Die Bundesregierung will das System der Herkunftsnachweise auch auf Gase wie erneuerbaren Wasserstoff ausweiten – und so eigentlich für mehr Transparenz sorgen. Doch der Entwurf zur Herkunftsnachweis-Register-Verordnung (HKNRV), den das Kabinett demnächst verabschieden soll, verfehlt dieses Ziel. Um sicherzustellen, dass Wasserstoff erneuerbar produziert wurde, brauche es weitere, schärfere Kriterien, kritisiert Carolin Dähling von Green Planet Energy.
Ländliche Räume sind Zukunfts- und Chancenräume, meint Anne Monika Spallek, Abgeordnete der Grünen im Bundestag und Mitglied im Agrarausschuss. Damit die klimaneutrale Zukunft gelingt, müssten die Menschen auf dem Land aber gut eingebunden werden. Und statt der vorgesehenen Kürzungen bei der Gemeinschaftsaufgabe Agrar- und Küstenschutz brauche es mehr Mittel, schreibt die promovierte Mathematikerin.
Die Welt ist unsicherer geworden. Eine fast vollständige Abhängigkeit von außereuropäischen Lieferanten der Energiewende-Technik und den entscheidenden Rohstoffen sei nicht mehr akzeptabel, meint Regine Günther von der Stiftung Klimaneutralität in ihrem Standpunkt. Sie schlägt ein deutsches Resilienzpaket mit drei Schwerpunkten vor.
Der Finanzminister rüttelt am angestrebten Kohleausstieg 2030. Völlig aus der Luft gegriffen sind die Zweifel an der Umsetzung zwar nicht, meint Andreas Kuhlmann, Geschäftsführer der Beratungsgesellschaft Christ & Company, in seinem Standpunkt. Doch ein reduziertes Ambitionsniveau und vor allem noch mehr Unsicherheit beim Klimaschutz könnten sich weder Deutschland noch Europa leisten – auch aus Sicht der Unternehmen.
Ein hoher und weit über den europäischen Vorgaben liegender deutscher Abgasgrenzwert gefährdet aus Sicht von Jaana Kleinschmit von Lengefeld die deutschen Ölmühlen. Die Präsidentin des Branchenverbands Ovid befürchtet steigende CO2-Emissionen – und sieht den Standort in Gefahr. Noch bestehe die Hoffnung, dass der Bundestag die Pläne des Umweltministeriums stoppt.
Die EU-Kommission und der deutsche Wirtschaftsminister gehen industriepolitisch endlich voran, lobt der SPD-Bundestagsabgeordnete Bengt Bergt. Die Vorschläge können aber nur ein erster Schritt sein und müssten dringend konkretisiert werden, schreibt er im Standpunkt. Nur in Verbindung mit dem Kriterium der sozialen Nachhaltigkeit ließen sich Klimaschutz UND Wertschöpfung in Deutschland und Europa stärken.
Europa muss mehr in seine Arbeitskräfte investieren, um im globalen Wettlauf um saubere Energie vorne zu bleiben, meinen EU-Energiekommissarin Simson und Arbeitskommissar Schmit in ihrem Standpunkt. Es herrsche schon jetzt Fachkräftemangel, 3,5 Millionen weitere hochqualifizierte Jobs seien notwendig. Unter anderem mit dem Kompetenzpakt und Akademien habe Europa vorgelegt – die Mitgliedsländer müssten aber auch die eigenen Anstrengungen erhöhen und den grünen Arbeitsmarkt stärken.
Getroffen werden müssen die Entscheidungen zur Transformation sowieso, meint Carolin Friedemann, Geschäftsführerin der Initiative Klimaneutrales Deutschland, in ihrem Standpunkt. Widerstand sei dabei keine Überraschung, sondern Teil der Veränderungskurve. Erleichtert wird der Weg, auch für die Politik, durch positive Botschaften und einen Blick auf die Chancen.
Die Verwendung von E-Fuels im Straßenverkehr wird von Gegnern als Übel des Klimaschutzes, gar als „Frankenstein-Fuels“ deklariert. Die europäischen Gesetzgeber schließen sich dieser Meinung an und verbieten den Verbrennungsmotor. Die Folge: Das Ende von fossilen Kraftstoffen wird regulatorisch verlängert, und das Ziel der Klimaneutralität 2050 rückt in die Ferne.
Auf Druck des Verkehrsministers wird der Bundestag heute das „überragende öffentliche Interesse“ am Bau von Straßen und Flughäfen gesetzlich festschreiben. Bei objektiver Betrachtung ist das nicht zu rechtfertigen, meint die Fachanwältin Franziska Heß, weil der weitere Ausbau dieser Infrastrukturen nicht der Lösung existentieller und Verfassungsordnungs-bedrohender Krisen dient und auch nicht erforderlich ist. Der Vorrang der Erneuerbaren-Projekte sei in Gefahr.
Klimaaußenpolitik lohnt sich, meinen Christoph Bals von Germanwatch und Kira Vinke von der DGAP. Die nationale Zustimmung zum Klimaschutz steige, Skaleneffekte werden gemeinsam finanziert, die Abhängigkeit von Rohstofflieferanten reduziert. Deshalb müsse der aktuelle Haushaltsentwurf dringend korrigiert werden.
Längst gibt es einen Konsens, dass das Energiesystem von morgen viel Speicherkapazität benötigt, um effizient zu funktionieren. Doch die elementar wichtige Befreiung von vollen Netzentgelten laufe bald aus, warnt Urban Windelen vom Speicherverband BVES in seinem Standpunkt. Eine Anschlussregelung sei im Zuständigkeitsvakuum rund um die neue Rolle der Bundesnetzagentur verschwunden. Investoren zögen sich zurück, der Schaden wachse täglich.
Die neue Stromwelt ist dynamisch: Das Angebot schwankt und auf der Nachfrageseite gibt es durch E-Autos und Wärmepumpen immer mehr zeitlich steuerbaren Verbrauch. Für das in Deutschland fehlende Bindeglied Smart Meter habe Wirtschaftsminister Robert Habeck einen guten Plan – mit Schönheitsfehlern, findet Tibber-Deutschlandchef Merlin Lauenburg. Es fehle an Sanktionen und einer durchsetzungsstarken Aufsichtsbehörde.
Über den Schaden durch Solarzölle zu diskutieren, führe nicht weiter, meint Gunter Erfurt, Chef des PV-Herstellers Meyer Burger, in seinem Standpunkt. Denn dieser Strohmann stehe gar nicht zur Debatte. Wohl aber sei es ein großes Problem, dass chinesische Hersteller riesige Überkapazitäten aufbauten und unter Kosten nach Europa verkauften. Dadurch mache sich die EU vollständig abhängig von China. Er schlägt einen über das EEG finanzierten Resilienzbonus vor.
Ein globales Problem erfordert globale Lösungen, meint der FDP-Fraktionsvize Lukas Köhler. In seinem Standpunkt erläutert er, warum er ein nationales CO2-Budget deshalb für den falschen Ansatz hält. Das Paris-Abkommen sehe es nicht vor – und deshalb fehle auch die Grundlage für ein derart enges Korsett. Richtig sei es, sich auf den europäischen Emissionshandel zu konzentrieren, ihn international zu verknüpfen und als Vorbild wirken zu lassen.
Wir müssen Treibhausgase aus der Atmosphäre entfernen, um bei unter zwei Grad Celsius zu bleiben. Naturbasierte und technische CO2-Entfernung haben einen enormen Kapitalbedarf - hier kann der freiwillige Emissionshandel helfen. Dafür braucht es aber gesetzliche Anreize und einen kritischen Umgang mit den bislang ausgegebenen Zertifikaten.
Die Strompreise in Deutschland gehören zu den höchsten in Europa. Aus den Reihen der SPD und Grünen werden Rufe nach einem subventionierten Industriestrompreis laut. Jorgo Chatzimarkakis, Chef von Hydrogen Europe, hält das für den falschen Weg. Eher müsse der Import von erneuerbarer Energie und grünem Wasserstoff im Fokus stehen – ebenso die Reduzierung der Stromsteuer auf ein EU-Minimum und Technologievielfalt.
Klimakrise und Systemwettbewerb machen staatliche Hilfen für die Wirtschaft notwendig. Die USA machen es vor, Europa war bislang zu zögerlich. Doch die Zeit drängt, mahnt Cornelia Woll, Ökonomin an der Hertie School. Der Staat solle Wissenstransfer für Innovation stärker anreizen, empfiehlt sie.
Das Ziel einer starken europäischen PV-Industrie sei richtig, schreibt Carsten Pfeiffer vom BNE in seinem Standpunkt. Doch Protektionismus und Strafzölle sind aus seiner Sicht die falsche Antwort, die Dumping-Vorwürfe gegen Chinas Solarriesen hält er für konstruiert. Die Politik solle die EU-Industrie lieber übergangsweise durch Privilegien stärken und ihre Wettbewerbsfähigkeit stärken.
Heute bewirbt sich der niederländische Finanzminister und Ex-Ölmanager Wopke Hoekstra als neuer Klimakommissar. Der Konservative könnte zum gefährlichen Bremsklotz ausgerechnet für von der Leyens Prestige-Projekt werden, befürchtet der grüne Europaabgeordnete Michael Bloss in seinem Standpunkt.
Mit einem 500-Millionen-Euro-Paket fördert Bundesverkehrsminister Volker Wissing die Anschaffung einer Ladestation für Elektroautos in Kombination mit einer Photovoltaikanlage und einem Stromspeicher. Mit Blick auf die Marktwirkung, die Zielgruppe und die Profiteure schieße die Maßnahme am Ziel vorbei, meint Peter Knuth von Enerix, der aus seiner Sicht sinnvollere Alternativen vorschlägt.
Die deutsche Klimadebatte wirkt zurzeit festgefahren. Sie braucht einen Ruck, so, wie ihn sich einst Bundespräsident Herzog wünschte. Denn die Bremsen müssen gelöst werden. Ob und wie das möglich werden könnte, diskutiert Nils Meyer-Ohlendorf vom Ecologic Institut in seinem Standpunkt.
Der bevorstehenden Veröffentlichung der deutschen Carbon Management Strategie werden Reformen und neue politische Initiativen folgen. Wichtige Hebel für eine ambitionierte Carbon Management Politik liegen auf der europäischen Ebene, gibt SWP-Wissenschaftler Felix Schenuit zu bedenken. Hier könnten die strategische Weiterentwicklung der Schnittstelle zwischen Klima- und Industriepolitik vorangetrieben und ein CO2-Binnenmarkt mit gemeinsamen Regeln etabliert werden.
Flexible Wärmepumpen und E-Autos sind eine riesige Chance für die Energiewende, die bisher ungenutzt bleibt, meint Bastian Gierull von Octopus Energy. Vor diesem Hintergrund setze die 14a-EnWG-Reform immer noch die falschen Schwerpunkte. Er wirbt dafür, die Menschen bei der Energiewende mitzunehmen und plädiert für mehr Markt und Pragmatismus – vor allem bei den Vorgaben für Smart Meter.
Auch Heizungen mit zweifelhaftem Klimanutzen werden mit der Gießkanne gefördert, während die entscheidende Sanierung von Bestandsgebäuden aller Voraussicht nach zu kurz kommt. Elisabeth Staudt von der Deutschen Umwelthilfe geht in ihrem Standpunkt hart mit der Bundesregierung ins Gericht. Die enormen Summen im Klimafonds KTF werden aus ihrer Sicht nicht sinnvoll investiert.
Die Ergebnisse der Offshore-Windausschreibungen in Deutschland und Großbritannien könnten unterschiedlicher kaum sein: Milliardeneinnahmen auf der einen, Bieterstreik auf der anderen Seite. Das muss aber nicht heißen, dass das britische Auktions-Modell dem deutschen unterlegen ist, argumentiert Dominik Huebler von Nera Consulting. Er sieht das Risiko steigender Strompreise und von Projektabbrüchen diesseits des Ärmelkanals.
Deutschland und Frankreich sind in vielen europäischen Energiefragen zerstritten. Vor allem unterscheiden sich die Strategien bei der Stromerzeugung und damit der Kernkraft. Auch die Staatstraditionen zeigen in unterschiedliche Richtungen. Philipp Jäger vom Jacques Delors Centre legt in seinem Standpunkt dar, warum die Gemeinsamkeit der Transformationsherausforderung die beiden Länder trotzdem produktiv zusammenbringen sollte.
In Brüssel wird derzeit die Gebäuderichtlinie verhandelt. Sie weist Europa den Weg zum klimaneutralen Gebäudebestand. Gut umgesetzt gebe sie Sicherheit für Verbraucher und Investorinnen, meinen Oliver Rapf und Sibyl Steuwer vom Think-Tank BPIE in ihrem Standpunkt. Finanzminister Lindner liege mit seinen sozialen Bedenken also vollkommen falsch.
Der Ausbau der Offshore-Windenergie steht in Gefahr wegen eines politisch oft stiefmütterlich behandelten Randthemas: Die Rettung von Unfallopfern weit draußen auf dem Meer. Geschäftsführer Stefan Thimm vom Betreiberverband BWO appeliert an den Bund, die Verantwortung für die Rettung zu übernehmen, nicht die Kosten.
Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft müssen gemeinsam gedacht werden. Digitale Produktpässe bieten einen starken Hebel. Damit dieser funktioniert, braucht es aber auch eine gute Daten-Governance von Seiten der Politik, meinen Stefanie M. Moser von der Friederich-Ebert-Stiftung und Nora Sophie Griefahn von der NGO C2C.
Die Beamten und öffentlich Bediensteten, insbesondere in den Bundesministerien, prägen den Weg zur Klimaneutralität ganz entscheidend. Von ihrer Kompetenz und Leistungsfähigkeit hängt viel ab. Peter Schniering vom Thinktank Future Cleantech Architects empfiehlt in seinem Standpunkt ein Umdenken bei der Rekrutierung von Talenten. Sie sollten kommunikativ, aber auch bei der Bezahlung, viel stärker umworben und auf ihre Bedürfnisse eingegangen werden.
Das Klimaschutzprogramm ist unzureichend, das Klimaschutzgesetz wird aufgeweicht. Die Bundesregierung verschleppt also den Klimaschutz, meinen Juliane Willert und Baro Vicenta Ra Gabbert von der NGO GermanZero in ihrem Standpunkt. Sie sehen die Handlungsfreiheit der Zukunft gefährdet. Zentral für die Klimaschutzgesetzgebung müsse ein Restbudget mit einer festen Emissionsobergrenze sein.
Der Gebäudesektor spielt eine zentrale Rolle beim Klimaschutz. Die staatliche Förderpolitik für klimaschützende Maßnahmen und die bestehenden KfW-Richtlinien setzen wertvolle Standards, meinen Rüdiger Keinberger von Loxone und der Investor Joachim Weber in ihrem Standpunkt. Es bedürfe dennoch dringender Anpassungen, um innovative Technologien besser zu fördern.
Wasserstoff wird eine zentrale Rolle bei der Dekarbonisierung spielen – und der Hochlauf möglichst zügig stattfinden. Umso wichtiger sei es, einen innovationsfreundlichen und pragmatischen Rechtsrahmen zu setzen, meinen Maximilian Uibeleisen und Simon Groneberg von der internationalen Kanzlei Ashurst LLP in ihrem Standpunkt. Nachträgliche drastische Änderungen wie bei der Offshore-Windkraft müssten unbedingt vermieden werden.
Anfang September setzen EU-Kommission, -Rat und -Parlament ihren Trilog zur Gasbinnenmarkrichtlinie fort. Das Ergebnis wird auch den Regulierungsrahmen für Wasserstoffnetze bestimmen. Constantin H. Alsheimer sieht die lokale Wasserstoffwirtschaft gefährdet, sollten sich Kommission und Rat mit ihrer Forderung nach Entflechtung von Erdgas- und Wasserstoffnetzen durchsetzen. Eine besonders wichtige Rolle komme den Verteilnetzen zu, schreibt der Chef des Energieversorgers Mainova AG.
Im Streben nach einer bezahlbaren und souveränen Energieversorgung müsse die Bundesregierung die Hürden für Erneuerbare-Energien-Gemeinschaften senken, meint Walter Kreisel, CEO von Neoom, in seinem Standpunkt. Entscheidend sei dabei, dass der gemeinschaftlich erzeugte Strom auch gemeinschaftlich genutzt werden kann. Als Blaupause eigne sich der österreichische Rechtsrahmen.
Gegen die Pläne der EU-Kommission, umweltbezogene Werbung strenger zu regulieren, gibt es Widerstand vonseiten der Lebensmittelindustrie. „Greenhushing“ ist das Schreckgespenst, mit dem gegen die geplante Richtlinie Stimmung gemacht wird, schreibt Jochen Geilenkirchen vom Verbraucherzentrale Bundesverband. Es drohe aber kein „grünes Schweigen“ über Umwelteigenschaften, meint er. Sondern Verbraucher:innen würden eine bessere Orientierung beim nachhaltigen Lebensmitteleinkauf bekommen.
Die Bundesregierung erarbeitet gerade eine Carbon Management Strategie zur Anwendung von CCS und CCU. Bei der Nutzung und Speicherung von abgeschiedenem CO2 gilt es, fossile Geschäftsmodelle nicht zu verlängern und Lock-ins zu vermeiden, meint die grüne Bundestagsabgeordnete Lisa Badum. Andernfalls schade die Strategie dem Klimaschutz.
Seit knapp einem Jahr gerät auf immer mehr Windpark-Baustellen alles aus den Fugen. Schuld ist die bundeseigene Autobahn GmbH, erklärt Geschäftsführer Wolfram Axthelm vom Branchenverband BWE. Er spricht von grenzenlosem Versagen, Sabotage und unhaltbaren Zuständen, die der Verkehrsminister nicht länger aussitzen dürfe.
Mit Vorschlägen zur netzorientierten Steuerung von steuerbaren Verbrauchseinrichtungen hat die Bundesnetzagentur einen richtigen Schritt getan, meint Frank Schlichting von Kiwigrid in seinem Standpunkt. Gerade beim Anreizsystem sollte bei der Ausgestaltung der Regeln von Paragraf 14a des Energiewirtschaftsgesetz aber noch mehr preisliche und auch zeitliche Dynamik ermöglicht werden.
Präsident Erdoğan bleibt an der Macht und Brüssel diskutiert über die Zukunft der EU-Türkei-Beziehungen. Klar ist: Neue Beitrittsverhandlungen wird es so schnell nicht geben, aber die Türkei bleibt ein wichtiger strategischer Partner für die EU. Deshalb sind neue Formen der Zusammenarbeit gefragt. Die Energie- und Klimapolitik bietet dafür großes Potenzial, meint der Wissenschaftler Moritz Rau in seinem Standpunkt.
Die Industrie klimafreundlich zu machen, ist kein Spaziergang und geht nicht im Alleingang. Der Umweltverband WWF und der Zementhersteller Heidelberg Materials diskutieren daher in ihrem Standpunkt gemeinsam Lösungswege. Viviane Raddatz und Carolin Boßmeyer loten die Schnittmengen, aber auch die Unterschiede aus.
Die Ergebnisse der Biodiversitätsprüfungen sind beeindruckend: Solarkraftwerke auf landwirtschaftlichen Brachflächen sind starker Naturschutz. Gleichzeitig lassen sich dadurch riesige Potenziale für den PV-Ausbau – auch in Deutschland – erschließen. Zeit, dass die Bundesregierung entschlossen handelt, meint Stefan Degener von der GreenGo Energy Group.
Um die Energiewende mit voller Kraft voranzubringen, braucht es vielfältige Beteiligungsmöglichkeiten der Bürgerinnen und Bürger: von der finanziellen Partizipation bis hin zur lokalen Nutzung des grün erzeugten Stroms. Doch gerade das sogenannte Energy Sharing wird politisch noch immer stiefmütterlich behandelt, beklagt Felix Auspurg von der Investmentplattform Wiwin.
Die europäische Klimapolitik sollte sich stärker an den USA orientieren, meint Friedbert Pflüger vom Clean Energy Forum und dem Verband Zukunft Gas. Dort stünden Wind und Sonne zwar im Zentrum des IRA, es würden aber auch blauer Wasserstoff, synthetische Treibstoffe, Nukleartechnik und Biomasse unterstützt. Die EU müsse pragmatischer werden und zudem auf CO2-Bepreisung setzen, schlägt er in seinem Standpunkt vor.
Ein guter erster Schritt der Bundesnetzagentur: Mareike Herrndorff (Agora Energiewende) und Andreas Jahn (Regulatory Assistance Project) sind überzeugt, dass die Einführung zeitvariabler Netzentgelte flexible Verbraucher:innen effektiver einbinden kann. Allerdings gibt es noch offene Fragen zu der Ausgestaltung des Vorhabens.
Das gestrige Ergebnis der Offshore-Windausschreibung sendet ein eindeutiges Signal und bietet großartige Chancen für die Wertschöpfungskette, schreibt BWO-Geschäftsführer Stefan Thimm im Standpunkt. Für das erhoffte Wirtschaftswunder brauche es aber weitere, industriepolitische Weichenstellungen.
Deutschland lässt eine große nachhaltige Energiequelle links liegen: Die Abwärme. In seinem Standpunkt erläutert Andreas Sichert von Orcan Energy die Potenziale. Allein die hiesigen Zementwerke lieferten die Energie eines sehr großen Windparks. Sichert kritisiert die regulatorischen Hemmnisse für die Abwärmenutzung, die aus seiner Sicht dringend beseitigt werden müssten.
Die Debatte um einen Industriestrompreis muss in Planungen für die Transformation des Sektors eingebettet werden – und zudem auch die Langfristperspektive energieintensiver Industrien stärker in den Blick nehmen. Nicht jede Brücke führe zu einem sicheren neuen Ufer. Für eine differenzierte Betrachtung wirbt Simon Wolf von der Klima-NGO Germanwatch in seinem Standpunkt.
Derzeit bedroht mutmaßlich falsch deklarierter Biodiesel aus China die Existenz der hiesigen Biokraftstoffproduzenten. Doch obwohl es möglich wäre, die fragwürdigen Importe einzudämmen, ergreifen Europäische Kommission und Bundesregierung bislang keine Maßnahmen zum Schutz der heimischen Wirtschaft. Elmar Baumann vom Biokraftstoffverband VDB konstatiert in seinem Standpunkt eine gefährliche Präzedenz für den Green Deal der EU und kritisiert insbesondere das Umweltministerium.
Der vorausschauende Netzausbau ist laut Bundesnetzagentur ohne Abstriche möglich. Christoph Müller, Chef des Verteilnetzbetreibers Netze BW, widerspricht in seinem Standpunkt. Zum einen fänden Prognosedaten nur indirekt Eingang in den Effizienzvergleich. Zum anderen sei das Vertrauen in eine faire Vergütung nicht ungebrochen.
Das Bündnis Bürgerenergie ist überzeugt, dass Beteiligung vor Ort und dezentrale Energieversorgung die Akzeptanz erneuerbarer Energien steigert und zu schnellerem und wirksamerem Klimaschutz führt. Bündnisvorstand Malte Zieher macht in seinem Standpunkt konkrete Vorschläge für das Gelingen. Peer-to-Peer-Stromversorgung und Energy Sharing sollten regulatorisch gestärkt und im großen Stil ermöglicht werden.
Die LNG-Ausbaupläne der Bundesregierung sind überflüssig, schreiben Claudia Kemfert und Christian von Hirschhausen vom DIW in ihrem Standpunkt. Sie raten zu einem Stopp des Infrastrukturausbaus. Denn eine Gasmangellage sei nicht mehr absehbar und auch der Rest Europas könne gut versorgt werden. Stattdessen solle der Erdgas-Ausstieg vorangetrieben werden.
Diese Woche will der Bundestag das Gebäudeenergiegesetz und das Energieeffizienzgesetz verabschieden. Der Energiepreisschock scheint inzwischen vergessen. Gefährliche Zurückhaltung macht sich breit – bei Investitionen in Energieeffizienz und Politikentscheidungen. „Mehr Fortschritt wagen“ – der Antrittsanspruch der Koalition – wäre jetzt richtig, damit Deutschland nicht wirtschaftlich abgehängt wird, warnt Christian Noll von der Deutschen Unternehmensinitiative Energieeffizienz (Deneff).
Wärme und Mobilität werden elektrisch. Kritiker fürchten eine Überlastung des Stromnetzes. System-Experte und EcoG-CEO Jörg Heuer sieht in mehr Elektroautos das Gegenteil einer Gefahr: Eine Chance für mehr Netzstabilität. Er plädiert für bi-direktionales Laden und benennt die regulatorischen Hürden.
Ammoniak kommt auf dem Weg in eine klimaneutrale Wirtschaft eine wichtige Rolle zu. Das H2-Derivat unterliegt im Augenblick allerdings einer zu restriktiven Regulierung, meint Adam Spalek vom Beratungsunternehmen Publicis Sapient. Er macht eine Reihe von Reformvorschlägen für den gesetzlichen Rahmen, um den Energieträger effektiv ins System der Zukunft zu integrieren.
Manche Netzbetreiber beklagen, dass die regulatorischen Rahmenbedingungen einen vorausschauenden Ausbau der Stromverteilernetze nicht zulassen. Barbie Haller und Klaus Müller, Vizepräsidentin und Präsident der Bundesnetzagentur, widersprechen in ihrem Standpunkt.
Lüftung mit Wärmerückgewinnung spart eine Menge Heizenergie und Treibhausgase und sorgt für gesunde Innenraumluft. Weshalb sie noch nicht den Weg ins Gebäudeenergiegesetz (GEG) gefunden hat und warum sich das ändern sollte, erklärt Ralf Lottes, Geschäftsführer des Bundesverbandes für Wohnungslüftung (VfW), in seinem Standpunkt.
Für das Erreichen der Klimaziele bis 2045 spielt der Gebäudesektor die entscheidende Rolle. Doch bei allem Reformeifer übersieht die Politik noch weitgehend die Industrieimmobilien, die ein Drittel aller Gebäude hierzulande ausmachen. Zu stark steht der private Bereich im Vordergrund. Es ist Zeit umzudenken, meint Manfred Simmet von Caverion Deutschland in seinem Standpunkt.
Politik braucht Polarisierung, aber zu viel schadet ihr. Die deutsche Klimadebatte war lange von einem guten Maß an unterschiedlichen Meinungen gekennzeichnet. Aber nun besteht die Gefahr überzogener Polarisierung, meint Nils Meyer-Ohlendorf vom Ecologic Institute. Er macht in seinem Standpunkt Lösungsvorschläge.
Dem Klimawandel muss dringend auch gesundheitspolitisch begegnet werden. Die Wissenschaft hat hier bereits geliefert, erst gestern präsentierten Beratergremien der Regierung wieder zwei neue Gutachten. Nun seien die Akteure der Politik und des Gesundheitssystems gefragt, meint Maike Voss, geschäftsführende Direktorin des Centre for Planetary Health Policy.
Welche Stromquelle E-Autos nutzen, spielt derzeit keine Rolle bei der Zuteilung von Zertifikaten für den Immissionsschutz. Eine vertane Chance, meint Markus Meyer vom Solarunternehmen Enpal. Die Bundesregierung könne mit der Anrechnung von eigenerzeugtem Solarstrom den Ausbau der Erneuerbaren anschieben und gleichzeitig marktwirtschaftlichen Klimaschutz stärker verankern.
Das Wärmeplanungsgesetz verfehlt derzeit noch das wichtigste Ziel: Die Wärmewende effektiv und vor allem verlässlich voranzutreiben. Sascha Müller-Kraenner von der Deutschen Umwelthilfe warnt in seinem Standpunkt vor zu großzügigen Ausnahmeregeln. Die Bundesregierung drohe, beim Thema klimaverträgliche Wärmeversorgung mit beinahe leeren Händen dazustehen.
Die Klimakrise fordert den Gesundheitssektor doppelt heraus. Erstens müssen auch dort die Emissionen gesenkt werden. Und zweitens belasten vor allem Hitzewellen und die Ausbreitung von Krankheiten und Mangelernährung die Versorgung. Kathrin Pohlmann und Alexander Bittner von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) beschreiben in ihrem Standpunkt erste Lösungsansätze.
Was bisher von der geplanten Novelle des Klimaschutzgesetzes bekannt ist, gefährdet Deutschlands Erfolgsaussichten beim Klimaschutz und bei der wirtschaftlichen Transformation. Sollte die Bundesregierung die Bedeutung der jährlichen Sektorziele abschwächen, müsste sie im Gegenzug die Klimaschutzarchitektur durch andere Mechanismen stärken, schreiben Lea Nesselhauf (Agora Energiewende) und Carl-Friedrich Elmer (Agora Verkehrswende).
Christoph Bals und Kai Bergmann von Germanwatch mahnen zu einer Versachlichung der aus dem Ruder gelaufenen Heizungsdebatte. Es müsse Schluss sein mit der Verbreitung von Unwahrheiten, aber auch Fehler dürften sich nicht wiederholen. Sie machen Vorschläge, wie der Bund Heizungsaustausch und Teilsanierung in Kombination unterstützen könnte.