Gesunde Tiere zu töten, widerspricht dem Schutzgedanken des Grundgesetzes. Trotzdem wird es gemacht, erst kürzlich zur Bekämpfung der Maul- und Klauenseuche. Kirsten Tönnies und Martin von Berswordt-Wallrabe plädieren in ihrem Standpunkt für einen anderen Weg: Impfen und testen.
Das Umweltbundesamt prüft, ob Pestizide gefährlich für die Umwelt sind – und kann ihre Zulassung bei drohender Gefahr stoppen. Dieses Vetorecht wird nun von einer Allianz aus Industrie, Bauernverband und konservativen Parteien infrage gestellt. Was nach einer technischen Detailfrage klingt, berührt Grundsätzliches: die Rolle der Wissenschaft in unserer Demokratie, meint Fabian Holzheid, politischer Geschäftsführer am Umweltinstitut München.
Viel Bürokratie ohne Erkenntnisgewinn – das brachte die nun abgeschaffte Stoffstrombilanz aus Sicht der meisten Landwirte. Doch das Ministerium für Landwirtschaft muss das Düngerecht jetzt so ändern, dass die Regeln langfristig Bestand haben. Klarheit und Rechtssicherheit fordert Holger Hennies, Präsident des Landvolks Niedersachsen. Er unterbreitet einen Vorschlag, wie das Verursacherprinzip für Betriebe in den roten Gebieten umgesetzt werden kann.
Einen neuen Vorschlag zur Umsetzung der EU-Anti-Entwaldungsverordnung EUDR macht der Dachverband AGDW – Die Waldeigentümer: Grundlage ist ein regionaler Ansatz, der die Einführung einer Null-Risiko-Variante erlaube und gleichzeitig konform mit den Regeln der Welthandelsorganisation sei. Das würde die Akzeptanz für die EUDR erhöhen, wirbt AGDW-Präsident Andreas W. Bitter für das Konzept.
Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz sollte Unternehmen entlasten – doch die jüngsten Änderungsvorschläge bringen kaum spürbare Erleichterungen meinen die Juristen Eric Wagner, Marc Ruttloff und Florian Schuler, Rechtsanwälte bei der Sozietät Gleiss Lutz. Gerade die Agrar- und Lebensmittelindustrie stehe weiterhin unter hohem Druck. Die Bundesregierung erweise der Branche mit den Anpassungen einen Bärendienst.
Ohne die richtigen Rahmenbedingungen für die Transformation des Ernährungssystems muss das Engagement von Unternehmen Stückwerk bleiben, meint Richard Trechman von Danone. Zu den Details gehört seiner Ansicht nach, die Steuer auf Milchersatzprodukte zu senken. Ein Ernährungsgipfel sollte das große Ganze angehen und mutig neue Strukturen schaffen.
Die Klima- und Biodiversitätskrise müsse auch als soziale Krise betrachtet werden, sagt Anna Holl vom Verein Vielfalt Genießen –insbesondere im Hinblick auf unsere Ernährungssicherheit. So könne eine pflanzenbasierte Ernährung weltweit Millionen Todesfälle vermeiden und gleichzeitig Emissionen reduzieren. Deshalb plädiert sie in ihrem Standpunkt für eine kostenlose Grundversorgung mit gesunden Lebensmitteln für alle, auf öffentlich zugänglichen Flächen.
Die Bundesregierung hat die ersten Monate hinter sich gebracht. Im Wahlkampf sorgte die Union mit ihrer Forderung nach einer Abschaffung des „Heizungsgesetzes“ für Furore. Wie geht die Regierung in der Wärmepolitik mit der Holzenergie um? Gerolf Bücheler vom Fachverband Holzenergie zieht eine kritische Zwischenbilanz.
In ihrem aktuellen Bodenschutzbericht zeigt die Bundesregierung Problembewusstein – doch anstatt konsequent mit Maßnahmen zu reagieren, serviert sie nur einen Mix aus Pilotprojekten, Förderprogrammen und unverbindlichen Zielen, meint Tobias Witte vom Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland. Um den Boden und damit die Grundlage für alles andere zu schützen, muss eine grundlegende Neuausrichtung der Bodenschutzpolitik her.
Die Übernahme der Vion-Schlachthöfe durch die Premium Food Group (ehemals Tönnies) sollte nicht genehmigt werden, meint Reinhild Benning von der Deutschen Umwelthilfe. Statt überschüssige Schlachtkapazitäten aufrechtzuerhalten, sollen die Rahmenbedingungen zugunsten von besserer Tierhaltung, alternativen Proteinen und Regionalvermarktung gesetzt werden.
Viele Gentechnik-Befürworter lehnen es vehement ab, die Kennzeichnungspflicht für Neue Genomische Techniken (NGT) beizubehalten – weil das zu aufwändig sei. Dabei wäre ihr Abschaffen das viel größere Problem für die Lebensmittelwirtschaft, schreibt Alexander Hissting.
Wir verbrauchen mehr, als die Erde verkraftet, das zeigt der Erdüberlastungstag eindrücklich. Doch wir können das ändern: Mit einem Wandel beim Konsum, dem Bevölkerungswachstum und beim Ressourcenverbrauch, schreibt Katrin Böhning-Gaese, Wissenschaftliche Geschäftsführerin des Helmholtz Zentrums für Umweltforschung.
Die Verordnung zur Wiederherstellung der Natur wird mit fadenscheinigen Argumenten diskreditiert, meint Stephan Piskol vom Naturschutzbund Deutschland. Das Gesetz abzuschaffen, wie jüngst von deutschen Agrarministern gefordert, wäre ein Rückfall in die Zeit unverbindlicher Absichtserklärungen – und das in Zeiten galoppierenden Artenverlusts.
Holz zu verbrennen, ist nicht das Ende der Wälder, schreibt der Bundesverband Bioenergie in Reaktion auf einen Standpunkt des Naturschutzbundes Deutschland von Anfang Juli. Vielmehr ist die Nutzung von Waldholz effizient und ein Beitrag zum Klimaschutz, meint Tim Pettenkofer.
Als strukturschwach belächelte Regionen in Deutschland können die großen gesellschaftlichen Probleme unserer Zeit lösen. Forschende von zwei Leibniz-Instituten skizzieren in ihrem Standpunkt einen Plan für das Gelingen von Veränderung. Er zeigt, dass Stadt-Land-Gegensätze überwindbar sind. Ein Rückblick aus der Zukunft.
Eine Modellierung des Thünen-Instituts hat ergeben, dass der Holzvorrat in deutschen Wäldern in den nächsten 40 Jahren relativ stabil bleibt. Ein Freifahrtschein fürs weitere Verbrennen von Holz? Nein, meint Sven Selbert vom Naturschutzbund Deutschland. Dies wäre eine unverantwortliche Vernichtung von Werten und Chancen. Gerade das Laubholz könne mit der Technik des 21. Jahrhunderts wieder ein Motor für Innovation, Arbeitsplätze, Wertschöpfung und Klimaschutz werden.
Die EU steht vor wichtigen Entscheidungen zu ihrer internationalen Wettbewerbsfähigkeit. Um im Agrarsektor weiter mitspielen zu können, darf sie die Neuen Genomischen Techniken nicht ausbremsen, schreibt Stephan Schraff in seinem Standpunkt. Um zukünftige Investitionen in Europa zu ermöglichen, müsse bei den Verhandlungen im Trilog außerdem ein Patentschutz für die Unternehmen gesichert bleiben.
Ob Kennzeichnungen, Werbeaussagen oder neue Gelder: „Tierwohl“-Initiativen aus Politik und Wirtschaft sollen für bessere Bedingungen in Ställen sorgen. Doch in der Realität sind diese Versprechen oft trügerisch, kritisiert Friederike Schmitz von Faba Konzepte. Statt nur auf bessere Haltungsformen zu setzen, brauche es einen umfassenderen Wandel – hin zu einer pflanzenbasierten Ernährung und einer sozial gerechten Reduktion der Tierhaltung.
Die Klimakrise spitzt sich zu – und mit ihr wächst der Druck auf Staaten, ihre Emissionen zu reduzieren. Viele Länder setzen zusätzlich auf Kompensation durch CO2-Speicherung. Das führt weltweit zu einem enormen Druck auf Landflächen, die dafür benötigt werden – und bedroht die Rechte lokaler Gemeinschaften, sagt Klimaexpertin Tabea Lissner von der Robert Bosch Stiftung. Sie fordert, Menschenrechte einzuhalten, mit abgestimmten internationalen Regelwerken.
Die Stärkung von Kreislaufwirtschaft und Rezyklateinsatz, die angekündigte Reform des Verpackungsgesetzes und eine innovationsfreundlichere Genehmigungspolitik sind wichtige Signale im Koalitionsvertrag der neuen Bundesregierung, schreibt Georg Pescher, Präsident der IK Industrievereinigung Kunststoffverpackungen. Nun komme es auf die konsequente Umsetzung dieser Pläne an.
Wetterextreme machen Kaffeebauern weltweit zu schaffen, die Preise für Rohkaffee schnellen weiter in die Höhe. Um nicht nur die Erträge langfristig zu sichern, sondern auch das Einkommen für die Landwirte in Anbauländern wie Äthiopien, braucht es einen Wandel. Regenerative Anbaumethoden sind die Lösung, ist Sebastian Brandis, Vorstandssprecher der Stiftung Menschen für Menschen, überzeugt.
Die Gemeinsame Agrarpolitik wird von allen Seiten kritisiert. Der Agrarökonom Uwe Latacz-Lohmann von der Uni Kiel hat zusammen mit seinem Team ein alternatives Modell entwickelt, das ihre Probleme beheben soll. Es entlohnt Landwirte ausschließlich dafür, dass sie ihren Beitrag zu den Zielen des Green Deals leisten.
Zum heutigen internationalen Tag des Tees fordert Maximilian Wittig praxisnahe Spielräume für die EU-Nachhaltigkeitsberichterstattung. Deren Ziele seien an sich richtig. Doch sie könnten bewirken, dass es zu Lieferengpässen kommt, die Produktauswahl schrumpft und Produzenten nicht mehr mit der EU handeln wollen, warnt der Geschäftsführer des Deutschen Tee & Kräutertee Verbands.
Klimaschutz wird in der Landwirtschaft bislang ungenügend adressiert. Es ist zu befürchten, dass sich daran in Deutschland auch in den nächsten vier Jahren wenig ändern wird. Warum das dramatisch wäre, und was in dieser Legislatur dringend angegangen werden muss, erläutern Konstantinos Tsilimekis und Felix Domke von der Umwelt- und Entwicklungsorganisation Germanwatch in ihrem Standpunkt.
Veränderungen des Klimas, schrumpfende Ackerflächen, steigende Nachhaltigkeitsanforderungen und anspruchsvolle Verbraucher: Eine Vielzahl von Herausforderungen wirkt sich auf landwirtschaftliche Betriebe aus. Präzisionslandwirtschaft und innovative Antriebsalternativen sind die Lösung – doch nur, wenn die Politik regulatorische Freiräume schafft, schreibt Peter Münch, Research Partnerships Manager für Europa bei John Deere, in seinem Standpunkt.
Der neue Bundeslandwirtschaftsminister muss mehr als eine Pro-Schnitzel-Politik machen. Das erwartet Volker Gaßner von der Tierschutzorganisation Vier Pfoten und hofft hier auf eine positive Überraschung. Die Gesellschaft weiß er bei der Forderung nach mehr Tierschutz hinter sich.
Die Klimaschutzziele im Landnutzungssektor (LULUCF) scheinen außer Reichweite. Die Abkehr von den Zielen für naturbasierte CO2-Entnahme käme jedoch einer Aufgabe der Klimaneutralität gleich, warnt Milan Loose. Die neue Bundesregierung müsse daher gleichzeitig ihre Bemühungen für Emissionsreduktionen in allen Sektoren und den Ausbau der natürlichen Senken verstärken, betont der Referent für Negativemissionen bei Bellona Deutschland.
Die Auswirkungen von Landwirtschaft und Ernährung auf Artenvielfalt, Wasserhaushalt, Bodenqualität und weitere Bereiche sind enorm – genauso groß sind die Potenziale einer suffizienzorientierten Ausrichtung. Wie der Sektor entsprechend umgestaltet werden könnte, beschreibt Carina Zell-Ziegler, wissenschaftliche Mitarbeiterin am Öko-Institut, in ihrem Standpunkt.
Angesichts einer unsicheren Weltlage, in der auch die Großmacht USA Werte wie Demokratie und Menschenrechte mit Füßen tritt, ist es umso wichtiger, dass die EU und Deutschland an diesen grundlegenden Werten festhalten. Darunter fällt auch, die Lieferkettengesetze zum Schutz von Menschenrechten und Umwelt nicht zu entkernen oder gar abzuschaffen, schreibt Franziska Humbert.
Forderungen an den Petersberger Klimadialog und die bevorstehende COP 30 im Amazonas stellt Jannes Stoppel von Greenpeace. Der Multilateralismus muss zur Bekämpfung der großen planetaren Krisen neu ausgerichtet werden, meint er. Das sei entscheidend für den Schutz des Amazonas und des Weltklimas.
Mit dem US-Ausstieg aus dem Pariser Klimaschutzabkommen verschärft sich die globale Klimakrise. Angesichts der neuen geopolitischen Weltlage braucht es einen Paradigmenwechsel bei Naturschutz und Klimaanpassung, findet Kai Niebert. Schwarz-Rot muss mit mutigen Investitionen in eine starke grüne Infrastruktur Lebens- und Wohlstandsgrundlagen sichern, fordert der Präsident des DNR.
Für den Klima- und Umweltschutz, für mehr soziale Gerechtigkeit, wirtschaftliche Innovationen und um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern, müsse die neue Bundesregierung die Ernährungswende endlich anpacken, schreibt Ökotrophologin Saskia Wendt. Kitas und Schulen seien der beste Startpunkt.
Als protektionistische Luftnummer bezeichnet Matthias Wolfschmidt das Vorhaben von EU-Agrarkommissar Hansen, beim Import von Agrarprodukten künftig mehr auf die Einhaltung von Standards zu achten. Stattdessen bräuchte es Schutzzölle nach außen und Abgaben auf umweltschädliche Praktiken nach innen, schreibt Wolfschmidt.
In den Wahlprogrammen der Parteien finden Kamin- und Kachelöfen kaum statt. Ein schwerer Fehler, meint Johannes R. Gerstner. Der Politikberater erinnert an die Bedeutung, die das Heizen mit Holz im ländlichen Raum hat.
Mit mehr Biogas kann das Energiesystem schneller Richtung erneuerbare Energien umgebaut werden. In seinem Standpunkt zeigt Uwe Welteke-Fabricius die erfreulichen Folgen der neuen Regeln für die Biogasförderung auf.
Drohnen und künstliche Intelligenz könnten die Landwirtschaft revolutionieren und bei der Einhaltung von Umweltauflagen helfen. Doch starre regulatorische Hürden und Bürokratie behindern den Fortschritt, kritisiert Lea Fließ, Geschäftsführerin des Forums Moderne Landwirtschaft. Flächennutzungspläne beispielsweise würden die Agri-Photovoltaik ausbremsen.
Vor einer Wende rückwärts in der Agrarpolitik warnt Matthias Lambrecht von Greenpeace in seinem Standpunkt. So wie es früher war, darf es nicht mehr werden, warnt er. Denn sonst würde die Landwirtschaft ihre eigene Existenzgrundlage zerstören.
Regenerative Landwirtschaft kann die Böden retten, Lieferketten stabilisieren und die Lebensmittelindustrie profitabler machen – davon ist Robert Gerlach, Gründer und CEO des Agritech-Start-ups Klim, überzeugt. Angesichts der alarmierenden Bodendegradation und des Klimawandels appelliert er: Jetzt ist der Moment, durch innovative Ansätze wie Insetting die Transformation aktiv zu gestalten und Ernährungssicherheit nachhaltig zu sichern.
Vor allem in privaten Haushalten landen noch immer zu viele Lebensmittel im Müll. Das liegt jedoch auch an Praktiken des Handels, die zum Verschwenden von Lebensmitteln verleiten, meint Dominique Ertl von Motatos. Sie bedauert, dass die Bundesregierung bisher kaum wirksame Maßnahmen gegen Lebensmittelverschwendung erlassen hat – obwohl andere Länder bereits zeigen, wie es gehen könnte.
Solide Kriterien, um die Bindung von CO2 durch natürliche und technische Senken zu messen und damit einen glaubwürdigen Zertifikatehandel zu schaffen – das versprach die EU-Kommission mit der Verordnung für die Zertifizierung von CO2-Entnahmen. Nachdem Entwürfe der zugehörigen Methodiken vorgelegt wurden, sind Fachleute enttäuscht. Die Vorschläge könnten die Klimaschutzbemühungen der EU untergraben, befürchten Lambert Schneider und Anne Siemons.
Die Positionen der Verbände-Plattform zur GAP für eine krisenfeste, ökologischere und gerechte EU-Agrarpolitik nach 2027 erneuern Daniela Wannemacher vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland und Henrik Maaß von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft. Sie fordern, Bürokratie ohne Absenkung ökologischer Standards abzubauen, die Honorierung von Umweltleistungen der Landwirtschaft zu stärken und faire Preise zu ermöglichen.
Es ist höchste Zeit, dass Unternehmen ihre tragende Rolle im Klimaschutz ernst nehmen und wirksame Maßnahmen zur Reduktion ihrer Emissionen ergreifen, meint Mirco Wolf Wiegert, Gründer und Geschäftsführer von Fritz-Kola. Aus seiner Sicht liegt eine Form von Wertschöpfung hier beispielsweise in der regenerativen Landwirtschaft. Er fordert: Um dem Klimawandel zu begegnen, braucht es neben politischen Rahmenbedingungen auch Selbstverpflichtung und Eigeninitiative aus der Wirtschaft.
Das Ergebnis der diesjährigen Klimakonferenz ist ernüchternd. Das beschlossene Finanzierungsziel geht weit an den tatsächlichen Bedarfen vorbei. Nach Ansicht von Olaf Bandt vom Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) blockieren die Beschlüsse der COP29 ambitionierten Klimaschutz und gefährden die Lebensgrundlage von Menschen weltweit.
Für ein neues Verständnis von Klimaschutz durch aktive Waldbewirtschaftung und klimaresilienten Waldumbau plädiert Denny Ohnesorge, Geschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Holzindustrie, in seinem Standpunkt. Die verjüngten Wälder seien mittelfristig eine bessere Kohlenstoffsenke und auch das verwendete Holz diene als sichere CO2-Bank.
Die EU-Klimapolitik hat noch nicht adressiert, wie die CO2-Entnahme angereizt und reguliert werden soll. Mark Preston von Bellona Europa und Felix Schenuit von der Stiftung Wissenschaft und Politik empfehlen, die Debatte nicht auf eine ETS-Integration zu verengen. Alle Optionen müssten auf dem Tisch, darunter Verpflichtungen wie in der Lastenteilungs-Verordnung oder ein paralleler Markt für den CDR-Handel.
Die Ungleichbehandlung bei der Besteuerung von pflanzlichen und herkömmlichen Milchprodukten muss ein Ende haben, meint Svenja Fritz, General Manager DACH & Polen beim schwedischen Lebensmittelunternehmen Oatly. Dafür, dass Pflanzendrinks mit dem ermäßigten Steuersatz für Grundnahrungsnahrungsmittel besteuert werden, gebe es eine Vielzahl an politisch-gesellschaftlichen Argumenten.
Die Insolvenz des deutschen Biomethanhändlers Landwärme ist ein Weckruf – nicht nur für die betroffenen Betreiber von Biomethananlagen, sondern für die gesamte Biogasbranche und die Bundesregierung. Um die Energiewende für alle Marktbeteiligten realistisch umzusetzen, ist es höchste Zeit, die strukturellen Schwächen dieses Marktes durch Betrugsvorfälle ernsthaft anzugehen, schreibt Henning Dicks, Geschäftsführer des Biomethandiensleisters Agriportance.
Juristische Schritte gegen die fortlaufende Zulassung des Herbizids Pendimethalin haben das Umweltinstitut München und das Bündnis für eine enkeltaugliche Landwirtschaft eingeleitet. Grund dafür ist die fragwürdige Praxis der „technischen Verlängerung“: Sie erlaubt es, Pestizide ohne aktuelle Risikoprüfung weiter zuzulassen, wenn deren Neubewertung nicht fristgerecht abgeschlossen wurde. Christine Vogt erklärt, warum eine Reform dieser Regelungen dringend notwendig ist.
Die Regulierung von Lieferketten erfüllt einen richtigen Zweck. Doch die anspruchsvolle Umsetzung der Gesetze bedroht nicht nur Kleinbauern in den Ursprungsländern, sondern auch den Wirtschaftsstandort EU, meint Annemarie Leniger, Stellvertretende Vorstandsvorsitzende des Deutschen Tee & Kräutertee Verbands. Nur mit angepassten Dokumentationspflichten, weniger Bürokratie und mehr Zusammenarbeit kann es aus Lenigers Sicht einen nachhaltigen Handel geben.
Die Verschwendung von Lebensmittelabfällen zu bekämpfen, ist eine politische und ethische Herausforderung, meint die Berliner Senatorin für Justiz und Verbraucherschutz, Felor Badenberg. Dafür schlägt sie effiziente Maßnahmen vor.
Die Bauernproteste im Winter und Frühjahr markieren das Scheitern der bisherigen Agrarpolitik, schreiben Thilo Bode und Matthias Wolfschmidt in ihrem Standpunkt. Warum? Weil die Idee, in der EU eine nachhaltige Landwirtschaft zu schaffen, ohne die Landwirte vor dem Druck des Weltmarkts zu schützen, nicht funktioniere. Stattdessen empfehlen die beiden Experten Abgaben auf Treibhausgase, Pestizide und Mineraldünger sowie verbesserten Tierschutz und einen Umweltzoll für Importe aus Drittstaaten.
Die Rainforest Alliance steht uneingeschränkt hinter der viel diskutierten EU-Entwaldungsverordnung. Manche Unternehmen würden sich aber auf deren bloße Einhaltung beschränken und die Ursachen von Entwaldung aus den Augen verlieren. Hier gibt es kein Entweder-oder, meint die Leiterin Public Affairs, Fanny Gauttier. Unternehmen müssten auch bessere Preise zahlen, in Landschaftsprogramme investieren und unabhängige Zertifizierungen anstreben.
Holz als Energieträger einzusetzen, ist nachhaltig, schreibt Gerolf Bücheler. Er beklagt eine Kampagne gegen diese Nutzung und eine weit verbreitete Unkenntnis über die Holzwirtschaft insgesamt. Ohne Holz, ist der Geschäftsführer des Fachverbands Holzenergie und Bundesverbands Bioenergie überzeugt, sind die Klimaziele nicht zu erreichen.
Trotz jahrzehntelanger Versuche, den Nährstoffüberschuss aus der Landwirtschaft durch gesetzliche Regelungen in den Griff zu bekommen, bleibt die Aufgabe ungelöst. Die Auswirkungen der übermäßigen Düngung auf Gewässer und Artenvielfalt sind alarmierend. Cäcilia von Hagenow, Referentin für Agrarpolitik beim NABU rät, das grundlegende Problem der deutschen Landwirtschaft endlich anzugehen und das Düngerecht konsequent im Sinne des Umweltschutzes zu reformieren.
Derzeit weiß in Deutschland niemand, welche Pestizide wann, wo, in welchen Mengen und Kombinationen ausgebracht werden. Obwohl Landwirt:innen diese Daten schon lange dokumentieren müssen, werden sie von den Behörden nicht erfasst, ausgewertet oder veröffentlicht. Anlässlich der bevorstehenden Agrarministerkonferenz beschreibt Vera Baumert vom Umweltinstitut München, warum Deutschland gut daran täte, diese Informationen offenzulegen.
Der größte Teil der erneuerbaren Wärme wird bisher aus Holz gewonnen. Im Zuge der Dekarbonisierung der Wärmeversorgung könnte sich die nachgefragte Holzmenge nochmal stark erhöhen. Das würde den Wäldern in Deutschland und weltweit sowie dem Klima schaden. Ein Gegensteuern der Politik ist nötig – mit „Ideologie“ hat das nichts zu tun, schreibt Michaela Kruse, Bioenergie-Referentin beim Naturschutzbund Deutschland.
Bis 2030 soll es keinen Hunger mehr auf der Welt geben – ein ehrgeiziges Ziel der Vereinten Nationen. Mridul Pareek, Associate beim ECBF – ein von der Europäischen Union initiierter Venture Capital Fonds im Bereich der Bioökonomie und biobasierten Kreislaufwirtschaft – betont dabei das enorme Potenzial von Pilzmyzelien. Sie könnten einen entscheidenden Beitrag zur globalen Ernährungssicherheit leisten, sofern die Marktzulassungsverfahren in der EU beschleunigt werden.
Im Kampf gegen den Klimawandel sollte eigentlich jedes Mittel recht sein. Trotzdem kocht gerade wieder die Diskussion über die Sinnhaftigkeit der Zulassung von HVO100 hoch. Die Kritiker reiben sich an der Nutzung von Palmöl in der Produktion, an den geringen verfügbaren Mengen und den Abgaswerten. Ist die Kritik gerechtfertigt, und spricht sie grundsätzlich gegen den Einsatz moderner Biofuels, fragt Berater Dörr.
Dort, wo ein Großteil unseres Obsts und Gemüses herkommt, werden Wasserressourcen übernutzt. Lebensmittelhandel und -verarbeiter in Deutschland müssen illegale Wassernutzung in Spanien aus ihrer Lieferkette ausschließen, fordert Johannes Schmiester von der Umweltorganisation WWF. Gemeinsame Projekte mit den Produzenten für ein besseres Wassermanagement zeigen Wege aus der Krise.
Die Pläne zur Abschwächung des deutschen Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes haben die Nachhaltigkeits- und Unternehmenswelt in Befürworter und Gegner dieser Initiative gespalten. Doch ob Lieferkettengesetz hin oder her: Jedes Unternehmen sollte die menschenrechtlichen und umweltbezogenen Risiken entlang seiner Lieferkette kennen, meint Tanja Reilly, Expertin für nachhaltige Beschaffung bei EcoVadis. Die Annahme, dass Nachhaltigkeit nur kostet, sei längst überholt.
Vor dem Hintergrund des aktuellen Lobbyskandals um HVO100 lohnt ein genauerer Blick auf den Kraftstoff. Denn am Bild vom klimafreundlichen Sprit aus altem Frittenfett ist fast alles falsch. Für Klimaschutz und zukunftsfähige Mobilität ist HVO100 eine Scheinlösung, die geradewegs ins Agrosprit-Debakel 2.0 führt.
Die strategische Agenda der 27 EU-Staats- und Regierungschefs soll die EU besser für neue geopolitische Herausforderungen rüsten. Das Programm deckt viele wichtige Aspekte ab, meint Sabine Eichner, Geschäftsführerin des Deutschen Tiefkühlinstituts. Allerdings fehle ein langfristig realistisches Konzept des Green Deal, das Wohlstand und Nachhaltigkeit zusammenführt und damit die Lebensmittelwirtschaft durch Innovationen und weniger Bürokratie wettbewerbsfähig macht.
Gleiche Preise für weniger Inhalt – im Supermarkt ist das inzwischen eher die Regel als eine Ausnahme. Während etwa das Bundesumweltministerium mit neuen Verpackungsregeln liebäugelt, hält die FDP-Politikerin Katharina Willkomm die Idee für kontraproduktiv. Neben Steuerentlastungen hat sie einen weiteren Lösungsansatz parat.
Die Holzbauinitiative der Bundesregierung ist zwar richtig, aber weder mit konkreten Maßnahmen noch finanziellen Mitteln untersetzt, bedauert der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Säge- und Holzindustrie, Stephan Lang. Der Abbau von regulatorischen Hemmnissen sei unabdingbar, um mehr Schwung in die Initiative zu bekommen.
Noch immer ist Überdüngung ein Problem, denn das deutsche Düngegesetz wird der EU-Nitratrichtlinie nicht gerecht. Gerade in Zeiten des Klimawandels darf die Bundesregierung dieses Risiko für die Trinkwasserversorgung nicht länger in Kauf nehmen, schreibt Martin Weyand. Der BDEW-Hauptgeschäftsführer Wasser/Abwasser warnt vor steigenden Wasserrechnungen und der Stilllegung von Brunnen.
Europa steht am Scheideweg, schreibt der Präsident des Umweltbundesamtes, Dirk Messner, in seinem Standpunkt. Zusammen mit Leena Ylä-Mononen, Direktorin der Europäischen Umweltagentur, verteidigt Messner den europäischen Green Deal als historisches Projekt. Die Landwirtschaft müsse sich auf eine Senkung der Treibhausgasemissionen und weniger Pestizideinsatz ausrichten.