Das neue Energieeffizienzgesetz soll Deutschlands Energieverschwendung stoppen und die Klimaneutralität fördern – und wird schon wieder novelliert. Doch die Gesetzesnovelle enttäuscht: Trotz ambitionierter Ziele fehlen konkrete Maßnahmen und verbindliche Vorgaben für die Industrie. Ein Standpunkt von Leonard Burtscher, Referent für Energie- und Klimapolitik am Umweltinstitut München.
Die nationale Importstrategie für grünen Wasserstoff und Derivate ist verabschiedet. Eine Vielzahl europäischer Regelungen verhindert jedoch ein Kernziel dieser Importstrategie: Nachhaltig den Markthochlauf grüner Kraft- und Grundstoffe zu schaffen. Thorsten Herdan vom E-Fuels-Anbieter HIF mahnt zu schnellem Handeln, sonst gerate Europa ins Hintertreffen.
Die Wärmewende in Deutschland läuft nicht wie erhofft. Wirtschaftsminister Robert Habeck rührt derzeit die Werbetrommel für die Wärmepumpe, denn jüngste Zahlen des Heizungsverbands BDH zeigen: Die Nachfrage danach ist im ersten Halbjahr drastisch eingebrochen. Jan Ossenbrink vom Wärmedienstleister Vamo sieht die Ursache ausgerechnet bei der Förderung.
Der Zuschuss für eingespeisten Solarstrom war zu seiner Einführung ein sinnvolles Instrument. Inzwischen hat es sich aber längst überholt – denn PV-Anlagen rentieren sich auch komplett ohne Förderung. Was die Solarinstallateure sich nun stattdessen von der Politik wünschen.
Seit gestern ist die Methanverordnung in Kraft, die betroffenen Unternehmen vielfältige Überwachungs- und Berichtspflichten auferlegt. Matthias Schmittmann erklärt, was auf die Erdgasindustrie künftig zukommt, wann sie ihre Methanemissionen real an der Quelle messen muss und wann mit ersten Inspektionen zu rechnen ist. Wichtig dabei: Unternehmen sollten ihr Personal frühzeitig schulen und geeignete Software-Lösungen finden, so der CEO von atmio.
Der Ausbau der Solarenergie hat deutlich an Fahrt aufgenommen. Die Kehrseite sind häufiger auftretende Einspeisespitzen und negative Preise. Kerstin Andreae, Vorsitzende der BDEW-Hauptgeschäftsführung, beschreibt, welche Schritte helfen könnten, ohne den Erneuerbaren-Ausbau zu bremsen und den Erfolg der Energiewende zu gefährden.
Die Transformation hin zu einer klimaneutralen Industrie birgt enorme Herausforderungen. Ein wichtiger Hebel ist eine ganzheitliche Kreislaufwirtschaft. Der Entwurf der Nationalen Kreislaufwirtschaftsstrategie (NKWS) benennt zwar erstmals dieses Potenzial, bleibt aber bei konkreten industriepolitischen Maßnahmen vage. Johanna Wiechen und Luisa Denter von Germanwatch machen in einem heute erschienenen Policy Paper Vorschläge, wie die NKWS doch zum Motor der Industrietransformation werden kann.
KI wird von immer mehr Menschen genutzt, doch der der Klima-Effekt ist umstritten. Verschiedene Unternehmen und Initiativen bemühen sich bereits, Transparenz bei den CO2-Emissionen zu schaffen. Arne Tarara, CEO von Green Coding Solutions, beleuchtet den Stand der Technik und betont, dass KI auf ihren Umweltnutzen geprüft werden muss.
Der deutsche Strommarkt und seine Netze befinden sich mitten in der Transformation. Hierbei entstehen Probleme, die systemisch gelöst werden müssen, nicht rechnerisch auf dem Papier. Denn bei einer Gebotszonenteilung würden die negativen Folgen gegenüber den vermeintlichen Vorteilen überwiegen.
Die Ampel-Koalition will die Förderung der Erneuerbaren per EEG-Einspeisevergütung durch Investitionsförderung ersetzen. Hans-Josef Fell schrieb vor 24 Jahren den Entwurf des ersten EEG. Er hält die Umbaupläne der Bundesregierung für den falschen Weg. Für Experimente, argumentiert der Grünen-Politiker, sei es schon viel zu spät.
Die Importstrategie für Wasserstoff und seine Derivate hat das Bundeskabinett passiert. Das ist ein wichtiges Signal für den Hochlauf in Deutschland, aber auch für die europäischen Nachbarn sowie potenzielle Exportländer, kommentiert Kirsten Westphal vom BDEW.
Der Entwurf zum Geothermiebeschleunigungsgesetz ist ein Meilenstein für die Branche, meint Gregor Dilger vom Bundesverband. Um den Turbo bei der Wärmewende zu zünden, müsse der Gesetzesentwurf aber an einigen entscheidenden Stellen angepasst werden.
Seit Jahren hinkt der Gebäudesektor den Zielen des Klimaschutzgesetzes (KSG) hinterher. Deshalb lenkt Laura Dorfer, die Geschäftsführerin des neuen Industrieverbunds VDMA Sanitärtechnik und -design, das Augenmerk auf Gebäudebereiche, deren Potenzial bislang weitgehend ungenutzt blieb: auf Badezimmer und Sanitärräume. Dieser Hebel zur Senkung der CO2-Emissionen von Gebäuden muss politisch thematisiert und durch Änderungen in Gesetz- und Regelwerk nutzbar gemacht werden, fordert sie.
Die Kreislaufwirtschaft kann zum Erreichen der Klimaschutzziele beitragen. Damit dies gelingt, braucht es nicht nur als eine Strategie, sondern einen klaren gesetzlichen Rahmen, schreibt Christian Schiller, Gründer und Geschäftsführer des Recyling-Dienstleisters Cirplus.
Die Ampel-Koalition will die Erneuerbaren-Förderung neu aufstellen. Das Vorhaben bietet die Chance, durch kluge Anpassung der Kostenstruktur und die Stärkung innovativer Finanzierungsmodelle den Ausbau abzusichern, erläutert Carolin Dähling, Bereichsleiterin für Politik und Kommunikation bei der Ökoenergiegenossenschaft Green Planet Energy. Entscheidend dabei: Die Planungssicherheit erhalten.
Das Eckpunktepapier für eine Carbon Management Strategie sowie der Gesetzesvorschlag zur Änderung des Kohlendioxid-Speicherungsgesetzes setzen CCS wieder auf die tagespolitische Agenda. Zur Technologieimplementierung empfehlen Danny Otto, Till Markus und Daniela Thrän vom UFZ: klare Zielvorgaben, eine enge Verzahnung mit der Langfriststrategie Negativemissionen und Pragmatismus.
Die EU steht vor wichtigen Entscheidungen mit Blick auf Klimaschutz und Wachstum. Ein klarer Fokus auf marktwirtschaftliche Maßnahmen und eine breite gesellschaftliche Akzeptanz für die Transformation sind nötig, um die Klimaziele zu erreichen und wettbewerbsfähig zu bleiben, schreibt Bernd Weber, Gründer und Geschäftsführer der Denkfabrik EPICO.
Die gesicherte Energieversorgung der Bevölkerung und der Industrie ist entscheidend für das Gelingen der Energiewende. Grüner Wasserstoff ist dabei der Garant einer sicheren, wirtschaftlichen und nachhaltigen Versorgung – unabhängig von der Witterungslage. Dafür braucht es wirksame Zertifizierung und enge Kontrollen. Diese wird es am schnellsten in der EU geben, ist der Vorstandsvorsitzende des Deutschen Wasserstoff-Verbandes (DWV), Werner Diwald, überzeugt.
Der Ausbau der Stromnetze geht nicht schnell genug voran – und es wird immer schwieriger, einen Netzanschluss zu bekommen. Andreas Jahn und Julia Hildermeier fordern, dass Behörden die Netzbetreiber bei Verzögerungen künftig zur Ordnung rufen können. Doch es brauche auch eine Neugestaltung der Netzentgelte, um die richtigen Preissignale zu senden.
Grüne Produkte und Prozesse müssen wettbewerbsfähig werden – so das Konzept von Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck für grüne Leitmärkte. Das gilt insbesondere für die Transformation extrem CO2-intensiver Branchen. Holcim-Deutschland-Chef Thorsten Hahn sieht die Politik bei der Infrastruktur für CO2 in der Pflicht.
Für die Energiewende muss Deutschland seine Stromnetze massiv ausbauen. Der Fokus liegt dabei auf etablierten Kabeltechnologien. Dabei könnte man mit Alternativen Kosten senken, schreibt John Fitzgerald, Geschäftsführer des auf Supraleiter spezialisierten Start-ups Supernode. Nötig sei dafür eine Innovationsfreundliche Regulatorik.
Bei Industrieprozessen, die bei hohen Temperaturen ablaufen, ist unsicher, ob genug Ökostrom oder grüner Wasserstoff zur Verfügung stehen wird, um sie zu dekarbonisieren, warnt Susanne König. Als Alternative führt die Mitgründerin des Unternehmens Kraftblock Hochtemperaturspeicher ins Feld. Doch deren Einsatz werde bisher regulatorisch gebremst.
Graham Weale hält die aktuellen Pläne für den Hochlauf des Wasserstoffmarktes auf Basis grünen Wasserstoffs für unbezahlbar und extrem unrealistisch. Der Professor für Energiewirtschaft am Centrum für Umweltmanagement, Ressourcen und Energie (CURE) der Ruhr-Universität Bochum schlägt einen Vier-Punkte-Plan zur Überwindung der Hemmnisse vor.
Anbieter von synthetisiertem Methan aus Wasserstoff und Kohlenstoff sind auf Subventionsjagd. Eine Förderung im Rahmen der Klimaschutzverträge sollte aber ausgeschlossen sein, fordern die Umwelt-NGOs. Warum sie entschieden dagegen sind, erläutert Georg Kobiela von Bellona Deutschland.
Die Energiewende setzt in erster Linie auf Strom, doch auch Wasserstoff wird Teil des zukünftigen Energiesystems sein. Das erfordert Leitungen von den Produktions- oder Import-Terminals zu den Verbrauchsstellen. Dabei muss ein „Tunnelblick“ allein auf Strom oder auf Wasserstoff überwunden werden, warnt Jorgo Chatzimarkakis, CEO des Wasserstoffverbands Hydrogen Europe.
Alle Zeichen stehen auf den Niedergang von Fracking-Gas – davon ist Lisa Badum, Vorsitzende des Unterausschusses Internationale Klima- und Energiepolitik, überzeugt. Nun müsse Deutschland die Abkehr von dem fossilen Brennstoff entschlossen vorantreiben. Neue Importterminals und Langfristverträge gehörten deshalb der Vergangenheit an.
Was der Regierung in ihrer Haushaltsplanung für 2025 fehlt, ist ein Zielbild, in welche Richtung sie das Land gestalten will. Statt einen Weg nach vorn aufzuzeigen, streitet sich das Kabinett um die Frage, wie groß die Rückschritte sein sollen. Michael Schäfer von GermanZero appelliert an Klimaschützer:innen, sich jetzt einzumischen.
Ein Leitmarkt für CO2-neutralen Stahl ist ökologisch und wirtschaftlich sinnvoll, findet Thomas Bünger, CEO von zwei deutschen ArcelorMittal-Werken. Besonders im Bausektor könne der Staat den Einsatz des grünen Grundstoffs vorantreiben und die Transformation stützen. Ohne diese und andere Maßnahmen drohe die Industrie sonst abzuwandern.
Anja Lange sieht Deutschland vor einer wegweisenden Herausforderung: Wie können der Ausbau der erneuerbaren Energien und gleichzeitig die Sicherung der deutschen Industrien gewährleistet werden? Dies ist keine neue Frage, jedoch eine, die dringend neue Antworten benötigt, findet die Europachefin von First Solar.
Die bevorstehende Einigung zur Kraftwerksstrategie zwischen Bundesregierung und EU- Kommission wird dem Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft in Deutschland neuen Schwung verleihen. Hochproblematisch ist aber, dass damit der Weg für blauen Wasserstoff bereitet und keine Überlegungen stattfinden, wie aus der Übergangslösung wieder ausgestiegen werden soll, argumentiert Simon Schreck von Germanwatch.
In Zeiten von knappen Kassen kann sich die Bundesregierung nicht allein auf die EEG-Förderung zur Finanzierung von Erneuerbaren verlassen. Die Direktvermarktung von Strom mittels Power Purchase Agreements wird daher künftig unerlässlich sein, um die Klimaziele zu erreichen, ist Stefan Degener von GreenGo Energy überzeugt. Besonders kleinen und mittleren Unternehmen muss dabei der Zugang zu PPAs erleichtert werden.
Eine Studie im Auftrag der VSB-Gruppe zur Umverteilung der Netzentgelte zeigt: Im Jahr 2030 werden etwa 40 Prozent und 2040 zirka 60 Prozent aller bei den Verteilungsnetzbetreibern anfallenden Kosten über die bundesweite Wälzung verteilt – legt man den Mechanismus zur Entgeltabrechnung der Bundesnetzagentur an. VSB-Chef Grolman empfiehlt daher eine grundlegende Reform der Entgeltgestaltung anstatt eines Wälzungsmechanismus: die Einführung bundesweit einheitlicher Verteilnetzentgelte.
Im Gebäudesektor sinken die Emissionen nicht so zügig, wie es notwendig wäre. Eigentlich müsste die Bundesregierung mit Hochdruck gegensteuern und Effizienzstandards im Neubau und Bestand ernst nehmen. Stattdessen setze sie mit der neuen Gebäudeförderung weiter falsche Anreize, kritisiert Barbara Metz von der Deutschen Umwelthilfe.
Noch reagieren die Menschen kaum auf den angekündigten EU-Emissionshandel für Gebäude. Denn sonst käme der Markt für Gebäudesanierungen in Schwung, doch die Nachfrage im Sanierungsmarkt ist eingebrochen. Damit es nicht zu heftigen Preissprüngen kommt, sobald der neue Emissionshandel gilt, muss die Bundesregierung jetzt gegensteuern, finden Ute Czylwik von der Deneff und Kjell Bettgenhäuser von Guidehouse.
Die Anpassung im Smart-Meter-Regulierungsrahmen des letzten Jahres war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung, aber sie reicht bei weitem nicht aus, findet Malte Sunderkötter. Teilweise gebe es eine eklatante Fehlsteuerung, warnt der E.ON-Metering-Experte und fordert dringend eine weitere Vereinfachung und Beschleunigung des Smart-Meter-Rollouts.
Cleantech hat es in Europa immer noch schwer. Dabei mangelt es nicht an Ideen, Fachkräften, Know-how oder Start-ups – sondern an den richtigen politischen Rahmenbedingungen. Was die EU vom US-amerikanischen Inflation Reduction Act lernen sollte, erklärt die Spitzenkandidatin der Partei Volt, Rebekka Müller.
Die Abschaffung des EEG wäre ein Schuss ins Knie, argumentiert Milan Nitzschke von den Erneuerbaren-Verbänden BWE und BEE. Zwar entfiele der staatliche Zuschuss, es gäbe aber weniger Erneuerbare und somit dauerhaft höhere Strompreise. Statt es abzuschaffen, sollte das Gesetz ausgebessert werden.
Statt die Kosten der Energiewende zu betonen, sollten die Chancen der Dekarbonisierung im Vordergrund stehen, findet Jan Lozek. Nur mit Investitionen in Klimaschutz kann der Wirtschaftsstandort Deutschland eine Zukunft haben. Doch die richtigen Weichen muss die Politik setzten, und zwar jetzt, fordert der Geschäftsführer von Future Energy Ventures.
Den Schwerlastverkehr in Deutschland, der EU und erst recht weltweit klimaneutral zu machen, ist schwierig und nur mit technoökonomischem Sachverstand und pragmatischen Entscheidungen lösbar. In einigen Fällen passen die Ansätze „rein batterieelektrisch“ oder „nur mit Wasserstoff“. Aber zu einem ganz wesentlichen Teil sind Kombinationen von beidem erforderlich.
Der diesjährige International E-Fuels Dialogue des Bundesverkehrsministeriums findet im Vorfeld der ILA Berlin statt und legt den Fokus für die Nutzung von E-Fuels zu Recht auf den Luftverkehr. Damit E-Fuels Teil einer global gerechten Energiewende sein können, sollte dabei auch über Nachhaltigkeitskriterien gesprochen werden, argumentiert Leon Berks von Agora Verkehrswende.
Der Net Zero Industry Act (NZIA) der EU, der auch Produktionskapazitäten für Windenergieanlagen stärken soll, kann eines der Schlüsselinstrumente zur Absicherung des Transformationspfads sein. Mit der für heute geplanten Verabschiedung des NZIA sind die Mitgliedstaaten und die Europäische Kommission bei der Umsetzung und Ausgestaltung am Zug, kommentiert Bärbel Heidebroek, Präsidentin des Bundesverbands Windenergie.
Betreiber von Ökostromanlagen erhalten in Zeiten negativer Preise keine EEG-Vergütung mehr, was die Wirtschaftlichkeit der Projekte gefährdet und zu einer Investitionsbremse führen könnte. Dabei wäre die Lösung sehr einfach, argumentiert Matthias Stark vom Verband BEE. Statt über eine gewisse Zeit von 20 Jahren sollten die Erneuerbaren für eine bestimmte Strommenge gefördert werden.
Die EU und die USA tun sich schwer mit ihrem „Club für grünen Stahl“. Es hakt an unterschiedlichen Vorstellungen zum Design, an den ungleichen Ausgangslagen und nicht zuletzt an einer drohenden Wiederwahl Donald Trumps. Aber schon ein Minimalkonsens würde zeigen , dass zwei führende Handelsmächte es ernst meinen mit dem Klimaschutz in der Stahlindustrie, ist Charlotte Unger vom RIFS überzeugt.
Der Handlungsdruck, die Kraftwerksstrategie der Bundesregierung konkret zu machen, steigt aus Sicht von Andreas Reichel mit jeder Woche. Bei weiterer Verzögerung drohe Destabilisierung, warnt der Chef von STEAG und Iqony und macht fünf Vorschläge.
Wer bei genauer Kostenbetrachtung alle Posten realistisch ansetzt, kommt beim Preisvergleich Wasserstoff gegen Wärmepumpe zu einem klaren Ergebnis: Den Wettbewerb der klimagerechten Wärmeversorgung gewinnt eindeutig die Wärmepumpe, argumentieren Claudia Kemfert und Jens Clausen. Strom schlägt Erdgas und Wasserstoff, resümieren sie.
Wie schnell der Übergang zu einer klimaneutralen Industrie gelingt, ist entscheidend dafür, ob die EU ihre Klimaschutzziele erreicht. Lukas Hermwille, Joseph Dellatte und Aleksander Śniegocki sind sich in diesem Standpunkt sicher: Dies entscheidet auch darüber, wie Europa sich im internationalen Wettbewerb behaupten kann. Deshalb brauche Europa einen Green Industrial Deal – und politische Führung, um diese Initiative voranzutreiben.
Offshore-Windenergie muss für populistische Schlagabtausche herhalten, um Meeres- und Klimaschutz gegeneinander auszuspielen und eine vermeintliche Spaltung innerhalb der Umweltbewegung zu propagieren. Dabei verläuft die Konfliktlinie eher zwischen Meeresschutz und industrieller Überbeanspruchung insgesamt, stellt Heike Vesper klar. Ein Weniger an schädlichen Eingriffen wie Rohstoffabbau oder CO2-Speicherung würden helfen, nötige Eingriffe wie naturverträgliche Offshore-Windparks zu ermöglichen.
Der deutsche Gesetzgeber nutzt den Spielraum der Erneuerbaren-Richtlinie nicht aus, monieren die Rechtsanwälte Sebastian Lutz-Bachmann und Jakob Zywitz. Als gangbaren Mittelweg zwischen Verfahrensbeschleunigung und Umweltschutz sollten ihrer Meinung nach Offshore-Windparkentwickler die Möglichkeit erhalten, auf freiwilliger Basis Umweltunterlagen einzureichen.
Aus Sicht von Simon Wolf bei der Umweltorganisation Germanwatch zeigen der Parteitag der CDU und ihr neues Grundsatzprogramm vor allem eines: Die Partei hat auffällige Leerstellen in ihrer klimapolitischen Programmatik. Drei Grundsätze solle sie nun beherzigen.
Viele Solar-Installationsbetriebe wollen Photovoltaik made in Europe auf die Dächer bringen. Die Abwanderung von Herstellern wie Meyer Burger schmälert diese Möglichkeit. Tausende Jobs in Deutschland werden damit endgültig abhängig von der Gunst chinesischer Solarriesen, warnt der Mitgründer des PV-Installationsdienstleisters Enerix, Peter Knuth.
Während Deutschland seine Kohlekraftwerke stilllegt, sind nicht nur in China, sondern auch in Ländern wie Südafrika oder Nigeria neue Kohlekraftwerke im Bau, die bis in die 2040er Jahre massiv CO2 emittieren werden. Das passt nicht zusammen, finden Jochen Andritzky und Nils Hesse vom Thinktank Zukunft-Fabrik.2050. Ein globalerer Emissionshandel könne den Konflikt auflösen. Dafür sollten Länder des globalen Südens eingeladen werden, dem europäischen Emissionshandelssystem beizutreten.
Berlin kauft das größte Fernwärmenetz Westeuropas zurück. Für die Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey geht es bei der Rekommunalisierung um Daseinsvorsorge. Die Wärme soll in der öffentlichen Hand sein und nicht in den Händen profitgetriebener Fonds, meint die SPD-Politikerin. Nun gelte es, das Fernwärmenetz klimafreundlich zu machen.
Eine Abkehr von den Fossilen wurde auf der zurückliegenden UN-Klimakonferenz beschlossen. Sie wird aber nur funktionieren, wenn Institutionen wie die Weltbank grundlegend reformiert und staatliche wie private Investitionen klimagerecht getätigt werden, meint die Grünen-Abgeordnete Kathrin Henneberger.
Für die Energiewende arbeitet die Bundesregierung an mehreren Strategien. Drei sind besonders mit Blick auf die Nutzung von Großbatteriespeichern relevant: die Systementwicklungsstrategie, die Stromspeicher- sowie die Kraftwerksstrategie. Die Details zeigen jedoch, dass die Vorhaben nicht aufeinander abgestimmt sind, sich teilweise sogar widersprechen, kritisiert Benedikt Deuchert vom Speicherprojektierer Kyon Energy.
Hans Ulrich Buhl und Jakob Rockstuhl vom Forschungsinstitut FIM und Fraunhofer FIT kritisieren die aktuelle politische Kommunikation im Wärmesektor gegenüber Eigentümer:innen und Mieter:innen. Diese sei grundfalsch. Für das Gelingen der Wärmewende benötige man einen Perspektivenwechsel: Entscheidend sei, energetische Sanierungen als zukunftsorientierte, sinnvolle Maßnahme und Versicherung gegen künftige Energiepreisrisiken statt als lukrative Investition zu bewerben.
Die Vorschläge der Bundesregierung zu einem Rückbau der Gasverteilnetze führen in Timm Kehlers Augen zu einem beunruhigenden Szenario. Der Vorstand des Branchenverbands Zukunft Gas befürchtet, dass wichtige Kraftwerksstandorte ihre Verbindung zu künftigen H2-Kernnetz verlieren. Er warnt vor drastischen Maßnahmen und plädiert für Umbau statt Abbau.
Netzengpass in Brandenburg: Die Stadtwerke Oranienburg verkündeten, keine neuen Wärmepumpen oder Wallboxen ans städtische Stromnetz mehr anschließen zu können. Mit der Energiepolitik der Bundesregierung hat dieses Problem nichts zu tun, meint Frank Borchardt vom Forum Netztechnik/Netzbetrieb im VDE – und skizziert Lösungen für die Verteilnetze der Zukunft.
Die Verringerung von Treibhausgasemissionen im Verkehr stockt. Felix Creutzig vom Klimaforschungsinstitut MCC sieht ein umfangreiches Instrumentarium, mit dem Bundesverkehrsminister Volker Wissing das Problem mindern könnte. Er plädiert für eine Kombination aus Anreizen und Abgaben.
Die politische Debatte über Hilfen für die Solarindustrie wird aus Sicht von Andreas W. Bett mit zu wenig Sachkompetenz geführt. Der Leiter des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme und Professor an der Uni Freiburg fordert nach dem Aus für den Resilienzbonus rasche Unterstützung für die Branche. Nichts zu tun wie bisher, sei keine Option.
Die bisherige Kraftwerksstrategie riskiert aus Sicht von Peter Feldhaus eine Stromversorgungslücke im Jahr 2030. Der CEO des Energieunternehmens Onyx plädiert dafür, geeignete Kohlekraftwerke mit Biomasse zu betreiben, bis die Erzeugung in Deutschland komplett durch Erneuerbare und Wasserstoff-Kraftwerke gesichert ist.
Trotz des Gesetzes zum Neustart der Digitalisierung der Energiewende hinkt Deutschland bei Smart Metern immer noch hinterher. Stellvertretend für die „Smart-Meter-Initiative“ fordern Bastian Gierull (Octopus Energy) und Merlin Lauenburg (Tibber) zusätzliche Vereinfachungen der Regulierung. Sonst, fürchten sie und ihre Kollegen bei Rabot Charge und Ostrom, kommt der Rollout zu spät.
Die von Wirtschaftsminister Robert Habeck ins Spiel gebrachten Resilienzboni für deutsche PV-Module kommen doch nicht ins Solarpaket. Dennoch lohne sich die Förderung der deutschen Solarindustrie, meint David Ward von Oxford PV – der Fokus müsse allerdings auf innovativen Technologien liegen.
Deutschland hat seinen fairen Anteil an einem CO2-Budget aufgebraucht, rechnete der Sachverständigenrat für Umweltfragen vor. Nach Meinung von Hans-Wilhelm Schiffer taugen solche Ansätze in der Praxis nicht für den Klimaschutz. Besser sei eine international harmonisierte Bepreisung von Kohlendioxid.
Öffentlichkeitsbeteiligung in Umweltfragen ist eine wichtige Grundlage für solide Planungs- und Genehmigungsentscheidungen und stärkt die demokratische Teilhabe. Digitale Tools können helfen, Beteiligungsverfahren einfacher und leichter zugänglich zu machen. Doch der Stand der Digitalisierung ist nach wie vor unbefriedigend, kritisiert Luisa Schneider vom UfU.
Die Kommunen sollen einen langfristigen Plan vorlegen, um ihre Wärmeversorgung künftig klimaneutral zu stellen. Damit dieser komplexe und generationenübergreifende Prozess gelingt, müssen fünf Parameter erfüllt sein, argumentiert Andreas Klingemann vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW).
Carel Carlowitz Mohn (Klimafakten) und Jérémie Gagné (More in Common) widersprechen der These, Klimaschutz sei zwangsläufig polarisierend und werde vor allem dann unpopulär, wenn er den Menschen wirkliche Verhaltensänderungen abverlange. Mit vier Eckpunkten wollen sie in der Klimadebatte Orientierung geben.