Präsident Erdoğan bleibt an der Macht und Brüssel diskutiert über die Zukunft der EU-Türkei-Beziehungen. Klar ist: Neue Beitrittsverhandlungen wird es so schnell nicht geben, aber die Türkei bleibt ein wichtiger strategischer Partner für die EU. Deshalb sind neue Formen der Zusammenarbeit gefragt. Die Energie- und Klimapolitik bietet dafür großes Potenzial, meint der Wissenschaftler Moritz Rau in seinem Standpunkt.
Die Industrie klimafreundlich zu machen, ist kein Spaziergang und geht nicht im Alleingang. Der Umweltverband WWF und der Zementhersteller Heidelberg Materials diskutieren daher in ihrem Standpunkt gemeinsam Lösungswege. Viviane Raddatz und Carolin Boßmeyer loten die Schnittmengen, aber auch die Unterschiede aus.
Die Ergebnisse der Biodiversitätsprüfungen sind beeindruckend: Solarkraftwerke auf landwirtschaftlichen Brachflächen sind starker Naturschutz. Gleichzeitig lassen sich dadurch riesige Potenziale für den PV-Ausbau – auch in Deutschland – erschließen. Zeit, dass die Bundesregierung entschlossen handelt, meint Stefan Degener von der GreenGo Energy Group.
Um die Energiewende mit voller Kraft voranzubringen, braucht es vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger: von der finanziellen Partizipation bis hin zur lokalen Nutzung des grün erzeugten Stroms. Doch gerade das sogenannte Energy Sharing wird politisch noch immer stiefmütterlich behandelt, beklagt Felix Auspurg von der Investmentplattform Wiwin.
Die europäische Klimapolitik sollte sich stärker an den USA orientieren, meint Friedbert Pflüger vom Clean Energy Forum und dem Verband Zukunft Gas. Dort stünden Wind und Sonne zwar im Zentrum des IRA, es würden aber auch blauer Wasserstoff, synthetische Treibstoffe, Nukleartechnik und Biomasse unterstützt. Die EU müsse pragmatischer werden und zudem auf CO2-Bepreisung setzen, schlägt er in seinem Standpunkt vor.
Ein guter erster Schritt der Bundesnetzagentur: Mareike Herrndorff (Agora Energiewende) und Andreas Jahn (Regulatory Assistance Project) sind überzeugt, dass die Einführung zeitvariabler Netzentgelte flexible Verbraucher:innen effektiver einbinden kann. Allerdings gibt es noch offene Fragen zu der Ausgestaltung des Vorhabens.
Das gestrige Ergebnis der Offshore-Windausschreibung sendet ein eindeutiges Signal und bietet großartige Chancen für die Wertschöpfungskette, schreibt BWO-Geschäftsführer Stefan Thimm im Standpunkt. Für das erhoffte Wirtschaftswunder brauche es aber weitere, industriepolitische Weichenstellungen.
Deutschland lässt eine große nachhaltige Energiequelle links liegen: Die Abwärme. In seinem Standpunkt erläutert Andreas Sichert von Orcan Energy die Potenziale. Allein die hiesigen Zementwerke lieferten die Energie eines sehr großen Windparks. Sichert kritisiert die regulatorischen Hemmnisse für die Abwärmenutzung, die aus seiner Sicht dringend beseitigt werden müssten.
Die Debatte um einen Industriestrompreis muss in Planungen für die Transformation des Sektors eingebettet werden – und zudem auch die Langfristperspektive energieintensiver Industrien stärker in den Blick nehmen. Nicht jede Brücke führe zu einem sicheren neuen Ufer. Für eine differenzierte Betrachtung wirbt Simon Wolf von der Klima-NGO Germanwatch in seinem Standpunkt.
Derzeit bedroht mutmaßlich falsch deklarierter Biodiesel aus China die Existenz der hiesigen Biokraftstoffproduzenten. Doch obwohl es möglich wäre, die fragwürdigen Importe einzudämmen, ergreifen Europäische Kommission und Bundesregierung bislang keine Maßnahmen zum Schutz der heimischen Wirtschaft. Elmar Baumann vom Biokraftstoffverband VDB konstatiert in seinem Standpunkt eine gefährliche Präzedenz für den Green Deal der EU und kritisiert insbesondere das Umweltministerium.
Der vorausschauende Netzausbau ist laut Bundesnetzagentur ohne Abstriche möglich. Christoph Müller, Chef des Verteilnetzbetreibers Netze BW, widerspricht in seinem Standpunkt. Zum einen fänden Prognosedaten nur indirekt Eingang in den Effizienzvergleich. Zum anderen sei das Vertrauen in eine faire Vergütung nicht ungebrochen.
Das Bündnis Bürgerenergie ist überzeugt, dass Beteiligung vor Ort und dezentrale Energieversorgung die Akzeptanz erneuerbarer Energien steigert und zu schnellerem und wirksamerem Klimaschutz führt. Bündnisvorstand Malte Zieher macht in seinem Standpunkt konkrete Vorschläge für das Gelingen. Peer-to-Peer-Stromversorgung und Energy Sharing sollten regulatorisch gestärkt und im großen Stil ermöglicht werden.
Die LNG-Ausbaupläne der Bundesregierung sind überflüssig, schreiben Claudia Kemfert und Christian von Hirschhausen vom DIW in ihrem Standpunkt. Sie raten zu einem Stopp des Infrastrukturausbaus. Denn eine Gasmangellage sei nicht mehr absehbar und auch der Rest Europas könne gut versorgt werden. Stattdessen solle der Erdgas-Ausstieg vorangetrieben werden.
Diese Woche will der Bundestag das Gebäudeenergiegesetz und das Energieeffizienzgesetz verabschieden. Der Energiepreisschock scheint inzwischen vergessen. Gefährliche Zurückhaltung macht sich breit – bei Investitionen in Energieeffizienz und Politikentscheidungen. „Mehr Fortschritt wagen“ – der Antrittsanspruch der Koalition – wäre jetzt richtig, damit Deutschland nicht wirtschaftlich abgehängt wird, warnt Christian Noll von der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff).
Wärme und Mobilität werden elektrisch. Kritiker fürchten eine Überlastung des Stromnetzes. System-Experte und EcoG-CEO Jörg Heuer sieht in mehr Elektroautos das Gegenteil einer Gefahr: Eine Chance für mehr Netzstabilität. Er plädiert für bi-direktionales Laden und benennt die regulatorischen Hürden.
Ammoniak kommt auf dem Weg in eine klimaneutrale Wirtschaft eine wichtige Rolle zu. Das H2-Derivat unterliegt im Augenblick allerdings einer zu restriktiven Regulierung, meint Adam Spalek vom Beratungsunternehmen Publicis Sapient. Er macht eine Reihe von Reformvorschlägen für den gesetzlichen Rahmen, um den Energieträger effektiv ins System der Zukunft zu integrieren.
Manche Netzbetreiber beklagen, dass die regulatorischen Rahmenbedingungen einen vorausschauenden Ausbau der Stromverteilernetze nicht zulassen. Barbie Haller und Klaus Müller, Vizepräsidentin und Präsident der Bundesnetzagentur, widersprechen in ihrem Standpunkt.
Lüftung mit Wärmerückgewinnung spart eine Menge Heizenergie und Treibhausgase und sorgt für gesunde Innenraumluft. Weshalb sie noch nicht den Weg ins Gebäudeenergiegesetz (GEG) gefunden hat und warum sich das ändern sollte, erklärt Ralf Lottes, Geschäftsführer des Bundesverbandes für Wohnungslüftung (VfW), in seinem Standpunkt.
Für das Erreichen der Klimaziele bis 2045 spielt der Gebäudesektor die entscheidende Rolle. Doch bei allem Reformeifer übersieht die Politik noch weitgehend die Industrieimmobilien, die ein Drittel aller Gebäude hierzulande ausmachen. Zu stark steht der private Bereich im Vordergrund. Es ist Zeit umzudenken, meint Manfred Simmet von Caverion Deutschland in seinem Standpunkt.
Politik braucht Polarisierung, aber zu viel schadet ihr. Die deutsche Klimadebatte war lange von einem guten Maß an unterschiedlichen Meinungen gekennzeichnet. Aber nun besteht die Gefahr überzogener Polarisierung, meint Nils Meyer-Ohlendorf vom Ecologic Institute. Er macht in seinem Standpunkt Lösungsvorschläge.
Dem Klimawandel muss dringend auch gesundheitspolitisch begegnet werden. Die Wissenschaft hat hier bereits geliefert, erst gestern präsentierten Beratergremien der Regierung wieder zwei neue Gutachten. Nun seien die Akteure der Politik und des Gesundheitssystems gefragt, meint Maike Voss, geschäftsführende Direktorin des Centre for Planetary Health Policy.
Welche Stromquelle E-Autos nutzen, spielt derzeit keine Rolle bei der Zuteilung von Zertifikaten für den Immissionsschutz. Eine vertane Chance, meint Markus Meyer vom Solarunternehmen Enpal. Die Bundesregierung könne mit der Anrechnung von eigenerzeugtem Solarstrom den Ausbau der Erneuerbaren anschieben und gleichzeitig marktwirtschaftlichen Klimaschutz stärker verankern.
Das Wärmeplanungsgesetz verfehlt derzeit noch das wichtigste Ziel: Die Wärmewende effektiv und vor allem verlässlich voranzutreiben. Sascha Müller-Kraenner von der Deutschen Umwelthilfe warnt in seinem Standpunkt vor zu großzügigen Ausnahmeregeln. Die Bundesregierung drohe, beim Thema klimaverträgliche Wärmeversorgung mit beinahe leeren Händen dazustehen.
Die Klimakrise fordert den Gesundheitssektor doppelt heraus. Erstens müssen auch dort die Emissionen gesenkt werden. Und zweitens belasten vor allem Hitzewellen und die Ausbreitung von Krankheiten und Mangelernährung die Versorgung. Kathrin Pohlmann und Alexander Bittner von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) beschreiben in ihrem Standpunkt erste Lösungsansätze.
Was bisher von der geplanten Novelle des Klimaschutzgesetzes bekannt ist, gefährdet Deutschlands Erfolgsaussichten beim Klimaschutz und bei der wirtschaftlichen Transformation. Sollte die Bundesregierung die Bedeutung der jährlichen Sektorziele abschwächen, müsste sie im Gegenzug die Klimaschutzarchitektur durch andere Mechanismen stärken, schreiben Lea Nesselhauf (Agora Energiewende) und Carl-Friedrich Elmer (Agora Verkehrswende).
Christoph Bals und Kai Bergmann von Germanwatch mahnen zu einer Versachlichung der aus dem Ruder gelaufenen Heizungsdebatte. Es müsse Schluss sein mit der Verbreitung von Unwahrheiten, aber auch Fehler dürften sich nicht wiederholen. Sie machen Vorschläge, wie der Bund Heizungsaustausch und Teilsanierung in Kombination unterstützen könnte.
Die kolumbianische Regierung unter Gustavo Petro und die deutsche Bundesregierung planen eine bilaterale Klimapartnerschaft. Das ist der richtige Zeitpunkt und Anlass, um den gemeinsamen Ausstieg aus der Kohle zu besiegeln, meinen die grüne Bundestagsabgeordnete Kathrin Henneberger und die Politikerin und Aktivistin Karmen Ramírez Boscán in ihrem Standpunkt. Die am meisten von den Folgen der fossilen Ausbeutung Betroffenen müssten in die Ausgestaltung der Partnerschaft einbezogen werden.
Der Marktwert von Solarstrom sinkt und wird mit dem weiteren Ausbau noch weiter fallen. Längst ist klar: Die Investoren setzen massiv auf Speicher, zumal diese schnell günstiger werden und enorme Produktionskapazitäten entstehen. Doch Netzplaner und Regulierer haben diese Entwicklung noch gar nicht auf dem Schirm. Carsten Pfeiffer und Karl-Heinz Remmers vom PV Think Tank gehen in ihrem Standpunkt scharf mit dieser Kurzsichtigkeit ins Gericht.
Die EU-Regulierungsbehörde ACER hat Vorschläge entwickelt, wonach Deutschland in mehrere Strompreiszonen unterteilt werden könnte. Dagegen gibt es Widerstand. Das die physikalischen Netzeigenschaften ignorierende Einheitspreissystem führt aber schon heute zu explodierenden Kosten und gefährdet morgen die Stabilität des Stromsystems, meinen Martin Bichler von der TU München sowie Hans Ulrich Buhl und Martin Weibelzahl vom Forschungsinstitut für Informationsmanagement (FIM) und vom Fraunhofer FIT.
Mit einer Neuregelung zu Bebauungsplänen, deren Gültigkeit auf 35 Jahre begrenzt ist, ließen sich große Freiflächen-Solaranlagen schneller und günstiger bauen. Maximilian Weiß von Green Planet Energy argumentiert in seinem Standpunkt, dass ein „vorläufiger Bebauungsplan“ zahlreiche drängende Probleme lösen könnte.
Die Diskussion um die Zertifizierung von Kohlenstoffentnahme mutet technisch an, sie ist aber eine der zentralen Debatten der EU-Klimapolitik. Sie soll vor allem der Integration von CO2 Entnahme in den Emissionshandel den Weg ebnen. Damit droht die EU ihr wichtigstes klimapolitisches Instrument auf Sand zu bauen, schreibt Nils Meyer-Ohlendorf vom Ecologic Institute in seinem Standpunkt. Er macht Vorschläge, um dieses Risiko abzuschwächen.
In der Debatte über die Zukunft des Heizens wird nach Ansicht von Christian König das Effizienzpotenzial digitaler Lösungen sträflich vernachlässigt. Wer „Technologieoffenheit“ fordere, müsse auch modernes Heizungs-Management einbeziehen, schreibt der Geschäftsführer des darauf spezialisierten Dienstleisters Immoconn. Mit geringem Aufwand sei hier viel zu erreichen.
Ideologische Vorbehalte und Panikmache gegen ein kluges Energieeffizienzgesetz schaden am Ende der Wirtschaft, ist Christian Noll, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz, überzeugt. Auch die Klimaziele würden ohne eine deutliche Senkung des gesamtgesellschaftlichen Energieverbrauchs verfehlt.
Der Klimaklub wird kaum der ursprünglichen Idee gerecht werden können, einen gemeinsamen CO2-Preis zu etablieren. Dennoch kann er eine wichtige Rolle spielen, meint Parul Kumar vom Thinktank Epico in ihrem Standpunkt. Dort können Konflikte vermieden und die Zusammenarbeit vertieft werden, zum Beispiel bei der Festlegung von gemeinsamen Standards. Sektorale Kooperation sei auch entscheidend für die Klimakooperation mit dem Globalen Süden.
Die EU-Staaten werden diese Woche grünes Licht für die EU-Verordnung zum Schutz der Wälder und indigener Waldgemeinschaften geben. Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze und die EU-Abgeordnete Delara Burkhardt fordern, dass Europa die Länder des Globalen Südens unmittelbar dabei unterstützt, die Regenwaldabholzung zu bremsen.
Das BMWK weckt mit dem Vorschlag für einen „Brückenstrompreis“ von sechs Cent pro Kilowattstunde Hoffnungen bei der Industrie, die vermutlich schon aus beihilferechtlichen Gründen enttäuscht werden, befürchtet Enplify-Vorstand Dennis Becher. Die Regierung sollte ihren Blick daher auch auf weitere Instrumente richten, rät er in seinem Standpunkt.
Vor dem G7-Gipfel in Hiroshima und auf dem Weg zur COP 28 sind deutliche Signale der wirtschaftsstärksten Länder in Richtung einer grünen Transformation der Weltwirtschaft dringend notwendig, schreiben Sabine Nallinger und Brick Medak von der Stiftung KlimaWirtschaft in ihrem Standpunkt.
Der Emissionshandel allein sei kein glaubwürdiges Instrument, um ausreichende Investitionen in den Klimaschutz anzureizen. Die Lenkungswirkung hoher CO2-Preise finde sich daher eher in ökonomischen Modellen als in der Realität, konstatieren Karsten Neuhoff und Mats Kröger vom DIW Berlin in ihrem Standpunkt. Eine Überbetonung des Potenzials von CO2-Preisen ohne flankierende Maßnahmen birgt deshalb das Risiko, dass effektiver Klimaschutz weiter aufgeschoben wird.
Die Heizung steht derzeit im Fokus der Debatte um klimaschonendere Gebäude. Aus dem Blick zu geraten droht dabei die Energieeffizienz der Gebäudehülle, meint Jan Peter Hinrichs, Geschäftsführer des Verbandes BuVEG, in seinem Standpunkt. Europäischen Vorgaben drohe die Verwässerung durch die Ampelkoalition. Er plädiert zudem dafür, die Energieeinsparungen auf das 65-Prozent-Ziel anrechnen zu können.
Wie kann die fluktuierende Stromerzeugung aus Wind- und Solar sinnvoll ausgeglichen werden? Simone Peter, Präsidentin des BEE, plädiert in ihrem Standpunkt für ein flexibles Back-up aus dem dezentralen Erneuerbaren-Energien-Anlagenpark, grüner KWK, Speichern und Sektorkopplung. Ein fossiler Lock-in müsse angesichts der unsicheren Wasserstoffperspektiven dringend verhindert werden.
Der Einsatz von Holz macht das Bauen deutlich klimaschonender – auch in den Städten, wo hochfeste Materialien neue Möglichkeiten eröffnen. Johannes Schwörer, Präsident des Holzindustrieverbandes HDH, befürchtet, dass die Holznutzung in Deutschland gefährdet ist, weil Forststilllegungen mit Milliarden subventioniert werden. Er warnt in seinem Standpunkt davor, die „Käseglocke“ über den deutschen Wald zu stülpen.
Gut, dass die Ampelkoalition Deutschland beim Smart-Meter-Rollout von ganz hinten weiter nach vorne bringen will. Doch zahlreiche Probleme sind aus Sicht von Friedrich Rojahn noch nicht gelöst. Insbesondere die Preisobergrenzen seien inzwischen realitätsfremd und gefährdeten kartell- und europarechtlich den Neustart, argumentiert der CEO des Messstellenbetreibers Solandeo in seinem Standpunkt.
Es gibt viele technologische Lösungen, die globalen CO2-Emissionen zu verringern. Wir brauchen sie alle, argumentieren Kristina Fürst vom RIFS am Helmholtz-Zentrum Potsdam und Aliaksei Patonia vom Oxford Institute in ihrem Standpunkt. Dabei haben Sie insbesondere die Abscheidung und Nutzung von CO2 im Blick.
Viele natürliche Lebensräume in der EU sind in einem schlechten Zustand, Tier- und Pflanzenarten leiden. Das möchte die EU nun per Gesetz ändern. Doch ohne Verbindlichkeit, mahnt die EU-Abgeordnete Jutta Paulus, wird das kaum gelingen.
Der EU-Emissionshandel wird schon bald enormen Transformationsdruck ausüben – auch wenn einige Details der zukünftigen Regulierung noch nicht geklärt sind. Michael Pahle vom PIK argumentiert in seinem Standpunkt, dass die Politik sich auf die Absicherung der Transformation konzentrieren und die Dekarbonisierung weitgehend den immer stärkeren Marktkräften überlassen sollte.
PPAs werden geschwächt, die Terminmärkte ebenso, zudem die Flexibilität im Stromsystem und damit insgesamt die erneuerbaren Energien. Der Vorschlag der EU-Kommission zur Strommarktreform trifft bei Carsten Pfeiffer vom Bundesverband Neue Energiewirtschaft auf scharfe Kritik. Kern des Problems ist die Verpflichtung zu Contracts for Difference, argumentiert er in seinem Standpunkt.
Heute startet in Berlin der Stakeholder-Dialog der Bundesregierung für eine Carbon-Management-Strategie (CMS). Der Prozess und die dabei gefundenen Ergebnisse werden großen Einfluss auf die Akzeptanz für das Abscheiden und geologische Lagern von CO2 (CCS) in Deutschland haben, schreiben Georg Kobiela und Simon Wolf von Germanwatch.
Der Preisdeckel der G7-Staaten und der EU auf russisches Öl zeigt beim Aggressor Russland Wirkung – aber noch nicht genug. Benjamin Hilgenstock vom KSE Institute an der Kyiv School of Economics plädiert für eine deutliche Absenkung und begründet, warum der Westen keine negativen Auswirkungen auf den internationalen Ölmarkt befürchten muss.
Am morgigen Mittwoch wird der Windgipfel des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) stattfinden. Wie zuvor beim PV-Gipfel sollen bei dem Treffen Eckpunkte einer Strategie entwickelt werden. Constantin Zerger, Leiter Energie und Klimaschutz bei der Deutschen Umwelthilfe, begrüßt den Gipfel und sieht das BMWK damit auf dem richtigen Kurs. Schlecht sei aber, dass Offshore außen vor bleibe.
Eine digitale Infrastruktur ist unerlässlich für eine rasche Dekarbonisierung des Energiesystems. Für Jens Strüker von der Universität Bayreuth und dem Fraunhofer FIT ist es an der Zeit, über digitale Stromzähler hinauszudenken und ein sektorenübergreifendes Zielbild für eine digitale Energieinfrastruktur zu entwickeln. In seinem Standpunkt plädiert er unter anderem für ein digital modernisiertes Marktstammdatenregister.
Der Windkraftausbau kommt bislang nur schleppend in Gang. Erste Verbesserungen sind geschafft, nun muss es richtig losgehen: Vor dem Windgipfel fordert die Branche, dass weitere Hürden aus dem Weg geräumt werden und die Behörden auf allen Ebenen den Ausbau durchgängig unterstützen. Der Präsident des Windkraftverbandes BWE, Hermann Albers, will erreichen, dass noch in diesem Jahr die Zahl der Genehmigungen steil ansteigt.
Die Grüne Fraktion im Bundestag werde verhindern, dass der Bruch des Klimaschutzgesetzes zum Dauerzustand wird, kündigt die Obfrau der Grünen im Ausschuss für Klimaschutz und Energie, Lisa Badum, in ihrem Standpunkt an. Das gelte insbesondere für den FPD-Verkehrsminister, aber auch die SPD. Anlässlich der morgen erwarteten Klimabilanz unterstreicht sie, dass das Gesetz eine aus ihrer Sicht unschätzbare Errungenschaft sei.
In seinem Standpunkt fordert Rüdiger Keinberger, Geschäftsführer von Loxone, den Zugang zu eigenen Daten aus Smart Metern für die Bürgerinnen und Bürger. Nur so ließe sich aus seiner Sicht das volle Einspar- und Effizienzpotential der Digitalisierung heben. Das Smart-Meter-Gesetz müsse dringend in dieser Hinsicht überarbeitet werden.
Das Umweltbundesamt hat die Abschätzung der Wirkung eines Tempolimits durch eine neue Studie ermittelt und deutlich nach oben gesetzt. Die FDP griff die Ergebnisse mittels einer eigenen Studie an. Diese sei aber klar fehlerhaft, monieren Markus Friedrich von der Universität Stuttgart und UBA-Präsident Dirk Messner in ihrem Standpunkt. Eine deutliche Wirkung lasse sich mit modernen, aber bereits etablierten Methoden gut nachweisen.
Senegal steht an einem entscheidenden Wegpunkt, schreibt Sascha Müller-Kraenner. Der LNG-Boom habe das Land erreicht und könnte auch durch Deutschland befeuert werden, befürchtet der DUH-Geschäftsführer. Er fordert, dass eine mögliche Just Energy Transition Partnership mit Deutschland und Frankreich auch private Initiativen fördern sollte.
Ausgerechnet in den USA sind klare Vorgaben für effiziente Beleuchtung die Regel. Deutschland sollte sich daran ein Beispiel nehmen, argumentiert Martin Frechen von der Steinel Gruppe in seinem Standpunkt. Intelligente Lichtsensoren zum Beispiel sollten spätestens ab 2030 verpflichtend eingebaut werden. Nur so ließe sich das Akteursdilemma auflösen.
Mit der Plattform Klimaneutrales Stromsystem sowie der angekündigten Kraftwerksstrategie stellt die Bundesregierung Weichen für das zukünftige Energiesystem. Dabei biete die dezentrale Kraft-Wärme-Kopplung enorme Potenziale, argumentiert Stefan Liesner, Vizepräsident des Bundesverbands Kraft-Wärme-Kopplung.
Der Gesetzentwurf für einen verpflichtenden Anteil Erneuerbarer im Heizungsbereich gaukelt eine Wahlfreiheit vor, die es de facto nicht gibt, schreibt Elisabeth Staudt, Senior Expert Energie & Klimaschutz, bei der Deutschen Umwelthilfe. Die Regierung sollte entschlossener auf die wirklich guten Lösungen – Elektrifizierung und Wärmenetze – setzen, empfiehlt sie.
Gasfelder im östlichen Mittelmeerraum und viel Sonneneinstrahlung bieten Möglichkeiten, die Region zu einer Energiequelle für Europa zu machen. Besonders Zypern könnte davon profitieren, schreibt der Politikwissenschaftler Moritz Rau – vorausgesetzt, der politische Konflikt auf der geteilten Insel wird entschärft.
Eine Offshore-Produktion von Wasserstoff in der Nordsee aufzubauen, ist eine ehrgeizige Vision. Warum Industrie und Politik darauf hinarbeiten sollten und worauf es dabei ankommen wird, erklärt Kirsten Westphal in ihrem Standpunkt. Das Vorstandsmitglied im Verein AquaVentus warnt allerdings davor, die Komplexität eines solchen Vorhabens zu unterschätzen.
Jüngst wurde bekannt, dass die geplante Reform des Strommarkts auf die lange Bank geschoben wird: Erst ab 2030 sollen Entscheidungen greifen. Die Deutsche Umwelthilfe vermisst das vielbeschworene „Deutschlandtempo“. Sie rät eindringlich dazu, ein Sofortprogramm Strommarktdesign mit schnell wirksamen Maßnahmen noch 2023 auf den Weg zu bringen, wie Nadine Bethge in ihrem Standpunkt deutlich macht.
Die Dekarbonisierung schreitet voran in der EU, schon Ende des kommenden Jahrzehnts wird vermutlich das letzte CO2-Zertifikat ausgegeben. Umso wichtiger ist es aus Sicht der Forscher und Experten Wilfried Rickels, Roland Rothenstein und Felix Schenuit, die CO2-Entnahme Schritt für Schritt in den EU-Emissionshandel zu integrieren. Sie schlagen in ihrem Standpunkt vor, dass eine CO2-Zentralbank diese Aufgabe übernehmen könnte.
Gut, dass Deutschland den neuen brasilianischen Präsidenten beim Amazonas-Schutz unterstützt. Die Vergabe neuer Mittel für Brasilien müsse aber dringend mit einer Regulierung deutscher Unternehmen ergänzt werden, damit diese die Abholzung im Ausland stoppen, fordern Marcio Astrini vom Observatório do Clima und Tørris Jæger von der Rainforest Foundation Norway.
Die Debatte um Planungsbeschleunigung wird zum Teil plump geführt, meint Tobias Goldschmidt. Trotz Klimaschutzfokus müssten zum Beispiel auch einige Autobahnprojekte Priorität erhalten dürfen. Die Unterscheidung in „gute“ und „böse“ Projekte, schreibt er, drohe sonst zur Blockade zu führen.
Ostdeutschland bleibe in den bisherigen Planungen für Wasserstoffinfrastruktur sträflich vernachlässigt, beklagt Oliver Rottmann vom Kompetenzzentrums Öffentliche Wirtschaft, Infrastruktur und Daseinsvorsorge in seinem Standpunkt. Insbesondere die Kraftwerksstandorte im Osten seien zu berück-sichtigen – um dort den Einstieg in die Wasserstoffwirtschaft zu ermöglichen. Politik und Netzbetreiber müssten sich dringend absprechen, die Lücken zu beseitigen.
Die Bundesnetzagentur arbeitet an neuen Regeln für den Umgang im Stromnetz mit flexiblen Verbrauchern – in erster Linie Elektroautos und Wärmepumpen. Damit konzentriert sie sich auf die Frage, wie Netzbetreiber im Ernstfall Engpässe beheben können. Parallel dazu braucht es aber auch Regeln, wie sich Engpässe standardmäßig vermeiden lassen.