Trotz Kritik deutet die deutsche Klimaclub-Idee aus Sicht von Dennis Snower in die Zukunft: Sie berge das Potenzial, echte Fortschritte für das Klima zu erzielen – indem sie den globalen Norden und Süden für ein Ziel zusammenbringt. Zudem biete der Klimaclub ein Modell für eine krisensichere Form des Multilateralismus. Der Gründer und Präsident der Global Solutions Initiative legt in seinem Standpunkt dar, wie die Umsetzung gelingen könnte und warum die G20 das Vorhaben vorantreiben muss.
Derzeit werden Weichen in der deutschen Energiepolitik gestellt – nicht jedoch für die Wasserstoffwirtschaft, meint Luc Graré vom französischen H2-Unternehmen Lhyfe. Er fordert eine Wasserstoffstrategie 2.0, die sich vor allem auf den Ausbau dezentraler Wasserstoffzentren konzentrieren müsse.
Die USA investieren massiv in saubere Energien. Höchste Zeit, in Deutschland und Europa eine Antwort zu finden, meint Friedbert Pflüger von Zukunft Gas in seinem Standpunkt. Er schlägt unter anderem vor, die Bremsen beim europäischen Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur endlich zu lösen.
Wie nationale Klimapolitik sozial gerecht gestaltet werden kann, hängt von unterschiedlichen Voraussetzungen über die politische Machbarkeit von Umweltsteuerreformen ab. Dabei können sowohl ein CO2-Preis als auch Energiestandards die Kosten fair verteilen, schreibt der Klimaökonom Linus Mattauch.
Eine neue Generation von Großbatteriespeichern im dreistelligen Megawatt-Bereich ist im Aufbau – öffentlich kaum bemerkt. Der Speicherexperte und Berater Hans Urban beschreibt die neue Dynamik in dem Sektor und warnt davor, diese Chance durch falsche Regulierung zu vertun.
Die Energiekrise zwingt die Bundesregierung, wieder auf Kohle zu setzen, LNG-Terminals werden im Eilverfahren aufgebaut und Atomkraftwerke laufen weiter. Dabei liegt eine naheliegende Antwort auf die derzeitigen Krisen in der Formulierung und Umsetzung abgestimmter kommunaler Klimaschutzkonzepte, meint Sven Neldner, Deutschlandchef von Entrnce, in seinem Standpunkt. Bund und Länder seien in der Pflicht, ein Kompetenzzentrum für die regionale Energiewende auf den Weg zu bringen.
Die Circular Economy ist aus Sicht von Herwart Wilms von Remondis und Oliver Rottmann von der Universität Leipzig ein entscheidendes ökologisches Querschnittsthema. Sie kritisieren in ihrem Standpunkt die schleppende Verwertung insbesondere von Bioabfällen. Damit könnten Energie erzeugt und Abhängigkeiten verringert werden und die Bodenresilienz steigen.
Wenige Tage vor der COP27 in Sharm El Sheikh steht der Klimawandel ganz oben auf der politischen Agenda. Die Welt wird darauf schauen, was die Bundesregierung zu bieten hat. Deutschland muss der Staatengemeinschaft und der deutschen Öffentlichkeit beweisen, dass es ein verlässlicher Partner ist, der seine Versprechen einhält, fordern Jule Könneke und Juan-Pablo Osornio vom Klima-Think-tank E3G in ihrem Standpunkt.
Vor einem Jahr wurde auf der Klimakonferenz in Glasgow der Global Methane Pledge verkündet. Die unterzeichnenden Staaten verpflichten sich damit, den globalen Methanausstoß bis 2030 um 30 Prozent zu reduzieren. Sascha Müller-Kraenner, Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, zieht Bilanz: Noch immer werde viel zu wenig gegen den wachsenden Methanausstoß getan. Besonders große Leerstellen seien die Regulierung fossiler Energieimporte und der Landwirtschaft.
Versprochen – gebrochen: Thomas Engelke vom Bundesverband der Verbraucherzentralen hält die Zögerlichkeit bei der Einführung des Klimageldes für fahrlässig. Gerade jetzt in der Krise sei es dringend notwendig, einen Auszahlungsmechanismus an die Bürger schnell zu etablieren, schreibt er in seinem Standpunkt. Die Akzeptanz der CO2-Bepreisung sei bei direkter Ausschüttung hoch.
Die USA machen vor, wie es richtig geht, meinen die beiden SPD-Politiker Timon Gremmels und Klaus Mindrup. Sie fordern in ihrem Standpunkt ein massives Zukunftsinvestitionsprogramm für erneuerbare Energien. So könne die Krise bekämpft und eine langfristige Perspektive für die europäische Industrie geschaffen werden.
Gaspreisdeckel, Gasumlage, Strompreisdeckel und der Versuch, auf den Ölpreis einzuwirken, haben eines gemeinsam: sie bekämpfen Symptome einer gescheiterten, national und fossil geprägten Energiepolitik, meint IKEM-Chef Simon Schäfer-Stradowsky in seinem Standpunkt. Eine stabile und preiswerte Energieversorgung könne nur erreicht werden, wenn endlich strukturelle Reformen in Richtung einer koordinierten europäischen Energiewende angegangen werden.
Bundeskanzler Olaf Scholz versammelt heute hochrangige Politiker:innen und Expert:innen in Berlin zu einem Wiederaufbaugipfel für die Ukraine. Neben schneller Hilfe brauche das Land eine langfristige wirtschaftliche Perspektive. Die Bundesregierung sollte sich auf einen grünen Wiederaufbau fokussieren, meinen Maryna Larina und Lukas Latz von der NGO Germanwatch in ihrem Standpunkt.
Das Jahr 2022 hat die energiepolitische Landkarte durcheinandergewirbelt. Der Gasimport aus Katar, der Streckbetrieb von Atomkraftwerken und die Fortführung von Kohleverbrennung erscheinen als notwendige Übel. Sogar das verhasste Fracking sei wieder in der Diskussion. Dabei gebe es eine saubere, zuverlässige und heimische Energiequelle, deren Potenzial noch lange nicht ausgeschöpft sei, meint der SPD-Abgeordnete Markus Hümpfer: Biogas.
Die Bundesregierung will Ceta, das Handelsabkommen der EU mit Kanada, schnellstmöglich ratifizieren. Damit gießt sie Öl ins Feuer der Klimakrise, statt es zu löschen, warnen die Rechtswissenschaftlerinnen Alessandra Arcuri und Federica Violi von der Universität Rotterdam in ihrem Standpunkt.
Wie wird künftig Wärme für Industrie und Haushalte erzeugt? Der Wärmemarkt sei ein Leistungsmarkt und müsse auch in Dunkelflauten funktionieren, schreibt Frank Gröschl. Eine Versorgung allein mit strombetriebenen Wärmepumpen hält der Leiter Technologie und Innovationsmanagement beim DVGW für illusorisch.
In einem großen sozial-ökologischen Bündnis ruft der BUND für den 22. Oktober zu den deutschlandweiten Demos #Solidarischer Herbst auf. Die Aktivisten fordern eine Gesamtstrategie für eine nachhaltige, bezahlbare Grundversorgung und wollen ein Zeichen setzen gegen rechte Spalter*innen.
Der Smart-Meter-Rollout kommt nicht voran – das gefährdet den Energiestandort Deutschland und auch die Krisenreaktion, meint Malte Sunderkötter, Chef von Eon Grid Solutions. Er fordert klare Rollenzuweisungen und einen Neustart: Die Netzbetreiber sollten für die Geräte verantwortlich sein und das Behördenwirrwarr enden.
Die Gaskrise sollte Anlass zu einer wirklichen Trendumkehr beim Energieverbrauch sein, fordern Felix Creutzig vom Klimaforschungsinstitut MCC und Elke Weber von der TU Berlin. Den entscheidenden Schwenk zum Fokus auf Menschen und Lebensqualität hat ihrer Ansicht nach auch die Expertenkommission Gas Wärme nicht geliefert.
Erst Holznutzung schafft Strukturen für mehr Biodiversität und ist Treiber eines klimaresilienten Umbaus der Wälder, schrieb der Chef des Hauptverbandes der Deutschen Holzindustrie kürzlich an dieser Stelle. Sven Selbert vom Naturschutzbund Deutschland widerspricht: Alte Wälder müssen als Senken für den Klimaschutz erhalten bleiben, argumentiert er.
Dieses Wochenende wird die Expert:innen-Kommission Gas und Wärme ihre Empfehlungen für den Umgang mit den hohen Gaspreisen vorstellen. Im Fokus wird die sogenannte Gaspreisbremse stehen. Diese sollte in eine umfassendere, langfristigere Strategie eingebettet sein, in der besonders Maßnahmen zur Senkung des Verbrauchs priorisiert werden, empfehlen Mathias Koch und Johannes Schroeten vom Thinktank E3G.
Die EU-Klimaschutzverordnung ist von großer klimapolitischer Bedeutung, aber ihre laufende Überarbeitung bekommt kaum öffentliche Aufmerksamkeit. Dies ist ein Problem. Denn ohne öffentliche Debatte könnten wichtige Weichen der EU-Klimapolitik falsch gestellt werden. Nils Meyer-Ohlendorf vom Ecologic Institut macht in seinem Standpunkt Vorschläge für ein gutes Verhandlungsergebnis.
Warum der deutsche CO2-Preis trotz Energiekrise wie geplant angehoben werden sollte, begründen Anne Gläser und Oldag Caspar von der NGO Germanwatch in ihrem Standpunkt. Sie fürchten, dass das Einfrieren des CO2-Preises die Verlässlichkeit der Bundesregierung beim Klimaschutz infrage stellt und so wichtige Weichenstellungen entfallen. Das gefährde die Sicherheit von Klimainvestitionen.
„Das Solare Regierungsviertel“ war eine Konferenz und ein Aufbruchssignal. Worten folgten Taten. Was damals begonnen wurde, sollte heute endlich konsequent weitergeführt werden, fordert die Solararchitektin Astrid Schneider.
Eine Grönland-Reise ins vermeintlich ewige Eis beschreibt Anna Deparnay-Grunenberg, Abgeordnete der Grünen im Europäischen Parlament, in ihrem Standpunkt. Die Insel ist Schauplatz von Weltpolitik zwischen Klimawandel und geopolitischen sowie wirtschaftlichen Interessen. Es sei höchste Zeit, dass die EU ihre Rolle in der Arktis definiert, meint die Abgeordnete.
Das Potenzial von kommunalen Klimaschutzmaßnahmen ist enorm. Doch der Personalmangel und die fehlende Institutionalisierung von Klimaschutz auf kommunaler Ebene gefährden das Erreichen der deutschen Klimaziele, argumentieren Julian Thoss und Svenja Schuchmann vom Klima-Bündnis in ihrem Standpunkt. Neue kommunale Pflichtaufgaben könnten dieses Problem mit einer entsprechenden Bund-Länder-Finanzierung beheben.
CO2-Entnahmen werden ein zentrales Handlungsfeld der Klimapolitik. Trotzdem fehlen Basics in den Politikrahmen der Mitgliedsstaaten. Es gibt auch keine politische Diskussion über die CO2-Entnahme. Das ist ein Problem. Nils Meyer-Ohlendorf vom Ecologic Institut schlägt in seinem Standpunkt Lösungswege vor.
Für brachliegende Industrieanlagen gab es lange Zeit lediglich die Aussicht, als Industriedenkmal, Konsumtempel oder Kulturstätte wiederaufzuerstehen. Vor dem Hintergrund multipler Krisen bietet eine bedachte Revitalisierung von Industriestandorten in strukturschwachen Regionen die Möglichkeit, einen ökologischen Wandel einzuleiten und Zukunftsperspektiven zu eröffnen.
Naturschutz und Holznutzung werden in öffentlichen Debatten meist als konkurrierend oder gar gegensätzlich dargestellt, schreibt Denny Ohnesorge. Doch erst die Holznutzung schaffe Strukturen für mehr Biodiversität und sei Treiber des notwendigen Umbaus des Waldes. Notwendig, um den Wald als Klimaschützer resilienter vor den Folgen der Erderhitzung zu machen.
Der Ausbau der Erneuerbaren wird seit einem Jahrzehnt von einem Bürokratiedschungel und mangelnder Koordination gehemmt, meinen Hans-Josef Fell, Eicke Weber und Axel Berg. Für den richtigen Schub der Energiewende sollte die Regierung die Stelle einer oder eines Bundesbeauftragten für erneuerbare Energien schaffen, fordern sie.
Wie gesunde Böden dem Klimaschutz helfen können, ist gut erforscht, schreibt Frederick Büks von der TU Berlin. Doch statt dieses Wissen flächendeckend in die Tat umzusetzen, starte das Bundeslandwirtschaftsministerium jetzt wieder nur Pilotvorhaben. Wenn aber Investitionen und ordnungspolitische Maßnahmen für die Transformation der Landwirtschaft nicht kommen, verschwinden unsere Wälder und versteppen unsere Böden, warnt Büks.
Die Konsequenzen des Klimawandels sind ernst und machen sich im Gesundheitssystem schon jetzt bemerkbar. Entscheider:innen und Behandelnde wissen aber oft nicht, wo sie anfangen sollen, schreiben Lea Dohm und Mareike Schulze, Autorinnen des Buchs „Klimagefühle“. Wie man aus der Verdrängung oder Überforderung herauskommt und politische Strategien entwickelt, kann man aus der Psychologie lernen.
Die Windkraft ist in Europa ein entscheidender Faktor, um Energiesicherheit zu erreichen und Klimaschutz zu ermöglichen. In seinem Standpunkt legt der Vorstandsvorsitzende von Siemens Gamesa dar, welche konkreten Schritte notwendig sind, um den Ausbau in Deutschland und in der EU zu beschleunigen und die in Schwierigkeiten geratene Windindustrie zu stabilisieren.
Seit sechs Monaten wütet Russlands Krieg in der Ukraine. Zwar seien die Ukrainer:innen dankbar für die bisherige Unterstützung Deutschlands, schreibt Paul Grod vom Weltkongress der Ukrainer. Doch Deutschland müsse sich von russischen Energielieferungen unabhängig machen: Nur so kann der Westen standhaft bleiben, das internationale Sanktionsregime aufrechterhalten und Deutschland seinem Ruf als Verteidiger internationaler Rechte gerecht werden.
Natürlich müssen die kurzfristigen Probleme und die Gaskrise gelöst werden, meint Carolin Friedemann von der Initiative Klimaneutrales Deutschland (IKND) in ihrem Standpunkt. Aber der Ampelkoalition sei der Blick auf die langfristigen Ziele und den Weg dorthin verlorengegangen. Sie müsse endlich vom Krisenmodus in den Gestaltungsmodus Richtung Klimaneutralität schalten.
Das Konzept des Energy Sharings sieht vor, Wind- und Photovoltaikanlagen gemeinschaftlich zu errichten und den erzeugten Strom über das Verteilnetz den Mitgliedern von Erneuerbare-Energie-Gemeinschaften zur Verfügung zu stellen. Das EU-Recht unterstützt diesen Ansatz. Statt über Laufzeitverlängerungen für Akw zu diskutieren, sollte die Bundesregierung deshalb endlich einen funktionierenden Rechtsrahmen schaffen.
Deutschland muss angesichts der Klimakrise bis spätestens 2030 aus der Kohle aussteigen, meint Francesca Mascha Klein von der NGO ClientEarth. Eine nachhaltige und bezahlbare Energieversorgung gebe es nur mit Erneuerbaren. Um Rechts- und Planungssicherheit für die Energiewende zu gewährleisten, müsse die Bundesregierung die Überprüfung vorzeitiger Stilllegungen, wie im Koalitionsvertrag versprochen, noch dieses Jahr durchführen und konkrete Maßnahmen folgen lassen.
Die Bundesregierung erarbeitet derzeit die „Zukunftsstrategie“, mit der sie die Forschungs- und Innovationspolitik neu ausrichten will. Uwe Cantner, der Vorsitzende der Expertenkommission Forschung und Innovation (EFI), sieht im Klimawandel, im Verlust biologischer Vielfalt und in der demografischen Entwicklung zentrale Herausforderungen dafür.
Während in Deutschland darüber diskutiert wird, die Atomkraftwerke länger am Netz zu lassen, hat die französische Stromerzeugung einen neuen Tiefpunkt erreicht. Das Beispiel zeige, dass die Atomkraft all ihre Versprechen nicht gehalten hat, argumentieren BEE-Chefin Simone Peter (Grüne), Klaus Mindrup (SPD) und der Forscher Eicke Weber (FDP). Die Autoren sind sich parteiübergreifend einig, dass die Ampel jetzt alle Kraft in den Ausbau der erneuerbaren Energien stecken müsse.
Soll die EU dein Aufbau einer schlagkräftigen Solarindustrie durch Zölle auf Importe aus China unterstützen? Karl-Heinz Remmers warnt vor einem solchen Schritt. Das notwendige Marktwachstum sei dafür viel zu groß, und Solarzölle hätten sich in der Vergangenheit fatal ausgewirkt, schreibt der Solarunternehmer.
Obwohl die Erneuerbaren mittlerweile die günstigste Stromquelle sind, hakt es bei der Energiewende. Das jüngst verabschiedete Osterpaket ist ein Schritt in die richtige Richtung – aber es wird nicht reichen, um alle finanziellen, regulatorischen und gesellschaftlichen Hürden zu beseitigen, meint Pacifico-Gründer Ulf Oesterlin in seinem Standpunkt. Er identifiziert drei Felder, die essenziell sind, um die gesteckten Ziele der Energiewende in Deutschland realisieren zu können.
Die Debatte über einen Streckbetrieb der am Netz verbliebenen Atomkraftwerke bringt nichts als heiße Luft, schreibt DNR-Präsident Kai Niebert in seinem Standpunkt. In so einem Betrieb würden die Akw gar nicht genug Strom liefern und sie taugten nicht zur Deckung der Spitzenlast. Auch die Betreiber, argumentiert Niebert, würden die Meiler nicht länger am Netz sehen wollen. So seien es nur Lindner und Söder, die auf eine Laufzeitverlängerung spekulierten.
Die EU-Kommission hat ihre Zuständigkeit überschritten, als sie Kernenergie und Erdgas in die Taxonomie nachhaltiger Wirtschaftsaktivitäten aufnahm, argumentiert der Europa-Abgeordnete René Repasi. Er spricht sich dafür aus, vor dem Europäischen Gerichtshof dagegen vorzugehen.
Die Konfrontation mit Russland führt Deutschland seine riskante Energieabhängigkeit vor Augen. Damit es bei der Solarenergie nicht ähnlich brenzlig werden kann, müssen Deutschland und Europa eine eigenständige, von Asien weniger abhängige Solarindustrie schaffen, fordert Gunter Erfurt. Der CEO des Herstellers von Hochleistungs-Solarzellen und -modulen, Meyer Burger, ist überzeugt, dass dies unter den richtigen politischen Rahmenbedingungen möglich ist.
Markus Söders Forderung nach einer Laufzeitverlängerung sei kein Beitrag zu einer vernünftigen Energiepolitik, meint die grüne Bundestagsabgeordnete Lisa Badum. Sie schlägt in ihrem Standpunkt vor, Bayern zu einem Vorreiter bei den erneuerbaren Energien zu machen.
Kann Kanada mit zusätzlichen LNG-Lieferungen Deutschland und Europa aus der Klemme helfen? Vor dem Besuch des Bundeskanzlers warnt ein Abgeordneter aus Québec, Sylvain Gaudreault: Die Erwartungen sind fehlgeleitet. Weder bestehe in Kanada ausreichende Unterstützung für die Gasgewinnung und neue Pipelines, noch gehe es schnell genug, um die akute Gaskrise zu lösen.
Haushalte müssen schneller über ihre laufenden Heizkosten informiert werden, schreibt der Energieökonom Graham Weale in seinem Standpunkt. Er fordert die Bundesregierung auf, ein Gesetz zu verabschieden, das Energieversorger und Immobilienunternehmen verpflichtet, über die aktuellen Kosten und einfache Einsparmaßnahmen zu informieren.
Wirtschaftsminister Habeck hat zahlreiche Maßnahmen zum Energiesparen vorgestellt. Was fehlt ist ein Plan, um die vorhandene Energie effizienter zu nutzen. Das liege vor allem am deutschen Defizit bei intelligenten Stromzählern. Marion Nöldgen, Deutschland-Geschäftsführerin des Stromanbieters Tibber, macht in ihrem Standpunkt Vorschläge, was sich dringend ändern müsste.
Frist bis 13. Juli: Angesichts der bevorstehenden Abgabepflicht für Sektor-Sofortprogramme analysieren Brigitte Knopf und Marie Zeller vom MCC in ihrem Standpunkt die Gesamtbilanz der deutschen Klimapolitik. Die Umsetzungslücke sei sehr groß, stellen sie fest – und das CO2-Budget damit überstrapaziert. Die Bundesregierung gerät also unter Zugzwang.
Tschechien hat vergangene Woche die EU-Ratspräsidentschaft übernommen. Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, und Jan Philipp Albrecht, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, formulieren Empfehlungen dafür. Sie argumentieren, die europäische Antwort auf die Gasversorgungskrise müsse eine beschleunigte Energiewende sein. Neue Investitionen sollten grundsätzlich so ausgerichtet werden, dass sie die Klimaziele unterstützen und ihrem Erreichen nicht im Wege stehen.
Das Wind-an-Land-Gesetz wird im Sprintverfahren in das Osterpaket vorgezogen. Die Bundesregierung wird wieder zum Schrittmacher der Energiewende. Gleichzeitig lässt das hohe Tempo wenig Raum für den Rückgriff auf neue Pfade und Instrumente, meint Tibor Fischer von der Dena in seinem Standpunkt.
Die Gaskrise hat Europa im Griff, aber nun kommt noch ein zweites schwerwiegendes Problem hinzu: Frankreichs Atomkraftwerke liefern viel weniger Strom, und zwar wahrscheinlich auch im kommenden Winter. Das Hauptproblem sind Korrosionsschäden, schreiben Lion Hirth von der Hertie School und Ingmar Schlecht von der Schweizer ZHAW in ihrem Standpunkt. Ein Grund mehr für sie, auch im Strombereich drastisch Energie zu sparen.
Wenn Kanzler Scholz mit seinem Projekt eines Klimaclubs erfolgreich sein will, muss die deutsche G7 Präsidentschaft in den verbleibenden Monaten konkrete Schritte für die Umsetzung und Ausgestaltung vorlegen, argumentieren Aylin Shawkat und Domien Vangenechten von den Thinktanks Agora Industrie und E3G.
Es ist soweit: Die EEG-Umlage verschwindet. Sie wird am 1. Juli auf null gesetzt. Das sei trotz der historischen Erfolge des Systems für die Energiewende in Deutschland ein Meilenstein, schreibt Dena-Chef Andreas Kuhlmann in seinem Standpunkt. Jetzt müssten die nächsten Schritte auf dem Weg der integrierten Energiewende gegangen werden.
Die Energiepreise schlagen auf die Wirtschaft durch, die Effekte werden noch zunehmen. Wie also die Beschäftigung sichern? Enzo Weber plädiert in seinem Standpunkt für Produktionsprämien und erläutert das Konzept. Klug gestaltet, ließen sich damit auch unerwünschte Nebeneffekte wie verminderte Energieeinsparungen vermeiden.
Der größte Klima-Hebel in der Europäischen Union hat einen neuen Anstrich verpasst bekommen: Der Deal steht, der EU-Emissionshandel wird reformiert. Aber Grund zum Feiern gibt es wenig. Das 1,5-Grad-Klimaziel ist damit wohl nicht mehr erreichbar, meint der Grüne EU-Abgeordnete Michael Bloss.
Die europäische Klimaschutzverordnung (KVO) sieht bindende nationale Klimaziele für alle EU-Staaten vor. Eine Analyse des Kopernikus-Projekts Ariadne zeigt, dass fast alle gewinnen, wenn sie ihre Ziele in Form von Emissionsberechtigungen untereinander handeln. Dieser Handel, der auch notwendig ist für ein effektives Zusammenspiel zwischen KVO und dem ETS 2, fristet jedoch ein Schattendasein, erklärt ein Team Forschender um Mirjam Kosch vom PIK.
Gut, dass die G7 die Klimakrise angehen, schreiben Maria Mendiluce, CEO der We Mean Business Coalition sowie Sabine Nallinger, Vorständin der Stiftung KlimaWirtschaft. Doch auch und gerade die Wirtschaft erwarte noch entschlossenere Schritte. Zum Beispiel müsse auf dem bevorstehenden Gipfel in Elmau das Ziel 70 Prozent erneuerbarer Stromanteil bis 2030 beschlossen werden.
Mit dem Gesetzentwurf zur Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes (WindSeeG) droht fast unbeachtet die Reputation der Bundesrepublik als sicherer Investitionsstandort gefährdet zu werden, warnt Nigel Slater vom kanadischen Energieversorger Northland Power im Standpunkt. In der Frage der sogenannten Eintrittsrechte plane der Gesetzgeber, selbst gewährte Vereinbarungen und Eigentumsgarantien wissentlich zu übergehen.
Lebensmittelverschwendung ist ein unterschätzter Beitrag zur Klimakrise, meint Alexander Piutti von SPRK.global in seinem Standpunkt. Der Startup-Gründer fordert Transparenz- und Meldepflichten sowie ein Wegwerfverbot. Dann könnten digitale Lösungen das Problem drastisch reduzieren. Die Ampel-Koalition bleibe aber vage.
Der Krieg in der Ukraine wird auch dem Klimaschutz schaden, meint Jens Boysen-Hogrefe vom IfW Kiel und bezieht damit die Gegenposition zu einem Standpunkt von Christian von Hirschhausen. Er befürchtet eine Verlagerung von Produktion in Länder, die die CO2-Emissionen nicht regeln und gleichzeitig keine Sanktionen gegen Russland ausgesprochen haben. Auch in Deutschland und der EU verschöben sich die Prioritäten.
Gibt es trotz der dramatischen weltpolitischen Lage noch Hoffnungen auf Beschleunigung des Klimaschutzes? Christian von Hirschhausen ist dieser Überzeugung. Die globalen Klimaschutzverhandlungen seien im Kern nicht gefährdet, auf allen Ebenen wachse gleichzeitig die Unterstützung für erneuerbare Energien. Sie seien die einzige Alternative zum „fossil-fissilen“ Energiesystem, schreibt der Forscher von TU Berlin und DIW Berlin in seinem Standpunkt – eine Gegenmeinung folgt.
Ende Juni treffen sich die G7-Länder in Elmau. Die Gefahr ist nach Ansicht von Mats Engström vom European Council on Foreign Relations groß, dass Transformationshilfen für Schwellen- und Entwicklungsländer zu kurz kommen. Insbesondere Unterstützung bei der Entwicklung einer nachhaltigen Industrie wäre aus seiner Sicht entscheidend – und dafür gebe es viele Hebel.
Die Bundesregierung wählt mit dem Windenergie-auf-See-Gesetz ein rückwärtsgewandtes Fördermodell, welches SPD und Grüne vor zwei Jahren noch ablehnten, beklagt Stefan Thimm vom Betreiberverband BWO. Die zweite Gebotskomponente entziehe dem System Geld zugunsten des Haushalts, treibe die Kosten und verhindere überfällige Investitionen in die Flexibilisierung der Energieversorgung und die Wertschöpfungsketten.
Aus dem Bundeswirtschaftsministerium kommen klare Aussagen: Gasverteilnetze seien „nicht zukunftsfähig“. Timm Kehler, Vorstand von Zukunft Gas, hält scharf entgegen: Die Gasnetze seien wasserstofftauglich, würden für die Industrieversorgung benötigt und zudem stocke der Ausbau der Strominfrastruktur.