Obwohl die Erneuerbaren mittlerweile die günstigste Stromquelle sind, hakt es bei der Energiewende. Das jüngst verabschiedete Osterpaket ist ein Schritt in die richtige Richtung – aber es wird nicht reichen, um alle finanziellen, regulatorischen und gesellschaftlichen Hürden zu beseitigen, meint Pacifico-Gründer Ulf Oesterlin in seinem Standpunkt. Er identifiziert drei Felder, die essenziell sind, um die gesteckten Ziele der Energiewende in Deutschland realisieren zu können.
Die Debatte über einen Streckbetrieb der am Netz verbliebenen Atomkraftwerke bringt nichts als heiße Luft, schreibt DNR-Präsident Kai Niebert in seinem Standpunkt. In so einem Betrieb würden die Akw gar nicht genug Strom liefern und sie taugten nicht zur Deckung der Spitzenlast. Auch die Betreiber, argumentiert Niebert, würden die Meiler nicht länger am Netz sehen wollen. So seien es nur Lindner und Söder, die auf eine Laufzeitverlängerung spekulierten.
Die EU-Kommission hat ihre Zuständigkeit überschritten, als sie Kernenergie und Erdgas in die Taxonomie nachhaltiger Wirtschaftsaktivitäten aufnahm, argumentiert der Europa-Abgeordnete René Repasi. Er spricht sich dafür aus, vor dem Europäischen Gerichtshof dagegen vorzugehen.
Die Konfrontation mit Russland führt Deutschland seine riskante Energieabhängigkeit vor Augen. Damit es bei der Solarenergie nicht ähnlich brenzlig werden kann, müssen Deutschland und Europa eine eigenständige, von Asien weniger abhängige Solarindustrie schaffen, fordert Gunter Erfurt. Der CEO des Herstellers von Hochleistungs-Solarzellen und -modulen, Meyer Burger, ist überzeugt, dass dies unter den richtigen politischen Rahmenbedingungen möglich ist.
Markus Söders Forderung nach einer Laufzeitverlängerung sei kein Beitrag zu einer vernünftigen Energiepolitik, meint die grüne Bundestagsabgeordnete Lisa Badum. Sie schlägt in ihrem Standpunkt vor, Bayern zu einem Vorreiter bei den erneuerbaren Energien zu machen.
Kann Kanada mit zusätzlichen LNG-Lieferungen Deutschland und Europa aus der Klemme helfen? Vor dem Besuch des Bundeskanzlers warnt ein Abgeordneter aus Québec, Sylvain Gaudreault: Die Erwartungen sind fehlgeleitet. Weder bestehe in Kanada ausreichende Unterstützung für die Gasgewinnung und neue Pipelines, noch gehe es schnell genug, um die akute Gaskrise zu lösen.
Haushalte müssen schneller über ihre laufenden Heizkosten informiert werden, schreibt der Energieökonom Graham Weale in seinem Standpunkt. Er fordert die Bundesregierung auf, ein Gesetz zu verabschieden, das Energieversorger und Immobilienunternehmen verpflichtet, über die aktuellen Kosten und einfache Einsparmaßnahmen zu informieren.
Wirtschaftsminister Habeck hat zahlreiche Maßnahmen zum Energiesparen vorgestellt. Was fehlt ist ein Plan, um die vorhandene Energie effizienter zu nutzen. Das liege vor allem am deutschen Defizit bei intelligenten Stromzählern. Marion Nöldgen, Deutschland-Geschäftsführerin des Stromanbieters Tibber, macht in ihrem Standpunkt Vorschläge, was sich dringend ändern müsste.
Frist bis 13. Juli: Angesichts der bevorstehenden Abgabepflicht für Sektor-Sofortprogramme analysieren Brigitte Knopf und Marie Zeller vom MCC in ihrem Standpunkt die Gesamtbilanz der deutschen Klimapolitik. Die Umsetzungslücke sei sehr groß, stellen sie fest – und das CO2-Budget damit überstrapaziert. Die Bundesregierung gerät also unter Zugzwang.
Tschechien hat vergangene Woche die EU-Ratspräsidentschaft übernommen. Sascha Müller-Kraenner, Bundesgeschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe, und Jan Philipp Albrecht, Vorstand der Heinrich-Böll-Stiftung, formulieren Empfehlungen dafür. Sie argumentieren, die europäische Antwort auf die Gasversorgungskrise müsse eine beschleunigte Energiewende sein. Neue Investitionen sollten grundsätzlich so ausgerichtet werden, dass sie die Klimaziele unterstützen und ihrem Erreichen nicht im Wege stehen.
Das Wind-an-Land-Gesetz wird im Sprintverfahren in das Osterpaket vorgezogen. Die Bundesregierung wird wieder zum Schrittmacher der Energiewende. Gleichzeitig lässt das hohe Tempo wenig Raum für den Rückgriff auf neue Pfade und Instrumente, meint Tibor Fischer von der Dena in seinem Standpunkt.
Die Gaskrise hat Europa im Griff, aber nun kommt noch ein zweites schwerwiegendes Problem hinzu: Frankreichs Atomkraftwerke liefern viel weniger Strom, und zwar wahrscheinlich auch im kommenden Winter. Das Hauptproblem sind Korrosionsschäden, schreiben Lion Hirth von der Hertie School und Ingmar Schlecht von der Schweizer ZHAW in ihrem Standpunkt. Ein Grund mehr für sie, auch im Strombereich drastisch Energie zu sparen.
Wenn Kanzler Scholz mit seinem Projekt eines Klimaclubs erfolgreich sein will, muss die deutsche G7 Präsidentschaft in den verbleibenden Monaten konkrete Schritte für die Umsetzung und Ausgestaltung vorlegen, argumentieren Aylin Shawkat und Domien Vangenechten von den Thinktanks Agora Industrie und E3G.
Es ist soweit: Die EEG-Umlage verschwindet. Sie wird am 1. Juli auf null gesetzt. Das sei trotz der historischen Erfolge des Systems für die Energiewende in Deutschland ein Meilenstein, schreibt Dena-Chef Andreas Kuhlmann in seinem Standpunkt. Jetzt müssten die nächsten Schritte auf dem Weg der integrierten Energiewende gegangen werden.
Die Energiepreise schlagen auf die Wirtschaft durch, die Effekte werden noch zunehmen. Wie also die Beschäftigung sichern? Enzo Weber plädiert in seinem Standpunkt für Produktionsprämien und erläutert das Konzept. Klug gestaltet, ließen sich damit auch unerwünschte Nebeneffekte wie verminderte Energieeinsparungen vermeiden.
Der größte Klima-Hebel in der Europäischen Union hat einen neuen Anstrich verpasst bekommen: Der Deal steht, der EU-Emissionshandel wird reformiert. Aber Grund zum Feiern gibt es wenig. Das 1,5-Grad-Klimaziel ist damit wohl nicht mehr erreichbar, meint der Grüne EU-Abgeordnete Michael Bloss.
Die europäische Klimaschutzverordnung (KVO) sieht bindende nationale Klimaziele für alle EU-Staaten vor. Eine Analyse des Kopernikus-Projekts Ariadne zeigt, dass fast alle gewinnen, wenn sie ihre Ziele in Form von Emissionsberechtigungen untereinander handeln. Dieser Handel, der auch notwendig ist für ein effektives Zusammenspiel zwischen KVO und dem ETS 2, fristet jedoch ein Schattendasein, erklärt ein Team Forschender um Mirjam Kosch vom PIK.
Gut, dass die G7 die Klimakrise angehen, schreiben Maria Mendiluce, CEO der We Mean Business Coalition sowie Sabine Nallinger, Vorständin der Stiftung KlimaWirtschaft. Doch auch und gerade die Wirtschaft erwarte noch entschlossenere Schritte. Zum Beispiel müsse auf dem bevorstehenden Gipfel in Elmau das Ziel 70 Prozent erneuerbarer Stromanteil bis 2030 beschlossen werden.
Mit dem Gesetzentwurf zur Novelle des Windenergie-auf-See-Gesetzes (WindSeeG) droht fast unbeachtet die Reputation der Bundesrepublik als sicherer Investitionsstandort gefährdet zu werden, warnt Nigel Slater vom kanadischen Energieversorger Northland Power im Standpunkt. In der Frage der sogenannten Eintrittsrechte plane der Gesetzgeber, selbst gewährte Vereinbarungen und Eigentumsgarantien wissentlich zu übergehen.
Lebensmittelverschwendung ist ein unterschätzter Beitrag zur Klimakrise, meint Alexander Piutti von SPRK.global in seinem Standpunkt. Der Startup-Gründer fordert Transparenz- und Meldepflichten sowie ein Wegwerfverbot. Dann könnten digitale Lösungen das Problem drastisch reduzieren. Die Ampel-Koalition bleibe aber vage.
Der Krieg in der Ukraine wird auch dem Klimaschutz schaden, meint Jens Boysen-Hogrefe vom IfW Kiel und bezieht damit die Gegenposition zu einem Standpunkt von Christian von Hirschhausen. Er befürchtet eine Verlagerung von Produktion in Länder, die die CO2-Emissionen nicht regeln und gleichzeitig keine Sanktionen gegen Russland ausgesprochen haben. Auch in Deutschland und der EU verschöben sich die Prioritäten.
Gibt es trotz der dramatischen weltpolitischen Lage noch Hoffnungen auf Beschleunigung des Klimaschutzes? Christian von Hirschhausen ist dieser Überzeugung. Die globalen Klimaschutzverhandlungen seien im Kern nicht gefährdet, auf allen Ebenen wachse gleichzeitig die Unterstützung für erneuerbare Energien. Sie seien die einzige Alternative zum „fossil-fissilen“ Energiesystem, schreibt der Forscher von TU Berlin und DIW Berlin in seinem Standpunkt – eine Gegenmeinung folgt.
Ende Juni treffen sich die G7-Länder in Elmau. Die Gefahr ist nach Ansicht von Mats Engström vom European Council on Foreign Relations groß, dass Transformationshilfen für Schwellen- und Entwicklungsländer zu kurz kommen. Insbesondere Unterstützung bei der Entwicklung einer nachhaltigen Industrie wäre aus seiner Sicht entscheidend – und dafür gebe es viele Hebel.
Die Bundesregierung wählt mit dem Windenergie-auf-See-Gesetz ein rückwärtsgewandtes Fördermodell, welches SPD und Grüne vor zwei Jahren noch ablehnten, beklagt Stefan Thimm vom Betreiberverband BWO. Die zweite Gebotskomponente entziehe dem System Geld zugunsten des Haushalts, treibe die Kosten und verhindere überfällige Investitionen in die Flexibilisierung der Energieversorgung und die Wertschöpfungsketten.
Aus dem Bundeswirtschaftsministerium kommen klare Aussagen: Gasverteilnetze seien „nicht zukunftsfähig“. Timm Kehler, Vorstand von Zukunft Gas, hält scharf entgegen: Die Gasnetze seien wasserstofftauglich, würden für die Industrieversorgung benötigt und zudem stocke der Ausbau der Strominfrastruktur.
Alte Vorbehalte statt neuen Denkens: Die Ampel-Koalition vernachlässigt die Möglichkeiten der Bioenergie-Nutzung sträflich, meint Uwe Welteke-Fabricius vom Netzwerk Flexperten in seinem Standpunkt. Sogar die Wasserstoff-Expansion könne man sich sparen, wenn unter anderem durch Reststoffe die Potenziale nachhaltiger Bioenergie gehoben würden.
Der Wandel zu einer nachhaltigen Wirtschaft ist aufgrund des Klimawandels alternativlos. Wir müssen unsere Anstrengungen intensivieren, um Emissionen zu senken und gleichzeitig die Energiesicherheit zu wahren. Dabei könne die Chemie eine entscheidende Rolle spielen – wenn man sie lasse, argumentiert Denise Dignam vom US-Chemiekonzern Chemours.
Erst nach zähen Verhandlungen wurden die Mittel für die internationale Klimafinanzierung in diesem Jahr im Bundeshaushalt erhöht. Doch das reicht noch lange nicht, schreibt die Bundestagsabgeordnete Kathrin Henneberger (Grüne) in ihrem Standpunkt. Deutschlands Beitrag müsse doppelt so hoch sein wie bisher.
Ein schneller Ausbau der Photovoltaik kann die Abhängigkeit von fossilen Brennstoffen aus Russland reduzieren und zum Erreichen des 1,5 Grad-Ziels beitragen, ist Andreas Schwarzenbrunner vom Frühphaseninvestor Speedinvest überzeugt. Er plädiert dafür, die Innovationskraft von Start-ups zu nutzen.
Die Bundesregierung steht als Präsidentschaft der G7 vor einer enormen Verantwortung. Sie muss eine Renaissance der Kohle verhindern, den Schutz der Menschenrechte in Lieferketten durchsetzen sowie ein ökologischeres und Ernährungssicherheit gewährendes Agrarsystem auf den Weg bringen, schreiben David Ryfisch, Cornelia Heydenreich und Konstantinos Tsilimekis von Germanwatch in ihrem Standpunkt.
Das von Teilen der Bundesregierung geplante Ende der Biokraftstoffproduktion schadet dem Regenwald und der Sicherung von Energie und Nahrung. In ihrem Standpunkt begründen Georg Gruber und Hans-Josef Fell, warum fossile Energie aus Russland sowie Palmöl und Soja aus dem Regenwald durch heimische Produkte ersetzt werden sollten.
Der Umweltausschusses des Europäischen Parlaments hat seine Reformvorschläge für die EU-Klimaschutzverordnung vorgelegt. Diese enthalten wichtige Verbesserungen, sind aber insgesamt enttäuschend, meint Nils Meyer-Ohlendorf vom Ecologic Institut.
Die bisherige Debatte über die Folgen eines Gasembargos gegen Russland verstellt nicht nur den Blick auf die Kosten der LNG-basierten Strategie der Bundesregierung, sondern auch auf die verpassten politischen Chancen. Um eine höhere geopolitische Unabhängigkeit und eine Beschleunigung der Energiewende zu erreichen, braucht Deutschland ein verpflichtendes, rasch wirksames Notfallprogramm zur Gaseinsparung, schreiben Mathias Koch und Brick Medak vom Thinktank E3G.
Das Bundeswirtschaftsministerium schenkt dem Thema CO2-Speicher noch nicht die nötige Aufmerksamkeit, moniert Erika Bellmann, Geschäftsführerin der deutschen Repräsentanz der norwegischen Umweltstiftung Bellona. Sie vermisst die im Koalitionsvertrag angekündigte Carbon Management Strategie und einen neuerlichen Dialog mit der Zivilgesellschaft. Die Unternehmen stünden in den Startlöchern.
Das Krisenmanagement der Bundesregierung dreht sich um Energielieferungen, den Ausbau der Erneuerbaren und um Sektorkopplung. Henning Ellermann und Christian Noll von der DENEFF vermissen die – eigentlich doch schon lange angekündigte – Effizienzoffensive.
Direkte Stromnutzung und Energiesparen sind keine geeigneten Leitprinzipien der Energiewende – sie stehen sogar im Weg, meinen die vier Autoren Alexander Voigt, Simon Schäfer-Stradowsky, Ove Petersen und Stephan Breidenbach. Sie haben sechs teils kontroverse Thesen für eine effektive Energiewende verfasst.
Kostensenkungen um jeden Preis bei den Erneuerbaren haben als Leitmotiv deutscher Energiepolitik ausgedient, meint Jürgen Zeschky, neuer CEO beim deutschen Windradhersteller Enercon. In Zukunft gehe es darum, durch strategische Industriepolitik die heimische Wertschöpfung zu stärken. Die Windindustrie sei bereit, den Produktions-Turbo zu zünden – wobei unabwendbare Mehrkosten in den Lieferketten fair verteilt werden müssten, etwa durch die Koppelung der Vergütung an Rohstoffpreis-Indizes.
Putins Krieg gegen die Ukraine ist ein Angriff auf Europas Freiheit, Demokratie und unser friedliches Miteinander. Eine der wichtigsten Fragen lautet dabei aus Sicht des Europarlamentariers Michael Bloss: Wie schieben wir die europäische Energiewende an, um unabhängiger zu werden? Grundpfeiler des Vorhabens müsse ein europäischer Solarplan sein, ein Booster für Europas Dächer – der europäische Solar-Act.
Ist der vieldiskutierte Fachkräftemangel wirklich der limitierende Faktor beim deutlich schnelleren Ausbau der Solarenergie in Deutschland? Fabian Zuber, Karl-Heinz Remmers und Bernhard Strohmayer, die beim „PV Think Tank" mitarbeiten, halten in ihrem Standpunkt das Argument für vorgeschoben. Schon in der Vergangenheit habe sich gezeigt, dass hohe Installationsraten möglich seien. Vielmehr blockiere die überbordende Regulierung – und da könne die Politik Abhilfe schaffen.
Das große Bild: Lisa Strippchen und Martin Albicker von der Dena zeigen in ihrem Standpunkt, wo die Schwerpunkte gesetzt werden müssen, um möglichst schnell von russischem Öl und Gas loszukommen. Kurzfristig sind Verhaltensänderungen aus ihrer Sicht entscheidend. Mittel- und langfristig müssen strukturelle Veränderungen folgen – und zwar in einer Geschwindigkeit und mit einer Entschlossenheit, die in Friedenszeiten nicht zu erreichen ist.
Windräder, Solardächer und Wärmepumpen fallen nicht vom Himmel. Um die Klimaziele im Gebäudebereich zu erreichen, braucht das Handwerk Arbeitskräfte – dafür müssen sich die Arbeitgeber bewegen und muss die Politik einen geeigneten Rahmen setzen, fordert Stefan Körzell, DGB-Bundesvorstandsmitglied.
Heute jährt sich die Atomkatastrophe von Tschernobyl. Während in der Ukraine Reaktoren zur Kriegsbeute werden, mehren sich in Europa die Stimmen, die Atomkraft als Weg in die Unabhängigkeit von russischen Energieimporten zu sehen. Das aber wäre ein Irrweg – auch mit sehr konkretem Schaden für die Energiewende, wie aktuell das Beispiel Frankreich zeigt, meint Sönke Tangermann, Vorstand bei der Ökoenergiegenossenschaft Green Planet Energy.
Mit Modellprojekten und ambitionierten Zielen ist es beim kommunalen Klimaschutz nicht getan, meint Leon Leuser vom Jacques Delors Institute in seinem Standpunkt. Entscheidend sei, die Rahmenbedingungen für lokale Akteure so zu verändern, dass Klimaschutz rational, kostengünstig und einfach ist. Dafür sieht er zahlreiche Stellschrauben.
Der Unternehmer Horst Kreuter fürchtet, dass trotz Aufbruchsstimmung in der Energie- und Klimapolitik die Geothermie links liegen gelassen wird. Sie biete große Potenziale, in Deutschland fehle aber die regulatorische Unterstützung. Beschleunigte Genehmigungsverfahren, Roadmap und Geothermie-Gipfel könnten den notwendigen Umschwung bringen, argumentiert er in seinem Standpunkt.
Die Preise für Energie spiegeln nicht die tatsächlichen Folgekosten für Umwelt und Gesundheit wider, meint Jochen Wermuth, Gründer der Wermuth Asset Management. Der wirkungsorientierte Klimainvestor plädiert für höhere Abgaben auf CO2-Emissionen. Geld, das als Klima- und Friedensdividende an die Bürger ausgeschüttet werden sollte.
Die fortgesetzte Förderung von Kraft-Wärme-Kopplung mit Erdgaseinsatz hält Carsten Pfeiffer vom BNE für einen groben Fehler im Osterpaket. Die Entscheidung sei vermutlich nicht einmal bewusst gefällt worden – gefährde nun aber Klimaziele und Sicherheitsinteressen gleichermaßen. Pfeiffer plädiert für ein Ende des KWKG in seiner bisherigen, erdgasbasierten Form.
Wärmepumpen sind im Kontext der Energiewende schon seit längerem ein großes Thema, nun rücken sie mehr denn je in den Fokus. In der Tat haben Wärmepumpen das Potenzial, das Rückgrat einer erneuerbaren Wärmeversorgung in Deutschland zu werden, argumentiert Matthias Sandrock vom Hamburg Institut in seinem Standpunkt. Hierbei seien längst noch nicht alle Quellen ausgeschöpft – das Stichwort laute Trinkwasser-Infrastruktur.
Miteinander, nicht gegeneinander: Thomas König, bei Eon Chief Operating Officer für die Stromnetze, plädiert in seinem Standpunkt für mehr Tempo und mehr Unterstützung beim Verteilnetzausbau. Denn die Gefahr sei groß, dass er dem Ausbau der erneuerbaren Energien hinterherhinke. Der neue Bundesnetzagentur-Präsident Klaus Müller müsse darauf achten, nicht weiterhin die kurzfristige Kosteneffizienz in den Mittelpunkt der Regulierung zu stellen.
Das von der Bundesregierung geplante Ausschreibungsdesign für Offshore-Windparks präferiert ganz klar Akteure, die mit spekulativen Angeboten um jeden Preis gewinnen wollen, erklärt Vattenfalls Bereichsleiterin Catrin Jung in ihrem Standpunkt. Auf solch ein spekulatives Wettrennen könne und würde sich das Unternehmen nicht einlassen.
Der Ukrainekrieg stellt eine Bedrohung für die globale Nahrungsmittelsicherheit dar, und es muss jetzt gehandelt werden, damit nicht Millionen Menschen in Hungersnöte gestürzt werden. Ein Stopp der Verbrennung von Lebensmitteln in Autos ist eine schnell umsetzbare und wirksame Maßnahme. Der Markt wird es nicht regeln, meint DUH-Geschäftsführer Sascha Müller-Kraenner.
Das Zusammenspiel von Solaranlage, Batterie und Ladestation ist entscheidend dafür, den Solarausbau zu beschleunigen und den Verbrauch von Gas zu senken. Doch die deutsche Regulierung behindere „Prosumer“ immer noch massiv, meint Markus Meyer vom Solardienstleister Enpal in seinem Standpunkt. Ihnen drohe zum Beispiel der Verlust der EEG-Vergütung. Zügige Korrekturen seien gefragt.
Gas und Öl finanzieren nicht nur den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine mit, sie liegen auch an der Wurzel des Übels: Autoritarismus und fehlende Demokratie. Dekarbonisierung ist nicht nur eine klimapolitische Notwendigkeit, sondern auch eine Agenda für Demokratie und damit für Frieden, schreibt Nils Meyer-Ohlendorf vom Ecologic Institut in seinem Standpunkt.
In Brüssel wird über schwerwiegende Eingriffe in die Energiemärkte diskutiert – einige EU-Länder greifen bereits zu solchen Maßnahmen. Christoph Maurer, Geschäftsführer des Beratungsunternehmens Consentec, hält diese Reflexe für gefährlich. Er plädiert in seinem Standpunkt dafür, so weit wie möglich Marktmechanismen und Preise wirken zu lassen. Eingriffe seien in aller Regel kontraproduktiv.
Was die Ampel-Koalition auf den Tisch gelegt hat, reicht hinten und vorne nicht, um den notwendigen Ausbau der Photovoltaik anzuschieben, meint Christian Rahn in seinem Standpunkt. Der Deutschland-Geschäftsführer des Solar-Dienstleisters Otovo fordert fünf Notfall-Maßnahmen, unter anderem eine deutliche Erhöhung der Einspeisevergütung und eine Ausbildungsoffensive – sonst droht aus seiner Sicht der „Installationsinfarkt“.
Der Grünen-Politiker Anton Hofreiter fordert von der Bundesregierung ein Energie-Embargo gegen Russland. In seinem Standpunkt vertritt er die Meinung, dass Deutschland die wirtschaftlichen Folgen eines Embargos verkraften könne. Er höre er von den EU-Partnern immer wieder: „We all wait for Germany.”
Angesichts der Preissprünge auf den Märkten gibt es die Forderung, die Produktion von Biokraftstoffen aus Agrarrohstoffen einzustellen. Elmar Baumann vom Biokraftstoffverband hält dagegen: Die bereits laufende Marktanpassung sorgt schnell und zielgerichtet für den notwendigen Ausgleich. Eine zeitweilige Aussetzung der Quoten für Biokraftstoffe würde dagegen Schaden anrichten und das Ziel verfehlen, die Ernährungslage zu verbessern.
Kluge und kurzfristig umsetzbare Maßnahmen können die Energiesouveränität Deutschlands in der Ukrainekrise fördern und finanzielle Härten abfedern, meinen Jan Minx und Tarun Khanna vom Klimaforschungsinstitut MCC. Information, Abrechnung und Rabatte seien dafür entscheidend. Die Bundesregierung müsse schnell Maßnahmenpakete schnüren.
Mit dem Vorschlag, einen Zertifizierungsrahmen für die Entnahme von Kohlendioxid (CO2) aus der Atmosphäre zu entwickeln, hat die Europäische Kommission einen wichtigen Prozess angestoßen, meint Venna von Lepel von der Pflanzenkohle-Handelsplattform NovoCarbo in ihrem Standpunkt. Allerdings scheine es in der Politik noch an einem klaren Verständnis zu mangeln, welche Potentiale und Herausforderungen mit großen CO2-Senken verbunden sind.
Mit werteorientierter Außenpolitik, die sich die Ampelkoalition auf die Fahnen geschrieben hat, steht man moralisch immer auf der richtigen Seite. Doch so einfach sei die Welt leider nicht, meint Dennis Becher von Enplify. Kanzler Scholz (SPD) und Wirtschaftsminister Habeck (Grüne) beziehen aus seiner Sicht seit Russlands Angriff überraschend klar realpolitische Positionen und schützen Deutschland damit vor unkalkulierbaren Risiken. Jetzt gelte es, diesen Weg konsequent zu Ende zu gehen.
Bei der intelligenten Steuerung des Stromsystems ging es in den ersten 100 Tagen der Ampel-Koalition eher schleppend voran, schreibt Andrew Mack in seinem Standpunkt. Versorgungssicherheit und die gerechte Aufteilung von Kosten und Entlastungen im Energiebereich würden die Ankündigungen aus dem Koalitionsvertrag überlagern, meint der CEO von Octopus Energy Deutschland.
Um Deutschland wirksam und zügig aus der Abhängigkeit fossiler Rohstofflieferungen aus autoritären Regimen zu lösen, braucht es zusätzliche Investitionen, mahnt Nabu-Präsident Jörg-Andreas Krüger in seinem Standpunkt. Gas- und Ölheizungen im Neubau müssten sofort verboten und 100 Milliarden Mehrausgaben in vier Jahren mobilisiert werden. Im neuen Haushalt sei davon aber nichts zu sehen.
Die Reaktion auf die Energiepreiskrise und auch die bisherige Förderung und Regulierung lassen den sozialen Ausgleich viel zu stark außen vor, meint Andreas Jahn von RAP. Die „Spritpreisbremse“ ist aus seiner Sicht symptomatisch für die Kurzfristigkeit und fehlende Gerechtigkeit der Maßnahmen. Es braucht jetzt sofort einen Neuanfang, fordert er in seinem Standpunkt.
Der Angriff auf die Ukraine macht schnelle Energieeinsparungen notwendig. Sophia Becker und Ortwin Renn vom IASS richten in ihrem Standpunkt den Blick auf den Energiekonsum. Mit den richtigen Anreizen lasse sich der Verbrauch senken, ohne dass dabei problematische soziale Belastungen entstünden. Dafür brauche es aber Maßnahmen wie zum Beispiel die Unterscheidung in eine Komfort- und eine Grundversorgung.
Russisches Gas kann nicht vollständig ersetzt werden, meint Michèle Knodt, Professorin der TU Darmstadt, in ihrem Standpunkt. Sie hält anderweitige Aussagen für zu optimistisch. Nord Stream 1 allein könnte allerdings kompensiert werden. Bei Gaseinsparungen hält Knodt Effizienzförderung für besonders wirksam – und natürlich müssten die erneuerbaren Energien ausgebaut werden.
Eine passgenaue, bürgernahe Beratungsoffensive zum Energiesparen fordern Tanja Loitz und Sebastian Metzger von co2online. Diese könnte kurzfristig Einsparpotenziale mobilisieren und erste Erfolge schon in der nächsten Heizperiode zeigen.