Das Arzneimittelmarktneuordnungsgesetz (AMNOG) war über ein Jahrzehnt ein Erfolgsmodell. Bei hochindividualisierten Therapien stößt es jedoch an Grenzen – mit Folgen für Patientinnen und Patienten, Forschung und den Standort. Ohne Reformen drohe Deutschland im internationalen Wettbewerb um Arzneimittelinnovationen ins Hintertreffen zu geraten, schreibt Andrew Ullmann, ehemaliger gesundheitspolitischer Sprecher der FDP-Bundestagsfraktion.
In der Debatte um das Pflegebudget in der Krankenhausvergütung prägen Schlagworte wie „kostspieliges Trauerspiel“ und „Fokussierung auf die Effizienz“ die Schlagzeilen. Es entstehe der Eindruck, dieses Instrument sei Ursache einer aus dem Ruder gelaufenen Kostenentwicklung, warnt Pflegerats-Präsidentin Christine Vogler. Diese Sichtweise sei verkürzt und für Pflege, Versorgung und Patientensicherheit gefährlich.
Permanente Krisenlagen stellen neue Anforderungen an Zivilschutz und Bundeswehr. Der BVMed hat darauf mit der Gründung einer Taskforce „Zivilschutz und Krisenvorsorge“ reagiert. Vorstandsmitglied Stefan Geiselbrechtinger beschreibt im Standpunkt eine Dual-Use-Strategie, die Kosten sparen, Redundanz vermeiden und dafür sorgen soll, dass im Krisenfall kein völlig fremdes System hochgefahren werden muss, sondern ein bekanntes hochskaliert wird.
Die Haushaltslage der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) ist prekär und verschlechtert sich weiter dramatisch – mit weitreichenden politischen und volkswirtschaftlichen Auswirkungen. Zugleich wurden im Krankenhaussektor ausgabensteigernde Reformen durchgeführt. Für die Gesundheitsökonomen David Scheller-Kreinsen, Andreas Beivers und Andreas Schmid ist nun der richtige Zeitpunkt für eine kritische Bestandsaufnahme am Beispiel des Pflegebudgets.
Müdigkeit, Schwäche, Konzentrationsprobleme – das sind nur einige der Symptome, die auf die Erkrankung Long Covid deuten können. Schätzungen gehen von einer sechststelligen Anzahl Betroffener in Deutschland aus. Das mit Long Covid verbundene menschliche Leid ist groß, die Kosten immens. Doch für Erkrankte gibt es oft keine adäquaten Angebote.
Vor wenigen Wochen hat die US-amerikanische FDA angekündigt, generative KI tief in ihre Prozesse zu integrieren: eine eigene KI-Plattform, ein Chief AI Officer, der Einsatz in kritischen Review-Bereichen. Das ist kein Experiment, sondern der Beginn eines Systemwechsels mit globaler Strahlkraft, meint David Boutellier, Mitgründer und CEO des Start-ups REMATIQ.
Die Pflegeversicherung hat ein doppeltes Finanzierungsproblem: Ihre Leistungen sind unzureichend und zugleich ist ihre Finanzierung nicht gesichert. Die Bundesvereinigung der Arbeitgeberverbände (BDA) hat Vorschläge erarbeitet, um die Probleme zu lösen. Heinz Rothgang, Leiter der Abteilung Gesundheit, Pflege und Alterssicherung am Forschungszentrum Ungleichheit und Sozialpolitik der Universität Bremen, findet, dass sie einer Kommentierung bedürfen.
Die Lebenserwartung der Deutschen ist so hoch wie nie zuvor, doch die meisten verbringen ihre letzten Lebensjahre in Krankheit. Ein Umsteuern in der Präventionspolitik ist deshalb längst überfällig, schreibt Daniel Dettling, Geschäftsführer von Gesundheitsstadt Berlin. Neben weniger Todes- und Krankheitsfällen steige auch der Wohlstand und die Lebensqualität, argumentiert er.
Das Präventionsgesetz ist überholt und braucht eine Generalüberholung, fordert Timm Genett, Politikchef beim Verband der Privaten Krankenversicherungen. Deutschland drohe gerade den Wettlauf gegen die Zeit in einer alternden Gesellschaft zu verlieren.
Die EU hat das Potenzial, zum globalen Taktgeber für geschlechtersensible Verhütungsinnovation zu werden, ist eine internationale Koalition überzeugt. Die Pipeline neuer Ansätze ist da. Was fehlt, ist die politische und finanzielle Unterstützung, um diese Produkte aus dem Labor auch in die Hände der Menschen zu bringen, die sie dringend brauchen, schreibt Ludi Schlageter, Leiterin der politischen Arbeit bei der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung.
Der Bund will den Krankenhäusern vier Milliarden Euro Soforthilfe zur Verfügung stellen, finanziert mit Steuermitteln. Der Gesundheitsökonom Andreas Beivers analysiert, wieso das Geld überhaupt nötig ist und wie es am besten verteilt werden sollte, um Fehlanreize zu vermeiden.
Seltene Erkrankungen betreffen viel zu viele Menschen, um ein Nischenthema zu bleiben, meint Andrea Passalacqua. Es ist Zeit, gemeinsam an den Tisch zu rücken – im Pharma-Dialog, im Rahmen des Nationalen Aktionsbündnis für Menschen mit Seltenen Erkrankungen und darüber hinaus, ist der Geschäftsführer der Alexion Pharma Germany überzeugt. Im Standpunkt skizziert er den Handlungsbedarf.
Die Krankenhauslandschaft in Deutschland steht an einem Scheideweg, Veränderungen sind zweifelsohne notwendig, schreibt Thomas Lemke, Vorstandsvorsitzender der Sana Kliniken und DKG-Vizepräsident. Die Klinikreform der ehemaligen Bundesregierung wird jedoch ohne Korrekturen nicht die erforderlichen Ziele erreichen: Stattdessen gefährden Überregulierung, falsche Anreize und strukturelle Finanzierungsdefizite ihren Erfolg. Anpassungen seien daher zwingend erforderlich.
In Amman, Tunis und Delhi wird die Zukunft der deutschen Wirtschaft mitentschieden, glaubt Matthias Mauch, Gründer und Geschäftsführer von TERN Deutschland, einem international tätigen HR-Tech-Unternehmen. Aus den Hauptstädten Jordaniens, Tunesiens oder Indiens verließen nämlich dringend benötigte Fachkräfte ihre Heimat. Welches das Zielland ist, sei jedoch offener denn je.
Dem Gesundheitssystem droht eine Versorgungslücke. Laut dem vorangegangenen Gesundheitsminister Karl Lauterbach werden in den nächsten zehn Jahren rund 50.000 Ärzt:innen fehlen. Der in Deutschland deutlich zunehmend auftretende Beruf des Physician Assistant (PA) könnte dies abmildern, schreibt Thomas Fleischmann. Er ist Professor für PA an der SRH University.
Die Verlagerung der Arzneimittelproduktion zurück nach Europa ist kein Selbstzweck, sondern ein sicherheitspolitischer Imperativ. Doch sie wird nur gelingen, wenn Wirtschaftlichkeit, regulatorische Realität, technologische Innovation und politischer Gestaltungswille zusammengedacht werden, schreibt Nam Trung Nguyen von Atreus. Dazu gehört, dass Behörden sich als Partner der Industrie verstehen und Vergabepraxis und Rabattsysteme so reformiert werden, dass sie gezielt Resilienz fördern.
Konzepte zur Prävention und Verhaltensänderung könnten vielen chronisch Kranken helfen, doch noch mangelt es an Angeboten. Dabei könnten digitale Programme und verhaltenspsychologische Ansätze die Versorgung revolutionieren, meinen Niklas Best und Laura Schmidt von Oska Health.
Für innovative Arzneimittel sei eine neue Preisbildung nötig, schreibt Han Steutel. Der Präsident des Verbands forschender Pharma-Unternehmen (vfa) fordert die Politik deshalb dazu auf, das AMNOG-Verfahren weiterzuentwickeln und das „Pay for Performance“-Modell flexibler zu gestalten.
Die heute in Genf beginnende Weltgesundheitsversammlung markiert einen wichtigen Meilenstein für gemeinsames globales Handeln. Denn die mögliche Verabschiedung des Pandemieabkommens verleiht dem Prozess erneut Dynamik. Doch Pandemievorsorge darf nicht auf Vereinbarungen warten – sie muss jetzt beginnen, und dort, wo es am wichtigsten ist: in den Ländern.
Allein kleinere und vermeidbare gynäkologische Erkrankungen verursachen bei Frauen zwischen 15 und 49 Jahren eine größere Belastung als Malaria, Tuberkulose und HIV zusammen – erhalten aber nur rund ein Prozent der weltweiten Forschungsinvestitionen. Wieso sich Investitionen in Frauengesundheit auszahlen und warum Deutschland eine wichtige Rolle dabei zukommt, schreiben Nigina Muntean und Deepali Sood vom Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen im Standpunkt.
Gesundheit, Umwelt und Sicherheit sind eng verknüpft, schreibt Roland Göhde. Deshalb müssten Deutschland und Europa auch weiterhin in die Weltgesundheitsorganisation und die globale Gesundheit investieren – und nach dem Austritt der USA noch mehr als zuvor. Der Vorstandsvorsitzende der German Health Alliance beschreibt, warum das wichtig ist und wie eine Neuaufstellung möglich wäre.
Die zukünftige Regierung hat die Chance, die Weichen für eine nachhaltige Gesundheitspolitik zu stellen, indem sie wissenschaftliche Erkenntnisse zur Verhältnisprävention beherzigt und entsprechend investiert. Doch für eine solche politische Reaktion finden sich im Koalitionsvertrag keine Anzeichen, kritisieren der Medizinethiker Urban Wiesing und der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin, Martin Scherer.
Als einer der wichtigsten Berater der damaligen Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) kennt der scheidende Vorstandschef des BKK Dachverband, Franz Knieps, die Fallstricke beim Ziel, das Sozialgesetzbuch zu entschlacken. Der nächsten Ressortchefin, der Juristin Nina Warken, traut Knieps in dieser Hinsicht einiges zu, wie er im Standpunkt schreibt. Es sei Zeit für das Schlachten heiliger Kühe.
Im deutschen Gesundheitssystem hakt es an vielen Stellen – von der Finanzierung bis zum Fachkräftemangel. Der demografische Wandel und vermehrt chronische Erkrankungen gehören zu den grundlegenden Ursachen dafür. Deutschland muss deshalb alle Kraft in die Transformation hin zu einer vernetzten und digitalen Gesundheitsversorgung stecken, schreibt Hans-Peter Bursig, ZVEI-Bereichsleiter Gesundheit, in seinem Standpunkt.
Die Digitalisierung muss entbürokratisiert werden, damit sie das Gesundheitssystem entlasten kann, schreibt Cherry-Geschäftsführer Philip Groth. Bisher seien digitale Systeme zu wenig interoperabel, zu langsam und zu wenig nutzerfreundlich. Durch passende Regulatorik könnte sich das ändern.
Die Idee der Selbstverwaltung sollte wieder stärker gelebt werden, schreibt der Geschäftsführer der Informationstechnischen Servicestelle der Gesetzlichen Krankenversicherung, Stefan Haibach, in seinem Standpunkt. Dazu müsse auch die digitale Souveränität im Gesundheitswesen gestärkt werden. Was braucht es für einen grundlegenden Wandel?
Die Ergebnisse der Verhandlungsgruppen von Union und SPD sind da und ein Thema muss man dabei mit der Lupe suchen: Drogen- und Suchtpolitik. Gerade mal ein schwammiger Hinweis dazu, dass man Prävention irgendwie stärken und ein bundesweites Nichtraucherschutzgesetz etablieren will. Diese Vernachlässigung ist ein fataler Fehler, denn Drogen- und Suchtpolitik ist ein wichtiger Pfeiler guter Gesundheitspolitik. Was bräuchte es und warum?
In Deutschland knirscht es – und das nicht erst seit den Wahlen. Dabei mangelt es an Erkenntnis nicht: Challenges wie Klimawandel, Verwaltungsbürokratie, staatlicher Reformstau und fehlende Antworten auf Migration oder Rentensicherheit wirken sich aus auf die Handlungsfähigkeit des Gesundheitssystems. Das Verdecken behandlungsbedürftiger Wunden hat Konsequenzen, die sich auf Stimmungsbild und Wahlergebnisse niederschlagen, schreiben Mesut Yavuz und Nicolai Savaskan.
Biotechnologie-Unternehmen brauchen andere Rahmenbedingungen als alteingesessene Firmen der industriellen Gesundheitswirtschaft. Davon ist Oliver Schacht, der Vorstandsvorsitzende des Branchenverbands BIO Deutschland, überzeugt und nennt im Standpunkt Argumente. So müssten zum Beispiel Ausbildung und Willkommenskultur gestärkt, Gründungsprogramme ausgebaut und die Bekanntheit der Biotechnologie-Unternehmen gefördert werden.
Durch die Kürzungen und Entlassungen im US-amerikanischen Gesundheitsbereich, spielt die europäische EMA und das deutsche BfArM eine zunehmend wichtige Rolle für globale Akteure im Gesundheitswesen, ist sich der Geschäftsführer des Digital-Health-Start-ups Honic sicher. Henrik Matthies macht einen Vorschlag, wie sich das BfArM aufstellen müsste, um durch die Gesundheitsversorgung der Zukunft navigieren zu können.
Gesundheitspolitik braucht mehr als Medizin und Politik. Sie braucht ein dauerhaftes, unabhängiges und interdisziplinäres Expertengremium beim Kanzleramt, um Gesundheit zu fördern und auf Krisen vorbereitet zu sein. Welchen Anforderungen eine wissenschaftsbasierte Politikberatung genügen muss, schreibt der Politikwissenschaftler Nils Bandelow, Mitglied des ExpertInnenrats Gesundheit und Resilienz, im Standpunkt.
Das deutsche Gesundheitssystem steht vor großen Veränderungen. Digitalisierung, Datennutzung und Prävention könnten einen wichtigen Beitrag leisten, um seine Leistungsfähigkeit zu sichern, betonen Florian Niedermann und Ulrike Deetjen von McKinsey. Dabei würde nicht nur das Gesundheitswesen profitieren, sondern auch Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft.
In Deutschland erkranken jedes Jahr rund 60.000 Menschen an Darmkrebs. Bei frühzeitiger Diagnose sind die Heilungschancen gut. Dabei stellt das Entfernen des Darmkrebses, bevor er die Darmwand durchbrochen hat, die wichtigste therapeutische Maßnahme für eine Heilung dar.
Im Grunde können sich alle relevanten Akteure der Gesundheitspolitik darauf einigen, dass es in der ambulanten Versorgung mehr Steuerung braucht. Darüber haben sich Union und SPD auch in den Koalitionsverhandlungen ausgetauscht. Doch über das Wie wird immer noch viel diskutiert.
Mit dem Rückzug der USA aus der WHO und damit auch aus zentralen Gesundheitsprogrammen entsteht ein Vakuum. Deutschland könne diese Lücke füllen und sich als Vorreiter positionieren, meint der Präsident des World Health Summit, Axel Pries. Schließlich sei unsere Gesundheitsindustrie forschungsbasiert, innovativ und international anerkannt.
Der Rückzug der USA aus der globalen Entwicklungszusammenarbeit hat wahrscheinlich katastrophale Konsequenzen für die Forschung an und Bekämpfung von Infektionskrankheiten. Immerhin 30 Prozent der öffentlichen Entwicklungshilfegelder kamen bisher aus den USA. Jan Kreutzberg, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Weltbevölkerung, sieht in dem Rückzug aber auch eine Chance für Deutschland.
Im geplante Infrastruktur-Sondervermögen sind auch Gelder fürs Gesundheitswesen vorgesehen. Das könnte Fluch und Segen zugleich sein, warnt Jonas Schreyögg. Er ist wissenschaftlicher Direktor des Hamburg Center for Health Economics an der Universität Hamburg und stellvertretender Vorsitzender des Sachverständigenrats Gesundheit und Pflege. Es sei wichtig, das Sondervermögen nicht mit der Gießkanne zu verteilen, sondern die Mittel an Strukturreformen zu koppeln, schreibt er im Standpunkt.
Anfang März ist eine Verordnung zur Qualitätssicherung telemedizinischer Leistungen in Kraft getreten. Benedikt Luber, Managing Director bei TeleClinic, sieht die darin festgelegten Vorgaben als willkürliche regulatorische Hürden. Stattdessen müsse Deutschland dafür sorgen, dass Telemedizin die ambulante Vor-Ort-Versorgung entlastet.
Hat Deutschland für einen Innovationsschub „Made in Germany“ gute Voraussetzungen? Die besten, meint der Vorstand der Roche Pharma AG, Daniel Steiners. Hierzulande gebe es hochqualifizierte Köpfe, eine starke industrielle Basis und Institute von Weltrang in der universitären und außeruniversitären Forschung. Seinen Standpunkt versteht er als Plädoyer für einen breiten interministeriellen Dialog, um ans Ziel zu gelangen.
Von dem 500-Milliarden-Paket für die Infrastruktur sollen auch die Krankenhäuser profitieren. Mit Blick auf die Mittelverteilung rät der Vorsitzende des Verbandes der Universitätsklinika, Jens Scholz, aus der Corona-Pandemie zu lernen. Damals habe die Politik alle Krankenhäuser als gleich wichtig betrachtet. Einen derartigen Verteilungsfehler könne sich Deutschland kein zweites Mal leisten.
Der Klimawandel hat gravierende Folgen für die öffentliche Gesundheit. Ein internationales Forschungsprojekt, dessen Ergebnisse heute veröffentlicht werden, soll zeigen, wie beide Bereiche systematisch zusammengedacht werden können. Im Standpunkt schreiben Dorothea Baltruks und Sophie Gepp vom Centre for Planetary Health Policy, welche Forderungen sich aus der Studie an die nächste Bundesregierung ableiten.
Mit rund 74.500 Neuerkrankungen jährlich ist Brustkrebs die mit Abstand häufigste Krebserkrankung der Frau, etwa 18.500 der Betroffenen sterben pro Jahr. Seit Einführung des Mammographiescreenings konnte gezeigt werden, dass in der Screening-Altersgruppe weniger Frauen an fortgeschrittenen Tumoren erkrankten als vor Einführung des Screenings. Trotz dieses Erfolgs drohen jetzt beim G-BA Rückschritte für die Versorgung, warnt die Gynäkologie-Professorin Marion Kiechle im Standpunkt.
Es ist unausweichlich, dass neue Regierung und Parlament zur kurzfristigen Stabilisierung der Kassenfinanzen ein Kostendämpfungsgesetz beschließen, schreibt Gesundheitsökonom Jürgen Wasem im Standpunkt. Effizienzsteigerungen sollten Vorrang vor Begrenzungen im Leistungskatalog haben, werden aber vermutlich nicht ausreichen, meint der Professor für Medizinmanagement. Und macht deshalb Vorschläge für die anstehenden Diskussionen.
Immer mehr Menschen sind infolge globaler Krisen und Konflikte, Gewalt und Naturkatastrophen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Gleichzeitig stehen immer weniger finanzielle Mittel und wirksame politische Instrumente zur Verfügung, um diesen Krisen angemessen zu begegnen. Der Rückzug der USA aus der Weltgesundheitsorganisation verschärft diese bittere Realität nur weiter, schreibt Melissa Scharwey von MSF im Standpunkt.
Antimikrobielle Resistenzen (AMR) gehören zu den drängendsten Herausforderungen für die globale Gesundheit. Obwohl die Risiken längst bekannt sind, fehlt es auch in Deutschland an ausreichender Aufmerksamkeit und konsequentem Handeln. Eine koordinierte Strategie, die Prävention, Diagnostik und Innovation vorantreibt, erfordert den Schulterschluss von Gesundheits- und Wirtschaftspolitik, schreiben Ilona Kickbusch und Isabel Henkel im Standpunkt.
Ob selber pflegebedürftig oder pflegend: Weit über sieben Millionen Menschen kämpfen sich hierzulande durch die Herausforderungen der Pflege in den eigenen vier Wänden. Gelingen kann das nur mit einer deutlich stärkeren Vernetzung aller Beteiligten, meinen Alexia Zurkuhlen und Tassilo Mesenhöller im gemeinsamen Standpunkt. Grundlage für Verbesserungen dafür wäre aus ihrer Sicht allerdings auch, dass häusliche Pflege nicht länger eine Black Box bleibt.
Für ein zukunftsorientiertes Gesundheitssystem sollte die nächste Bundesregierung Prävention, Technologie und Lebensqualität in den Mittelpunkt rücken, schreibt Emil Kendziorra. Der Gründer und CEO des Start-ups Tommorrow.Bio sieht eine große Chance darin, die Langlebigkeit zu fördern und verbessern. Dafür bedürfe es allerdings einer strategischen Vision und der Aufstockung finanzieller Mittel, um die gesamte Innovationskette fördern zu können.
Globale Gesundheitsrisiken wie Pandemien oder vernachlässigte Krankheiten sind nicht nur humanitäre Herausforderungen – sie betreffen uns alle. Forschung und Innovation in diesem Bereich sind unabdingbar und noch dazu eine Investition in wirtschaftliche Stabilität und globale Sicherheit, die sich mehrfach auszahlt. Angesichts der jüngsten Entwicklungen in den USA spielen die EU und Deutschland hier mehr denn je eine zentrale Rolle – und die Weichen für die Zukunft werden jetzt gestellt.
Während die Behandlungsmöglichkeiten bei Krebs immer besser werden, gibt es bei der psychosozialen Versorgung vor, während und nach der Behandlung weiterhin Versorgungslücken. Ein klares Bekenntnis zu digitalen Therapien und DiGA würde dem Fortschritt in diesem Land und der Versorgung der vielen Krebspatienten guttun.
Es gibt neue Ansätze, die Qualität in der Pflege ermöglichen und weniger kosten, schreibt Kaspar Pfister, Gründer des Pflegeunternehmens BeneVit. Dafür müsse die neue Bundesregierung im Pflegebereich endlich die Innovationsbremse lösen, sich für neue Wohn- und Pflegeformen öffnen und für schnellere Umsetzung sorgen. Und vor allem auf die Kompetenz derjenigen vertrauen, die tagtäglich an praktikablen Lösungen für eine zukunftsfeste Pflege arbeiten.
Sowohl auf Seiten der Industrie als auch der Kostenträger und Leistungserbringer kam im vergangenen Jahr niemand um die Digitalisierung des Gesundheitswesens herum. Durch das abrupte Regierungsaus und bis zur neuen Regierungsbildung klafft eine digitalpolitische Lücke im Gesundheitsbereich. Diese kann laut Laura Wamprecht, Geschäftsführerin der Beratungsfirma Forward Strategy, als Treiber oder Hemmschuh für das Jahr 2025 gesehen werden.
Zunehmende Arzneimittel-Engpässe bedrohen das ohnehin erodierende Vertrauen in die Politik, schreibt Pro-Generika-Geschäftsführer Bork Bretthauer in seinem Standpunkt. Um zu verhindern, dass die Engpässe in Zukunft zum immer größeren Problem werde, müsse die kommende Bundesregierung sich bei Generika endlich vom Hauptsache-billig-Prinzip verabschieden.
Der Bundesverband Managed Care hat angesichts der Bundestagswahl seinen Kompass für eine Neuausrichtung der Gesundheitsversorgung in Deutschland vorgelegt. Der BMC-Vorstandsvorsitzende Lutz Hager stellt die Empfehlungen im Standpunkt vor und erklärt, warum kleinteilige Anpassungen nicht genügen und eine Neuausrichtung im laufenden Betrieb umsetzbar sein muss.
Prävention ist am effektivsten, wenn sie über reine Aufklärung hinausgeht und durch gesundheitspolitische Maßnahmen Lebensumwelten und Rahmenbedingungen schafft, die es der Bevölkerung leichter machen, sich gesünder zu verhalten, schreibt Ute Mons im Standpunkt. Die Leiterin der Abteilung Primäre Krebsprävention am Deutschen Krebsforschungszentrum wirbt dafür, klug gestalteten fiskalischen Instrumenten eine Chance zu geben. Das schütze Gesundheit, spare Kosten und generiere Einnahmen.
In Japan gilt der kostengestützte Preisbildungsansatz als umstritten, trotzdem wird hierzulande darüber diskutiert. Die vfa-Geschäftsführerin für Markt und Erstattung, Ulrike Götting, hält stattdessen „pay-for-performance“-Modelle für ein probates Mittel, um die Finanzierungsrisiken bei begründet limitierter Evidenz oder bei hohen Einmalkosten partnerschaftlich zu tragen.
Im Vergleich zu anderen Europäern melden sich deutsche Arbeitnehmer deutlich öfter krank. Im vergangenen Jahr fehlten sie im Schnitt 20 Tage, weshalb nun über die Wiedereinführung von Karenztagen diskutiert wird. Mit solchen Mitteln würden jedoch nur Symptome bekämpft, meint Kai Richter, Medizinischer Direktor und Mitglied der Geschäftsleitung beim Pharmaunternehmen GSK. Die Probleme müssten an der Wurzel gepackt werden.
Durch E-Learning für Mediziner:innen könnten Fort- und Weiterbildungen praxisnah und flexibel gestaltet werden, ist sich Felix Stockmar sicher. Er ist Mitgründer und Geschäftsführer des Start-ups Medudy, das eine medizinische Fortbildungsplattform aufbaut. Um die Angebote des digitalen Lernens zu verbessern, bräuchte es jedoch einige Änderungen.
Deutschlands Industrie steckt in einer Transformationskrise. Für ihre Modernisierung sind verschiedene Branchen unterschiedlich wichtig, schreibt der vfa-Chefvolkswirt Claus Michelsen. Die Pharmabranche ist besonders innovativ und produktiv, besonders ihr Forschungs- und Entwicklungsbereich sei stark ausgeprägt. Um den Standort Deutschland zu stärken, sollte deshalb auf ihre Innovationskraft gesetzt werden.
Nach zwei Jahren ChatGPT hat sich Ernüchterung breit gemacht. Denn Halluzinationen und Intransparenz sind in vielen Anwendungen ein größeres Problem als ursprünglich angenommen, allen voran in der Medizin. Doch während immer größere KI-Modelle in Benchmarks neue Rekorde feiern, sind die praktischen Anwendungen ins Stocken geraten. Wo die tatsächlichen Hürden liegen und wie KI im Arztalltag ankommt, erklären Louise von Stechow und Paul von Bünau.
Mit dem steigenden Anteil häuslicher Pflege an der Altenpflege und der wachsenden Anzahl Pflegebedürftiger steigt auch der Bedarf nach Pflegekräften in der privaten Pflege. Lena-Marei Ardelt arbeitet bei quitt, einem Personalvermittler für häusliche Aufgaben. Sie plädiert dafür, die Direktanstellung im Haushalt des oder der Pflegebedürftigen zu vereinfachen. Dafür bräuchte es aber eine deutliche Senkung der bürokratischen Hürden.
Die Corona-Pandemie habe deutliche Lücken in Gesundheitsämtern aufgezeigt, schreiben vier Public-Health-Experten. Politische Interessen würden zunehmend wissenschaftliche Entscheidungen lenken. Sie beleuchten die Konsequenzen dieser Entwicklung für die öffentliche Gesundheit in den derzeit politisch polarisierten Zeiten und schlagen Wege ethischer Krisenfestigkeit für Gesundheitsämter vor.
Jüngst noch in Regierungsverantwortung bangt die FDP nun um den Wiedereinzug in den Bundestag. Derzeit arbeitet die Partei an ihrem gesundheitspolitischen Programm für die kommende Legislaturperiode, maßgeblich verantwortlich ist dafür die parlamentarische Geschäftsführerin Christine Aschenberg-Dugnus. Im Standpunkt skizziert sie, mit welchen Forderungen die FDP jetzt in den Wahlkampf zieht.
Bei allem Potenzial der elektronischen Patientenakte sind eine sachliche Betrachtung und realistische Erwartungen wichtig, schreibt Andreas Strausfeld, Vorsitzender der Bitmarck-Geschäftsführung, im Standpunkt. Die Chancen einer funktionierenden ePA seien gesamtgesellschaftlich zu groß, als dass sie leichtsinnig für Partikularinteressen geopfert werden sollten. Gewünscht hätte er sich eine frühzeitigere Informationskampagne des Bundesgesundheitsministeriums.
Ambulant oder stationär – diese Unterscheidung scheint klar und sinnvoll. Doch diese Versorgungs- und Vergütungsgrenzen sind nicht mehr zeitgemäß, schreibt Eckhard Nagel, Professor für Medizinmanagement und Gesundheitswissenschaften sowie Vorstandsvorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Integrierte Versorgung, in seinem Standpunkt. Denn die Trennung kommt aus einer Zeit, als Versorgung noch ganz anders aussah. Nagel fordert daher ein radikales Einreißen der Versorgungsmauern.
Die Koalition hatte geplant, die Anfang Dezember auslaufende Übergangsfrist für die weitere GKV-Erstattung bestimmter Verbandmittel zu verlängern – nach dem Bruch der Koalition wird es dazu vermutlich nicht mehr kommen, befürchtet Judith Stahlhut, Geschäftsführerin der URGO GmbH. Wie eine Versorgungslücke jetzt vermieden werden kann und welche Rahmenbedingungen für eine Nutzenbewertung nötig sind, schreibt sie im Standpunkt.
Es war Bestandteil der Verhandlungen zum geplatzten Gesundheitsversorgungsstärkungsgesetz und dürfte auch in der kommenden Legislaturperiode wieder gefordert werden: eine Steigerung der Medizinstudienplätze. Einige Landesregierungen kündigten zudem eigene Initiativen an – wenig zielführend sei das, schreiben der FDP-Politiker und Medizinprofessor Andrew Ullmann sowie der Studienvertreter Pascal Lemmer in ihrem Standpunkt.