Die Krankenhausreform sieht für spezialisierte Schmerzmedizin keine eigene Leistungsgruppe vor. Dadurch drohten 40 Prozent der stationären Angebote wegzufallen, sagt der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Schmerzmedizin, Richard Ibrahim. Und eine überhastete Ambulantisierung gefährde die Versorgungsqualität für die fast fünf Millionen Betroffenen, warnt er anlässlich der heute beginnenden Deutschen Schmerz- und Palliativtage in Frankfurt.
Längst ist bekannt, dass Erwartungen systematisch genutzt werden können, um medizinische Behandlungen – ob medikamentös oder operativ – zu verbessern, schreiben die Professor:innen Ulrike Bingel und Sven Benson vom Uniklinikum Essen im Standpunkt. Zentraler Einflussfaktor sei die erfolgreiche Kommunikation zwischen Therapeut und Patient, weshalb sie an Entscheidungsträger appellieren, Kommunikation und Kontextfaktoren in der Medizin stärker zu berücksichtigen.
Deutschland benötigt mehr als Einzelreformen in der Gesundheitsversorgung, schreiben Sabine Deutscher, Vorstandsmitglied, und Matthias Mohrmann, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der AOK Rheinland/Hamburg, im Standpunkt. Es brauche einen Paradigmenwechsel hin zur Vermeidung von Erkrankungen, also mehr Prävention, Gesundheitsförderung und Gesundheitskompetenz, um langfristig ein leistungsfähiges Gesundheitssystem mit fairem Zugang und bestmöglicher Versorgung für alle zu erhalten.
Mit dem Forschungsdatenzentrum Gesundheit entsteht eine große zusammenhängende Gesundheitsdatenquelle, schreiben CSU-Politikerin Emmi Zeulner und Herzchirurgin Claudia Schmidtke. Doch der volkswirtschaftliche Wert der Daten werde durch die Nutzung nicht abgeschöpft. Deshalb fordern sie eine Gesundheitsdaten- und Wissensdividende, die zur GKV-Stabilisierung und Versorgungsverbesserung beitragen könne.
Deutschlands Gesundheitswesen muss krisenfester werden, argumentieren fünf Sicherheits- und Gesundheitsexperten anlässlich der heutigen KRITIS-Fachtagung in Berlin. Sie erklären, warum es „Health in all Policies“ auch für Gesundheitssicherheit braucht und welche Voraussetzungen derzeit dafür fehlen.
Wie widerstandsfähig ist unsere medizinische Versorgung im Krisenfall? Diese Frage stellt Nora Schmidt-Kesseler im Standpunkt anlässlich der morgigen Fachtagung KRITIS 2026. Die Hauptgeschäftsführerin des VCI Nordost beschreibt, warum die pharmazeutische Industrie ein sicherheitsrelevanter Sektor ist und was sie von der Politik erwartet.
Digitale Tools bieten in der Zahnmedizin etliche Möglichkeiten, ist sich der Zahnarzt Siegfried Marquardt sicher, der ebenfalls Vorstand der Deutschen Gesellschaft für Sportzahnmedizin ist. Ein besonderes Potenzial sieht er hierbei in der Früherkennung. Doch für eine moderne, präventionsorientierte Zahnmedizin fehlten regulatorische Maßnahmen.
Auch in Krisenfällen muss Daseinsvorsorge gewährleistet sein, schreibt die Berliner Gesundheitssenatorin Ina Czyborra. Um eine stabile medizinische Versorgung zu gewährleisten, bereitet das Land Berliner Krankenhäuser mit einem Rahmenplan und Zivilschutzübungen vor. Eine Bundeswehrübung findet diese Woche am Flughafen statt.
Seltene Erkrankungen dürfen kein gesundheitspolitisches Nischenthema sein, schreibt Kristina Kempf, Country Head Deutschland & Österreich bei PTC Therapeutics. Wer am morgigen Tag der Seltenen Erkrankungen nur auf Awareness setzt, greift zu kurz. Es geht um konkrete Verbesserungen in der Versorgung.
Das Apothekenversorgung-Weiterentwicklungsgesetz soll morgen in die erste Lesung im Bundestag gehen. Damit wird ein Schritt getan, der längst überfällig war, schreibt Patrick van der Loo, Deutschlandchef des Arznei- und Impfstoffherstellers Pfizer. Das Gesetz biete die Chance, Apotheken endlich verbindlich in die Prävention einzubinden und so Versorgungslücken zu schließen.
Wie funktioniert Krankenhausversorgung unter Kriegsbedingungen? Auf der Suche nach Antworten reiste Marc Schreiner, Geschäftsführer der Berliner Krankenhausgesellschaft, kürzlich durch die Ukraine. Und besuchte, organisiert von der GIZ, Kliniken und Reha-Einrichtungen in Lutsk, Lviv, Kiew und Dnipro. Im Standpunkt erläutert er, wie sich die gewonnenen Erkenntnisse für die Weiterentwicklung des Berliner Rahmenkonzepts „Zivile Verteidigung Berliner Krankenhäuser“ nutzen lassen könnten.
Deutschland steht vor einem tiefgreifenden Klinikumbau: Milliardeninvestitionen fehlen, Personal wird knapp, private Betreiber ziehen sich zurück. Die Verantwortung bleibt bei Staat und Kommunen, die über Versorgung, Schließungen und neue Rollenverteilungen im Gesundheitswesen entscheiden müssen, schreibt der Fachanwalt Jonas K. Friedrich von der Frankfurter Kanzlei FPS.
Es ist gut und wichtig, dass die Debatte um die Zuckersteuer in der CDU angekommen ist, schreibt Michaela Schröder, Geschäftsbereichsleiterin Verbraucherpolitik im Verbraucherzentrale Bundesverband, im Standpunkt. Die CDU habe auf ihrem Parteitag am 20. und 21. Februar die Chance, ein wichtiges Signal zu setzen – für Gesundheit, für Verbraucher:innen und für eine moderne Ernährungspolitik.
Friedrich Merz hat auf der Münchner Sicherheitskonferenz betont, Europa müsse Tatkraft entfesseln. Die Pharmabranche ist bereit dazu, schreibt Dorothee Brakmann im Standpunkt. Mit Risikopartnerschaften, Netflix-Modellen und mehr Selbstmedikation legt die Branche konkrete Angebote auf den Tisch, bei denen sie bewusst ins Risiko geht, so die Hauptgeschäftsführerin von Pharma Deutschland.
Die eigentliche Wahl des neuen Nachfolgers von Tedros Ghebreyesus an der Spitze der Weltgesundheitsorganisation findet erst 2027 statt, aber bereits in diesem Jahr beginnt der Nominierungsprozess. Sascha van Beek, Berichterstatter für globale Gesundheit der Unionsfraktion, schreibt, warum der oder die nächste WHO-Generaldirektor:in aus Deutschland kommen sollte.
Immer weniger Menschen finanzieren über ihre Löhne und Gehälter ein immer teurer werdendes Gesundheits- und Pflegesystem. Das könne nicht so weitergehen, meint der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Christos Pantazis. Im Streit um die Verbeitragung von Kapitaleinkünften gehe es daher nicht mehr um das Ob, sondern nur noch um das Wie. Zwingend nötig seien substanzielle Freibeträge und Schutzmechanismen für angesparte Altersrücklagen – und auch entschlossene Strukturreformen.
Im deutschen Gesundheitssystem braucht es einen Paradigmenwechsel, schreibt CDU-Gesundheitspolitiker Hendrik Streeck. Mit einer gemeinsamen Neuordnung und klaren Regeln könne es gelingen, Gesundheitserhalt und Prävention als neue Paradigmen zu etablieren – und so das Gesundheitssystem zukunftsfähig aufzustellen.
Die fachärztliche medizinische Labordiagnostik sollte kein Spielball von Verteilungsfragen sein, sondern im Sinne der medizinischen Gesamtversorgung der Bevölkerung als das gesehen und behandelt werden, was sie ist: ein nicht ersetzbarer zentraler Bestandteil der ambulanten wie stationären Versorgung. Das meint Michael Müller, Vorstandsvorsitzender der Akkreditierten Labore in der Medizin, im Standpunkt.
Deutschland steckt im Dauerkrisenmodus – und das Gesundheitswesen ist dafür kaum gewappnet. Sabotage, hybride Bedrohungen und unklare Strukturen im Bündnisfall offenbaren große Lücken bei Daten, Koordination und Resilienz. Ohne klare Verantwortlichkeiten und echte Vorbereitung bleibt das System verwundbar.
Berliner Krankenhäuser beobachten sich häufende, unerklärliche Vorgänge, die mit Spionage und Sabotage in Verbindung gebracht werden können. Solche schwer nachvollziehbaren Ereignisse werden von Verfassungsschutzbehörden teilweise als potenzielle Aktionen der hybriden Kriegsführung eingestuft. Was nun zu tun ist, erklärt Marc Schreiner, Geschäftsführer der Berliner Krankenhausgesellschaft.
Sicherheitsbedenken sind der Hauptgrund, wenn Menschen der elektronischen Patientenakte widersprechen. Dass sie so schnell wie möglich geschlossen werden müssen, ist für die Datenschutzbeauftragte Louisa Specht-Riemenschneider und Christian Groß, Leitungsstab der BfDI keine Frage. Doch viele wissen gar nicht, was in den Einstellungen möglich ist, wie das Datenbarometer zeigt.
Deutschlands Gesundheitssystem steht trotz hoher Qualität vor großen Belastungen. Niedersachsen drängt als neues Vorsitzland der Gesundheitsministerkonferenz auf ein starkes Gesamtkonzept: mehr ambulante Versorgung, bessere Steuerung der Patientenwege, starke Prävention und krisenfeste Strukturen. So soll die medizinische Versorgung zukunftssicher und verlässlich bleiben.
Ein leistungsfähiges Gesundheitssystem und ein handlungsfähiger Staat bedingen einander, schreibt Klaus Reinhardt. Der Bundesärztekammer-Präsident ist überzeugt, dass das Jahr 2026 zu einem Wendepunkt werden kann – wenn politische Entscheidungen konsequent, praxisnah und mit klarem Gestaltungsanspruch getroffen werden.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind nicht unvermeidbar. Mit dem Safe Hearts Plan entscheidet sich Europa für frühes Handeln statt spätes Eingreifen und für Prävention statt Bedauern, schreibt EU-Gesundheitskommissar Olivér Várhelyi in seinem Standpunkt. Auch wolle sich die Kommission für einen fairen Umgang mit Verbrauchern und die Beschleunigung bei der Entwicklung von Innovationen einsetzen.
Offene Software, offene Daten, offene Zusammenarbeit – das sind keine Spielereien für IT-Nerds, sondern Überlebensfragen für unser Gesundheitswesen, schreibt Christian Elsner, Partner im Bereich Transformation mit Fokus auf Gesundheitsversorger und IT-Innovationen bei PwC Deutschland. Im Standpunkt beschreibt er, wie Deutschland diesen Wandel angehen sollte und warum dies von Vorteil wäre.
Deutschland steht gesundheitspolitisch am Scheideweg – doch der Beschluss zum „Zukunftspaket Pflege“ bleibt mutlos, warnt die Gerontologin Kristine Lütke. Trotz richtiger Akzente bei Prävention und Digitalisierung fehlen echte Reformen, klare Finanzierung und Entlastung für die Pflege. Statt Fortschritt drohen neue Lasten und Doppelstrukturen.
Der Erfolg von Fusionen entscheidet sich nicht im Beschluss, sondern im Markt, schreibt Andreas Meusch. Fusionen sind komplex, aber auch in Zukunft sinnvoll, meint der Senior Advisor bei der Beratungsagentur Beust & Collegen. Was es für erfolgreiche Zusammenschlüsse braucht, hat der erfahrene Ex-Kassenvertreter im Standpunkt beschrieben.
Ein neuer G‑BA-Beschluss erlaubt exklusive Rabattverträge für Biosimilars – und stellt damit das Versorgungssystem auf den Kopf. Die Branche warnt vor massivem Preisdruck, Produktionsrückzug aus Europa und neuer Abhängigkeit von China. Experten fordern: Die Politik muss eingreifen und Exklusivverträge verbieten.
Hybrid-DRGs sind an und für sich der richtige Ansatz, können aber nicht einfach pauschal auf Leistungen angewendet werden, meinen Maximilian Burger und Markus Müller von der Deutschen Gesellschaft für Urologie. Bei Diagnostik und Behandlung von Blasenkrebs zeige sich, dass in der Hybrid-DRG berücksichtigte Kosten die Versorgungsrealität nicht abbildeten.
Es wird viel in die Behandlung, aber zu wenig in die Vermeidung von Krankheiten investiert. Eine Bundesstiftung für Prävention und Gesundheit könnte hier ansetzen - koordinieren und operativ gestalten. Thomas Schlegel, Kanzlei für Gesundheitsrecht, Dennis Ostwald, WifOR Institute, und Albrecht Kloepfer, iX-Institut für Gesundheitssystem-Entwicklung, erläutern ihren Vorschlag.
Die weltweiten Kürzungen bei der internationalen Gesundheitsfinanzierung treffen die HIV-Eindämmung mit voller Wucht. So seien etwa die erfolgreichen Programme zur Verhinderung von Mutter-Kind-Übertragungen in Gefahr, warnt Angela Bähr von der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung anlässlich des heutigen Welt-Aids-Tages. Es fehle der politische Wille, die erfolgreichen Maßnahmen konsequent und verlässlich zu finanzieren – und hier befinde sich auch die Bundesregierung in der Verantwortung.
Eine Krebserkrankung stellt Patientinnen und Patienten nicht nur vor gesundheitliche Herausforderungen. Auch das psychische Befinden ist oft beeinträchtigt, löst die Diagnose doch bei vielen Betroffenen erhebliche Ängste aus. Die Suche nach verlässlichen Informationen zur eigenen Erkrankung ist für viele ein wichtiger Teil der Bewältigung, schreibt Susanne Weg-Remers, Leiterin des Krebsinformationsdienstes am Deutschen Krebsforschungszentrum.
Um sich an die neuen Gegebenheiten der globalen Gesundheitsarchitektur anzupassen, ist der Globale Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria zu drastischen Veränderungen entschlossen und will die Kosten senken, die Arbeitsweise vereinfachen und schneller und flexibler auf die Bedürfnisse von Ländern eingehen. Das schreibt Peter Sands im Standpunkt. Bilaterale Ansätze hält der Geschäftsführer des größten multilateralen Gebers dabei nicht für die Lösung.
Derzeit durchläuft der Bundeshaushalt 2026 den Haushaltsmarathon. Eine Stagnation der Mittel für humanitäre Hilfe auf dem dramatisch gesunkenen Niveau von 2025 ist darin vorgesehen. Die Mittelkürzungen bedeuten konkret: Gesundheit, Leib und Leben von Frauen, Kindern und Männern in den ärmsten Ländern der Welt werden gefährdet.
Rund um die Welt werden Gesundheits- und Entwicklungsbudgets gekürzt – und auch in Deutschland wird um jeden Euro im Haushalt 2026 gerungen. Dabei droht ein Thema unterzugehen, das leise, aber unaufhaltsam an Bedeutung gewinnt: antimikrobielle Resistenzen, warnt Ralf Sudbrak, Deputy Director des Global AMR R&D Hub in Berlin und Mitglied des Global Health Hub Germany im Standpunkt.
Mehr als 2,4 Milliarden Arbeitskräfte weltweit sind laut einem aktuellen UN-Bericht inzwischen regelmäßig übermäßiger Hitze ausgesetzt. Besonders gefährdet sind Menschen, die im Freien oder in prekären, nicht regulierten Beschäftigungsverhältnissen tätig sind – sie sind den zunehmend belastenden Bedingungen oft schutzlos ausgeliefert.
Die deutsche Krankenhausversorgung steht vor einem grundlegenden Umbruch. Steigende Gesundheitsausgaben, Fachkräftemangel, demografischer Wandel und strukturelle Unterschiede zwischen urbanen und ländlichen Regionen stellen das bisherige System vor große Herausforderungen. Im europäischen und weltweiten Vergleich gehört Deutschland beim Thema Ambulantisierung zu den Schlusslichtern.
Eine halbe Million Menschen erkranken in Deutschland jedes Jahr neu an Krebs – Tendenz steigend. Das persönliche Leid, aber auch die damit einhergehenden volkswirtschaftlichen Folgen sind immens. Gleichzeitig könnten wir viele Neuerkrankungen durch Prävention verhindern. Um dieses Potenzial zu heben, müsste die Krebsprävention zur politischen Priorität werden.
Für Start-ups bietet der deutsche Markt für digitale Gesundheitsanwendungen (DiGA) sowohl Chancen als auch finanzielle Risiken, schreiben die Anwälte Judith Schmid und Dirk Schoene. Durch die Preisverhandlungen der Apps kämen viele Anbieter in finanzielle Nöte. Im Standpunkt schreiben sie, wie DiGA-Start-ups sich davon wieder erholen können.
Anders als viele andere Wirkstoffe lässt sich das für viele Medikamente wichtige Blutplasma nicht synthetisch herstellen. Obwohl Menschen mit Immundefekten, Blutgerinnungsstörungen oder neurologischen Erkrankungen darauf angewiesen sind, stammen bereits jetzt rund 40 Prozent des in Europa verarbeiteten Blutplasmas aus den USA. Petros Gatsios, Vorstandsvorsitzender der Plasma Protein Therapeutics Association Deutschland, über Herausforderungen und Lösungen.
Das deutsche Gesundheitssystem steht an einem Kipppunkt. Steigende Kosten und Bürokratie treffen auf politische Reformmüdigkeit – eine gefährliche Mischung, schreibt der frühere gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion, Andrew Ullmann, in seinem Standpunkt und macht Lösungsvorschläge.
Warum ein Blick auf die Kosteneffizienz gerade in Zeiten knapper Kassen wichtig wäre und die Bundesregierung Vorschlägen ihrer gesundheitspolitischen Beratungsgremien folgen sollte, beschreibt Thomas D. Hälbig im Standpunkt. Er ist überzeugt: Der deutsche Blindflug verhindert eine effiziente Mittelverwendung.
An einem Maximalversorger in Haifa kann eine Fläche, die im Alltag als Tiefgarage dient, im Ernstfall binnen 72 Stunden in ein funktionsfähiges, bombensicheres Krankenhaus umgewandelt werden. Im Standpunkt blickt der Managementberater und freiberufliche Interim-Manager Tasso Enzweiler auf Israel als Vorbild für resiliente Krankenhausinfrastrukturen und macht Vorschläge für zeitnahe Maßnahmen in Deutschland.
Eine Kürzung der Finanzmittel für das Jahr 2026 sei zwar kein leichter Schritt, könne aber – wenn sie wie vorgesehen klar befristet bleibt – als solidarischer Beitrag zur Stabilisierung des Gesamtsystems mitgetragen werden, meint Josef Hecken, unparteiischer Vorsitzender des Gemeinsamen Bundesausschusses. Die einmalige Absenkung der Fördersumme des Innovationsfonds von 200 Millionen auf 100 Millionen Euro gefährde keine laufenden Projekte.
BVKJ-Präsident Michael Hubmann ist enttäuscht von der Arbeit des Bundesgesundheitsministeriums. Er fordert, im Koalitionsvertrag angekündigte Versprechen wie das Primärarztsystem schnell umzusetzen und Präventionsmaßnahmen endlich in den Blick zu nehmen. Es sei an der Zeit, das Versprechen von zupackendem Handeln und spürbaren Veränderungen einzulösen, fordert der Kinder- und Jugendarzt.
Das transatlantische Handelsumfeld hat sich für die Pharmaindustrie unter der aktuellen US-Regierung deutlich verschärft. Diese Entwicklungen könnten Konsequenzen für Patienten und Patientinnen in Deutschland und Europa haben, wenn die Region sich nicht aktiv im globalen Wettbewerb behauptet, schreibt der Pharmarechtsanwalt Martin Altschwager.
Ein Pflegekollaps würde alle treffen – mit unabsehbaren Folgen für gesellschaftlichen Zusammenhalt, Krisenresilienz und Vertrauen in die Demokratie. Doch bislang, so meint Joß Steinke, Pflegeexperte beim Deutschen Roten Kreuz, im Standpunkt, sind die Vorschläge der Politik und der von ihr beauftragten Kommission zu vage. Nötig sei ein umfassender Kraftakt, der auch Geld koste. „Mit einfachen Streichlisten ist es nicht getan.“
Mehr als eine halbe Million Menschen in Deutschland leben mit einem angeborenen Herzfehler. Ihre Zukunft hängt auch von der Forschung ab – und von der Bereitschaft, medizinische Register dauerhaft zu sichern. Das Nationale Register für angeborene Herzfehler zeigt, was möglich ist, wenn Wissenschaft, Medizin und Gesellschaft an einem Strang ziehen, schreibt die wissenschaftliche Direktorin Constanze Pfitzer.
Die Kosten für das Gesundheitswesen steigen, gleichzeitig nimmt die Gesundheitskompetenz ab. Prävention müsse deshalb dort stattfinden, wo gleich die Jüngsten – also Kinder und Jugendliche – erreicht werden, meint Heidrun Thaiss. Sie ist Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Sozialpädiatrie und Jugendmedizin (DGSPJ) und erklärt, warum der Ausbau der Schulgesundheitspflege eine kosteneffiziente Investition ist.
Frauen nehmen häufiger Medikamente ein als Männer – und erleiden zugleich deutlich mehr Nebenwirkungen. Trotzdem werden Arzneimittel in Deutschland nahezu immer in gleicher Dosierung verschrieben. Der Grund: Geschlechtsspezifische Unterschiede in Wirkung, Verstoffwechselung und Verträglichkeit werden in der Arzneimittelzulassung kaum berücksichtigt. Das ist kein Randthema, sondern ein Sicherheitsproblem, schreibt die Gendermedizinerin Claudia Schmidtke.
Dass die Bund-Länder-Kommission zur Pflegereform bereits ausgearbeitete Konzepte von Praktikern nicht ernsthaft erwogen und die Wohlfahrtsverbände dazu noch nicht einmal angehört hat, sei unklug gewesen, findet Diakonie-Vorständin Elke Ronneberger. Mehr Kapitaldeckung sei nur ein Teil der Lösung. Und die erwogenen Kürzungen im Pflegegrad 1 könnten sich als kontraproduktiv erweisen, denn Leistungen in einem frühen Stadium der Pflegebedürftigkeit entfalteten auch präventive Wirkung.
Globale Gesundheit ist ein grundlegendes nationales Interesse, schreibt Sascha van Beek im Standpunkt. Der CDU-Gesundheitspolitiker befürwortet starke deutsche Unterstützung – aber nur, wenn damit mehr strategische Mitbestimmung für Deutschland und strukturelle Reformen einhergehe. Geld allein mache noch keine Strategie aus.
Eine fundamentale Strukturreform für unser multilaterales System der globalen Gesundheit braucht es nach Ansicht von Axel Pries, Präsident des World Health Summit. Das Recht auf Gesundheit, Fairness, regelbasierte Partnerschaft stehen dabei nicht im Widerspruch zu berechtigten nationalen Interessen und dem Prinzip des Wettbewerbs, ist er überzeugt.
In Europa sterben jährlich Hunderttausende an den Folgen von Luftverschmutzung – verursacht vor allem durch Straßenverkehr. Ärzteverbände warnen vor einer Abschwächung des Verbrenner-Aus. Die Diskussion beim morgigen Auto-Gipfel im Kanzleramt könnte zur gesundheitspolitischen Weichenstellung werden, meinen Dorothea Baltruks, Leiterin des Centre for Planetary Health Policy, und Christian Schulz, Geschäftsführer der Deutschen Allianz Klimawandel und Gesundheit.
Sogenannte Fettleibigkeit ist nicht bloß ein Lifestyle-Problem, sondern eine ernstzunehmende Erkrankung – und eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit. Das betont Jürgen Ordemann, Chefarzt des Berliner Adipositas-Zentrums. Dass Betroffene hierzulande nach wie vor keinen systematischen Zugang zu modernen, evidenzbasierten Behandlungsmöglichkeiten erhalten, bezeichnet er als unterlassene Hilfeleistung.
Die Welt ist in den vergangenen Jahren fragiler und unberechenbarer geworden, schreibt Andreas Meusch, Senior Advisor bei der Beratungsagentur Beust & Collegen, in seinem Standpunkt. Krisen würden nicht isoliert auftreten, sondern sich gegenseitig überlagern und verstärken. Für die Gesundheitssysteme in Europa bedeutete das: Sie müssten weit mehr leisten, als Pandemien abzuwehren oder den demografischen Wandel zu bewältigen.
Die Einführung des Lungenkrebs-Screenings mittels CT ist ein überfälliger Schritt zur Früherkennung einer der tödlichsten Krebserkrankungen. Experten sind sich angesichts der Studienlage und der Erfahrungen aus anderen Ländern einig. Allerdings ist bekanntlich „gut gedacht“ nicht automatisch auch „gut gemacht“. Felix Nensa und Christian Taube von der Universitätsmedizin Essen über die Vorteile der Regelung und noch zu nehmende Hürden bei der Implementierung.
Die Finanzlage der GKV hat sich dramatisch zugespitzt. Steigende Ausgaben, ein historisch hoher Beitragssatz von 17,1 Prozent, nicht eingehaltene Leistungsversprechen und fehlende strukturelle Reformen lassen das System an seine Grenzen stoßen. Jetzt ist politisches Handeln gefragt, das Entlastung schafft und Stabilität sichert, fordern Benjamin Grosch und Günter Wältermann.
Warum Bildung, Aufklärung und Gesundheitsversorgung zusammengehören – und warum sie nicht gefährdet werden dürfen, beschreibt Maria Flachsbarth, Parlamentarische Staatssekretärin a.D. und ehemalige Beauftragte für globale Gesundheit und One Health. Zudem geht sie darauf ein, warum Investitionen auch im Interesse Deutschlands sind.
Künstliche Intelligenz ist in Kliniken weit verbreitet – allerdings häufig nicht offiziell. Statt diese Schatten-KI zu verbieten, sollten Alternativen her, schreibt Sebastian Krammer, Arzt und Mitgründer des Start-ups Avelios Medical.
Das Gesundheitswesen kann Sicherheit und Zukunftsfähigkeit verbinden und zu einem stabilen Kern unseres Wirtschaftsmodells werden. Nils Dehne, Geschäftsführer der Allianz Kommunaler Großkrankenhäuser, und Daniel Dettling, Geschäftsführer der Gesundheitsstadt Berlin, heben dafür im Standpunkt drei zentrale Bausteine hervor.
Trotz zahlreicher Maßnahmen zur Verbesserung der Situation in der Pflege, wie etwa Personaluntergrenzen oder höhere Löhne, sei die Unzufriedenheit nach wie vor groß, beklagt der CSU-Abgeordnete Stephan Pilsinger in seinem Standpunkt. Die generalistische Ausbildung enttäusche, der Fachkräftemangel bleibe. Die Ursache sieht Pilsinger in einer Überregulierung.
Der blinde Fleck wird kleiner, doch noch ist er nicht weg: Das Thema Frauengesundheit hat in den vergangenen Jahren an Sichtbarkeit gewonnen. Das öffentliche und politische Bewusstsein wächst. Auch durch zahlreiche Initiativen im Gesundheitsausschuss konnten in der vergangenen Legislaturperiode wichtige Impulse gesetzt werden. Frauengesundheit zu fokussieren, rettet Leben, meinen Kirsten Kappert-Gonther, Grünen-Abgeordnete, und Ludi Schlageter von der DSW.
Ulrich Heiß ist Chefarzt der Radiologischen Abteilung eines Krankenhauses in Niedersachsen und möchte ohne Denkverbote über eine effizientere Patientensteuerung diskutieren. Dabei sollte es aus seiner Sicht auch um eine Eigenbeteiligung gesetzlich Krankenversicherter von zum Beispiel 300 Euro nach dem Vorbild der privaten Krankenversicherung bei verhältnismäßiger Minderung des monatlichen Krankenkassenbeitrages gehen.
Unterstützung im Kampf gegen Polio hat nichts mit Altruismus zu tun, sondern mit Selbstschutz. In einigen Regionen Deutschlands liegen die Impfraten bereits unter dem Schwellenwert, der eine Verbreitung des Virus verhindert. Dass die Bundesregierung ihren Beitrag zur Ausrottung der Kinderlähmung fast halbieren will, hält der Arzt und „End-Polio-Now“-Koordinator von Rotary International für Deutschland, die Schweiz und Liechtenstein, Christian Schleuss, für einen großen Fehler.
Die Gesundheitsausgaben liegen inzwischen bei 500 Milliarden Euro pro Jahr – dennoch klagen Kliniken über Defizite, Pflegeeinrichtungen über Unterbesetzung, Krankenkassen über erhöhte Zusatzbeiträge. Die Unzufriedenheit wächst auch in der Bevölkerung. Dahinter steht eine strukturelle Schieflage, schreiben Jürgen Graalmann, Tim Rödiger und Christoph Straub in ihrem Standpunkt und machen Lösungsvorschläge.