AMNOG-Verfahren. Aber nun gerät die Balance ins Wanken – Schuld ist das GKV-Finanzstabilisierungsgesetz. Ulrike Götting vom Verband forschender Arzneimittelunternehmen zeigt auf, wie die neue Beurteilungspraxis des G-BA der Versorgung schadet und fordert einen Kurswechsel.
Moderne Ernährungs- und Lebensweisen befördern Volkskrankheiten wie Diabetes, Bluthochdruck und Adipositas. Als effektive Präventivmaßnahme und Therapie gilt auch das Heilfasten. Doch trotz eindeutiger Datenlage wird dessen Potenzial im Gesundheitssystem kaum genutzt – zu aufwändig, zu teuer und keine Lobby. Nicolas Gros, Gründer des Berliner Unternehmens Salufast, möchte das ändern: mit Appellen an Politik und Krankenkassen sowie einer kostenlosen App.
Um die psychotherapeutische Versorgungslücke zu schließen, brauchen wir vor allem digitale Lösungen, fordert Laura Henrich, CEO von Klenico. Ihre Ideen fasst sie im Standpunkt zusammen.
Nur ein Bruchteil der Gesundheits-Apps verfügt über die erforderliche Zulassung. Google und Apple kommen ihren Verpflichtungen nur bruchstückhaft nach, kritisiert der Digital-Health-Professor Stephen Gilbert. Das Problem seien die Interessenkonflikte der Plattformbetreiber.
Andrew Ullmann fordert eine Enquetekommission „Pandemie“ im Deutschen Bundestag. Es brauche eine sachliche Aufarbeitung der unterschiedlichen Phasen der Corona-Politik der vergangenen drei Jahre, um besser auf kommende Krisensituationen vorbereitet zu sein, schreibt der FDP-Abgeordnete im heutigen Standpunkt. Denn nur mit einer wissenschaftlichen Aufarbeitung aller Pandemie-Maßnahmen könne das Gesundheitssystem und auch die Gesellschaft resilienter werden.
Wir brauchen eine strategische Richtungsänderung in der Drogen- und Suchtpolitik: Weg von Ideologie und dem Zielbild der sofortigen Abstinenz, hin zu funktionierenden Alternativen. Andere Länder machen uns das seit Jahren vor. Das gelingt uns aber nur, wenn die Politik risikoärmere Nikotinprodukte als wirkliche Alternative zur Tabakzigarette behandelt und konsequente Aufklärung betreibt. Die aktuelle Novellierung des Tabakerzeugnisgesetzes wäre dafür eine Chance, schreibt Heino Stöver.
Für die Reform der Unabhängigen Patientenberatung wird es zeitlich allmählich eng, warnt UPD-Geschäftsführer Thorben Krumwiede. Durch langwierigen Streit über Finanzierung und rechtliche Details der anvisierten Stiftung drohe nicht nur eine Unterbrechung des Beratungsangebots. Es bestehe auch das Risiko einer Abwanderung erfahrener Mitarbeiter:innen.
Es sollte nicht so getan werden, als könnten höhere Löhne alleine den Pflegenotstand beheben, schreibt Hester Anderiesen Le Riche im Standpunkt. Stattdessen müsse grundsätzlich neu über Pflege nachgedacht werden. Statt Pflegebedürftige abzuschotten, müssten sie zurück in die Gemeinschaft geholt werden, so die Gründerin von Tover.
Der Politik geht es weniger darum, ärztliche Ressourcen möglichst sinnvoll einzusetzen, um so Druck aus dem System zu nehmen, sondern eher darum, Anreize zu schaffen, möglichst schnell Termine zu vergeben. Dabei könnten Hausärztinnen und -ärzte die unkoordinierte Inanspruchnahme von Leistungen beenden.
Die Entwicklung der modernen Medizin ist eine beispiellose Erfolgsstory, jedenfalls auf den ersten Blick: Viele einst tödliche Krankheiten können heute geheilt werden. Die Kehrseite der Medaille: Es wird zunehmend das gemacht, was bezahlt wird und nicht das, was ärztlich sinnvoll wäre. Wie also kann die Patientenversorgung verbessert werden?
Seit zwei Jahren können alle gesetzlich Versicherten die elektronische Patientenakte (ePA) ihrer Krankenkassen erhalten. Aus dem Können, der Kür, sollte langsam eine Pflicht werden. Denn bisher wird die e-Akte deutlich zu wenig genutzt, damit ist sie ein Symbol für den Stand der Digitalisierung im deutschen Gesundheitswesen.
Als Folge der Pandemie und des Krieges in Osteuropa beeinträchtigen Lieferengpässe und die erhöhte Nachfrage von Produkten die Stabilität der Versorgungskette. Wie kann die Pharmalogistik gewährleistet werden? Und wie sieht ihre Zukunft aus?
Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) stehen an der Speerspitze der Diskussion zur Digitalisierung im Gesundheitswesen. Welche Weichen wir jetzt für eine zukunftsfähige Versorgung mit DiGA stellen sollten und warum Patient:innen wie DiGA-Hersteller den GKV-SV als Partner in einer Realität des Fachkräftemangels brauchen, erläutern Henrik Emmert und Sophie Geier vom Spitzenverband Digitale Gesundheitsversorgung.
Das AMNOG hat bewiesen, dass es funktioniert und die Versorgung mit innovativen und qualifizierten Arzneimitteln sichert, schreibt Daniel Erdmann, Teamleiter im Referat AMNOG EBV beim GKV-Spitzenverband. Im europäischen Vergleich hat Deutschland bei der Quote verfügbarer Arzneimittel den Spitzenplatz inne. Auffällig ist, dass 18 der 46 AMNOG-Arzneimittel in Deutschland gar nicht mehr angeboten werden dürfen, da keine Zulassung mehr vorliegt.
Ohne Flexibilität bei der anstehenden Krankenhausreform geht es nicht, schreibt Janosch Dahmen, gesundheitspolitischer Sprecher der Grünen-Fraktion im Bundestag. Und es sei auch nicht das Ziel, von Berlin aus zu planen, wo sich welche Krankenhäuser befinden. Allerdings dürfe man den Bundesländern nicht zu weit entgegenkommen. Nur mit einheitlichen Strukturvorgaben nämlich ließen sich die beabsichtigten Vorhaltepauschalen für Kliniken sachgerecht kalkulieren.
Heute wird das neue Gebäude des Berlin Institute of Health eröffnet. Christopher Baum ist Vorsitzender des BIH-Direktoriums und schreibt über die Bedeutung des neuen Rahel-Hirsch-Centers für Translationale Medizin sowohl für die Charité als auch darüber hinaus.
Ärzteschaft, Gesundheitsminister und die Verantwortlichen in anderen Ressorts sind aufgefordert, die Erkenntnisse zur Anwendung der digitalen Technologien endlich umzusetzen, so Thomas Gambke und Dennis Ostwald im Standpunkt. Es würde sich nicht nur im Sinne des Patientenwohls, sondern auch wirtschaftlich auszahlen.
Der Virologe Hendrik Streeck fordert eine Neuausrichtung des Robert Koch-Instituts. Dieses müsse unabhängiger, agiler und offen für innovative Ideen werden. Politik und Wissenschaft bräuchten zudem ein Verhältnis auf Augenhöhe.
Viele Medizin-Start-ups und Konzerne in Deutschland brauchen eine differenziertere Datenstrategie, sagen Paul von Bünau und Sven Jungmann. Denn „Daten sind nicht das neue Öl“, machen sie in ihrem Standpunkt klar und erläutern, welche Ideen sie zum Thema haben.
Medizinische Versorgungszentren mit privaten Kapitalgebern würden von Teilen der Politik und der Medien stark angefeindet, klagt Sibylle Stauch-Eckmann – und meint damit auch den Bundesgesundheitsminister. Die Chefin des Bundesverbands der MVZ-Betreiber sieht hier „eine populistische Scheindebatte“, mit der die Vorteile und Perspektiven dieser Anbieter für die ambulante Versorgung ignoriert würden. Dem deutschen Gesundheitssystem sei das nicht dienlich.
Schon vor Corona stieg bei Google die Anzahl der Suchanfragen zu medizinischen Themen. Neben vielen Laien nutzen auch Ärzt:innen und medizinisches Fachpersonal die Suchmaschine, um aktuelle Leitlinien der Fachgesellschaften und Arzneimittelinformationen zu finden. Das belege die Digital Doctor Survey des slowenischen Digital-Health-Unternehmens Mediately, schreibt dessen CEO Blaž Triglav. Die Mehrheit der Mediziner:innen wünsche sich inzwischen digital verfügbare und unabhängige Quellen.
Die Kennzeichnung und Vermarktung von Medikamenten und Wirkstoffen erfordert engmaschige Freigabeprozesse, an denen viele verschiedene Stakeholder beteiligt sind. Genau hier passieren oft Fehler, die in teuren Rechtsstreitigkeiten enden können, schreibt Niklas Dorn, CEO von Filestage.
Die Gesundheit von Frauen in der Lebensmitte findet nicht die Beachtung, die sie verdient: Die Wechseljahre und ihre Symptome sind in der ärztlichen Ausbildung kein Thema; zudem wird die Beratung nicht extra vergütet. Anke Sinnigen von Wexxeljahre plädiert für eine differenziertere Sicht auf Hormontherapien und vor allem für mehr Aufklärung.
Die Pandemie hat die wissenschaftliche Praxis und die Kommunikation von Forschungsergebnissen verändert. Eine groß angelegte Studie zeigt nun, wie deutsche Forschende mit den Herausforderungen und Chancen des digitalen Zeitalters in der Wissenschaft umgehen. Laura Hassink von STM Journals und Max Voegler von Elsevier mit Ideen, wie das Vertrauen gestärkt werden kann.
Zum Übergang von der Corona-Pandemie in die Endemie fehle noch viel Klarheit, meint Gerald Wiegand im Standpunkt. Der Country Director Germany bei Moderna warnt davor, im kommenden Jahr eine Monopolstellung bei der Versorgung mit COVID-19-Impfstoffen zu schaffen. Wettbewerb sei von Vorteil für alle Beteiligten – und das nicht nur im Corona-Kontext.
In Sachen Digitalisierung geht es im Gesundheitswesen keinen Schritt nach vorn, sondern sogar noch einen zurück. Dabei haben wir in Deutschland die richtigen Ideen, Technologien und auch Lösungsansätze. Alles, was fehlt, sind die richtigen Strukturen.
Die Analysen von Gesundheitsminister Lauterbach und der Regierungskommission zur Krankenhausreform sind richtig, meint Jochen Werner, der Vorstandsvorsitzender der Universitätsmedizin Essen. Nur: Die vorgeschlagenen Maßnahmen seien wie so vieles in Deutschland: mutlos und halbherzig. Seine Gründe für diese Einordnung nennt er im Standpunkt.
Bis 2050 wird jeder Vierte weltweit unter Hörproblemen leiden. Das prognostiziert die WHO. Allein in Deutschland leben schon jetzt rund 16 Millionen Menschen mit Hörverlust. Doch nur knapp ein Fünftel von ihnen besitzt ein Hörgerät; viele schämen sich, andere scheuen die hohen Kosten. Niklas Spichalsky, Gründer des Berliner Hörakustik-Unternehmens MySecondEar, will dem begegnen: mit digitalen Technologien und optimierten Prozessen.
Noch wird in Deutschland viel über die Nutzung von Gesundheitsdaten diskutiert. Für Gloria Seibert, CEO von Temedica, ist jetzt schon klar, dass die Datenerhebung und -weitergabe anonymisiert und mit der vollen Zustimmung des Datenbesitzers erfolgen muss. Dann können Daten auch wirklich die Versorgung verbessern, ist sie sich sicher.